Praxisratgeber für GmbH, UG und GmbH & Co. KG · Rechtsstand: 18.10.2026
Jahresabschluss offenlegen 2026: Fristen, Größenklassen und Hinterlegung nach HGB
Muss Ihre GmbH oder UG den Jahresabschluss veröffentlichen oder genügt die Hinterlegung der Bilanz? Hier erfahren Sie, welche Unterlagen einzureichen sind, bis wann die Offenlegung erfolgen muss und wie Sie ein Ordnungsgeld vermeiden. Mit kostenlosem HGB-Größenklassenrechner.
Wichtig: Eine Gesellschaft wird nicht allein nach Bilanzsumme oder Umsatz eingeordnet. Entscheidend sind mindestens zwei von drei Merkmalen und im Regelfall zwei aufeinanderfolgende Abschlussstichtage.
Bis wann muss der Jahresabschluss 2025 oder 2026 offengelegt werden?
Nach § 325 Abs. 1a HGB sind die offenzulegenden Unterlagen spätestens ein Jahr nach dem Abschlussstichtag elektronisch zu übermitteln. Für kapitalmarktorientierte Gesellschaften im Sinne des § 264d HGB gelten grundsätzlich vier Monate; Sonderregelungen sind zu prüfen.
| Geschäftsjahr | Abschlussstichtag | Reguläre Offenlegungsfrist |
|---|---|---|
| 2024 | 31.12.2024 | 31.12.2025 (bereits abgelaufen) |
| 2025 | 31.12.2025 | 31.12.2026 |
| 2026 | 31.12.2026 | 31.12.2027 |
Bei einem abweichenden Geschäftsjahr ist der individuelle Abschlussstichtag maßgeblich. Aufstellungs-, Prüfungs- und Feststellungsfristen sind von der Offenlegungsfrist zu unterscheiden. Ein noch nicht fertiggestellter Abschluss befreit grundsätzlich nicht von der Offenlegungspflicht.
Wer muss einen Jahresabschluss offenlegen?
Grundsätzlich offenlegungspflichtig sind insbesondere GmbH, UG (haftungsbeschränkt), AG, KGaA und bestimmte Personenhandelsgesellschaften, bei denen keine natürliche Person persönlich haftet, insbesondere die GmbH & Co. KG (§ 264a HGB). Auch für Genossenschaften und weitere besondere Rechtsformen bestehen Offenlegungsvorschriften.
Einzelunternehmer und gewöhnliche GbRs unterliegen nicht schon allein wegen ihrer Buchführungspflicht den Offenlegungsregeln für Kapitalgesellschaften. Andere gesetzliche Publizitätspflichten können im Einzelfall einschlägig sein. Auch ruhende GmbHs oder UGs sowie Gesellschaften in Liquidation sind nicht automatisch von der Pflicht befreit.
Mehr zur Abgrenzung: GmbH und UG: Gründung, Rechnungslegung und Pflichten.
HGB-Offenlegungsrechner: Größenklasse und Einreichungsumfang prüfen
Geben Sie Bilanzsumme, Umsatzerlöse und die durchschnittliche Arbeitnehmerzahl für das aktuelle und das vorherige Geschäftsjahr ein. Der Rechner prüft die gesetzlichen Grenzwerte und zeigt die voraussichtlichen Offenlegungspflichten.
Der Rechner ist eine unverbindliche Orientierung für gewöhnliche Kapitalgesellschaften. Ausnahmen (z. B. § 267a Abs. 3 HGB, § 264d HGB, Konzern-/Befreiungstatbestände, Umwandlungen) und Vorjahreshistorie können das Ergebnis verändern. Die Arbeitnehmerzahl wird nach § 267 Abs. 5 HGB berechnet; Auszubildende zählen nicht mit.
Größenklassen 2026 nach §§ 267 und 267a HGB
Die 2024 erhöhten monetären Schwellenwerte gelten grundsätzlich für nach dem 31.12.2023 beginnende Geschäftsjahre (mit gesetzlichem Wahlrecht zur früheren Anwendung). Bei mindestens zwei von drei Merkmalen, die nicht überschritten werden, liegt die jeweilige Größenklasse vor – vorbehaltlich der Zweijahresregel und Sondertatbestände.
| Merkmal | Kleinst | Klein | Mittelgroß |
|---|---|---|---|
| Bilanzsumme | bis 450.000 € | bis 7.500.000 € | bis 25.000.000 € |
| Umsatzerlöse | bis 900.000 € | bis 15.000.000 € | bis 50.000.000 € |
| Arbeitnehmer (Jahresdurchschnitt) | bis 10 | bis 50 | bis 250 |
Große Kapitalgesellschaften überschreiten mindestens zwei der drei Grenzen für mittelgroße Gesellschaften. Kapitalmarktorientierte Gesellschaften gelten grundsätzlich unabhängig von diesen Zahlen als groß.
Die Zuordnung erfolgt nicht durch Addition der Zahlen und auch nicht allein nach dem Umsatz. Beispielsweise kann eine Gesellschaft mit 8 Mio. € Bilanzsumme, 14 Mio. € Umsatz und 35 Arbeitnehmern klein sein, weil zwei der drei Grenzwerte eingehalten werden (Zweijahresregel vorausgesetzt).
Rechtsgrundlagen: § 267 HGB, § 267a HGB.
Welche Unterlagen müssen GmbH und UG offenlegen?
| Größenklasse | Regelmäßiger Offenlegungsumfang | Wichtige Erleichterung |
|---|---|---|
| Kleinst | Bilanz | Auf Antrag dauerhafte Hinterlegung möglich; Anhang kann bei erforderlichen Angaben unter der Bilanz entfallen. |
| Klein | Bilanz und Anhang | GuV nicht offenzulegen; Anhang ohne GuV-bezogene Angaben; kein Lagebericht nach § 264 Abs. 1 HGB erforderlich. |
| Mittelgroß | Bilanz, GuV, Anhang, Lagebericht sowie ggf. Bestätigungsvermerk und weitere gesetzliche Unterlagen | Bestimmte Offenlegungserleichterungen nach § 327 HGB. |
| Groß | Regelmäßig vollständiger Jahresabschluss, Lagebericht, Bestätigungsvermerk und ggf. weitere Unterlagen | Keine allgemeinen größenabhängigen Erleichterungen nach §§ 326, 327 HGB. |
Auch eine Kleinst-UG oder Kleinst-GmbH muss im Regelfall Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung erstellen. Dass gegenüber dem Unternehmensregister nur die Bilanz eingereicht bzw. hinterlegt werden muss, bedeutet nicht, dass die GuV entfällt. Für mittelgroße und große Gesellschaften besteht regelmäßig Prüfungspflicht (§ 316 HGB).
Zur Vorbereitung des Abschlusses: Jahresabschluss erstellen – Ablauf, Unterlagen und Kosten. Speziell zum Anhang: Anhang einer kleinen GmbH richtig erstellen.
Veröffentlichung oder Hinterlegung: Was ist der Unterschied?
Offenlegung mit öffentlicher Einstellung
Der eingereichte Abschluss ist über das Unternehmensregister grundsätzlich öffentlich recherchierbar und kostenlos einsehbar. Diese Form gilt insbesondere für kleine, mittelgroße und große Kapitalgesellschaften.
Dauerhafte Hinterlegung
Kleinstkapitalgesellschaften können auf die öffentliche Einstellung verzichten und lediglich die Bilanz hinterlegen lassen (§ 326 Abs. 2 HGB). Hinterlegte Unterlagen können Dritte gegen Gebühr abrufen; sie sind nicht geheim.
Für den Abruf hinterlegter Jahresabschlussunterlagen nennt das Unternehmensregister derzeit 1,00 € zuzüglich Umsatzsteuer je Abruf. Maßgeblich sind die aktuellen Gebührenangaben des Unternehmensregisters.
Das Wahlrecht zur Hinterlegung besteht nur bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen. Ein automatisches Recht für jede UG oder jede GmbH gibt es nicht.
Was kostet die Offenlegung oder Hinterlegung?
Für die Einreichung können Entgelte anfallen, deren Höhe insbesondere vom Auftrag und dem gewählten Dateiformat abhängt; bei PDF- oder Office-Daten können zusätzliche Konvertierungsleistungen berechnet werden. Eine gesonderte Vergütung für die Erstellung des Jahresabschlusses oder die Unterstützung durch den Steuerberater kommt gegebenenfalls hinzu. Die oben genannten 1,00 € zzgl. Umsatzsteuer betreffen allein den Abruf bereits hinterlegter Unterlagen durch Interessierte, nicht die Einreichung. Die jeweils geltenden Konditionen finden Sie auf der Publikations-Plattform.
Jahresabschluss beim Unternehmensregister einreichen: Schritt für Schritt
- Abschluss fertigstellen: Buchführung abstimmen, Bilanz und GuV aufstellen, ggf. Anhang, Lagebericht und Prüfung veranlassen.
- Größenklasse dokumentieren: Handelsrechtliche Schwellenwerte und Vorjahreszahlen sowie Ausnahmen prüfen.
- Feststellung und Unterlagen prüfen: Bei der GmbH die Feststellung durch die Gesellschafter und die erforderlichen Angaben berücksichtigen.
- Übermittler identifizieren: Für Übermittlungen an das Unternehmensregister ist eine einmalige elektronische Identifizierung der tatsächlich übermittelnden Person erforderlich.
- Übermittlungsweg wählen: Unterlagen über die Publikations-Plattform an das Unternehmensregister senden; Kleinstgesellschaften ggf. Hinterlegung wählen.
- Nachweis sichern: Auftrags-/Übermittlungsbestätigung, eingereichte Unterlagen und gegebenenfalls Rechnung dokumentieren.
DiRUG: Unternehmensregister statt Bundesanzeiger
Für Geschäftsjahre, die nach dem 31.12.2021 begonnen haben, erfolgt die Offenlegung an das Unternehmensregister. Der Bundesanzeiger ist für frühere Geschäftsjahresbeginne weiter relevant. Nach den Betreiberangaben ist XML das maßgebliche Format; auch PDF-/Office-Unterlagen können übermittelt und ggf. kostenpflichtig konvertiert werden. Die Übermittlung in Papierform ist nicht vorgesehen.
Offizielle Hinweise zur Übermittlung an das Unternehmensregister
Offenlegung verspätet: Ordnungsgeldverfahren und sechswöchige Nachfrist
Wird der Jahresabschluss nicht rechtzeitig offengelegt, betreibt das Bundesamt für Justiz ein Ordnungsgeldverfahren nach § 335 HGB. Das Ordnungsgeld beträgt im Grundfall 2.500 € bis 25.000 €; bei kapitalmarktorientierten Gesellschaften gelten besondere, teilweise höhere Höchstbeträge.
Wenn eine Androhungsverfügung eingeht, sofort handeln
Nach Zugang der Androhung besteht grundsätzlich eine sechswöchige Frist, um ordnungsgemäß offenzulegen oder die Unterlassung durch Einspruch zu rechtfertigen. Bei rechtzeitiger Erfüllung kann die Festsetzung des angedrohten Ordnungsgelds vermieden werden. Die Verfahrenskosten können trotzdem anfallen.
Erfolgt die Offenlegung erst nach Ablauf der sechswöchigen Frist, kommt – abhängig vom Sachverhalt – eine gesetzliche Herabsetzung des festzusetzenden Ordnungsgelds in Betracht, etwa auf 500 € bei wirksam ausgeübter Kleinstgesellschafts-Hinterlegung oder 1.000 € bei kleinen Kapitalgesellschaften. Diese Beträge sind nicht die normale Strafe bei bloßer Verspätung innerhalb der Nachfrist.
Praxistipp: Eine Einspruchseinlegung hemmt die Frist nicht automatisch. Werden bereits Ordnungsgelder festgesetzt, sind der genaue Verfahrensstand, der Übermittlungsnachweis und die Rechtsbehelfsbelehrung zu prüfen.
Behördliche Erläuterungen: Bundesamt für Justiz – Fragen zur Offenlegung.
Checkliste: Offenlegung des Jahresabschlusses vorbereiten
- Rechtsform, Geschäftsjahr und Abschlussstichtag festhalten.
- Bilanzsumme, Umsatzerlöse und Arbeitnehmerzahl des Vor- und aktuellen Jahres prüfen.
- Abschlussbestandteile und größenabhängige Erleichterungen bestimmen.
- Erforderliche Beschlüsse, Unterschriften und Prüfungsvermerke organisieren.
- Identifizierung des Übermittlers und Plattformzugang sicherstellen.
- Veröffentlichung oder – falls zulässig – Hinterlegung veranlassen.
- Fristgerechten Eingang und Übermittlungsbeleg archivieren.
Checkliste zur Offenlegung 2026 herunterladen
Weitere Vorlagen: Kostenlose Downloads für Buchhaltung und Jahresabschluss.
Häufige Fragen zur Offenlegung des Jahresabschlusses
Bis wann muss ich den Jahresabschluss 2025 veröffentlichen?
Bei einem kalendergleichen Geschäftsjahr mit Abschlussstichtag 31.12.2025 grundsätzlich bis zum 31.12.2026. Für bestimmte kapitalmarktorientierte Gesellschaften gelten kürzere Fristen.
Muss jede UG ihre Bilanz öffentlich veröffentlichen?
Nein. Erfüllt die UG die Voraussetzungen einer Kleinstkapitalgesellschaft, kann sie ihre Bilanz auf Antrag dauerhaft hinterlegen, statt sie allgemein öffentlich einzustellen. Die Unterlagen bleiben gegen Gebühr abrufbar.
Muss eine kleine GmbH die Gewinn- und Verlustrechnung offenlegen?
Nein. Kleine Kapitalgesellschaften müssen nach § 326 Abs. 1 HGB grundsätzlich nur Bilanz und Anhang übermitteln. Die Gewinn- und Verlustrechnung muss jedoch intern für den Jahresabschluss erstellt werden.
Gilt die Offenlegungspflicht auch für eine inaktive GmbH oder eine GmbH in Liquidation?
Grundsätzlich ja. Eine ruhende Tätigkeit, Null-Umsätze oder die Liquidation lassen die handelsrechtlichen Pflichten nicht automatisch entfallen. Etwaige Sonderregelungen und die Situation nach Löschung sind im Einzelfall zu prüfen.
Wo reiche ich den Jahresabschluss ein – Bundesanzeiger oder Unternehmensregister?
Für Geschäftsjahre, die nach dem 31.12.2021 beginnen, erfolgt die elektronische Übermittlung an das Unternehmensregister über die Publikations-Plattform. Für frühere Geschäftsjahresbeginne galt der Bundesanzeiger.
Kann ich ein Ordnungsgeld vermeiden, wenn die Offenlegung zu spät erfolgt ist?
Geht eine Androhungsverfügung des Bundesamts für Justiz ein, kann eine vollständige Offenlegung innerhalb der sechs Wochen nach Zugang die Festsetzung des angedrohten Ordnungsgelds vermeiden. Verfahrenskosten können dennoch entstehen.
Ist die Offenlegung des Jahresabschlusses kostenlos?
Nein, bei der Einreichung können Gebühren oder Entgelte nach Auftragsart, Dateiformat und eventueller Datenkonvertierung entstehen. Davon zu unterscheiden sind die Abrufgebühren für hinterlegte Bilanzen sowie mögliche Honorare für Jahresabschluss und Steuerberatung.
Ist eine kleine GmbH schon ab 6 Mio. € Bilanzsumme mittelgroß?
Nein. Die monetären Grenzen wurden 2024 angehoben. Für kleine Kapitalgesellschaften gelten 7,5 Mio. € Bilanzsumme und 15 Mio. € Umsatzerlöse, daneben 50 Arbeitnehmer. Mindestens zwei von drei Grenzwerten sowie grundsätzlich zwei aufeinanderfolgende Stichtage sind maßgeblich.
Unterstützung bei Jahresabschluss und Offenlegung
Sie möchten sicherstellen, dass Ihre GmbH oder UG die zutreffenden Erleichterungen nutzt, die Unterlagen vollständig sind und die Offenlegungsfrist eingehalten wird? Als Steuerberater in Berlin unterstütze ich Sie bei Jahresabschluss, Offenlegung und steuerlicher Beratung – auch digital.
Rechtsgrundlagen und weiterführende Informationen: § 264 HGB, § 267 HGB, § 267a HGB, § 325 HGB, § 326 HGB, § 327 HGB, § 335 HGB. Diese Übersicht und der Rechner ersetzen keine Prüfung des Einzelfalls.