Einnahmenüberschussrechnung


Inhalt:


Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) für Freiberufler, Kleinunternehmer und Kleingewerbe

auf dieser Seite erfahren Sie, was eine Einnahmenüberschussrechnung (kurz EÜR) ist und wann Sie diese Gewinnermittlungsart nach § 4 Abs. 3 EStG (auch einfache Buchführung genannt - im Gegensatz zur doppelten Buchführung) erstellen dürfen. Ich erkäre Ihnen die wichtigsten Bestandteile einer EÜR und die Besonderheiten der Gewinnermittlung. Außerdem finden Sie hier eine Excel Vorlage für die Einnahmenüberschussrechnung.


Einnahmenüberschussrechnung

Einnahmenüberschussrechnung Freeware, Excel, Formular, Mustervorlage + Anlage EÜR


 

Was ist eine Einnahmenüberschussrechnung?

Definition Einnahmenüberschussrechnung: Die EÜR ist eine "vereinfachte" Form der Gewinnermittlung: Der Gewinn (oder auch der Verlust) wird ermittelt, indem man von den Betriebseinnahmen die Betriebsausgaben abzieht.


Das klingt erstmal ganz einfach. Die Besonderheit der EÜR, in Abgrenzung zur regulären Bilanz, liegt darin, dass Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben grundsätzlich in den Kalenderjahren zu erfassen sind, in denen sie zugeflossen bzw. abgeflossen sind und zwar unabhängig davon, zu welchem Wirtschaftsjahr diese Betriebseinnahmen oder Betriebsausgaben jeweils wirtschaftlich gehören.


Beispiel: Wenn z. B. ein Unternehmer in seinem Ladenlokal in Düsseldorf Elektrogeräte verkauft, und dieser Unternehmer die Rechnung über die Gebäudeversicherung in Höhe von 896 EUR für den Zeitraum vom 1.8.2016 bis zum 30.7.2017 am 10.8.2016 von der Versicherung per Post erhält, und selbige 2 Tage später per Überweisung vom betrieblichen Bankkonto bezahlt, so ist der Betrag von 896 EUR in voller Höhe im Jahr 2016 im Rahmen der EÜR als Betriebsausgaben zu erfassen. Würde dieser Aufwand im Rahmen eines bilanzierenden Unternehmers anfallen, so müsste der Betrag von 896 EUR zeitanteilig auf die Jahre verteilt werden, denen er wirtschaftlich zuzurechnen wäre. Das würde bedeuten, 5/12 (5 Monate, August bis Dezember) des Aufwands wären im Jahr 2016 als Betriebsausgaben zu berücksichtigen und 7/12 (7 Monate, Januar bis Juli) des Aufwands wären im Jahr 2017 zu berücksichtigen.


Hinweis: Die Einnahmenüberschussrechnung muss nach dem amtlich vorgeschriebenen Vordruck (Anlage EÜR) erstellt werden und dient der Ermittlung des steuerlichen Gewinns.


Gesetzliche Definition - Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG

Die Einnahmenüberschussrechnung ist in § 4 Abs. 3 Einkommensteuergesetz (EStG) geregelt. Diese Gewinnermittlung wird daher auch "4(3)-Rechnung" genannt.:

Steuerpflichtige, die nicht auf Grund gesetzlicher Vorschriften verpflichtet sind, Bücher zu führen und regelmäßig Abschlüsse zu machen (Buchführungspflicht), und die auch keine Bücher führen und keine Abschlüsse machen, können als Gewinn den Überschuss der Betriebseinnahmen über die Betriebsausgaben ansetzen. Hierbei scheiden Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben aus, die im Namen und für Rechnung eines anderen vereinnahmt und verausgabt werden (durchlaufende Posten). Die Vorschriften über die Absetzung für Abnutzung oder Substanzverringerung sind zu befolgen. Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten für nicht abnutzbare Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens sind erst im Zeitpunkt der Veräußerung oder Entnahme dieser Wirtschaftsgüter als Betriebsausgaben zu berücksichtigen. Die nicht abnutzbaren Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens sind unter Angabe des Tages der Anschaffung oder Herstellung und der Anschaffungs- oder Herstellungskosten oder des an deren Stelle getretenen Werts in besondere, laufend zu führende Verzeichnisse aufzunehmen.


Muster Gewinnermittlung nach Einnahmenueberschussrechnung:

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Wann dürfen bzw. müssen Sie den Gewinn mit einer Einnahmenüberschussrechnung bzw. Bilanz ermitteln?

Wer nicht auf Grund gesetzlicher Vorschriften verpflichtet ist Bücher zu führen und regelmäßig Abschlüsse zu machen und dies auch nicht freiwillig macht, kann den Gewinn als Überschuss der Betriebseinnahmen über die Betriebsausgaben ermitteln. Eine Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) dürfen Sie also nur erstellen, wenn Sie nicht gesetzlich zur Buchhaltung verpflichtet sind. Die Buchführungspflicht kann sich sowohl aus dem


Es dürfen also nur Nicht-Kaufleute, die auch nicht unter die steuerlichen Buchführungsgrenzen fallen, sowie alle Freiberufler eine Einnahmenüberschussrechnung erstellen.



Achtung: Wer freiwillig Aufzeichnungen führt, so dass ohne weiteres eine Bilanz erstellt werden kann (Forderung und Verbindlichkeit), der muss dann auch bilanzieren und darf keine Einnahmenüberschussrechnung erstellen!


Tipp: Berechnen Sie den Übergangsgewinn von EÜR zur Bilanz und umgekehrt


Was ist der Unterschied zwischen einer Einnahmenüberschussrechnung zur Bilanz

Durch die Einnahmeüberschussrechnung wird kein besonderer Gewinnbegriff geschaffen, es werden lediglich die Betriebseinnahmen den Betriebsausgaben gegenübergestellt. Besonderheit: Es gilt das Zufluss- bzw. das Abflussprinzip ....


Bestandskonten und Inventur sind im Gegensatz zur Bilanzierung nicht erforderlich (Achtung: Dennoch müssen die Vorschriften für das Kassenbuch beachtet werden). Die Begriffe Betriebseinnahmen, Betriebsausgaben, Betriebsvermögen, Privatvermögen, Anschaffungskosten, Herstellungskosten, Teilwert, Absetzung für Abnutzung bzw. Sonderabschreibungen, Investitionsabzugsbetrag, usw. sind identisch wie bei der Bilanzierung. Ein abweichendes Wirtschaftsjahr vom Kalenderjahr ist nicht möglich. Der Gewinnermittlungszeitraum ist zwingend das Kalenderjahr.


Betriebseinnahmen + Betriebsausgaben

  • Zu den Betriebseinnahmen bei der Einnahmenüberschussrechnung gehört alles, was im Rahmen des Betriebs in Form von Geld oder Gütern zufließt (BFH-Urteil vom 17. 4. 86, BStBl 1986 II S. 607). Zu den Betriebseinnahmen gehört bei der Einnahmenüberschussrechnung auch die vereinnahmte Umsatzsteuer und ist nicht - wie bei der Bilanzierung - als durchlaufender Posten bzw. Verbindlichkeit zu buchen. Betriebseinnahmen sind z.B.

    • Honorare, Provisionen und Entgelte für Dienstleistungen oder Waren

    • Einnahmen aus dem Verkauf von Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens

    • Miet-, Pacht- und Zinseinnahmen

    • erhaltene Anzahlungen, Abschlagszahlungen und Vorschüsse

    • Umsatzsteuer, Umsatzsteuererstattungen des Finanzamts

    • Unentgeltliche Nutzungsüberlassung (Eigenverbrauch) oder Entnahme von Waren bzw. Dienstleistungen

  • Betriebsausgaben bei der Einnahmenüberschussrechnung sind alle Aufwendungen, die durch den Betrieb veranlasst sind, wie z.B. für:

    • Aufwendungen für Waren, Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe

    • Personal- und Mietkosten

    • Zinsen

    • Abschreibungen

    • betriebliche Steuern

    • verausgabte Umsatzsteuer und Vorsteuer

    • Aufwendungen für die betriebliche Nutzung von Wirtschaftsgütern, die zum Privatvermögen des Unternehmers gehören

    • Restbuchwerte abnutzbarer Wirtschaftsgüter/Buchwerte nicht abnutzbarer Wirtschaftsgüter bei Verkauf oder Entnahme

  • Nicht abzugsfähig sind die Aufwendungen nach § 4 Abs. 5 EStG. Außerdem ist das Abzugsverbot für teilweise privat veranlasste Aufwendungen nach § 12 EStG zu beachten. Anschaffungskosten für abnutzbares Anlagevermögen darf nur in Form von Absetzungen für Abnutzung (AfA) berücksichtigt werden (siehe AfA-Tabelle und auch Investitionsabzugsbetrag auf Photovoltaik-Anlagen). Für nicht abnutzbares Anlagevermögen (immaterielle Wirtschaftsgüter und Grund und Boden) darf keine AfA abgesetzt werden.


Anlagevermögen in der EÜR

Erwerben Sie als EÜR-Rechner Anlagevermögen (das sind Wirtschaftsgüter, die dauerhaft dem Betrieb dienen), so wirkt sich die Zahlung des eigentlichen Nettokaufpreises nicht auf die Betriebsausgaben oder Betriebseinnahmen bei Kauf aus. Vielmehr wirkt sich lediglich die gezahlte Umsatzsteuer im Rahmen ihrer Abzugsfähigkeit als Vorsteuer aus. Des Weiteren wirkt sich die Abschreibung dieses gekauften Wirtschaftsguts im Jahr der Anschaffung und in den darauffolgenden Jahren, mit dem jährlichen Abschreibungsbetrag im Rahmen des Betriebsausgabenabzugs, aus.


Beispiel: Wenn ein Unternehmer z. B. am 2.3.2016 ein Regal zum Preis von 1.800 EUR zuzüglich 19 % Umsatzsteuer für sein Ladengeschäft kauft, um mithilfe dieses Regals seine Waren, welche zur Veräußerung bestimmt sind, zu präsentieren, so kauft er mit dem Regal Anlagevermögen, da dieses Regal dauerhaft im Betrieb verbleibt. Die Nutzungsdauer des Regals beträgt 10 Jahre (ein Wert, der von der Finanzverwaltung vorgegeben wird). Der Regalkauf wirkt sich auf die EÜR für das Jahr 2016 wie folgt aus:

• Kaufpreis netto: 1.800 EUR (Keine Auswirkung)

• Umsatzsteuer: 342 EUR (Betriebsausgabe)

• Abschreibung: 150 EUR (Betriebsausgabe)

Die Abschreibung für das Regal für das Jahr 2016 errechnet sich wie folgt:

• Kaufpreis netto: 1.800 EUR : 10 Jahre Nutzungsdauer = 180 EUR x 10/12 (zeitanteilig für 10 Monate, da das Regal erst ab März abgeschrieben werden kann) = 150 EUR

Wird das Regal in den Folgejahren veräußert, so wird der dafür erhaltene Kaufpreis als Betriebseinnahme berücksichtigt und der zu diesem Zeitpunkt vorhandene Restbuchwert des Regals wird als Betriebsausgabe verbucht.


In Konsequenz bedeutet dies, dass bei jeder Kaufentscheidung des Unternehmers, der seine Gewinnermittlung im Rahmen der Erstellung einer EÜR aufstellt, Anlagegüter immer in dem Bewusstsein gekauft werden sollten, dass diese sich nicht sofort bei Anschaffung in voller Kaufpreishöhe als Betriebsausgaben auswirken.


Ausnahme Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG): . Nach § 6 Abs. 2 EStG können die Anschaffungs-/ Herstellungskosten bzw. der Einlagewert von abnutzbaren, beweglichen und einer selbständigen Nutzung fähigen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens in voller Höhe als Betriebsausgaben abgezogen werden, wenn die um einen enthaltenen Vorsteuerbetrag verminderten Anschaffungs-/Herstellungskosten bzw. deren Einlagewert für das einzelne Wirtschaftsgut 410 Euro (seit 2018: 800 Euro netto) nicht übersteigen. Hinweis: Aufwendungen für GWG von mehr als 150 € sind in ein besonderes, laufend zu führendes Verzeichnis aufzunehmen. In der Anlage AVEÜR erfolgt keine Eintragung der GWG. Für abnutzbare, bewegliche und selbständig nutzungsfähige Wirtschaftsgüter, deren Anschaffungs-/Herstellungskosten bzw. deren Einlagewert 150 €, aber nicht 1.000 € übersteigen, kann nach § 6 Abs. 2a EStG im Wj. der Anschaffung/Herstellung oder Einlage auch ein Sammelposten gebildet werden. Dieses Wahlrecht kann nur einheitlich für alle im Wj. angeschafften/hergestellen bzw. eingelegten Wirtschaftsgüter in Anspruch genommen werden. Im Fall der Bildung eines Sammelpostens können daher im Wirtschaftsjahr lediglich die Aufwendungen für Wirtschaftsgüter mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten bis 150 € als GWG (Zeile 33) berücksichtigt werden; bei Anschaffungsoder Herstellungskosten von über 1.000 € sind die Aufwendungen über die voraussichtliche Nutzungsdauer zu verteilen (vgl. Zeile 30). Weitere Erläuterungen zur Behandlung von GWG und zum Sammelposten sowie dessen jährlicher Auflösung mit einem Fünftel finden Sie in dem BMF-Schreiben vom 30.09.2010, BStBl I S. 755 sowie in R 6.13 EStR


Umlaufvermögen in der EÜR

Während sich der Kauf von Anlagevermögen beim EÜR-Rechner nur über die Vorsteuer und über die jährliche Abschreibung als Betriebsausgabe auswirkt, wirkt sich der Kauf von Umlaufvermögen immer in voller Höhe des Bruttopreises als Betriebsausgabe aus. Umlaufvermögen liegt grundsätzlich vor, wenn der Unternehmer Waren kauft, welche der kurzfristigen Weiterveräußerung dienen.


Beispiel: Hat ein Unternehmer z. B. ein Elektrogeschäft in Köln, so stellt der Kauf von Fernsehern, die zur Weiterveräußerung bestimmt sind, Umlaufvermögen dar und der Kauf einer Registrierkasse, mit der der Unternehmer die vollzogenen Verkäufe abrechnen möchte, gehört zum Anlagevermögen.


Umsatzsteuer und Vorsteuer in der EÜR

Egal ob Sie als Unternehmer Anlagevermögen oder Umlaufvermögen kaufen, gehört die Vorsteuer, die Ihnen von einem anderen Unternehmer in Rechnung gestellt wird, zu den Betriebsausgaben. Verkaufen Sie als Unternehmer Anlagevermögen oder Umlaufvermögen, gehört die im Rahmen des Verkaufs durch Sie in Rechnung gestellte Umsatzsteuer zu den Betriebseinnahmen.


Die vereinnahmte Umsatzsteuer und die vom Unternehmer gezahlte Vorsteuer muss im Rahmen der Abgabe einer monatlichen oder vierteljährlichen Umsatzsteuervoranmeldung deklariert und beim Finanzamt eingereicht werden. Ist die in der Umsatzsteuervoranmeldung deklarierte Umsatzsteuer höher als die deklarierte Vorsteuer, so ergibt sich für den Unternehmer eine Zahllast, welche an das Finanzamt überwiesen werden muss. Überweist der Unternehmer diese Zahllast, so stellt sie im Rahmen der EÜR wiederum eine Betriebsausgabe im Zeitpunkt des Zahlungsabflusses dar. Ist die in der Umsatzsteuervoranmeldung deklarierte Umsatzsteuer niedriger als die deklarierte Vorsteuer, so ergibt sich für den Unternehmer ein Guthaben, welches das Finanzamt ihm erstattet. Überweist das Finanzamt dem Unternehmer nun diesen Erstattungsanspruch, so stellt dieser im Rahmen der EÜR eine Betriebseinnahme im Zeitpunkt des Zahlungszuflusses dar.


Betrachtet man diesen Kreislauf von Umsatzsteuer und Vorsteuer, so lässt sich feststellen, dass es sich hier um sog. durchlaufende Posten handelt. Es treten hier lediglich zeitliche Verschiebungen der Zuflüsse und Abflüsse auf. Sie können Ihre Umsatzsteuervoranmeldungen online über mich abgeben.


Besondere Sachverhalte in der EÜR

  • Es werden bei der EÜR keine Forderungen ausgewiesen. Eine offene Forderung wird in dem Zeitpunkt als Betriebseinnahme behandelt, in dem sie dem Unternehmer zufließt.
  • Es werden im Rahmen der EÜR keine Verbindlichkeiten ausgewiesen. Eine Verbindlichkeit wird in dem Zeitpunkt als Betriebsausgabe behandelt, wenn diese vom unternehmerischen Bankkonto tatsächlich abfließt.
  • Veräußert der EÜR-Rechner sein Unternehmen oder erklärt er aus Altersgründen die Betriebsaufgabe, so muss zum Stichtag derVeräußerung oder Aufgabe eine Bilanz erstellt werden.
  • Nimmt der EÜR-Rechner bei der Bank ein Darlehen auf, welches betrieblichen Zwecken dient, so stellt der Zufluss der Darlehenssumme keine Betriebseinnahme dar und die Darlehenstilgung wird nicht als Betriebsausgabe behandelt. Lediglich die für das Darlehen zu zahlenden Schuldzinsen und ein ggf. von der Bank einbehaltenes Disagio gehören zu den Betriebsausgaben.
  • Verdorbene oder gestohlene Ware wirkt sich beim EÜR-Rechner nicht aus, da diese bereits beim Kauf der Ware in den Betriebsausgaben Berücksichtigung fand.
  • Durchlaufende Posten, wie z. B. vom Rechtsanwalt vereinnahmte Gerichtskosten, welche der Mandant zunächst an ihn überwiesen hat, die aber letztendlich zur Weiterleitung an das Gericht bestimmt sind, stellen weder Betriebseinnahmen noch Betriebsausgaben dar.

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Das Zufluss- und Abflussprinzip

Um die Einnahmenüberschussrechnung möglichst einfach zu machen, werden bei der EÜR nur die Zahlungen aufgezeichnet, dabei gilt das sog. "Zufluss- und Abflussprinzip" (§ 11 EStG):


§ 11 EStG

Einnahmen sind innerhalb des Kalenderjahres bezogen, in dem sie dem Steuerpflichtigen zugeflossen sind. Regelmäßig wiederkehrende Einnahmen, die dem Steuerpflichtigen kurze Zeit vor Beginn oder kurze Zeit nach Beendigung des Kalenderjahres, zu dem sie wirtschaftlich gehören, zugeflossen sind, gelten als in diesem Kalenderjahr bezogen. Der Steuerpflichtige kann Einnahmen, die auf einer Nutzungsüberlassung im Sinne des Absatzes 2 Satz 3 beruhen, insgesamt auf den Zeitraum gleichmäßig verteilen, für den die Vorauszahlung geleistet wird. Für Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit gilt § 38a Abs. 1 Satz 2 und 3 und § 40 Abs. 3 Satz 2. Die Vorschriften über die Gewinnermittlung (§ 4 Abs. 1, § 5) bleiben unberührt.


Ausgaben sind für das Kalenderjahr abzusetzen, in dem sie geleistet worden sind. Für regelmäßig wiederkehrende Ausgaben gilt Absatz 1 Satz 2 entsprechend. Werden Ausgaben für eine Nutzungsüberlassung von mehr als fünf Jahren im Voraus geleistet, sind sie insgesamt auf den Zeitraum gleichmäßig zu verteilen, für den die Vorauszahlung geleistet wird; § 42 der Abgabenordnung bleibt unberührt. Die Vorschriften über die Gewinnermittlung (§ 4 Abs. 1, § 5) bleiben unberührt.


Siehe auch Vereinnahmung und Verausgabung im Steuerlexikon ...


Zufluss von Betriebseinnahmen entstehen bei der Einnahmenüberschussrechnung also nicht bereits mit der Leistungserbringung, sondern erst beim Zufluss des Geldes. Fließt kein Entgelt zu, dann liegt auch keine keine Betriebseinnahme vor.Forderungen sind nicht als Betriebseinnahme zu erfassen. Es zählt allein das Jahr der Zahlung. Andererseits sind erhaltene Anzahlungen, Abschlagszahlungen oder Vorschüsse bereits im Jahr der Zahlung als Betriebseinnahme zu erfassen und nicht erst, wenn die Leistung erbracht worden ist. Das kann bei einer Zusammenballung von Zahlungen einen steuerlichen Progressionsnachteil bedeuten. Daher hat der Gesetzgeber auf folgende Einkünfte eine begünstigte Besteuerung vorgesehen (§ 34 EStG):

  • Nutzungsvergütungen und Zinsen für einen Zeitraum von mehr als 36 Monaten (§ 34 Abs. 2 Nr. 3 EStG)
  • Vergütungen für eine mehr als 12-monatige Tätigkeit (§ 34 Abs. 2 Nr. 4 EStG).

Abfluss von Betriebsausgaben sind in dem Jahr zu berücksichtigen, in dem sie geleistet worden sind. Betriebsausgaben dürfen also erst bei Bezahlung abgesetzt werden und nicht bei Entstehen einer Zahlungsverpflichtung. Aufgrund des Zahlungsprinzips kann es auch keine Rechnungsabgrenzungsposten geben. Außerdem können auch keine Rückstellungen gebildet werden.


Vom Zufluss- und Abflussprinzip gibt es folgende Ausnahmen: Von der Anwendung dieses sog. Zufluss-Abfluss-Prinzips gibt es insbesondere eine Ausnahme: Den 10-Tages-Zeitraum, der bei regelmäßig wiederkehrenden Betriebseinnahmen oder Betriebsausgaben zum Tragen kommt. D. h., dass wenn eine regelmäßig wiederkehrende Betriebsausgabe innerhalb von 10 Tagen vor dem Bilanzstichtag abfließt, diese nicht im Jahr des Abflusses als Betriebsausgabe zu erfassen ist, sondern im dem Jahr, in das sie wirtschaftlich gehört. Zu den regelmäßig wiederkehrenden Einnahmen zählen z. B. vereinnahmte Mieten, die monatlich fließen oder auch monatlich vereinnahmte Zinsen. Zu den regelmäßig wiederkehrenden Ausgaben gehören z. B. eine monatlich zu zahlende Pacht oder monatlich zu zahlende Versicherungsbeiträge.


Regelmäßig wiederkehrende Einnahmen und Ausgaben kurze Zeit vor oder nach dem Kalenderjahr (sog. 10-Tage-Regel): Regelmäßig wiederkehrende Zahlungen, die kurze Zeit vor Beginn oder kurze Zeit nach Beendigung des Kalenderjahres, zu dem sie wirtschaftlich gehören, abgeflossen bzw. zugeflossen sind, gelten als in diesem Kalenderjahr geleistet (vgl. § 11 EStG ). Als kurze Zeit i. S. d. § 11 EStG ist ein Zeitraum bis zu 10 Tagen anzusehen. Innerhalb dieses Zeitraumes müssen die Zahlungen fällig und geleistet worden sein. Beide Voraussetzungen (Fälligkeit und Abfluss) müssen kumulativ erfüllt sein.


Beispiel: Hat z. B. ein Unternehmer im Jahr 2016 Betriebseinnahmen in Höhe von 160.000 EUR und Betriebsausgaben in Höhe von 100.000 EUR, so ergibt sich ein Gewinn von 60.000 EUR. Unterstellt man, dass der Unternehmer die Miete für den Monat Januar 2017 (fällig bis zum 3.1.2017) in Höhe von 1.500 EUR bereits am 28.12.2016 an den Vermieter überwiesen hat, so würde die Miete eigentlich bei Abfluss im Jahr 2016 im Rahmen der Betriebsausgaben Berücksichtigung finden. Da die Miete jedoch zu den regelmäßig wiederkehrenden Ausgaben des Unternehmers gehört, ist diese in dem Jahr als Betriebsausgabe zu berücksichtigen, in das sie wirtschaftlich gehört. Sie findet daher im Jahr 2017 Berücksichtigung als abzugsfähige Betriebsausgabe.


Weitere Ausnahmen:

  • Nutzungsüberlassung über 5 Jahre
  • Abschreibung (AfA)
  • Verkauf von Anlagevermögen
  • Darlehen
  • Einlagen und Entnahmen sowie
  • begrenzt abzugsfähige Betriebsausgaben.
  • Anschaffungen bzw. Einlagen von Anteilen an Kapitalgesellschaften, Wertpapieren und vergleichbaren nicht verbrieften Forderungen und Rechte sowie Grund und Boden oder Gebäude des Umlaufvermögens. Diese Wirtschaftsgüter müssen wie das Anlagevermögen im Anlagenverzeichnis geführt werden und die Betriebsausgabe darf erst bei Zufluss des Veräußerungserlöses bzw. bei der Entnahme gebucht werden (§ 4 Abs. 3 Satz 4 EStG).

Umsatzsteuer-Vorauszahlungen als regelmäßig wiederkehrende Ausgaben i. S. d. § 11 Abs. 2 Satz 2 EStG

Für Umsatzsteuer-Vorauszahlungen als regelmäßig wiederkehrende Ausgaben gilt Folgendes:


1. Fälligkeit und Zahlung innerhalb kurzer Zeit

Als kurze Zeit i. S. d. § 11 EStG ist ein Zeitraum bis zu 10 Tagen anzusehen. Innerhalb dieses Zeitraumes müssen die Zahlungen fällig und geleistet worden sein. Beide Voraussetzungen (Fälligkeit und Abfluss) müssen also kumulativ vorliegen. In folgenden Fällen findet § 11 Abs. 2 S. 2 EStG daher keine Anwendung , weil nur die Zahlung innerhalb kurzer Zeit nach Ende des Kalenderjahres erfolgt ist, der Fälligkeitszeitpunkt aber außerhalb des Zeitraums liegt:

Umsatzsteuer Dezember 2012, Fälligkeit 10.02.2013, Zahlung 07.01.2013

Umsatzsteuer III. Quartal 2012, Fälligkeit 10.11.2012, Zahlung 07.01.2013.


2. Keine Verlängerung des 10-Tages-Zeitraums

Der 10-Tages-Zeitraum kann auch in besonderen Einzelfällen nicht verlagert werden. Die Ausnahmeregelung vom Abflussprinzip ist deshalb nicht anwendbar, wenn sich die Fälligkeit der Umsatzsteuer-Vorauszahlung nach § 108 Abs. 3 AO auf den nächstfolgenden Werktag und damit auf einen Zeitpunkt nach dem 10. Januar verschiebt.

Dies war zuletzt bei am Samstag, dem 10.01.2009, am Sonntag, dem 10.01.2010, am Samstag, dem 10.01.2015 und am Sonntag, dem 10.01.2016 fälligen Umsatzsteuer-Vorauszahlungen der Fall.


3. Besonderheiten beim Lastschrifteinzug, bei Überweisungen und Scheckzahlung

Bei Erteilung einer Lastschrifteinzugsermächtigung ist der Abfluss unabhängig von einer späteren tatsächlichen Inanspruchnahme durch das Finanzamt im Zeitpunkt der Fälligkeit der Umsatzsteuer-Vorauszahlung anzunehmen, soweit das betreffende Konto im Fälligkeitszeitpunkt eine hinreichende Deckung aufweist. Daher ist die Zahllast einer am 10. Januar fälligen (vgl. § 18 Abs. 1 Satz 4 UmsatzsteuerG ), aber später eingezogenen Umsatzsteuer-Vorauszahlung regelmäßig im vorangegangenen Kalenderjahr als Betriebsausgabe zu berücksichtigen.


Wegen des Abflusszeitpunkts bei Scheckzahlung gilt Folgendes: Der Abfluss erfolgt grundsätzlich mit Hingabe bzw. bei Scheckübermittlung mit der Übergabe an die Post bzw. dem Einwurf in den Briefkasten des Zahlungsempfängers


Wegen des Abflusszeitpunkts bei Überweisung vom laufenden Konto gilt Folgendes: Abfluss im Zeitpunkt des Eingangs des Überweisungsauftrags bei der Überweisungsbank, wenn das Konto die nötige Deckung aufweist oder ein entsprechender Kreditrahmen vorhanden ist; andernfalls im Zeitpunkt der Lastschrift.


Steuertipp: Dadurch, dass Betriebsausgaben im Jahr der Zahlung den Gewinn und damit die Steuern beeinflussen, ergeben sich Gestaltungsmöglichkeiten: Durch das Vorziehen oder Verzögern von Zahlungen können Sie diese in ein Kalenderjahr verlagern, in dem sie sich steuerlich günstiger auswirken. Das gilt grundsätzlich auch für Betriebseinnahmen. Allerdings müssen Sie die Zahlung mit Ihren Kunden entsprechend vereinbaren.


Anlage EÜR

Wer muss eine Anlage EÜR einreichen?

Selbständige und Gewerbetreibende die keine Bilanz erstellen, müssen ab 2017 immer (vorher bei Betriebseinnahmen über 17.500 €) zu ihrer Einkommensteuererklärung die Einnahmenüberschussrechnung nach amtlich vorgeschriebenem Vordruck und Datensatz abzugeben (Anlage EÜR nach § 60 Abs. 4 i. V. m § 84 Abs. 3c EStDV). Für mehrere Betriebe muss jeweils separat für jeden Betrieb eine solche Einnahmenüberschussrechnung erstellt werden.


Hinweis: Die Ausnahme-Regelung nach der umsatzsteuerliche Kleinunternehmer (Betriebseinnahmen unterhalb von 17.500 Euro pro Jahr.) eine formlose Einnahmenüberschussrechnung einreichen durften, entfällt. Die Einnahmenüberschussrechnung darf nicht mehr formlos erstellt werden: Ab dem Veranlagungszeitraum 2017 sind grundsätzlich alle Steuerpflichtigen, zur Übermittlung der standardisierten Anlage EÜR nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz durch Datenfernübertragung verpflichtet.


Download Formular + Anleitung Anlage EÜR

Tipp: Das Ausfüllen der Anlage EÜR ist nicht einfach und zeitintensiv. Aus diesem Grund ist eine Buchhaltungssoftware bzw. Steuersoftware sinnvoll. Wir bieten eine kostenlose online Buchhaltungssoftware sowie eine Excel-Vorlage an, mit der Sie die Anlage EÜR per ELSTER an das Finanzamt authentifiziert übermitteln können.


Hier erhalten Sie das Muster-Formular für Ihre Einnahmenüberschussrechnung Anlage EÜR für 2014, 2015, 2016, 2017 und 2018 zum kostenlosen Download als PDF:

Ihr Browser kann die PDF Datei leider nicht darstellen: Jetzt hier downloaden.

 


Anleitung zum Vordruck „Einnahmenüberschussrechnung – Anlage EÜR“ 2017 (Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG) Die Anleitung soll Ihnen das Ausfüllen der Anlage EÜR erleichtern.
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Excel Vorlage Einnahmen + Ausgaben

Hier finden Sie eine kostenlose Excel-Vorlage zum Download, mit der Sie Ihre Anlage EÜR erstellen und per ELSTER an das Finanzamt senden können. Mit dieser Tabelle erstellen Sie schnell und einfach eine Buchhaltung. Sie müssen nur Ihre Einnahmen und Ausgaben in die Excel-Vorlage eingeben und daneben das entsprechende Finanzbuchhaltungs-Konto eintragen. Einen Kontenplan finden Sie rechts in der Tabelle. Die Excel-Tabelle erstellt dann aus Ihren Einnahmen und Ausgaben eine Einnahmenüberschussrechnung und die Anlage EÜR, die Sie per ELSTER an das Finanzamt übermitteln können.


Excel Vorlage EÜR

 

Download: Kostenlose Excel-Vorlage Buchhaltung + Anlage EÜR

Sie können die Tabelle gerne auch an Geschäftsfreunde weiter geben.


Tipp: Ihre Excel-Tabelle können Sie zur Weiterbearbeitung an mich weiter leiten. So kann ich Kosten günstig Ihren Jahresabschluss und Steuererklärungen erstellen. Die Buchungen können von der Excel-Tabelle auch in die online Buchhaltung übernommen werden. Die online Buchhaltung bietet viele Vorteile, wie z.B. das automatische Kontieren von bekannten Geschäftsvorfällen usw. Mit der online Buchhaltung können Sie auch Umsatzsteuervoranmeldungen abgeben. Hier finden Sie die Vorteile der online Buchhaltung.


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Excel Vorlage Gewinnermittlung


Freeware für Einnahmenüberschussrechnung

Bei der Erstellung vonEinnahmenüberschussrechnungen bieten mittlerweile eine ganze Reihe von Steuerprogrammen und Finanzbuchhaltungsprogrammen Unterstützung an. Allerdings verlangen auch diese Buchhaltungssoftware ein Mindestmaß an steuerlichem Fachwissen. Die Umsatzsteuer-Voranmeldung per ELSTER mag in der Regel noch keine größeren Schwierigkeiten bereiten. Schwieriger wird es aber dann bei der Einnahmenüberschussrechnung und Elsterformular. Wer keine Erfahrung mit Einnahmeüberschussrechnungen hat, dem rate ich, mindestens für den ersten Jahresabschluss einen Steuerberater zu beauftragen. Die böse Überraschung kommt sonst bei der nächsten Betriebsprüfung. Außerdem sollte vor Beginn der Selbständigkeit ein Steuerberater konsultiert werden, damit die Besonderheiten des Unternehmens sowie die Aufzeichnungs- und Aufbewahrungspflichten sowie die weitere Zusammenarbeit besprochen werden kann. Natürlich kann man auch alles alleine probieren, allerdings besteht dann auch das Risiko, teure Fehler zu machen.


Durch die selbständige Erfassung der Einnahmen und Ausgaben lassen sich die Steuerberatergebühren für die Einnahmenüberschussrechnung minimieren. Die Zusammenarbeit kann mit folgender kostenloser Buchhaltungssoftware erfolgen:


MS-Buchhalter EÜR
MS-Buchhalter EÜR






Hier können Sie den Kontenrahmen für die Einnahmenüberschussrechnung kostenlos downloaden:


Kassenbuch Vorlage für Einnahmenüberschussrechnung

Auch bei der Einnahmenüberschussrechnung müssen Geschäftsvorfälle fortlaufend, vollständig und richtig verzeichnet werden. Im bargeldintensiven Bereich ist dafür regelmäßig die Führung von Aufzeichnungen ähnlich einem Kassenbuch oder einem Kassenbericht notwendig. Eine veränderbare Excel-Tabelle genügt diesen Anforderungen regelmäßig nicht. So entschied das Finanzgericht Hamburg.


Kostenloses Kassenbuch Excel Vorlage

Download: Kostenlose Excel-Vorlage Kassenbuch


Auch bei der Einnahmenüberschussrechnung müssen Geschäftsvorfälle fortlaufend, vollständig und richtig verzeichnet werden. Im bargeldintensiven Bereich ist dafür regelmäßig die Führung von Aufzeichnungen ähnlich einem Kassenbuch oder einem Kassenbericht notwendig. Eine veränderbare Excel-Tabelle genügt diesen Anforderungen regelmäßig nicht.


Nach § 162 AO hat die Finanzbehörde die Besteuerungsgrundlagen zu schätzen, soweit sie diese nicht ermitteln oder berechnen kann. Dabei sind alle Umstände zu berücksichtigen, die für die Schätzung von Bedeutung sind. Zu schätzen ist insbesondere dann, wenn der Steuerpflichtige Bücher oder Aufzeichnungen, die er nach den Steuergesetzen zu führen hat, nicht vorlegen kann, wenn die Buchführung oder die Aufzeichnungen der Besteuerung nicht nach § 158 AO zugrunde gelegt werden oder wenn tatsächliche Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit oder Unvollständigkeit der vom Steuerpflichtigen gemachten Angaben zu steuerpflichtigen Einnahmen oder Betriebsvermögensmehrungen bestehen (§ 162 Abs. 2 AO).


Auch die Überschussrechnung setzt voraus, dass die Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben durch Belege nachgewiesen werden. Die allgemeinen Ordnungsvorschriften in den §§ 145 ff. AO gelten nicht nur für Buchführungs- und Aufzeichnungspflichten nach §§ 140, 141 ff. AO. Insbesondere § 145 Abs. 2 AO betrifft jegliche zu Besteuerungszwecken gesetzlich geforderten Aufzeichnungen, also auch solche, zu denen der Steuerpflichtige aufgrund anderer Steuergesetze, wie z. B. § 22 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) i. V. m. §§ 63 bis 68 der Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung (UStDV) verpflichtet ist (vgl. BFH-Urteil vom 24. Juni 2009 VIII R 80/06, BStBl II 2010, 452). Diese Aufzeichnungspflicht nach dem Umsatzsteuergesetz wirkt, sofern dieses Gesetz keine Beschränkung auf seinen Geltungsbereich enthält oder sich eine Beschränkung aus der Natur der Sache nicht ergibt, unmittelbar auch für andere Steuergesetze (BFH-Urteil vom 26. Februar 2004 XI R 25/02, BStBl II 2004, 599 m. w. N.).


Gemäß § 22 Abs. 2 Nr. 1 UStG sind unter anderem die vereinnahmten Entgelte aufzuzeichnen. Nach § 63 Abs. 1 UStDV müssen die Aufzeichnungen so beschaffen sein, dass es einem sachverständigen Dritten innerhalb einer angemessenen Zeit möglich ist, einen Überblick über die Umsätze des Unternehmens und die abziehbaren Vorsteuern zu erhalten. Betriebseinnahmen sind einzeln aufzuzeichnen. Der Umstand der sofortigen Bezahlung der Leistung rechtfertigt nicht, die jeweiligen Geschäftsvorfälle nicht einzeln aufzuzeichnen. Aus Gründen der Zumutbarkeit und Praktikabilität besteht die Pflicht zur Einzelaufzeichnung jedoch nicht für Einzelhändler (und vergleichbare Berufsgruppen), die im Allgemeinen Waren an ihnen der Person nach unbekannte Kunden über den Ladentisch gegen Barzahlung verkaufen.


Bei der Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG besteht zwar grundsätzlich keine Pflicht zum Führen eines Kassenbuchs, denn es gibt keine Bestandskonten und somit auch kein Kassenkonto (FG Saarland, Urteil vom 21. Juni 2012 1 K 1124/10, EFG 2012, 1816). Trotzdem müssen Geschäftsvorfälle fortlaufend, vollständig und richtig verzeichnet werden. Insbesondere bei bargeldintensiven Betrieben sind dafür detaillierte Aufzeichnungen ähnlich einem Kassenkonto oder einem Kassenbericht notwendig (vgl. Sächsisches FG vom 4. April 2008 5 V 1035/07, juris; FG Saarland, Urteil vom 13. Januar 2010 1 K 1101/05, EFG 2010, 772). So können die Tageseinnahmen in einer Summe aufgezeichnet und diese Summe zusätzlich durch Aufbewahrung der angefallenen Kassenstreifen, Kassenzettel und Bons nachgewiesen werden. In einem solchen Fall ist es zwar nicht erforderlich, den Kassenbestand täglich zu ermitteln. Es müssen aber die Ursprungsaufzeichnungen über die Einnahmen und Ausgaben aufbewahrt und in gewissen Abständen der tatsächliche Kasseninhalt mit dem buchmäßigen Kassenbestand abgeglichen werden (vgl. Sächsischen FG, Beschluss vom 4. April 2008 5 V 1035/07, juris; FG Saarland, Urteil vom 13. Januar 2010 1 K 1101/05, EFG 2010, 772). Diese Möglichkeit bietet sich insbesondere bei der Nutzung von Registrierkassen an (vgl. Urteil des FG Köln vom 6. Mai 2009 15 K 1154/05, EFG 2009, 1261). Für den Nachweis der Kasseneinnahmen durch Aufbewahrung der sogenannten Tagesendsummenbons (Z-Bons) ist jedoch erforderlich, dass die Z-Bons eine hinreichende Gewissheit über die Vollständigkeit der darin enthaltenen Einnahmen zulassen (FG Hessen, Beschluss vom 24. Februar 2014 4 V 84/13, juris). Sämtliche Stornobuchungen müssen sich einwandfrei aus den Unterlagen ergeben und ohne Probleme nachvollziehbar sein (vgl. FG Niedersachsen, Beschluss vom 2. September 2004 10 V 52/04, DStR 2005, 281).


Die Bareinnahmen können aber auch ähnlich einem Kassenbericht nachgewiesen werden, in dem sie mit dem Anfangs- und Endbestand der Kasse abgestimmt werden. In diesem Fall brauchen die Kassenstreifen, Kassenzettel und Kassenbons nicht aufbewahrt zu werden (BFH-Urteil vom 20. Juni 1985 IV R 41/82, BFH/NV 1985, 12). Für die Anfertigung eines Kassenberichts ist der geschäftliche Bargeldendbestand auszuzählen, weil hier die Feststellung des Kassenbestandes eine unentbehrliche Grundlage für die Berechnung der Tageslosung bildet. Der Kassenbestand ist sodann rechnerisch um die belegmäßig festgehaltenen Entnahmen und Ausgaben zu erhöhen und um die ebenfalls dokumentierten Einlagen zu mindern, so dass sich die Einnahme ergibt (vgl. Sächsischen FG, Beschluss vom 4. April 2008 5 V 1035/07, juris; FG Saarland, Urteil vom 13. Januar 2010 1 K 1101/05, EFG 2010, 772; FG Münster, Urteil vom 23. Juni 2010 12 K 2714/06 E, U, juris). Verwendet der Steuerpflichtige Kassenberichte zur Dokumentation seiner Einnahmen, dann müssen diese Kassenberichte auch ordnungsgemäß sein. Bei widersprüchlichen Eintragungen in den Kassenberichten fehlt es an der von der Rechtsprechung geforderten nachvollziehbaren und überprüfbaren Dokumentation der Einnahmeermittlung (FG Niedersachsen, Urteil vom 8. Dezember 2011 12 K 389/09, EFG 2013, 291).


Da die Ordnungsvorschriften der §§ 146, 147 AO grundsätzlich auch für die Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG gelten (z. B. BFH, Urteil vom 26. Februar 2004 XI R 25/02, BStBl II 2004, 858), muss allgemein gewährleistet sein, dass die Aufzeichnungen unveränderlich sind bzw. nachträgliche Veränderungen nachvollzogen werden können. Gerade bei manipulationsanfälligen EDV-Systemen müssen Veränderungen zwingend vom Programm kenntlich gemacht werden (vgl. Tipke/Kruse, AO/FGO, § 146 AO Rn. 59).


Steuerberatung

Ich konnte Ihnen in der Kürze noch nicht alle Sachverhalte und Details zu den unterschiedlichen Aspekten der Gewinnermittlung durch EÜR vollumfänglich darstellen. Sicherlich werden sich Ihnen zukünftig noch Fragen hinsichtlich der Ansetzbarkeit von Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben stellen. In einem individuellen persönlichen Gespräch erläutere ich/erläutern wir Ihnen deshalb gerne alle Möglichkeiten der steuerlichen Gestaltung, welche die EÜR als Gewinnermittlung möglich macht. Die nachfolgende Checkliste soll Ihnen als roter Faden gemeinsam mit mir dienen. Die Checkliste ersetzt nicht die individuelle Beratung. In einem Gespräch sollten wir die Details besprechen. Ich freue mich auf das Beratungsgespräch!


E-Mail: Einnahmenüberschussrechnung@steuerschroeder.de


Checkliste EÜR

ja

nein

Prüfung, ob Anlagevermögen gekauft wurde

IDient das gekaufte Wirtschaftsgut dauerhaft dem Betrieb?

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Wie hoch ist die Abschreibung im Jahr der Anschaffung für dieses Wirtschaftsgut?

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Welche Art der Abschreibung soll gewählt werden?

• Sammelposten

• AfA für geringwertige Wirtschaftsgüter

• lineare AfA

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Wurde Anlagevermögen veräußert?

Hinweis: Der vereinnahmte Kaufpreis inklusive der vereinnahmten Umsatzsteuer stellt eine Betriebseinnahme dar. Der Restbuchwert des Wirtschaftsguts am Tag der Veräußerung wird zur Betriebsausgabe.

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Muss die Abschreibung im Jahr der Anschaffung zeitanteilig berechnet werden?

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Wie hoch ist die Vorsteuer, welche als Betriebsausgabe zum Ansatz kommt?

Prüfung, ob Umlaufvermögen gekauft wurde

Dient das gekaufte Wirtschaftsgut nur kurzfristig dem Betrieb?

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Wie hoch ist der Kaufpreis inklusive der Vorsteuer, der als Betriebsausgabe in voller Höhe geltend gemacht werden kann?

Gibt es Preisnachlässe, welche bei Erwerb des Wirtschaftsguts gewährt werden?

Hinweis: Minderung der Anschaffungskosten und der Vorsteuer im Rahmen des erhaltenen Preisnachlasses.

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Prüfung einzelner Positionen in den Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben

Wurde Ware gestohlen?

Wenn ja: Keine Auswirkung, weder als Betriebseinnahme noch als Betriebsausgabe

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Ist Ware verdorben oder unverkäuflich geworden?

Wenn ja: Keine Auswirkung, weder als Betriebseinnahme noch als Betriebsausgabe.

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Gibt es Verbindlichkeiten, welche noch zur Zahlung anstehen?

Wenn ja: Diese wirken sich erst am tatsächlichen Tag der Zahlung als Betriebsausgabe aus.

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Gibt es Forderungen, welche der Kunde noch nicht gezahlt hat?

Wenn ja: Diese werden nicht gesondert in der Einnahmen-Überschussrechnung ausgewiesen. Die noch offene Forderung wirkt sich erst an dem Tag als Betriebseinnahme aus, an dem der Kunde diese überwiesen hat.

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Kann ein Kunde eine noch offene Forderung aufgrund einer Insolvenz nicht bezahlen?

Wenn ja: Der Verlust der Forderung führt nicht zu einer Betriebsausgabe.

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Wurde ein betriebliches Darlehen aufgenommen?

Wenn ja: Nur die zu zahlenden Darlehenszinsen und das Disagio stellen Betriebsausgaben dar.

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Gibt es Durchlaufende Posten, welche sich weder im Rahmen der Betriebseinnahmen noch im Rahmen der Betriebsausgaben auf die Einnahmen-Überschussrechnung auswirken dürfen?

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Wurde im Rahmen der Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldung oder der Umsatzsteuerjahreserklärung einer Vorsteuer Guthaben vom Finanzamt erstattet?

Wenn ja: Erfassung als Betriebseinnahme.

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Wurde im Rahmen der Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldung oder der Umsatzsteuerjahreserklärung eine Umsatzsteuerzahllast an das Finanzamt überwiesen?

Wenn ja: Erfassung als Betriebsausgabe.

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Wurde der Betrieb veräußert oder aufgegeben?

Wenn ja: Erstellung der Aufgabebilanz zwingend erforderlich.

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Wurden Waren entnommen für private Zwecke?

Wenn ja: Erfassung als Betriebseinnahme.

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Prüfung des Zufluss-Abfluss-Prinzips

Gibt es regelmäßig wiederkehrende Ausgaben, welche um den Bilanzstichtag herum abgeflossen sind?

Hinweis: Fälligkeit und Zahlung müssen innerhalb des 10-Tages-Zeitraums liegen.

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Gibt es regelmäßig wiederkehrende Einnahmen, welche um den Bilanzstichtag herum zugeflossen sind?

Hinweis: Fälligkeit und Zahlung müssen innerhalb des 10-Tages-Zeitraums liegen.

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Top Einnahmenüberschussrechnung


Weitere Infos im Steuerlexikon: Einnahmenüberschussrechnung und:

Weitere Informationen zu diesem Thema aus dem Steuer-Blog:




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