Stand: 1. Juli 2026

Preisuntergrenze berechnen: kurzfristige und langfristige Preisuntergrenze einfach erklärt

Preisuntergrenze berechnen: kurzfristige und langfristige Preisuntergrenze

Mit dem Preisuntergrenze-Rechner berechnen Sie, ab welchem Verkaufspreis ein Produkt oder eine Dienstleistung zumindest die variablen Kosten deckt – und welcher Preis langfristig nötig ist, um auch Fixkosten und Gewinnziel zu berücksichtigen.

Die Preisuntergrenze zeigt, welchen Mindestpreis ein Unternehmen verlangen sollte. Sie ist eine wichtige Kennzahl für Angebotskalkulation, Rabattentscheidungen, Sonderaufträge, Preisdruck im Wettbewerb und die Frage, ob sich ein Auftrag wirtschaftlich lohnt.

Kurzfristige Preisuntergrenze Entspricht meist den variablen Stückkosten.
Langfristige Preisuntergrenze Deckt variable Kosten und anteilige Fixkosten.
Deckungsbeitrag Verkaufspreis minus variable Stückkosten.
Strategische Grenze Markt, Wettbewerb, Kapazität und Gewinnziel zusätzlich prüfen.

Preisuntergrenze berechnen

Geben Sie variable Kosten, Fixkosten und geplante Absatzmenge ein. Der Rechner ermittelt daraus die kurzfristige und langfristige Preisuntergrenze.

Preisuntergrenze / Angebotspreis


Materialkosten Euro variable Materialnebenkosten Euro
Fertigungslöhne Euro variable Fertigungsgemeinkosten Euro
Sondereinzelkosten Euro
variable Vertriebskosten Euro variable Verwaltungskosten Euro
Gewinnzuschlag %
Skonto %
Rabatt/Nachlass %

Mehrwertsteuer %
Achtung: Die Preisuntergrenze ist keine automatische Preisempfehlung. Sie zeigt eine Kostenuntergrenze. Marktpreis, Nachfrage, Positionierung, Wettbewerb, Kapazitätsauslastung und Gewinnziel müssen zusätzlich berücksichtigt werden.

Was ist die Preisuntergrenze?

Die Preisuntergrenze ist der Mindestpreis, den ein Unternehmen für ein Produkt oder eine Dienstleistung verlangen sollte, damit bestimmte Kosten gedeckt werden. Je nach Betrachtung unterscheidet man vor allem zwischen kurzfristiger und langfristiger Preisuntergrenze.

Preisuntergrenze Was wird gedeckt? Typischer Einsatz
Kurzfristige Preisuntergrenze Variable Stückkosten. Sonderauftrag, Auslastung freier Kapazitäten, kurzfristige Entscheidung.
Langfristige Preisuntergrenze Variable Kosten plus anteilige Fixkosten. Reguläre Preiskalkulation, Produktprogramm, nachhaltige Rentabilität.
Strategische Preisuntergrenze Kosten plus Mindestgewinn oder Zielrendite. Preisstrategie, Marktpositionierung, Wachstums- oder Premiumstrategie.
Die Infografik zeigt variable Kosten, Fixkosten, Deckungsbeitrag und langfristige Preisuntergrenze. Variable Kosten kurzfristige Grenze + Fixkosten je Stück anteilig verteilen Selbstkosten langfristige Grenze Deckungsbeitrag = Verkaufspreis − variable Stückkosten Je höher der Deckungsbeitrag, desto mehr Fixkosten und Gewinn werden gedeckt.

Kurzfristige Preisuntergrenze

Die kurzfristige Preisuntergrenze entspricht in der Regel den variablen Stückkosten. Wird genau zu diesem Preis verkauft, entsteht kein Deckungsbeitrag. Die variablen Kosten sind gedeckt, die Fixkosten jedoch nicht.

Kurzfristige Preisuntergrenze = variable Kosten je Stück

Ein Preis unterhalb dieser Grenze ist betriebswirtschaftlich besonders kritisch, weil jeder zusätzliche Verkauf den Verlust erhöht. Ein Preis auf Höhe der kurzfristigen Preisuntergrenze kann nur in Ausnahmesituationen sinnvoll sein, etwa wenn freie Kapazitäten genutzt, Lagerbestände abgebaut oder Kundenbeziehungen gesichert werden sollen.

Langfristige Preisuntergrenze

Die langfristige Preisuntergrenze liegt höher. Sie deckt neben den variablen Kosten auch die anteiligen Fixkosten. Sie entspricht vereinfacht den Selbstkosten je Stück.

Langfristige Preisuntergrenze = variable Kosten je Stück + (Fixkosten ÷ Absatzmenge)

Langfristig muss ein Unternehmen Preise erzielen, die alle Kosten decken. Dazu gehören nicht nur Material, Löhne oder Fremdleistungen, sondern auch Verwaltung, Vertrieb, Miete, Abschreibungen, Finanzierungskosten und kalkulatorische Kosten.

Beispielrechnung: Preisuntergrenze korrekt berechnen

Ein Unternehmen produziert ein Produkt mit variablen Stückkosten von 15 €. Die Fixkosten betragen 100.000 €. Geplant ist ein Absatz von 10.000 Stück.

Berechnungsschritt Formel Ergebnis
Variable Stückkosten gegeben 15,00 €
Fixkosten je Stück 100.000 € ÷ 10.000 Stück 10,00 €
Kurzfristige Preisuntergrenze variable Stückkosten 15,00 €
Langfristige Preisuntergrenze 15,00 € + 10,00 € 25,00 €
Häufiger Rechenfehler: Die Formel lautet nicht (variable Kosten + Fixkosten) ÷ Absatzmenge, wenn die variablen Kosten bereits als Stückkosten angegeben sind. Richtig ist: variable Stückkosten + Fixkosten je Stück.

Deckungsbeitrag und Preisuntergrenze

Der Deckungsbeitrag zeigt, wie viel vom Verkaufspreis nach Abzug der variablen Kosten übrig bleibt. Dieser Betrag dient dazu, Fixkosten zu decken und Gewinn zu erwirtschaften.

Deckungsbeitrag je Stück = Verkaufspreis − variable Kosten je Stück
Verkaufspreis Variable Kosten Deckungsbeitrag Einordnung
14 € 15 € -1 € Unter kurzfristiger Preisuntergrenze: jeder Verkauf erhöht den Verlust.
15 € 15 € 0 € Variable Kosten gedeckt, aber kein Beitrag zu Fixkosten.
20 € 15 € 5 € Teilweiser Beitrag zu Fixkosten.
25 € 15 € 10 € Langfristige Preisuntergrenze im Beispiel erreicht.
30 € 15 € 15 € Fixkosten gedeckt und Gewinnbeitrag möglich.

Sonderauftrag annehmen oder ablehnen?

Besonders wichtig ist die Preisuntergrenze bei Sonderaufträgen. Wenn freie Kapazitäten vorhanden sind, kann ein Preis oberhalb der variablen Kosten kurzfristig sinnvoll sein, auch wenn die langfristige Preisuntergrenze nicht erreicht wird.

Sonderauftrag kann sinnvoll sein, wenn
  • freie Kapazitäten vorhanden sind,
  • der Preis über den variablen Kosten liegt,
  • kein reguläres Geschäft verdrängt wird,
  • keine langfristige Preiserosion droht,
  • zusätzliche Sonderkosten berücksichtigt sind.
Sonderauftrag ist riskant, wenn
  • der Preis unter den variablen Kosten liegt,
  • bestehende Kunden niedrigere Preise fordern,
  • Engpasskapazitäten blockiert werden,
  • Zusatzkosten übersehen werden,
  • der Preis dauerhaft zum neuen Marktanker wird.
Praxis-Tipp: Prüfen Sie bei Sonderaufträgen nicht nur den Preis, sondern auch Zusatzkosten wie Verpackung, Versand, Provisionen, Maschinenumrüstung, Sonderschichten, Gewährleistung und Zahlungsrisiko.

Welche Preisuntergrenzen gibt es?

In der Praxis werden mehrere Preisuntergrenzen unterschieden. Die richtige Methode hängt von Entscheidungshorizont, Kapazitätslage, Kostenstruktur und Preisstrategie ab.

Art Berechnung Typische Frage
Kurzfristige Preisuntergrenze Variable Kosten je Stück Deckt der Auftrag wenigstens die zusätzlich entstehenden Kosten?
Langfristige Preisuntergrenze Variable Kosten + Fixkostenanteil Kann das Produkt dauerhaft kostendeckend verkauft werden?
Gewinnorientierte Preisuntergrenze Selbstkosten + Mindestgewinn Erreicht der Preis die gewünschte Marge?
Engpassorientierte Preisuntergrenze Variable Kosten + entgangener Deckungsbeitrag der Alternative Welches Produkt nutzt knappe Kapazitäten am besten?
Strategische Preisuntergrenze Kostenuntergrenze plus Markt- und Strategiefaktoren Passt der Preis zur Positionierung und zum Wettbewerb?

Häufige Fehler bei der Preisuntergrenze

  • Fixkosten falsch verteilt: Fixkosten je Stück hängen von der geplanten Absatzmenge ab.
  • Variable Kosten unvollständig: Versand, Provisionen, Verpackung oder Zahlungsgebühren werden vergessen.
  • Auslastung nicht geprüft: Sonderaufträge verdrängen möglicherweise profitablere Aufträge.
  • Kalkulatorische Kosten fehlen: Unternehmerlohn, Abschreibungen oder Zinsen werden unterschätzt.
  • Preisuntergrenze mit Verkaufspreis verwechselt: Die Untergrenze ist kein Zielpreis.
  • Rabatte nicht eingerechnet: Skonto, Boni und Plattformgebühren reduzieren den tatsächlichen Nettoerlös.

Checkliste: Preisuntergrenze richtig berechnen

  • Variable Kosten je Stück vollständig erfassen.
  • Fixkosten für den relevanten Zeitraum bestimmen.
  • Realistische Absatzmenge oder Auslastung ansetzen.
  • Kurzfristige Preisuntergrenze berechnen.
  • Fixkosten je Stück berechnen.
  • Langfristige Preisuntergrenze ermitteln.
  • Deckungsbeitrag je Stück prüfen.
  • Sonderkosten und Engpässe berücksichtigen.
  • Rabatte, Skonto, Provisionen und Zahlungsgebühren abziehen.
  • Marktpreis, Wettbewerb und Kundennutzen prüfen.
  • Gewinnziel und Liquidität einbeziehen.

FAQ: Preisuntergrenze

Was bedeutet Preisuntergrenze einfach erklärt?

Die Preisuntergrenze ist der niedrigste Preis, den ein Unternehmen verlangen sollte, damit ein Auftrag oder Produkt die relevanten Kosten deckt.

Wie berechnet man die kurzfristige Preisuntergrenze?

Sie entspricht meist den variablen Stückkosten. Bei 15 € variablen Kosten je Stück liegt die kurzfristige Preisuntergrenze bei 15 €.

Wie berechnet man die langfristige Preisuntergrenze?

Sie ergibt sich aus variablen Stückkosten plus Fixkosten je Stück. Beispiel: 15 € variable Kosten + 10 € Fixkostenanteil = 25 € langfristige Preisuntergrenze.

Darf man unter der langfristigen Preisuntergrenze verkaufen?

Kurzfristig kann das in Sondersituationen sinnvoll sein, wenn der Preis über den variablen Kosten liegt und freie Kapazitäten genutzt werden. Dauerhaft ist ein Preis unter der langfristigen Preisuntergrenze riskant.

Was passiert, wenn der Preis unter den variablen Kosten liegt?

Dann erhöht jeder zusätzliche Verkauf den Verlust, weil nicht einmal die unmittelbar entstehenden Kosten gedeckt sind.

Ist die Preisuntergrenze dasselbe wie der Verkaufspreis?

Nein. Die Preisuntergrenze ist eine Kostenuntergrenze. Der tatsächliche Verkaufspreis sollte zusätzlich Markt, Wettbewerb, Kundennutzen, Strategie und Gewinnziel berücksichtigen.

Preise kalkulieren statt nur schätzen

Sie möchten wissen, ob Ihre Produkte, Dienstleistungen oder Sonderaufträge wirklich rentabel sind? Eine saubere Kalkulation zeigt, welche Preise Kosten decken, Deckungsbeiträge liefern und langfristig Gewinn ermöglichen.

So vermeiden Sie Aufträge, die Umsatz bringen, aber Ergebnis vernichten.

Weitere hilfreiche Rechner und Themen

Disclaimer: Dieser Beitrag stellt keine individuelle steuerliche oder betriebswirtschaftliche Beratung dar und ersetzt nicht das Gespräch mit einem Steuerberater oder Unternehmensberater.

Quellen und Hinweise

  • Kosten- und Leistungsrechnung: Teilkostenrechnung, Vollkostenrechnung, Deckungsbeitragsrechnung und Selbstkostenkalkulation.
  • Formel kurzfristige Preisuntergrenze: variable Kosten je Stück.
  • Formel langfristige Preisuntergrenze: variable Kosten je Stück + Fixkosten je Stück.
  • Rechenbeispiel im Beitrag: variable Stückkosten 15 €, Fixkosten 100.000 €, Absatzmenge 10.000 Stück; langfristige Preisuntergrenze 25 €.


Haftungsausschluss: Die auf dieser Webseite bereitgestellten Informationen und Inhalte wurden mit großer Sorgfalt erstellt. Dennoch können wir keine Gewähr für die Vollständigkeit, Richtigkeit oder Aktualität übernehmen. Diese Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine individuelle steuerliche Beratung. Für eine persönliche Beratung und maßgeschneiderte Lösungen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.





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