Steuerberater Berlin Michael Schröder Steuerberater
 

Mindestlohn + Rechner


Gesetzlicher Mindestlohn in Deutschland: Was ändert sich mit der Mindestlohn-Erhöhung ab Januar 2017? Welche Mindestlohn-Ausnahmen gelten weiterhin?


Seit dem 1.1.2015 wurde der sog. Mindestlohn eingeführt. Das maßgebliche Gesetz zur Regelung eines allgemeinen Mindestlohns“ – abgekürzt MiLoG – wurde bereits im August des Jahres 2014 verabschiedet und ist zum 1.1.2015 in Kraft getreten. Ich möchte Sie über die wesentlichen Neuerungen Rund um das Mindestlohngesetz informieren. Welche zusätzlichen Pflichten Arbeitgeber jetzt erfüllen müssen. Wer zum Beispiel Minijobber beschäftigt, muss neue Aufzeichnungspflichten erfüllen und ggf. sogar Verträge anpassen. Erfahren Sie in diesem Video, was Sie darüber hinaus beachten müssen.



 

Inhalt Mindestlohn:



 

Mindestlohn
– Ermittlung und Aufzeichnungspflichten –

Mindestlohn (MiLoG): Stundenlohn pro Zeitstunde mindestens 8,84 Euro


 

Höhe des Mindestlohns

Der Mindestlohn ist grundsätzlich seit dem 1.1.2015 zu zahlen. Der Mindestlohn beträgt seit dem 1.1.2017 8,84 Euro pro Stunde (vorher 8,50 Euro pro Stunde). Er bezieht sich dabei auf die Bruttovergütung pro Zeitstunde.


Außerhalb des MiLoG können auf Basis des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes (AEntG) und des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) zusätzlich verbindliche branchenbezogene Mindestlöhne ausgehandelt werden. Diese Gesetze bilden die Grundlage für die vom gesetzlichen Mindestlohn abweichenden Tarifverträge innerhalb eines Übergangszeitraums bis Ende 2017. Das Mindestarbeitsbedingungengesetz, das bisher die Festsetzung von Mindestarbeitsentgelten für einige Wirtschaftszweige ermöglichte, wurde aufgehoben.


Für einige Branchen existierten bereits vor der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns tarifvertragliche Mindestlöhne. Diese wurden nach dem AEntG für allgemein verbindlich erklärt.



 

Die meisten Arbeitnehmer, deren Arbeitsverhältnisse unter einen solchen branchenbezogenen Mindestlohntarifvertrag fallen, erhielten zwar schon früher einen Mindestlohn, der über dem gesetzlichen liegt. Jedoch sehen einige Mindestlohntarife auch einen geringeren Mindestlohn als den gesetzlichen vor. Aufgrund dessen gelten für Arbeitnehmer der folgenden Branchen auch nach Einführung des gesetzlichen Mindestlohns bis höchstens Ende 2017 Lohnuntergrenzen, die unterhalb des im Jahr 2017 geltenden gesetzlichen Mindestlohns liegen:


Fleischverarbeitung

Oktober 2015 bis November 2016

8,60 €

Dezember 2016 bis Dezember 2017

8,75 €


Landwirtschaft (unterste Lohngruppe der landwirtschaftlichen Saisonarbeiter)

bis Dezember 2015 (West)

7,40 €

bis Dezember 2015 (Ost)

7,20 €

Januar bis Dezember 2016 (West)

8,00 €

Januar bis Dezember 2016 (Ost)

7,90 €

Januar 2017 bis Oktober 2017 (bundeseinheitlich)

8,60 €

ab November 2017 (bundeseinheitlich)

9,10 €


Wäschereidienstleistungen im Objektkundengeschäft

Januar 2015 bis Juni 2016 (West)

8,50 €

Januar 2015 bis Juni 2016 (Ost)

8,00 €

Juli 2016 bis September 2017 (bundeseinheitlich)

8,75 €


Textil- und Bekleidungsindustrie

Januar 2015 bis Dezember 2016 (West)

8,50 €

Januar 2015 bis Dezember 2015 (Ost)

7,50 €

Januar 2016 bis Oktober 2016 (Ost)

8,25 €

November 2016 bis Dezember 2016 (Ost)

8,75 €

Januar 2017 bis Dezember 2017 (West)

gesetzlicher Mindestlohn

Januar 2017 bis Dezember 2017 (Ost)

gesetzlicher Mindestlohn, mindestens aber 8,75 €


Hinweis: Bestehende tarifliche Regelungen hatten bis Ende 2016 Vorrang vor dem MiLoG. Für das Jahr 2017 wurde der gesetzliche Mindestlohn durch die sogenannte Mindestlohnkommission auf 8,84 € angehoben. Das Gesetz sieht ab 2017 alle zwei Jahre eine Anpassung des Mindestlohns vor, daher wird der Mindestlohn bis spätestens zum Jahr 2019 nochmals erhöht werden.


Zugleich gelten gemäß der bis Ende 2017 verlängerten Übergangsfrist die branchenbezogenen Mindestlohntarifverträge im Jahr 2017 weiter. Allerdings müssen diese einen Lohn von mindestens 8,50 € vorsehen. Das bedeutet, dass die branchenbezogenen Mindestlöhne im Jahr 2017 nur dann den gesetzlichen Mindestlohn von 8,84 € unterschreiten dürfen, wenn sie mindestens 8,50 € betragen.


Beispiel: Der tarifvertragliche Mindestlohn in der Landwirtschaft beträgt seit Januar 2017 8,60 €. Obwohl der gesetzliche Mindestlohn seit Januar 2017 8,84 € beträgt und somit über dem tariflichen Mindestlohn von 8,60 € liegt, hat der tarifvertragliche Mindestlohn für 2017 noch Vorrang, da er mindestens 8,50 € beträgt. Ab 2018 gibt es keine Ausnahmen mehr.


Keine gesetzliche Regelung zur Einbeziehung einzelner Vergütungsbestandteile - offen: welche Vergütungsbestandteile einbezogen (angerechnet) werden


Auf den gesetzlichen Mindestlohn anrechenbar

1. Allgemeine Tätigkeitszulagen, die der Arbeitnehmer für jede Tätigkeitsstunde erhält und die nicht zur Abgeltung besonderer Erschwernisse dienen, z.B. Bauzulage oder „Verkehrsmittelzulage“, die jeder Arbeitnehmer für eine Reinigungstätigkeit erhält

2. Aufwendungserstattungen des Arbeitgebers, die zum Ausgleich von Aufwendungen dienen, die der Arbeitnehmer grundsätzlich selbst zu tragen hätte (gilt nur, sofern die Aufwendungserstat­tungen Entgeltcharakter haben; ergibt sich i.d.R. aus dem Tarifvertrag)

3. Bedienungsgeld, auf das der Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch hat (freiwilliges Trinkgeld ist nicht einzubeziehen)

4. Tarifliche Einmalzahlungen (sind aber nur für den Monat der Zahlung anrechenbar)


Auf den gesetzlichen Mindestlohn nicht anrechenbar

1. Vermögenswirksame Leistungen

2. Nachtschichtzuschläge

3. Zulagen, die zusätzliche Aufwendungen des Arbeitnehmers abdecken, z.B. Maschinengeld oder Schmutzzulagen

4. Jede Form von Aufwendungserstattung wie Spesen, auch wenn sie pauschaliert gezahlt wird

5. Zulagen, die eine Honorierung einer überdurchschnittlichen Leistung hinsichtlich Qualität oder Quantität darstellen (z.B. Qualitätsprämie, Bonuszahlungen)

6. Überstundenzuschläge


Zahlung/ Stundenlohn

Nach dem MiLoG muss der Mindestlohn spätestens am letzten Bankarbeitstag des Monats gezahlt werden, der auf den Monat folgt, in dem die Arbeitsleistung erbracht wurde. Wird also im Dezember Weihnachtsgeld ausgezahlt, ist dieses auf den Mindestlohn im November anrechenbar, nicht jedoch auf die anderen Monate.

Laut Bundesarbeitsministerium können Einmalzahlungen, die klar vorhersehbar sind (z.B. Weihnachtsgeld), auch über das gesamte Jahr zu jeweils 1/12 auf die monatlichen Abrechnungen verteilt werden. Voraussetzung ist hier jedoch, dass diese Anteile auch spätestens am Ende des Folgemonats ausgezahlt werden.


Mindestlohnrechner

Mit dem Mindestlohnrechner können Sie schnell und einfach den montlichen Mindestlohn berechnen.


Mindestlohnrechner

Monatsgehalt (brutto)Euro

Stunden / WocheStunden


Weitere Rechner:


Ausnahmen

Vom Grundsatz Mindestlohn ab 1.1.2015“ gibt es aber auch Ausnahmen. Vorrangig anwendbar sind u. a. die allgemein verbindlichen Tarifverträge und Vergütungsregelungen aufgrund des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes. Abweichende Regelungen gibt es daher für die Zeitarbeitsbranche, für das Fleischer- oder Friseurhandwerk oder auch für weitere Berufszweige.

Ausnahmeregelungen gelten außerdem für Praktikanten, Langzeitarbeitslose oder Saisonarbeiter. Für Langzeitarbeitslose gilt der Mindestlohn z. B. in den ersten 6 Monaten nicht.

Der Ausnahmekatalog ist umfassend und bedarf der näheren Erläuterung. Gerne informiere ich Sie ausführlich über den Geltungsbereich des Mindestlohns für Ihre Branche.


Variable Vergütungen

Um die Antwort auf eine häufig gestellte Frage gleich vorwegzunehmen: Selbstverständlich können auch unter dem Mindestlohngesetz variable Vergütungen vereinbart werden. Wichtig ist nur: Das Grundgehalt, also der Fixbestandteil, darf den Mindestlohn nicht unterschreiten.


Problemfälle: Ob der Mitarbeiter Anspruch auf eine fixe Vergütung i.H.v. 7,50 € zzgl. eines Anspruchs auf eine variable Vergütung von bis zu 2,50 € pro Stunde hat oder der Mitarbeiter Anspruch auf eine fixe Vergütung von 7,50 € und Anspruch auf ein 13. Monatsgehalt hat, welches – je nach Zielerreichung – erst im November eines Jahres ausgezahlt wird, das der Mitarbeiter jedoch anteilig (ratierlich) Monat für Monat verdient.


Empfehlung für die Praxis, wenn die fixe Vergütung unter 8,84 € liegt: Verzicht auf Überstundenzuschläge und anderen Zuschlägen zugunsten eines fixen Stundenlohns und Variable Vergütungen möglichst bis zur Höhe des Stundenlohns von 8.84 € in feste Gehaltszahlungen umwandeln – Anspruch auf ein 13. Monatsgehalt, auf Urlaubsgeld und andere Einmalzahlungen sollten auf Monatslohn umgelegt werden, so dass der Stundenlohn von 8,84 € erreicht oder gar überschritten wird.


Zulagen und Zuschläge werden daher neben dem Mindestlohn fällig und werden nicht addiert. Das gilt auch für private Haushalte. Ausnahmen gelten nur für bestimmte Branchen, die eine abweichende Regelung bis 31.12.2017 vereinbart haben (Übergangsregelung) bzw. Branchen, die bereits nach Arbeitnehmerentsendegesetz höhere Löhne zahlen müssen (z .B. Baubranche). Vorsicht: Ab 2017 gibt es eine Haftung auch für Subunternehmer und bei Werkverträgen, wenn dort der Mindestlohn unterschritten wird.


Beispiel: Herr Kramer arbeitet als Lagerarbeiter und erhält einen Grundlohn in Höhe von 8,00 €. Zusätzlich erhält er für seine Wechselschichttätigkeit eine pauschale monatliche Schichtzulage in Höhe von 200 €.
Lösung: Schichtzulagen werden bei der Berechnung der Vergütung nicht berücksichtigt. Obwohl Herr Kramer einen durchschnittlichen Stundenlohn von 9,25 € (8,00 € Grundlohn + 1,25 € Schichtzulage pro Stunde) erhält, bleibt die Schichtzulage bei der Mindestlohnberechnung unberücksichtigt. Herr Kramer hat demzufolge einen Anspruch auf einen höheren Stundenlohn (Differenz von bisherigem Grundlohn zum Mindestlohn, daher 0,84 €).

Besonderheit: Trinkgelder:


Vor allem im Gastronomiebereich stellen Trinkgelder einen wesentlichen Einnahmefaktor dar. Ein Trinkgeld ist nach einer Definition der Gewerbeordnung ein Geldbetrag, den ein Dritter ohne rechtliche Verpflichtung dem Arbeitnehmer zusätzlich zu einer dem Arbeitgeber geschuldeten Leistung zahlt. Trinkgelder dürfen Sie als Arbeitgeber daher nicht auf den gesetzlichen Mindestlohn anrechnen.

Top Mindestlohn


Aufzeichnungspflichten beim Mindestlohn

Für Minijobber und auch für Beschäftigte in bestimmten Gewerbebranchen müssen die zu leistenden Arbeitsstunden seit Einführung des Mindestlohns innerhalb einer bestimmten Frist genau aufgezeichnet werden. Die Arbeitszeitaufzeichnung muss dabei den Vorschriften zweier neu erlassener Verordnungen entsprechen. Es sind dies: Die Verordnung zur Abwandlung der Pflicht zur Arbeitszeitaufzeichnung nach dem Mindestlohngesetz und dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz“ sowie die Verordnung über Meldepflichten nach dem Mindestlohn-, dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz und dem Arbeitnehmer-Überlassungsgesetz“.


Arbeitgeber sind verpflichtet, die Arbeitszeiten ihrer Arbeitnehmer zeitnah aufzuzeichnen (§ 17 MiLoG). Diese besonderen Aufzeichnungspflichten gelten nicht für alle Arbeitnehmer, sondern nur für Beschäftigte i.S.d. § 8 Abs. 1 SGB IV und des § 2a Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz (SchwarzArbG). Das heißt, die Aufzeichnungspflichten gelten zum einen für Minijobs und kurzfristige Beschäftigungen und zum anderen für die Beschäftigten im Baugewerbe, im Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe, im Personenbeförderungsgewerbe, im Speditions-, Transport- und damit verbundenen Logistikgewerbe, im Schaustellergewerbe, im Gebäudereinigungsgewerbe, in der Fleischwirtschaft, bei Unternehmen der Forstwirtschaft und bei Unternehmen, die sich am Auf- und Abbau von Messen und Ausstellungen beteiligen.

Arbeitgeber sind verpflichtet, den Beginn, das Ende und die Dauer der täglichen Arbeitszeiten aufzuzeichnen.


Wichtig!: Die Arbeitszeiten müssen bis zum Ablauf des siebten Kalendertags aufgezeichnet werden, der auf den Tag der Arbeitsleistungen folgt (z.B. für einen Mittwoch bis zum Donnerstag der Folgewoche). Diese Aufzeichnungen in deutscher Sprache muss der Unternehmer für die Dauer der Beschäftigung aufbewahren, jedoch nicht länger als zwei Jahre. Diese Aufzeichnungspflichten gelten z.B. auch für die Entleiher von Arbeitskräften.

Werden Arbeitnehmer beschäftigt, die ausschließlich einer mobilen Tätigkeit nachgehen, dann ist nur die Dauer der täglichen Arbeitszeit, nicht aber der Beginn und das Ende aufzuzeichnen. Eine mobile Tätigkeit liegt vor, wenn die Arbeitnehmer

– nicht an einen Beschäftigungsort gebunden sind,

– keinen Vorgaben zur konkreten Arbeitszeit (Beginn und Ende) unterliegen und

ihre tägliche Arbeitszeit eigenverantwortlich einteilen.

Davon ist z.B. auszugehen bei der Zustellung von Briefen, Paketen und Druckerzeugnissen, der Abfallsammlung, der Straßenreinigung, dem Winterdienst und der Personenbeförderung. Die Arbeitnehmer unterliegen keinen Vorgaben zur konkreten Arbeitszeit, wenn sie ihre Tätigkeit lediglich innerhalb eines bestimmten zeitlichen Rahmens erbringen müssen, ohne dass der Arbeitgeber den Beginn und das Ende festlegt. Die zeitliche Ausführung des täglichen Arbeitsauftrags muss also in der Verantwortung der Arbeitnehmer liegen.

Der Bruttostundenlohn muss mindestens 8,84 € betragen. Das heißt, dass der Betrag, den der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer pro Zeitstunde zahlt, nicht niedriger sein darf. Es ist nicht schädlich, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer ein Monatsgehalt, einen Stück- oder Akkordlohn vereinbart haben. Die Vergütung muss dann unter Berücksichtigung der tatsächlichen Arbeitszeit in einen Stundenlohn umgerechnet werden, der nicht unter 8,84 € liegen darf.

Aus § 2 Abs. 1 MiLoG ist zu entnehmen, dass der Arbeitgeber den Mindestlohn spätestens einen Monat nach Ablauf des Leistungsmonats zu zahlen hat. Daraus kann man den Schluss ziehen, dass Einmalzahlungen (z.B. Jahreszahlungen) nicht berücksichtigt werden können. Bei der Ermittlung des Stundenlohns dürften Zuwendungen nicht berücksichtigt werden, über die der Arbeitnehmer nicht frei verfügen kann, wie z.B. bei vermögenswirksamen Leistungen. Andererseits sind regelmäßige Gehaltsbestandteile, wie z.B. Sonntags-, Feiertags- oder Nachtzuschläge bei der Ermittlung des Mindestlohns einzubeziehen. Ebenfalls einbezogen werden Sachzuwendungen, die der Arbeitnehmer regelmäßig erhält, wie z.B. die Überlassung eines Firmenwagens für Privatfahrten. Es dürfte sinnvoll sein, bei der Wertermittlung der Sachzuwendungen steuerliche Bewertungsmethoden zugrunde zu legen.


Die darin enthaltenen Regelungen und Ausnahmen bedürfen in der Regel der näheren Erläuterung. Gerne stelle ich Ihnen die Rechtsgrundlagen bereit und berate Sie ausführlich. Teilen Sie mir hierzu unbedingt mit, welcher Gewerbebranche Sie angehören. Sie auch Aufzeichnung der Arbeitszeiten gemäß § 17 Mindestlohngesetz ...

Top Mindestlohn


Mindestlohn und Minijob

Besonders zu beachten ist der Mindestlohn bei Minijobbern. Diese Personengruppe hat Anspruch auf Zahlung des Mindestlohns. Da gibt es keine Ausnahmen. Beachten Sie, dass sich der Mindestlohn beim Minijobber stets auf die Bruttovergütung bezieht. Denn der Minijobber zahlt keine Steuern und Sozialabgaben (Minijob-Rechner).

Der Mindestlohn darf – wie eingangs erwähnt – nicht unterschritten werden, auch beim Minijobber nicht. D. h., wenn Sie das auszuzahlende Entgelt von z. B. 450 EUR durch die geleisteten Arbeitsstunden teilen, dürfen Sie nicht unter die 8,85 EUR-Stundengrenze geraten.

Meine Praxis zeigt, dass es besonders in Fällen, in denen Angehörige als Minijobber beschäftigt sind – der Mindestlohn gilt auch für solche Arbeitsverhältnisse zwischen nahen Angehörigen – oftmals zu einer dauerhaften Überschreitung der Arbeitszeiten kommt und damit zu einer Unterschreitung des Mindestlohns. Es drohen dann regelmäßig Nachzahlungen an die Sozialversicherung. Denn der Zoll meldet die Arbeitszeit-Dokumentation mit den Überstunden regelmäßig an die Minijob-Zentrale. Da hilft es in der Regel auch nicht, wenn tatsächlich eine Lohnnachzahlung erfolgt.

Sofern es in Ihrem Betrieb zu dauerhaften Arbeitszeitüberschreitungen kommt bzw. gekommen ist oder bereits eine Kontrolle durch den Zoll erfolgt ist, sollten Sie mich ansprechen. Bringen Sie in diesem Fall unbedingt Ihre Arbeitszeitaufzeichnungen für den/die Minijobber mit.


Tipp: Sie sollten den Lohn bei Minijobs überprüfen: Der Stundenlohn muss ab Januar 2017 auf 8,84 € angehoben werden. Wird dadurch die 450 € Grenze überschritten, wird der bisherige Minijob ab 450,01 € zu einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung mit ca. 40% Sozialabgaben. Durch Anpassung der Arbeitsstunden kann das verhindert werden. Gegebenenfalls der Arbeitsvertrag zu ändern. Es kann ein „Flexi-Konto“ mit dem Minijobber vereinbart und Arbeitsstunden in den nächsten Abrechnungszeitraum vorgetragen werden . Voraussetzung ist, dass ein festes monatliches Entgelt vereinbart ist. Die Vereinbarung bedarf der Schriftform. Dann kann der Arbeitnehmer bis zu 3 Monaten von der Arbeit unter Lohnfortzahlung freigestellt werden. Der Arbeitslohn darf 450 €/ Monat bzw 5.400 € / Jahr nicht überschreiten. Ausnahme: Ein gelegentliches und nicht vorhersehbares Überschreiten der Entgeltgrenze ist unschädlich, wie z. B. bei Krankheitsvertretung. Das gilt bis zu 2 Monaten innerhalb von 12 Monaten.

Top Mindestlohn


Kurzfristige Beschäftigungen

Beschäftigen Sie Arbeitnehmer nur kurzfristig, sind diese in der Regel sozialversicherungsfrei. Eine kurzfristige Beschäftigung liegt bei der Arbeitsdauer von nicht mehr als 70 Tagen vor. Doch auch für kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse gilt der Mindestlohn. Sprechen Sie mich insbesondere an, wenn Sie kurzfristig beschäftigte Saisonarbeiter anstellen.


Bereitschaftsdienste

Eine sehr häufige Frage betrifft die Vergütung von Bereitschaftsdiensten. Hierzu ist zu sagen, dass Bereitschaftsdienstzeiten zur Arbeitszeit zählen. Dementsprechend sind solche Zeiten mit dem Mindestlohn zu vergüten.

Top Mindestlohn


Urlaubs-, Weihnachtsgeld, Sonderzahlungen und Sachbezüge

Urlaubs- und Weihnachtsgelder sowie sonstige Sonderzahlungen können nur dann zum Mindestlohn addiert werden, wenn sie den Arbeitnehmern gemäß Arbeitsvertrag unwiderruflich zufließen. Vielfach aber haben solche Zahlungen freiwilligen Charakter für besondere Betriebstreue. Der Arbeitnehmer hat keinen Rechtsanspruch. In solchen Fällen darf das Urlaubs-/Weihnachtsgeld dem Mindestlohn nicht addiert werden. Dasselbe gilt für Sonderzahlungen, die zusätzlich zum geschuldeten Arbeitslohn gewährt werden.

Sachbezüge, wie Jobtickets oder Tankgutscheine innerhalb der lohnsteuerlichen Freigrenzen ( Grenzwerte und Pauschalen), zählen ebenfalls nicht zum Mindestlohn hinzu.


Beschäftigung des Ehegatten

Eine mir vielfach gestellte Frage ist, ob der Mindestlohn bei Beschäftigungsverhältnissen mit dem Ehegatten einzuhalten ist. Die Antwort darauf ist grundsätzlich "ja". Vorausgesetzt, es liegt ein Arbeitsverhältnis vor. Arbeitet der Ehegatte gegen ein kleines Taschengeld, liegt kein Arbeitsverhältnis vor. Dann gilt folglich auch kein Mindestlohn. Ehegatten-Arbeitsverhältnisse bedürfen allerdings der besonderen Sorgfalt und stehen nur allzu oft im Visier des Betriebsprüfers. Lassen Sie Ihre individuelle Situation von mir prüfen.

Top Mindestlohn


Meine Steuerberatung für Sie

Ich prüfe gerne Ihre Lohnbuchhaltung im Hinblick auf das neue Mindestlohngesetz und sage Ihnen, wo Sie nachbessern müssen. Selbstverständlich übernehme ich auch Ihre gesamten Lohnarbeiten.

Auch berate ich Sie näher bezüglich Ihrer neuen Arbeitszeitaufzeichnungspflichten. Beratungsbedarf entsteht meiner Erfahrung nach besonders bei der Beschäftigung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit ausschließlich mobilen Tätigkeiten, die keinerlei Arbeitszeitvorgaben unterliegen. Hier gelten ebenfalls Aufzeichnungspflichten, allerdings in geringerem Umfang.

Abweichungen von den arbeitsvertraglichen Inhalten und der tatsächlichen betrieblichen Realität sind in der Praxis nicht selten anzutreffen. Ohne Mindestlohn gab es hier keine großen Probleme. Mit dem neuen Mindestlohn und den Aufzeichnungspflichten können aber Anpassungen Ihrer bestehenden Arbeitsverträge notwendig werden. Arbeitsvertragsanpassungen werden auch in allen Fällen notwendig, in denen der Grundlohn ggf. in Kombination mit einer leistungsabhängigen Vergütung den Mindestlohn unterschreitet. Ich biete Ihnen auch hier meine Unterstützung an. Gerne prüfe ich Ihre Arbeitsverträge auf Vereinbarkeit mit dem Mindestlohn.

Meine Checkliste soll Ihnen als roter Faden für ein erstes Beratungsgespräch gemeinsam mit mir dienen. Die Checkliste ersetzt nicht die individuelle Beratung. In einem Gespräch sollten wir die Details besprechen. Ich freue mich uns auf das Beratungsgespräch!


Checkliste

ja

nein

Grundlöhne für Geringverdiener im Betrieb

Unterschreitet der Grundlohn in einem Fall 8,50 EUR/Stunde?

[ ]

[ ]

Vereinbarung variabler Vergütungen?

Wenn ja: Höhe des Fixgehalts beträgt mindestens 8,50 EUR/Stunde?

[ ]

[ ]

[ ]

[ ]

Es fällt Bereitschaftsdienst an?

Wenn ja: Stundensatz für Bereitschaftszeit beträgt mindestens 8,50 EUR/Stunde?

[ ]

[ ]

[ ]

[ ]

Bestehen kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse?

[ ]

[ ]

Wenn ja: Das kurzfristige Beschäftigungsverhältnis beträgt mehr als 70 Tage?

............... Der Stundensatz beträgt mindestens 8,50 EUR/Stunde?

[ ]

[ ]

[ ]

[ ]

Bestehen geringfügige Beschäftigungsverhältnisse?

[ ]

[ ]

Wenn ja: Arbeitszeiterfassung erfolgt?

................ Mindestkriterien (Beginn/Ende und Dauer) erfüllt?

[ ]

[ ]

[ ]

[ ]

Wann wurde die Arbeitszeit nach erfolgter Arbeitsleistung aufgezeichnet:

• gleicher Tag

• 2.bis 6. Folgetag

• einmal pro Woche

[ ]

[ ]

[ ]

[ ]

[ ]

[ ]

Überstunden-Check

Wurde der Stundensatz aus tatsächlich geleisteter Arbeitszeit gem. Arbeitszeiterfassung, dividiert durch das hierfür gezahlte Arbeitsentgelt berechnet?

[ ]

[ ]

Wurde in einem Fall der Mindestlohn dauerhaft unterschritten?

Besondere Gewerbebranchen

Der Betrieb gehört folgender Gewerbebranche an:

• Baugewerbe

• Gaststättengewerbe

• Personenbeförderungs-/Speditions-, Transport-, und Logistikgewerbe

• Schaustellergewerbe

• Unternehmen der Forstwirtschaft

• Gebäudereinigung

• Messeaufbaugewerbe

• Fleischwirtschaft

[ ]

[ ]

[ ]

[ ]

[ ]

[ ]

[ ]

[ ]

[ ]

[ ]

[ ]

[ ]

[ ]

[ ]

[ ]

[ ]

Sind Leiharbeitnehmer aus den genannten Gewerbebranchen beschäftigt?

[ ]

[ ]

Arbeitszeitaufzeichnungspflichten

Es wurde jeweils festgehalten:

• Beginn der täglichen Arbeitszeit?

• Ende der täglichen Arbeitszeit?

• Dauer der täglichen Arbeitszeit?

Bei Überstunden:

Die die Regelarbeitszeit überschreitende Arbeitszeit wurde dokumentiert?

[ ]

[ ]

[ ]

[ ]

[ ]

[ ]

[ ]

[ ]

Top Mindestlohn

 

 

Das könnte Sie aus dem Bereich 'Lohn + Bezüge' auch interessieren:


zurück zu Steuerrechner

to Top Steuerrechner




Buchhaltungssoftware & online
MS-Buchhalter 2017
Jetzt kostenlos downloaden …


Weitere Informationen zu diesem Thema aus dem Steuer-Blog:

Jobben neben dem Studium: Haben Studenten Anspruch auf den Mindestlohn?
Viele Studenten arbeiten neben ihrem Studium. Manche um praktische Erfahrungen für den späteren Job zu sammeln, andere um sich ihr Studentenleben zu finanzieren. Seit dem 1. Januar 2017 beträgt der Mindestlohn bundesweit 8,84 Euro in der Stunde. In diesem Beitrag erfahren Sie, für welche Art von Job oder Praktikum ein Anspruch auf den Mindestlohn besteht. Gilt im Minijob der Mindestlohn? Übt...

Mindestlohn - Feiertagsvergütung - Nachtarbeitszuschlag
Die Höhe der Entgeltfortzahlung an Feiertagen bestimmt sich - soweit kein höherer tariflicher oder vertraglicher Vergütungsanspruch besteht - nach § 2 EFZG* i. V. m. § 1 MiLoG**. Sieht ein Tarifvertrag einen Nachtarbeitszuschlag vor, der auf den tatsächlichen Stundenverdienst zu zahlen ist, ist auch dieser mindestens aus dem gesetzlichen Mindestlohn zu berechnen. Die Klägerin ist langjährig bei...

Mindestlöhne in der Pflege sollen steigen
Am 25.04.2017 hat sich die Pflegekommission auf höhere Mindestlöhne für Beschäftigte in der Pflege geeinigt: Ab 1. Januar 2018 soll der Mindestlohn auf 10,55 Euro pro Stunde im Westen und 10,05 Euro im Osten steigen. In zwei Schritten soll er bis Januar 2020 weiter wachsen und dann 11,35 Euro pro Stunde im Westen und 10,85 Euro im Osten betragen. Davon profitieren gerade Pflegehilfskräfte. Bundes...

Gesetzlicher Mindestlohn ab 2017
Der Mindestlohn erhöht sich ab dem 1. Januar 2017 auf 8,84 € pro Stunde. Das gilt auch für private Haushalte. Ausnahmen gelten nur für bestimmte Branchen, die eine abweichende Regelung bis 31.12.2017 vereinbart haben (Übergangsregelung) bzw.  Branchen, die bereits nach Arbeitnehmerentsendegesetz höhere Löhne zahlen müssen (z .B. Baubranche). Vorsicht: Ab 2017 gibt es eine Haftung auch für Subunter...

Mindestlohn: Mindestlohn-Ausnahme für Langzeitarbeitslose wird selten genutzt
Die Ausnahmeregelung für Langzeitarbeitslose beim Mindestlohn wird selten genutzt, geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Bei einer Befragung von 5.450 Langzeitarbeitslosen, die eine Stelle gefunden haben, gaben weniger als zwei Prozent an, in ihrem Jobcenter eine Bescheinigung beantragt zu haben. Zum Einsatz kam eine entsprechende Bescheinigung d...

Suche im Steuerblog:

steuerschroeder

Steuerberatung und Steuererklärung vom Steuerberater in Berlin

Steuerberater-Twitter Steuerberater Dipl.-Kfm. Michael Schröder auf Xing kontaktieren Facebook