Steuerliche Berücksichtigung eines Treppenliftes


Treppenlift

Ein Treppenlift ist eine kostspielige Angelegenheit. Somit kommt die Frage auf, inwieweit dieser als medizinisches Hilfsmittel steuerlich als außergewöhnliche Belastung abzugsfähig ist.

Inhalt:


Treppenlift als außergewöhnliche Belastung abschreiben

Nach § 33 Abs. 1 des Einkommensteuergesetzes wird die Einkommensteuer auf Antrag ermäßigt, wenn einem Steuerpflichtigen zwangsläufig größere Aufwendungen als der überwiegenden Mehrzahl der Steuerpflichtigen gleicher Einkommensverhältnisse, gleicher Vermögensverhältnisse und gleichen Familienstands (außergewöhnliche Belastung) erwachsen.


 

Treppenlift als medizinisches Hilfsmittel für Kranke und Behinderte: Hierzu zählen nach ständiger Rechtsprechung des BFH auch Krankheitskosten. Allerdings hat der Steuerpflichtige die Zwangsläufigkeit von krankheitsbedingten Maßnahmen, die ihrer Art nach nicht eindeutig nur der Heilung oder Linderung einer Krankheit dienen können und deren medizinische Indikation deshalb schwer zu beurteilen ist, nach § 64 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 Buchst. a bis f der Einkommensteuer-Durchführungsverordnung (EStDV) durch ein vor Beginn der Heilmaßnahme oder dem Erwerb des medizinischen Hilfsmittels ausgestelltes amtsärztliches Gutachten oder eine vorherige ärztliche Bescheinigung eines Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung nachzuweisen. Betroffen hiervon sind beispielsweise Bade- und Heilkuren oder psychotherapeutische Behandlungen.


Bei medizinischen Hilfsmitteln ist grundsätzlich zwischen sogenannten Hilfsmitteln im engeren Sinne und solchen Hilfsmitteln zu differenzieren, die nicht nur von Kranken, sondern auch zur Steigerung des Lebensstandards von Gesunden erworben würden. Insoweit spreche insbesondere bei medizinischen Hilfsmitteln im engeren Sinne der Beweis des ersten Anscheins dafür, dass sie aufgrund des krankheitsbedingten Zwangs gekauft werden. Dies gelte z. B. für Brillen und Hörgeräte.

  • Medizinische Hilfsmittel im weiteren Sinne sind Gegenstände, die nicht nur von Kranken oder Behinderten, sondern häufig auch von gesunden Menschen aus Gründen der Gesundheitsvorsorge und zur Steigerung des Lebenskomforts genutzt werden. Die Aufwendungen nach § 64 Abs. 1 Nr. 2e Einkommensteuer-Durchführungsverordnung (EStDV) sind durch ein amtsärztliches Gutachten oder eine ärztliche Bescheinigung des Medizinischer Dienst der Krankenversicherung nachzuweisen.
  • Medizinische Hilfsmittel im engeren Sinne sind Aufwendungen die immer steuerlich absetzbar sind. Beispiele:
    • Aufwendungen für Brillen
    • Kontaktlinsen (Haftschalen)
    • Hörgeräte
    • orthopädische Schuheinlagen
    • Rollstühle
    • medizinische Bestrahlungsgeräte
    • Gehhilfen und andere Hilfsmittel, die ärztlich verordnet und nach der Lebenserfahrung ausschließlich von Kranken angeschafft werden

Diese bedürfen keine Gutachten oder Bescheinigungen.

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Die steuerliche Absetzbarkeit eines Treppenliftes

Ist der Treppenlift ein medizinisches Hilfsmittel im engeren Sinne?

Der geforderte Nachweis sei nur in den vom Gesetz abschließend aufgezählten Fällen zu erbringen, u. a. auch für Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens. Hierunter fallen nach der Definition im Sozialgesetzbuch V technische Hilfen, die getragen oder mit sich geführt werden können, um sich im jeweiligen Umfeld zu bewegen, zurechtzufinden und die elementaren Grundbedürfnisse des täglichen Lebens zu befriedigen. Darunter sei ein Treppenlift nicht zu subsumieren. Demgegenüber stelle ein Treppenlift eine Investition dar, die auch der Bequemlichkeit halber getätigt werden könne. So könne ein Treppenlift auch den Lebensstandard derer erhöhen, die sich mit dem Treppensteigen schwer tun, gleichwohl hierzu noch imstande sind. Bei derartigen Hilfsmitteln im weiteren Sinne sei zum Nachweis der Zwangsläufigkeit des Aufwandes ein vor der Investition ausgestelltes Attest erforderlich. Über dieses Erfordernis könne ein später erstelltes Attest auch dann nicht hinweghelfen, wenn darin die schon bei Investition bestehende Notwendigkeit attestiert werde.


Voraussetzung für die steuerliche Anerkennung der Kosten für einen Treppenlift

Das Finanzamt benötigt eine Bescheinigung über die medizinische Notwendigkeit des Treppenlifts. Bislang war strittig, ob die Notwendigkeit durch ein amtsärztliches Attest bescheinigt werden muss oder ob ein ärztliches Gutachten ausreicht. Außerdem musste geklärt werden, ob es zwingend erforderlich ist, die Bescheinigung vor dem Kauf und Einbau des Treppenlifts auszustellen.


Da die Finanzämter dazu neigen, die Aufwendungen für Hilfsmittel im engeren Sinne wegen eines fehlenden amtsärztlichen Attestes nicht als außergewöhnliche Belastungen anzuerkennen, sollten Betroffene unter Hinweis auf die Regelung in § 64 Absatz 1 Nummer 2 Satz 1 Einkommensteuer-Durchführungsverordnung (EStDV) darauf verweisen, dass in diesen Fällen eine ärztliche Verordnung als Nachweis der Zwangsläufigkeit ausreicht.


Steuertipp: Bei Hilfsmitteln, die auch von Gesunden genutzt werden können, ist zwingend vor Investition ein ärztliches Attest über die Notwendigkeit der Maßnahme einzuholen. Liegt ein solches Attest nicht vor, wird das Finanzamt die Ausgaben nicht als außergewöhnliche Belastungen anerkennen. Bei pauschaler Ablehnung des Abzugs von Krankheitskosten durch das Finanzamt sollte kritisch geprüft werden, ob das Nachweisverlangen überhaupt gefordert werden kann. Noch besser ist es, das bereits vor Entstehung der Kosten zu tun, um gegebenenfalls die geforderten Voraussetzungen zu erfüllen.

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Steuertipp: Die Einbaukosten und Wartungskosten können auch als haushaltsnahe Dienstleistung von der Steuer abgesetzt werden ...

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Fazit: Eine Treppenlift ist steuerlich absetzbar

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat dazu im Jahr 2014 ein Urteil gefällt. Er hat entschieden, dass ein Treppenlift kein Gebrauchsgegenstand des täglichen Lebens ist und somit auch kein „medizinisches Hilfsmittel im weiteren Sinne“ ist. Vielmehr handelt es sich beim Treppenlift um ein „medizinisches Hilfsmittel im engeren Sinne“, das nicht von gesunden Menschen, sondern ausschließlich von Kranken und Behinderten angeschafft wird. Um die medizinische Notwendigkeit nachzuweisen, reicht ein normales ärztliches Gutachten aus. Auch der Zeitpunkt der ärztlichen Bescheinigung ist irrelevant, wichtig sei allein, dass der Treppenlift beim Einbau medizinisch notwendig war.


Liegen die Kosten über dem Behinderten-Pauschbetrag, was beim Einbau eines Treppenlifts in der Regel der Fall ist, können Sie die Kosten auch zusätzlich zum Behinderten-Pauschbetrag als außergewöhnliche Belastung in Ihrer Steuererklärung angeben.


Rechner Außergewöhnliche Belastung: Berechnen Sie die zumutbare Belastung und wieviel Sie von der Steuer absetzen können ...


Weitere Informationen zu diesem Thema aus dem Steuer-Blog:




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