Inventur 2026: Arten, Ablauf, Inventurerleichterungen und Checkliste für Unternehmen

Inventur 2026: Übersicht der Inventurformen, Inventurarten und Inventurverfahren

Die Inventur ist die vollständige Bestandsaufnahme aller Vermögensgegenstände und Schulden eines Unternehmens zu einem bestimmten Stichtag. Sie bildet die Grundlage für das Inventar, die Bilanz und den Jahresabschluss. Ohne ordnungsgemäße Inventur ist eine richtige Bewertung von Warenbeständen, Rohstoffen, unfertigen Erzeugnissen, fertigen Erzeugnissen, Anlagevermögen, Forderungen, Verbindlichkeiten und Kassenbeständen kaum möglich.

Die Inventur ist deshalb nicht nur eine organisatorische Pflichtaufgabe zum Jahresende, sondern ein zentrales Kontrollinstrument für Buchführung, Warenwirtschaft, Lager, Controlling und Steuerprüfung. Fehlerhafte Inventuren können zu falschen Gewinnen, fehlerhaften Steuererklärungen, Hinzuschätzungen und Problemen bei Betriebsprüfungen führen.

Kurzüberblick: Kaufleute müssen zu Beginn ihres Handelsgewerbes und zum Schluss jedes Geschäftsjahres ihre Vermögensgegenstände und Schulden genau verzeichnen. Je nach Unternehmen kommen körperliche Inventur, Buchinventur, Anlageninventur, Stichtagsinventur, zeitnahe Inventur, permanente Inventur, zeitverschobene Inventur oder Stichprobeninventur in Betracht.

Infografik: Inventur in 6 Schritten durchführen

1. Planung Inventurstichtag, Inventurbereiche, Verantwortliche, Zeitplan und Inventuranweisung festlegen.
2. Vorbereitung Lager aufräumen, Artikel kennzeichnen, Fremdbestände trennen und Aufnahmebereiche sperren.
3. Aufnahme Bestände zählen, messen, wiegen oder durch Buchinventur und Anlagenkartei nachweisen.
4. Kontrolle Zählteams, Kontrollzählungen, Plausibilitätsprüfungen und Differenzlisten einsetzen.
5. Bewertung Anschaffungs- oder Herstellungskosten, Niederstwertprinzip, Schwund und veraltete Ware prüfen.
6. Dokumentation Inventurlisten, Protokolle, Korrekturen, Freigaben und Buchungen revisionssicher archivieren.

Was ist eine Inventur?

Eine Inventur ist die Bestandsaufnahme des gesamten Vermögens und der Schulden eines Unternehmens zu einem bestimmten Zeitpunkt. Dabei werden körperliche Gegenstände wie Waren, Rohstoffe, Maschinen, Fahrzeuge, Kassenbestand und Betriebsausstattung erfasst. Nicht körperliche Werte wie Forderungen, Bankguthaben oder Verbindlichkeiten werden durch Buchinventur anhand von Belegen, Kontoauszügen, Verträgen und Buchungsunterlagen nachgewiesen.

Inventur-Grundsatz:
Vermögensgegenstände und Schulden müssen nach Art, Menge und Wert vollständig, richtig, nachvollziehbar und prüfbar erfasst werden.

Das Ergebnis der Inventur ist das Inventar. Das Inventar ist ein geordnetes Bestandsverzeichnis und bildet die Grundlage für die Bilanz. Die Bilanz verdichtet die Einzelaufzeichnungen des Inventars zu Bilanzposten.

Inventur, Inventar und Bilanz: Wo liegt der Unterschied?

Begriff Bedeutung Praxisbeispiel
Inventur Vorgang der Bestandsaufnahme. Waren zählen, Maschinen aufnehmen, Forderungen abstimmen.
Inventar Ergebnis der Inventur als detailliertes Bestandsverzeichnis. Liste mit Vermögen, Schulden und Reinvermögen.
Bilanz Gegenüberstellung von Vermögen und Kapital in verdichteter Form. Aktiva und Passiva im Jahresabschluss.

Das Inventar enthält die einzelnen Vermögensgegenstände und Schulden nach Art, Menge und Wert. Die Bilanz übernimmt diese Informationen zusammengefasst in Bilanzpositionen. Deshalb muss das Inventar so aussagekräftig sein, dass ein sachverständiger Dritter die Werte der Bilanz nachvollziehen kann.

Wer muss eine Inventur durchführen?

Grundsätzlich müssen buchführungspflichtige Kaufleute und bilanzierende Unternehmen eine Inventur durchführen. Das betrifft insbesondere eingetragene Kaufleute, Personenhandelsgesellschaften, Kapitalgesellschaften und Unternehmer, die steuerlich zur Buchführung verpflichtet sind.

Unternehmen / Person Inventurpflicht? Hinweis
GmbH, UG, AG Ja Kapitalgesellschaften sind regelmäßig bilanzierungs- und inventurpflichtig.
OHG, KG, GmbH & Co. KG Ja Kaufmännische Buchführung und Inventar erforderlich.
Eingetragener Kaufmann Ja, außer bei Befreiung nach § 241a HGB Kleine Einzelkaufleute können befreit sein, wenn die Schwellenwerte eingehalten werden.
Gewerbetreibende nach § 141 AO Ja, nach Aufforderung / Buchführungspflicht Steuerliche Buchführungspflicht bei Überschreiten der Grenzen prüfen.
Freiberufler mit EÜR Regelmäßig keine HGB-Inventur Anlageverzeichnis, Belege und betriebliche Aufzeichnungen bleiben erforderlich.
Kleinunternehmer mit EÜR Regelmäßig keine vollständige Inventur Warenbestände, Anlagegüter und Nachweise sollten dennoch geordnet dokumentiert werden.
Praxis-Hinweis: Auch wenn keine formale HGB-Inventur erforderlich ist, können Bestandsaufnahmen für Waren, Anlagevermögen, Kasse oder Materialien steuerlich sinnvoll sein. Das gilt besonders bei E-Commerce, Handel, Gastronomie, Handwerk und Unternehmen mit Warenlager.

Gesetzliche Grundlagen der Inventur

Die zentrale handelsrechtliche Vorschrift ist § 240 HGB. Danach hat jeder Kaufmann zu Beginn seines Handelsgewerbes und für den Schluss eines jeden Geschäftsjahres seine Vermögensgegenstände und Schulden genau zu verzeichnen. § 241 HGB enthält Inventurvereinfachungsverfahren, zum Beispiel Stichprobeninventur, permanente Inventur und zeitverschobene Inventur.

Rechtsgrundlage Inhalt Praxisrelevanz
§ 240 HGB Inventar zu Beginn des Handelsgewerbes und zum Schluss jedes Geschäftsjahres. Grundnorm für Inventur und Inventar.
§ 241 HGB Inventurvereinfachungsverfahren. Stichprobeninventur, permanente Inventur und zeitverschobene Inventur.
§ 241a HGB Befreiung kleiner Einzelkaufleute. Relevant bei Umsatzerlösen bis 800.000 € und Jahresüberschuss bis 80.000 €.
§ 242 HGB Pflicht zur Aufstellung von Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung. Inventurwerte fließen in den Jahresabschluss ein.
§ 256 HGB Bewertungsvereinfachungsverfahren. FIFO-/LIFO-Verfahren bei gleichartigen Vorräten.
§ 147 AO / § 257 HGB Aufbewahrung von Inventaren und Unterlagen. Inventare und wichtige Organisationsunterlagen sind regelmäßig 10 Jahre aufzubewahren.

Inventurmethoden: körperliche Inventur, Buchinventur und Anlageninventur

Je nach Vermögensart kommen unterschiedliche Inventurmethoden zum Einsatz. Körperliche Gegenstände werden regelmäßig gezählt, gemessen oder gewogen. Forderungen, Verbindlichkeiten und Bankguthaben werden anhand der Buchführung und Belege nachgewiesen.

Methode Geeignet für Durchführung
Körperliche Inventur Waren, Rohstoffe, Hilfsstoffe, Betriebsstoffe, fertige und unfertige Erzeugnisse, Kasse. Zählen, Wiegen, Messen, Schätzen nach anerkannten Verfahren.
Buchinventur Bankguthaben, Forderungen, Verbindlichkeiten, Darlehen, Rückstellungen. Abstimmung mit Kontoauszügen, Saldenbestätigungen, Verträgen und Nebenbüchern.
Anlageninventur Maschinen, Fahrzeuge, Betriebs- und Geschäftsausstattung, IT, Werkzeuge. Anlagenverzeichnis, Standortkontrolle, Inventarnummer und körperliche Prüfung.
Stichprobeninventur Große Lagerbestände bei geeigneter Datenbasis. Mathematisch-statistische Verfahren mit Aussagewert wie Vollinventur.
Wichtig: Die Inventur muss vollständig und nachprüfbar sein. Schätzungen sind nur zulässig, wenn sie sachgerecht, dokumentiert und mit den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung vereinbar sind.

Inventurarten: Welche Inventurverfahren gibt es?

Die Wahl des richtigen Inventurverfahrens hängt von Lagerstruktur, Warenart, Warenwirtschaft, Unternehmensgröße, Personal, IT-Systemen und Prüfungsrisiko ab.

Stichtagsinventur

Die Bestände werden am Bilanzstichtag oder zeitnah dazu aufgenommen. Sie ist der klassische Regelfall für kleinere und mittlere Unternehmen.

Zeitnahe Inventur

Durchführung regelmäßig innerhalb von 10 Tagen vor oder nach dem Bilanzstichtag. Bestandsveränderungen sind fortzuschreiben oder zurückzurechnen.

Zeitverschobene Inventur

Körperliche Aufnahme innerhalb der letzten 3 Monate vor oder der ersten 2 Monate nach dem Bilanzstichtag mit wertmäßiger Fortschreibung oder Rückrechnung.

Permanente Inventur

Laufende Lagerbuchführung mit mindestens einer körperlichen Kontrolle je Wirtschaftsjahr. Geeignet bei zuverlässiger Warenwirtschaft.

Stichprobeninventur

Mathematisch-statistische Bestandsermittlung. Zulässig nur, wenn der Aussagewert einer körperlichen Inventur gleichkommt.

Buchinventur

Ermittlung nicht körperlicher Vermögenswerte und Schulden anhand von Aufzeichnungen, Belegen, Kontoauszügen und Saldenbestätigungen.

Stichtagsinventur und zeitnahe Inventur

Bei der Stichtagsinventur wird der Bestand zum Bilanzstichtag festgestellt. Die körperliche Aufnahme muss nicht zwingend exakt am Bilanzstichtag erfolgen. In der Praxis wird häufig eine zeitnahe Inventur innerhalb von 10 Tagen vor oder nach dem Bilanzstichtag durchgeführt.

Bestandsveränderungen zwischen Inventurtag und Bilanzstichtag müssen durch Belege und Aufzeichnungen zuverlässig berücksichtigt werden. Dazu gehören insbesondere Wareneingänge, Warenausgänge, Retouren, Umlagerungen, Produktion, Schwund und Stornierungen.

Prüfpunkt Was ist zu dokumentieren?
Inventurtag Datum, Uhrzeit, Aufnahmebereich und verantwortliche Personen.
Bestandsveränderungen Wareneingänge, Warenausgänge, Retouren und Umlagerungen bis zum Bilanzstichtag.
Abgrenzung Ware unterwegs, Fremdbestände, Konsignationsware, Kommissionsware.
Kontrolle Kontrollzählungen, Differenzlisten und Freigabe durch Inventurleitung.

Zeitverschobene Inventur

Bei der zeitverschobenen Inventur kann die körperliche Bestandsaufnahme ganz oder teilweise in den letzten drei Monaten vor oder in den ersten zwei Monaten nach dem Bilanzstichtag erfolgen. Der am Inventurstichtag aufgenommene Bestand wird wertmäßig auf den Bilanzstichtag fortgeschrieben oder zurückgerechnet.

Vereinfachtes Fortschreibungsschema:
Wert am Inventurstichtag
+ Zugänge bis Bilanzstichtag
− Abgänge bis Bilanzstichtag
= Wert am Bilanzstichtag

Die zeitverschobene Inventur ist vor allem bei größeren Lagern sinnvoll, wenn eine vollständige Inventur am Bilanzstichtag organisatorisch schwierig wäre. Sie setzt jedoch eine ordnungsgemäße Buchführung über die Bestandsbewegungen voraus.

Achtung: Für bestimmte steuerliche Bewertungen oder Vergünstigungen kann es erforderlich sein, den tatsächlichen Bestand am Bilanzstichtag nach Art und Menge festzustellen. Eine rein wertmäßige Fortschreibung reicht dann nicht immer aus.

Permanente Inventur

Bei der permanenten Inventur wird der Bestand laufend in Lagerbüchern, Lagerkarteien oder einem Warenwirtschaftssystem geführt. Der Bestand am Bilanzstichtag kann dann aus den fortlaufenden Aufzeichnungen abgeleitet werden.

Voraussetzungen der permanenten Inventur

  • Alle Zu- und Abgänge werden einzeln nach Tag, Art und Menge erfasst.
  • Alle Bewegungen sind belegmäßig nachweisbar.
  • Mindestens einmal im Wirtschaftsjahr erfolgt eine körperliche Bestandsaufnahme.
  • Abweichungen zwischen Soll- und Istbestand werden aufgeklärt und berichtigt.
  • Der Tag der körperlichen Aufnahme wird im System oder in den Lagerunterlagen dokumentiert.
  • Inventurprotokolle werden unterzeichnet und aufbewahrt.
Vorteil Risiko
Entlastung am Bilanzstichtag. Hohe Anforderungen an laufende Lagerbuchführung.
Kontinuierliche Bestandskontrolle. Fehlerhafte Buchungen wirken sich unmittelbar auf den Bilanzbestand aus.
Gute Integration in ERP- und Warenwirtschaftssysteme. Systeme müssen revisionssicher, vollständig und nachvollziehbar geführt werden.

Stichprobeninventur

Bei der Stichprobeninventur wird nicht jeder einzelne Artikel körperlich aufgenommen. Stattdessen wird der Bestand mithilfe anerkannter mathematisch-statistischer Verfahren ermittelt. Das Verfahren muss den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung entsprechen und einen Aussagewert haben, der einer vollständigen körperlichen Bestandsaufnahme gleichkommt.

Die Stichprobeninventur eignet sich vor allem für große Unternehmen mit umfangreichen, gut strukturierten und systematisch geführten Lagerbeständen. Sie setzt eine hohe Datenqualität, klare Artikelstruktur und dokumentierte statistische Methode voraus.

Praxis-Tipp: Vor Einführung einer Stichprobeninventur sollten Methode, Grundgesamtheit, Stichprobenumfang, Fehlergrenzen, IT-Auswertung und Dokumentation mit Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder Inventurspezialist abgestimmt werden.

Inventurerleichterungen, Festwert und Gruppenbewertung

Inventurerleichterungen sollen Unternehmen entlasten, ohne die Aussagekraft des Inventars zu beeinträchtigen. Sie dürfen nur angewendet werden, wenn die Voraussetzungen erfüllt und die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung eingehalten werden.

Erleichterung Anwendung Voraussetzung
Festwert Sachanlagevermögen sowie Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe. Regelmäßiger Ersatz, geringe Wertschwankung und nachrangige Bedeutung für das Unternehmen.
Gruppenbewertung Gleichartige oder annähernd gleichartige Vermögensgegenstände. Bewertung mit gewogenem Durchschnittswert oder geeigneter Gruppenbildung.
Zusammenfassung von Gesamtanlagen Technisch zusammenhängende Anlagen, Leitungen oder Betriebsvorrichtungen. Einheitliche Abschreibung und sachgerechte Dokumentation.
GWG und Sammelposten Geringwertige bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens. Steuerliche Sonderregeln und Verzeichnisanforderungen beachten.
Laufendes Bestandsverzeichnis Bewegliches Anlagevermögen. Anschaffung, Herstellung, Abgang, Buchwert und Standort laufend dokumentieren.

Festwertinventur

Bei zulässiger Festwertbewertung wird davon ausgegangen, dass bestimmte Bestände in Menge und Wert nur geringen Schwankungen unterliegen. Trotzdem ist regelmäßig eine körperliche Kontrolle erforderlich. Ergibt sich eine wesentliche Abweichung, muss der Festwert angepasst werden.

Gruppenbewertung

Gleichartige oder annähernd gleichartige Vermögensgegenstände können zu Gruppen zusammengefasst werden. Die Bewertung erfolgt dann nicht zwingend einzeln, sondern nach einem sachgerechten Durchschnitts- oder Gruppenwert.

Wann sind permanente oder zeitverschobene Inventur nicht zulässig?

Permanente und zeitverschobene Inventurverfahren sind nicht für alle Bestände geeignet. Besondere Vorsicht gilt bei schwer kontrollierbaren Abgängen, leicht verderblichen Waren oder besonders wertvollen Wirtschaftsgütern.

Bestand / Wirtschaftsgut Warum kritisch?
Waren mit erheblichem Schwund Bestände können nicht zuverlässig fortgeschrieben werden.
Leicht verderbliche Waren Verderb, Ausschuss und Qualitätsveränderungen müssen zeitnah festgestellt werden.
Bestände mit Verdunstung oder Gewichtsverlust Physische Mengenveränderungen sind schwer beherrschbar.
Besonders wertvolle Wirtschaftsgüter Erhöhtes Prüfungs- und Verlustrisiko erfordert genaue Aufnahme.
Unzuverlässige Lagerbuchführung Ohne korrekte Bewegungsdaten keine ordnungsgemäße Fortschreibung.
Prüfungsrisiko: Wird ein Vereinfachungsverfahren angewendet, obwohl die Voraussetzungen nicht erfüllt sind, kann die Inventur verworfen werden. Das kann zu Hinzuschätzungen und Korrekturen des Jahresabschlusses führen.

Inventur organisieren: Ablauf und Verantwortlichkeiten

Eine ordnungsgemäße Inventur benötigt klare Zuständigkeiten, Inventuranweisungen, vorbereitete Aufnahmebereiche und kontrollierbare Aufnahmeunterlagen. Je größer das Unternehmen, desto wichtiger sind Inventurplan, Schulung und Nachkontrolle.

Inventurablauf in der Praxis

  1. Inventurleitung bestimmen: Verantwortliche Person für Planung, Durchführung und Freigabe benennen.
  2. Inventurplan erstellen: Stichtag, Bereiche, Teams, Zeiten, Unterbrechungen und Sperrzeiten festlegen.
  3. Inventuranweisung formulieren: Zählregeln, Bewertungsregeln, Korrekturen und Unterschriften regeln.
  4. Lager vorbereiten: Aufräumen, beschriften, Fremdbestände trennen, beschädigte Ware kennzeichnen.
  5. Aufnahmeteams einteilen: Zählende und kontrollierende Personen trennen.
  6. Bestände erfassen: Artikelnummer, Bezeichnung, Menge, Einheit, Zustand, Lagerort und Besonderheiten dokumentieren.
  7. Differenzen prüfen: Soll-Ist-Abgleich, Nachzählungen und Freigabe der Korrekturen.
  8. Bewertung durchführen: Anschaffungs-/Herstellungskosten, Niederstwert, Abschläge und Schwund berücksichtigen.
  9. Buchhalterisch erfassen: Inventurdifferenzen, Bestandsveränderungen und Wertberichtigungen buchen.
  10. Unterlagen archivieren: Inventurlisten, Protokolle, Freigaben und Auswertungen geordnet aufbewahren.
Praxis-Tipp: Erstellen Sie vor der Inventur eine schriftliche Inventuranweisung. Diese sollte insbesondere Zuständigkeiten, Zählmethoden, Bewertung, Umgang mit beschädigter Ware, Fremdbeständen, Retouren, Ware unterwegs und Korrekturen regeln.

Inventurliste: Excel-Vorlage und Pflichtangaben

Für kleine Unternehmen genügt häufig eine sauber geführte Inventurliste in Excel oder einem Tabellenprogramm. Wichtig ist, dass die Liste vollständig, nachvollziehbar und gegen nachträgliche unkontrollierte Änderungen abgesichert ist.

Spalte Inhalt Beispiel
Artikelnummer Eindeutige Nummer oder SKU. ART-0001
Artikelbezeichnung Name oder Beschreibung des Artikels. Ersatzteil A
Kategorie Warengruppe oder Lagerbereich. Rohstoffe
Lagerort Regal, Fach, Standort oder Filiale. Lager 1 / Regal B
Menge Gezählter Bestand. 100
Einheit Stück, kg, Liter, Meter. Stück
Einzelwert Anschaffungs- oder Herstellungskosten je Einheit. 5,00 €
Gesamtwert Menge × Einzelwert. 500,00 €
Zustand Neu, beschädigt, veraltet, unverkäuflich. veraltet
Aufnehmer / Prüfer Unterschrift oder digitale Freigabe. M. Müller / S. Schmidt
Achtung Bewertung: Für die steuerliche und handelsrechtliche Inventur ist nicht der Verkaufspreis maßgeblich, sondern grundsätzlich der zutreffende Wertansatz nach Anschaffungs- oder Herstellungskosten sowie gegebenenfalls niedrigeren Wertansätzen.

Digitale Inventur mit Scanner, ERP und Warenwirtschaft

Moderne Inventuren werden häufig mit Barcode-Scannern, mobilen Geräten, ERP-Systemen oder Warenwirtschaftssoftware durchgeführt. Digitale Verfahren können Fehler reduzieren, müssen aber ebenfalls ordnungsgemäß dokumentiert und prüfbar sein.

Digitaler Bereich Anforderung
Barcode / QR-Code Artikel müssen eindeutig identifizierbar sein.
ERP / Warenwirtschaft Zu- und Abgänge müssen vollständig und zeitnah erfasst werden.
Benutzerrechte Änderungen sollten nachvollziehbar und protokolliert sein.
Exportdateien Inventurdaten müssen archiviert und später lesbar sein.
Verfahrensdokumentation Der digitale Inventurprozess sollte schriftlich beschrieben werden.
Praxis-Tipp: Sichern Sie nicht nur die finale Inventurliste, sondern auch Zählprotokolle, Differenzlisten, Systemexporte, Bewertungsprotokolle und Freigaben.

Bewertung der Bestände und Inventurdifferenzen

Nach der mengenmäßigen Aufnahme folgt die Bewertung. Vorräte sind grundsätzlich mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten anzusetzen. Bei Wertminderungen, Beschädigung, Veralterung, Preisverfall oder eingeschränkter Verkäuflichkeit sind Abschläge zu prüfen.

Bewertungsthema Praxisrelevanz
Anschaffungskosten Kaufpreis zuzüglich Anschaffungsnebenkosten abzüglich Preisnachlässen.
Herstellungskosten Material, Fertigung, angemessene Gemeinkosten und gesetzliche Bewertungsregeln prüfen.
Niederstwertprinzip Niedrigere Werte bei Wertminderung, Verderb oder gesunkenem Marktwert prüfen.
Inventurdifferenzen Schwund, Diebstahl, Bruch, Fehlbuchungen oder falsche Einheiten aufklären.
Unfertige Erzeugnisse Fertigungsgrad, Materialeinsatz und anteilige Herstellungskosten dokumentieren.

Weitere Informationen: Bilanz und Jahresabschluss sowie Buchhaltung richtig organisieren.

Aufbewahrung von Inventurunterlagen

Inventare, Inventurlisten, Organisationsunterlagen, Arbeitsanweisungen und wesentliche Nachweise zur Inventur sind geordnet aufzubewahren. Die Aufbewahrung muss so erfolgen, dass die Unterlagen während der Aufbewahrungsfrist verfügbar, lesbar und prüfbar bleiben.

Unterlage Aufbewahrung Hinweis
Inventar regelmäßig 10 Jahre Grundlage für Bilanz und Jahresabschluss.
Inventurlisten und Zählprotokolle regelmäßig 10 Jahre, soweit Teil des Inventars oder Nachweisunterlage Unterschriften, Freigaben und Korrekturen sichern.
Inventuranweisung regelmäßig 10 Jahre, soweit zum Verständnis erforderlich Wichtig für Betriebsprüfung und Nachvollziehbarkeit.
Buchungsbelege zu Inventurdifferenzen regelmäßig 8 Jahre Aktuelle verkürzte Frist für Buchungsbelege beachten.
Digitale Systemexporte fristgerecht und lesbar archivieren Format, Änderungsprotokoll und Zugriff sicherstellen.

Häufige Fehler bei der Inventur

Organisationsfehler

  • Keine schriftliche Inventuranweisung.
  • Unklare Zuständigkeiten.
  • Aufnahmebereiche nicht gesperrt.
  • Fremdbestände werden mitgezählt.
  • Ware unterwegs wird nicht abgegrenzt.

Aufnahmefehler

  • Doppelerfassungen oder fehlende Lagerorte.
  • Falsche Mengeneinheiten.
  • Keine Kontrollzählungen.
  • Beschädigte oder veraltete Ware nicht gekennzeichnet.
  • Korrekturen ohne Dokumentation.

Bewertungsfehler

  • Bewertung mit Verkaufspreisen statt Anschaffungs- oder Herstellungskosten.
  • Keine Abschläge für veraltete oder beschädigte Ware.
  • Nicht aufgeklärte Inventurdifferenzen.
  • Falsche Aktivierung von Anlagegütern.
  • Keine Abstimmung mit Buchhaltung und Warenwirtschaft.
Folge fehlerhafter Inventur: Fehlt eine körperliche Bestandsaufnahme oder weist das Inventar wesentliche formelle oder materielle Mängel auf, kann die Ordnungsmäßigkeit der Buchführung in Frage stehen. In der Betriebsprüfung drohen Korrekturen und Hinzuschätzungen.

Downloads und Arbeitshilfen zur Inventur

Checkliste für eine ordnungsgemäße Inventur

  1. Inventurpflicht prüfen: HGB, AO, Rechtsform und Gewinnermittlungsart.
  2. Inventurverfahren auswählen: Stichtag, zeitnah, permanent, zeitverschoben oder Stichprobe.
  3. Inventurleiter und Verantwortliche benennen.
  4. Inventuranweisung schriftlich erstellen.
  5. Inventurbereiche, Lagerorte und Teams festlegen.
  6. Fremdbestände, Kommissionsware und Konsignationsware trennen.
  7. Ware unterwegs, Retouren und Umlagerungen abgrenzen.
  8. Aufnahmeunterlagen vorbereiten und fortlaufend nummerieren.
  9. Artikelnummer, Bezeichnung, Menge, Einheit, Lagerort und Zustand erfassen.
  10. Zählungen durch Unterschrift oder digitale Freigabe bestätigen.
  11. Kontrollzählungen und Plausibilitätsprüfungen durchführen.
  12. Inventurdifferenzen klären und dokumentieren.
  13. Bewertung mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten vornehmen.
  14. Abwertungen wegen Beschädigung, Veralterung oder Unverkäuflichkeit prüfen.
  15. Bestandsveränderungen zwischen Inventurtag und Bilanzstichtag erfassen.
  16. Inventurwerte mit Buchhaltung und Warenwirtschaft abstimmen.
  17. Inventurlisten, Protokolle, Freigaben und Systemexporte archivieren.
  18. Inventurprozess für das nächste Jahr verbessern.

Beratung zur Inventur und Jahresabschlusserstellung

Eine ordnungsgemäße Inventur ist für Bilanz, Jahresabschluss, Steuererklärung und Betriebsprüfung entscheidend. Besonders bei Warenlagern, E-Commerce, Gastronomie, Produktion, Handwerk, mehreren Standorten, ERP-Systemen oder hohen Inventurdifferenzen sollte die Inventur frühzeitig geplant und dokumentiert werden.

Wir unterstützen Unternehmen bei der Inventurorganisation, Inventuranweisung, Abstimmung von Warenwirtschaft und Buchhaltung, Bewertung von Vorräten, Aufklärung von Inventurdifferenzen und Erstellung des Jahresabschlusses.

FAQ zur Inventur

Was ist eine Inventur?

Eine Inventur ist die vollständige Bestandsaufnahme der Vermögensgegenstände und Schulden eines Unternehmens zu einem bestimmten Stichtag. Sie dient der Erstellung des Inventars und bildet die Grundlage für die Bilanz.

Was ist der Unterschied zwischen Inventur und Inventar?

Die Inventur ist der Vorgang der Bestandsaufnahme. Das Inventar ist das Ergebnis dieser Bestandsaufnahme, also das geordnete Verzeichnis aller Vermögensgegenstände und Schulden.

Wer muss eine Inventur durchführen?

Inventurpflichtig sind grundsätzlich buchführungspflichtige Kaufleute und bilanzierende Unternehmen. Kleine Einzelkaufleute können nach § 241a HGB befreit sein, wenn die gesetzlichen Umsatz- und Gewinngrenzen nicht überschritten werden.

Welche Inventurarten gibt es?

Wichtige Inventurarten sind Stichtagsinventur, zeitnahe Inventur, permanente Inventur, zeitverschobene Inventur und Stichprobeninventur. Zusätzlich unterscheidet man körperliche Inventur, Buchinventur und Anlageninventur.

Muss die Inventur genau am Bilanzstichtag stattfinden?

Nein. Eine zeitnahe Inventur kann regelmäßig innerhalb von 10 Tagen vor oder nach dem Bilanzstichtag durchgeführt werden. Bestandsveränderungen zwischen Inventurtag und Bilanzstichtag müssen zuverlässig dokumentiert werden.

Was ist eine permanente Inventur?

Bei der permanenten Inventur werden Bestände laufend in Lagerbüchern oder einem Warenwirtschaftssystem geführt. Mindestens einmal im Jahr muss durch körperliche Aufnahme geprüft werden, ob die Buchbestände mit den tatsächlichen Beständen übereinstimmen.

Was ist eine zeitverschobene Inventur?

Bei der zeitverschobenen Inventur erfolgt die körperliche Aufnahme innerhalb der letzten drei Monate vor oder der ersten zwei Monate nach dem Bilanzstichtag. Der Wert wird auf den Bilanzstichtag fortgeschrieben oder zurückgerechnet.

Was ist eine Stichprobeninventur?

Bei der Stichprobeninventur wird der Bestand mithilfe anerkannter mathematisch-statistischer Verfahren ermittelt. Der Aussagewert muss dem einer vollständigen körperlichen Inventur gleichkommen.

Wie lange müssen Inventurunterlagen aufbewahrt werden?

Inventare und wesentliche Inventurunterlagen sind regelmäßig 10 Jahre aufzubewahren. Buchungsbelege zu Inventurdifferenzen sind regelmäßig 8 Jahre aufzubewahren.

Was passiert bei einer fehlerhaften Inventur?

Eine fehlerhafte Inventur kann die Ordnungsmäßigkeit der Buchführung beeinträchtigen. Bei wesentlichen Mängeln drohen Korrekturen im Jahresabschluss, steuerliche Mehrbelastungen und Hinzuschätzungen in der Betriebsprüfung.

Weitere Informationen und Steuerrechner

Weitere hilfreiche Informationen:

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle steuerliche oder handelsrechtliche Beratung. Ob und in welcher Form eine Inventur durchzuführen ist, hängt von Rechtsform, Kaufmannseigenschaft, Buchführungspflicht, Gewinnermittlungsart, Lagerstruktur, Warenwirtschaft, Bilanzierung und konkretem Einzelfall ab.


Haftungsausschluss: Die auf dieser Webseite bereitgestellten Informationen und Inhalte wurden mit großer Sorgfalt erstellt. Dennoch können wir keine Gewähr für die Vollständigkeit, Richtigkeit oder Aktualität übernehmen. Diese Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine individuelle steuerliche Beratung. Für eine persönliche Beratung und maßgeschneiderte Lösungen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.



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Kontakt: Bitte nur per E-Mail
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