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Bauabzugsteuer: Anmeldung, Freistellung und Berechnung

Anmelde- und Abzugspflicht für Unternehmer, Vermieter und Kleinunternehmer: Erfahren Sie, ob und in welcher Höhe Bauabzugsteuer einzubehalten und abzuführen ist – einschließlich aller Ausnahmen und der Freistellungsbescheinigung nach § 48b EStG.

Bauabzugsteuer Anmeldung, Freistellung und Berechnung

1. Rechtsgrundlagen und Einführung

Die Bauabzugsteuer ist eine Quellensteuer auf im Inland erbrachte Bauleistungen. Sie wurde mit dem Gesetz zur Eindämmung illegaler Betätigung im Baugewerbe vom 30. August 2001 (BGBl. I S. 2267) eingeführt und gilt seit dem 1. Januar 2002. Die gesetzlichen Grundlagen finden sich in den §§ 48 bis 48d Einkommensteuergesetz (EStG).

Ziel der Regelung ist die Sicherung von Steueransprüchen gegenüber Bauleistenden sowie die Bekämpfung von Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung im Baugewerbe. Die Bauabzugsteuer ist zugleich eine wichtige Flankierung des umsatzsteuerrechtlichen Reverse-Charge-Verfahrens nach § 13b UStG.

Maßgebliches Verwaltungsschreiben ist das BMF-Schreiben vom 19. Juli 2022 (IV C 8 – S 2272/21/10002 :001), das die Einzelfragen zum Steuerabzug bei Bauleistungen neu gefasst und präzisiert hat.

2. Wer ist zum Steuerabzug verpflichtet?

Abzugspflichtig sind Leistungsempfänger (Auftraggeber), die zu einem der folgenden Personenkreise gehören:

  • Unternehmer i. S. d. § 2 UStG – sofern Bauleistungen für das Unternehmen bezogen werden
  • Juristische Personen des öffentlichen Rechts
  • Kleinunternehmer nach § 19 UStG
  • Land- und Forstwirte mit Durchschnittssatzbesteuerung nach § 24 UStG
  • Unternehmer mit ausschließlich steuerfreien Umsätzen (z. B. Vermieter und Verpächter)

Nicht abzugspflichtig sind Privatpersonen, die Bauleistungen ausschließlich für ihr privat genutztes Eigenheim beauftragen (Ausnahme: Vermieter – s. Abschnitt 5).

3. Was gilt als Bauleistung?

Als Bauleistungen gelten nach § 48 Abs. 1 Satz 3 EStG i. V. m. §§ 1 und 2 der Baubetriebe-Verordnung alle Leistungen, die der Herstellung, Instandhaltung, Instandsetzung, Änderung oder Beseitigung von Bauwerken dienen. Auch untrennbar verbundene Nebenleistungen sind erfasst.

Typische Bauleistungen (nicht abschließend)

  • Hoch- und Tiefbauarbeiten, Maurer- und Betonarbeiten
  • Heizungs-, Sanitär- und Elektroinstallationen
  • Erd-, Bagger- und Fundamentarbeiten
  • Dach- und Fassadenarbeiten, Gerüstbau
  • Trockenbau, Straßen- und Wegebau, Rohrleitungs- und Kanalbau
  • Installation von Photovoltaikanlagen

Nicht erfasste Leistungen

  • Reine Planungs- und Überwachungsleistungen (Architekten, Statiker, Ingenieure)
  • Vermietung von Baumaschinen ohne Bedienpersonal
  • Lieferung von Baumaterial ohne Montage

4. Höhe, Berechnung und Abführung

Der Steuerabzug beträgt 15 % der Gegenleistung. Bemessungsgrundlage ist das Entgelt für die Bauleistung einschließlich der gesetzlichen Umsatzsteuer (Bruttobetrag), § 48 Abs. 3 EStG.

Mit dem Rechner können Sie schnell & einfach ermitteln, wie hoch die Bauabzugssteuer ist, die Sie an das Finanzamt abführen müssen:

Bauabzugssteuer

Rechnungsbetrag nettoEuro
MwSt.Euro
Rechnungsbetrag bruttoEuro


Es gibt jedoch Ausnahmen von der Bauabzugsteuer, z.B. für Kleinbauleistungen bis zu einem Nettorechnungsbetrag von 5.000 Euro oder für Bauleistungen, die ausschließlich an Endverbraucher erbracht werden.

Bauleistungen - Prüfschema

Erbringen Sie eine Leistung im Zusammenhang mit einem Bauwerk?

Handelt es sich um eine Bauleistung i. S. d. § 13b (2) Nr. 4 Satz 1 UStG?

  1. Werklieferungen und nicht unter Absatz 1 fallende sonstige Leistungen eines im Ausland ansässigen Unternehmers;

  2. Lieferungen sicherungsübereigneter Gegenstände durch den Sicherungsgeber an den Sicherungsnehmer außerhalb des Insolvenzverfahrens;

  3. Umsätze, die unter das Grunderwerbsteuergesetz fallen;

  4. Bauleistungen, einschließlich Werklieferungen und sonstigen Leistungen im Zusammenhang mit Grundstücken, die der Herstellung, Instandsetzung, Instandhaltung, Änderung oder Beseitigung von Bauwerken dienen, mit Ausnahme von Planungs- und Überwachungsleistungen. 2Als Grundstücke gelten insbesondere auch Sachen, Ausstattungsgegenstände und Maschinen, die auf Dauer in einem Gebäude oder Bauwerk installiert sind und die nicht bewegt werden können, ohne das Gebäude oder Bauwerk zu zerstören oder zu verändern. 3Nummer 1 bleibt unberührt;

  5. Lieferungen

    1. der in § 3g Absatz 1 Satz 1 genannten Gegenstände eines im Ausland ansässigen Unternehmers unter den Bedingungen des § 3g und

    2. von Gas über das Erdgasnetz und von Elektrizität, die nicht unter Buchstabe a fallen;

  6. Übertragung von Berechtigungen nach § 3 Nummer 3 des Treibhausgas-Emissionshandelsgesetzes, Emissionsreduktionseinheiten nach § 2 Nummer 20 des Projekt-Mechanismen-Gesetzes und zertifizierten Emissionsreduktionen nach § 2 Nummer 21 des Projekt-Mechanismen-Gesetzes;

  7. Lieferungen der in der Anlage 3 bezeichneten Gegenstände;

  8. Reinigen von Gebäuden und Gebäudeteilen. 2Nummer 1 bleibt unberührt;

  9. Lieferungen von Gold mit einem Feingehalt von mindestens 325 Tausendstel, in Rohform oder als Halbzeug (aus Position 7108 des Zolltarifs) und von Goldplattierungen mit einem Goldfeingehalt von mindestens 325 Tausendstel (aus Position 7109);

  10. Lieferungen von Mobilfunkgeräten, Tablet-Computern und Spielekonsolen sowie von integrierten Schaltkreisen vor Einbau in einen zur Lieferung auf der Einzelhandelsstufe geeigneten Gegenstand, wenn die Summe der für sie in Rechnung zu stellenden Entgelte im Rahmen eines wirtschaftlichen Vorgangs mindestens 5 000 Euro beträgt; nachträgliche Minderungen des Entgelts bleiben dabei unberücksichtigt;

  11. Lieferungen der in der Anlage 4 bezeichneten Gegenstände, wenn die Summe der für sie in Rechnung zu stellenden Entgelte im Rahmen eines wirtschaftlichen Vorgangs mindestens 5 000 Euro beträgt; nachträgliche Minderungen des Entgelts bleiben dabei unberücksichtigt.

Sie schulden die Umsatzsteuer; kein § 13b (2) Nr. 4 UStG.

Sofern es sich um Reparatur- oder Wartungsarbeiten handelt:
Überschreitet der Rechnungsbetrag insoweit den Netto-Betrag von 500 Euro?

Folge: Es liegt eine Werklieferung oder sontige Leistung vor, die der Herstellung, Instandsetzung, Instandhaltung, Änderung oder Beseitigung von Bauwerken dient (§ 13b (2) Nr. 4 Satz 1 UStG ist erfüllt).

Hat Ihr Kunde selbst, - im weitesten Sinne - etwas mit dem Bauwesen, mit Grundstücken oder mit der Herstellung, Instandsetzung, Instandhaltung, Änderung oder Beseitigung von Bauwerken zu tun?

Sie schulden die Umsatzsteuer; kein § 13b (2) Nr. 4 UStG.

Haben Sie sich mit Ihrem Kunden auf die Anwendung von § 13b UStG einvernehmlich geeinigt?

Legt Ihr Kunde eine auf seinen Namen lautende, im Zeitpunkt der Leistungsausführung gültige Bescheinigung USt 1 TG vor?

Ihr Kunde schuldet die Umsatzsteuer nach § 13b (5) UStG.
Folge: Kein Ausweis von Umsatzsteuer in Ihrer Rechnung, aber gesonderter Hindweis: "Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers"

Haben Sie Erkenntnisse (z. B. aus früheren Aufträgen) darüber, dass Ihr Kunde selbst nachhaltig Bauleistungen erbringt?


Rechenbeispiel:
Nettovergütung 10.000,00 €
+ 19 % Umsatzsteuer 1.900,00 €
Bruttovergütung (Bemessungsgrundlage) 11.900,00 €
Bauabzugsteuer (15 %) 1.785,00 €
Auszahlung an Auftragnehmer 10.115,00 €

Anmeldung und Abführung

  • Der einbehaltene Betrag ist bis zum 10. Tag des Folgemonats beim zuständigen Finanzamt anzumelden und abzuführen (§ 48a Abs. 1 EStG).
  • Zuständig ist das Finanzamt, bei dem der Bauleistende (Auftragnehmer) steuerlich geführt wird.
  • Die Anmeldung erfolgt nach amtlich vorgeschriebenem Vordruck (Steueranmeldung Bauabzugsteuer).
  • Auch Abschlags- und Anzahlungen unterliegen dem Steuerabzug – nicht erst die Schlussrechnung.

5. Ausnahmen und Freigrenzen

Ein Steuerabzug ist nicht vorzunehmen, wenn eine der folgenden Voraussetzungen erfüllt ist:

Ausnahmetatbestand Voraussetzung / Grenzwert
Freistellungsbescheinigung Auftragnehmer legt gültige Bescheinigung nach § 48b EStG vor (Haftungsschutz, wenn Bescheinigung zum Zahlungszeitpunkt gültig war)
Allgemeine Bagatellgrenze Gesamtvergütung an den Auftragnehmer im Kalenderjahr ≤ 5.000 €
Erhöhte Bagatellgrenze (Vermieter) Gesamtvergütung ≤ 15.000 €, wenn der Auftraggeber ausschließlich steuerfreie Vermietungsumsätze erzielt
Zweiwohnungsregelung Vermieter von höchstens zwei Wohnungen sind grundsätzlich nicht abzugspflichtig

Hinweis: Die Bagatellgrenzen beziehen sich auf die Gesamtheit der Vergütungen an einen Auftragnehmer im Kalenderjahr, nicht auf einzelne Rechnungen oder Aufträge.

6. Freistellungsbescheinigung (§ 48b EStG)

Die Freistellungsbescheinigung ist in der Praxis das wichtigste Instrument zur Vermeidung des Steuerabzugs. Sie wird vom zuständigen Finanzamt auf Antrag des Bauleistenden ausgestellt, wenn dieser seinen steuerlichen Pflichten nachkommt und keine Anhaltspunkte für eine Gefährdung des Steueraufkommens bestehen.

Wesentliche Merkmale

  • Maximale Gültigkeitsdauer: drei Jahre
  • Die Bescheinigung kann widerrufen werden, wenn sich die steuerlichen Verhältnisse des Leistenden wesentlich ändern
  • Das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) hinterlegt die Daten zentral und ermöglicht den elektronischen Abruf – stellt aber selbst keine Bescheinigungen aus (Ausstellung erfolgt ausschließlich durch das Finanzamt)

Prüfung über das EIBE-Portal (BZSt)

Auftraggeber können die Gültigkeit einer Freistellungsbescheinigung kostenfrei online über das EIBE-Portal des BZSt abrufen und verifizieren. Eine vorherige Registrierung ist erforderlich.

→ Bauabzugsteuer / EIBE-Portal beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt)

Praxistipps für Auftraggeber:
  • Freistellungsbescheinigung vor der ersten Zahlung anfordern
  • Gültigkeit zum Zeitpunkt jeder Zahlung prüfen und dokumentieren (z. B. Ausdruck / Screenshot mit Datum und Uhrzeit)
  • Bei Folgeaufträgen oder Ratenzahlungen: regelmäßig erneut prüfen (Ablauf oder Widerruf der Bescheinigung ist jederzeit möglich)
  • Haftungsschutz besteht nur, wenn die Bescheinigung zum jeweiligen Zahlungszeitpunkt tatsächlich gültig war

7. Haftung des Auftraggebers

Unterlässt der Auftraggeber den Steuerabzug oder führt er ihn nicht oder nicht vollständig durch, haftet er nach § 48a Abs. 3 EStG persönlich für den nicht abgeführten Steuerbetrag.

Haftungsausschluss: Die Haftung entfällt, wenn dem Auftraggeber zum Zahlungszeitpunkt eine gültige Freistellungsbescheinigung des Auftragnehmers vorgelegen hat. Die Prüfung und lückenlose Dokumentation ist daher unverzichtbar.

Wichtig: Gutgläubigkeit schützt nur bei tatsächlicher Vorlage einer gültigen Bescheinigung. Bloße mündliche Zusicherungen des Auftragnehmers reichen nicht aus.

8. Anrechnung und Erstattung

Der einbehaltene Steuerabzugsbetrag wird beim leistenden Unternehmen auf die festgesetzte Einkommen- oder Körperschaftsteuer angerechnet (§ 48c EStG). Bei natürlichen Personen, die der Lohnsteuer unterliegen, erfolgt die Anrechnung auf die Lohnsteuer.

Soweit eine Anrechnung nicht möglich ist (z. B. bei Steuerfreiheit oder weil der Abzugsbetrag die Steuerschuld übersteigt), kann auf Antrag eine Erstattung erfolgen.

Bei Bauleistenden aus DBA-Staaten (Doppelbesteuerungsabkommen) können abweichende Regelungen gelten (§ 48d EStG).

9. Ausländische Bauunternehmen

Ausländische Bauunternehmen unterliegen dem Steuerabzug, sofern sie Bauleistungen im Inland erbringen. Für sie bestehen zentrale Finanzamtszuständigkeiten, u. a.:

Sitzstaat des Bauunternehmens Zuständiges Finanzamt
BelgienFinanzamt Trier
FrankreichFinanzamt Offenburg
PolenFinanzamt Hameln
SpanienFinanzamt Kassel-Hofgeismar
USAFinanzamt Bonn-Innenstadt

Eine vollständige und stets aktuelle Übersicht aller Zuständigkeiten ist beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) abrufbar. Arbeitnehmer ausländischer Bauunternehmen können zusätzlich dem deutschen Lohnsteuerabzug unterliegen.

10. Praxishinweise und Rechtsgrundlagen

Wichtige Praxishinweise

  • Der Steuerabzug gilt auch bei Generalunternehmern, die Subunternehmer für Bauleistungen beauftragen.
  • Eine bloße Vermittlerstellung befreit nicht von der Abzugspflicht.
  • Bauträger sind abzugspflichtig, wenn sie selbst als Bauherren auftreten.
  • Abschlags- und Anzahlungen unterliegen dem Steuerabzug – nicht erst die Schlussrechnung.
  • Neben der Bauabzugsteuer (§§ 48 ff. EStG) ist bei Bauleistungen zwischen Unternehmern zusätzlich das umsatzsteuerrechtliche Reverse-Charge-Verfahren nach § 13b UStG zu beachten (Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers).

Rechtsgrundlagen im Überblick

  • § 48 EStG – Steuerabzug bei Bauleistungen
  • § 48a EStG – Verfahren (Anmeldung und Abführung)
  • § 48b EStG – Freistellungsbescheinigung
  • § 48c EStG – Anrechnung des Steuerabzugsbetrags
  • § 48d EStG – Besonderheiten bei DBA-Fällen
  • § 13b UStG – Reverse Charge bei Bauleistungen (Umsatzsteuer)
  • BMF-Schreiben vom 19.07.2022 (IV C 8 – S 2272/21/10002 :001)
  • Baubetriebe-Verordnung, §§ 1 und 2 (Definition Bauleistungen)

Rechtsstand: BMF-Schreiben vom 19. Juli 2022. Änderungen durch Gesetzgebung oder neue Verwaltungsanweisungen bleiben vorbehalten. Für den Einzelfall empfiehlt sich steuerliche Beratung.

Mehr Infos zur Bauabzugssteuer + Aktuelles


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Rechtsgrundlagen zum Thema: Bauabzug

UStR 
UStR 182a. Leistungsempfänger als Steuerschuldner


Weitere Informationen zu diesem Thema aus dem Steuer-Blog:


BFH Urteile zu diesem Thema und weiteres:


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