Verdeckte Gewinnausschüttung (vGA): Definition, Beispiele, Berechnung & Tipps
Eine verdeckte Gewinnausschüttung, kurz vGA, ist eines der häufigsten Streitthemen bei Betriebsprüfungen von GmbHs. Sie liegt vor, wenn eine Kapitalgesellschaft einem Gesellschafter oder einer nahestehenden Person einen Vorteil gewährt, den ein ordentlicher Geschäftsleiter einem fremden Dritten nicht eingeräumt hätte. Die Folge: Der Aufwand wird bei der GmbH steuerlich korrigiert und der Vorteil kann beim Gesellschafter als Kapitalertrag besteuert werden.
Infografik: Verdeckte Gewinnausschüttung in 6 Schritten prüfen
Die folgende Infografik zeigt, wie Sie einen möglichen vGA-Sachverhalt systematisch prüfen können.
Was ist eine verdeckte Gewinnausschüttung?
Eine verdeckte Gewinnausschüttung liegt vor, wenn eine GmbH oder andere Kapitalgesellschaft einem Gesellschafter einen Vorteil zuwendet, der nicht offen als Gewinnausschüttung beschlossen wurde, sondern verdeckt über ein anderes Rechtsgeschäft oder eine tatsächliche Handlung erfolgt.
Typisch ist: Die GmbH zahlt zu viel, verlangt zu wenig oder übernimmt Kosten, die eigentlich privat oder gesellschaftlich veranlasst sind.
vGA-Rechner: Was kostet eine verdeckte Gewinnausschüttung?
Eine vGA kann teuer werden, weil sie auf zwei Ebenen wirkt: Bei der GmbH wird der Aufwand steuerlich nicht anerkannt; beim Gesellschafter kann der Vorteil als Kapitalertrag steuerpflichtig sein.
Nutzen Sie den Rechner, um die mögliche steuerliche Mehrbelastung einer verdeckten Gewinnausschüttung überschlägig zu berechnen.
verdeckte Gewinnausschüttung (vGA) Rechner
Welche Voraussetzungen hat eine vGA?
Eine verdeckte Gewinnausschüttung wird regelmäßig anhand mehrerer Prüfpunkte beurteilt.
- Vermögensminderung oder verhinderte Vermögensmehrung: Die GmbH zahlt zu viel, erhält zu wenig oder verzichtet auf Einnahmen.
- Auswirkung auf den Gewinn: Der Vorgang mindert den steuerlichen Gewinn oder verhindert eine Gewinnerhöhung.
- Veranlassung durch das Gesellschaftsverhältnis: Der Vorteil wird gewährt, weil der Empfänger Gesellschafter ist oder dem Gesellschafter nahesteht.
- Kein ordnungsgemäßer Gewinnverteilungsbeschluss: Der Vorteil wurde nicht offen als Dividende beschlossen.
- Vorteilseignung beim Gesellschafter: Der Vorgang ist geeignet, beim Gesellschafter oder einer nahestehenden Person einen Vorteil auszulösen.
Fremdvergleich: Würde ein Dritter das auch bekommen?
Der Fremdvergleich ist der Kern der vGA-Prüfung. Entscheidend ist, ob ein ordentlicher und gewissenhafter Geschäftsleiter denselben Vorteil auch einem fremden Dritten gewährt hätte.
Typische Fremdvergleichsfragen
- Ist der Preis marktüblich?
- Ist das Gehalt angemessen?
- Wurde ein Darlehen ausreichend verzinst und besichert?
- Wurde der Dienstwagen nur im vereinbarten Umfang genutzt?
- Gibt es einen schriftlichen Vertrag?
- Wird der Vertrag tatsächlich so durchgeführt?
- Würde ein fremder Vertragspartner diese Bedingungen akzeptieren?
Beherrschender Gesellschafter: Warum gelten strengere Regeln?
Ein beherrschender Gesellschafter kann seinen Willen in der GmbH regelmäßig durchsetzen. Deshalb gelten bei Verträgen zwischen GmbH und beherrschendem Gesellschafter besonders strenge Anforderungen.
Verträge müssen insbesondere:
- zivilrechtlich wirksam sein,
- im Voraus abgeschlossen werden,
- klar und eindeutig formuliert sein,
- nach objektiven Kriterien nachprüfbar sein,
- tatsächlich wie vereinbart durchgeführt werden,
- einem Fremdvergleich standhalten.
vGA bei nahestehenden Personen
Eine vGA kann auch dann vorliegen, wenn der Vorteil nicht direkt an den Gesellschafter fließt, sondern an eine nahestehende Person. Dazu können gehören:
- Ehegatten oder Lebenspartner,
- Kinder, Eltern, Geschwister oder andere Angehörige,
- Gesellschaften, an denen der Gesellschafter beteiligt ist,
- Personen mit enger wirtschaftlicher oder persönlicher Beziehung,
- verbundene Unternehmen oder nahestehende Geschäftspartner.
Entscheidend ist, ob die Beziehung den Schluss zulässt, dass die Vorteilsgewährung durch das Gesellschaftsverhältnis beeinflusst wurde.
Beispiel
Die GmbH beschäftigt den Ehegatten eines Gesellschafters zu einem deutlich überhöhten Gehalt. Die Tätigkeit entspricht nicht der Vergütung. Der überhöhte Teil kann als vGA beim Gesellschafter behandelt werden.
Typische Beispiele für eine verdeckte Gewinnausschüttung
In der Praxis treten vGA-Sachverhalte besonders häufig bei Geschäftsbeziehungen zwischen GmbH, Gesellschaftern und nahestehenden Personen auf.
| Sachverhalt | vGA-Risiko | Besser so dokumentieren |
|---|---|---|
| Überhöhtes Geschäftsführergehalt | Vergütung liegt über Fremdvergleich | Gehaltsstudie, Aufgabenprofil, Gesellschafterbeschluss |
| Zu hohe Tantieme | Gewinnabsaugung oder unklare Berechnung | klare Formel, Deckelung, Vorausvereinbarung |
| Privatnutzung Pkw ohne Vereinbarung | Nutzung nicht durch Arbeitsvertrag gedeckt | Nutzungsvereinbarung, Lohnabrechnung, Fahrtenbuch oder Bewertungsregel |
| Zinsloses Darlehen an Gesellschafter | fehlende Verzinsung oder Besicherung | Darlehensvertrag, marktüblicher Zins, Tilgungsplan, Sicherheiten |
| Überhöhte Zinsen an Gesellschafter | GmbH zahlt mehr als fremdüblich | Marktzinsvergleich, Bonitätsprüfung, Vertragsdokumentation |
| Miete an Gesellschafter zu hoch | Vermietung nicht marktüblich | Mietspiegel, Gutachten, Vergleichsangebote |
| Rabatte oder Warenentnahmen | Gesellschafter erhält Sondervorteil | einheitliche Rabattregeln, Marktpreisnachweise |
| Private Feiern oder Reisen über GmbH | private Veranlassung | betrieblicher Anlass, Teilnehmerliste, Programm, Kostenaufteilung |
Gesellschafter-Geschäftsführer und vGA
Die Vergütung von Gesellschafter-Geschäftsführern ist ein Schwerpunkt jeder GmbH-Betriebsprüfung. Geprüft wird nicht nur das Festgehalt, sondern die gesamte Ausstattung.
Zur Gesamtausstattung gehören insbesondere:
- Festgehalt,
- Tantieme, Bonus und Sonderzahlungen,
- Dienstwagen und private Pkw-Nutzung,
- Pensionszusage und Altersversorgung,
- Überstunden-, Sonn-, Feiertags- und Nachtzuschläge,
- Urlaubsabgeltungen, Reisekosten und Spesen,
- sonstige Sachbezüge und Nebenleistungen.
Welche Steuerfolgen hat eine vGA?
Die vGA wirkt regelmäßig auf zwei Ebenen: bei der Kapitalgesellschaft und beim Gesellschafter.
| Ebene | Folge | Typischer Effekt |
|---|---|---|
| GmbH / Kapitalgesellschaft | außerbilanzielle Hinzurechnung | höheres Einkommen, mehr Körperschaftsteuer |
| Gewerbesteuer | höherer Gewerbeertrag | zusätzliche Gewerbesteuerbelastung möglich |
| Gesellschafter | Einkünfte aus Kapitalvermögen | Abgeltungsteuer oder Teileinkünfteverfahren je nach Fall |
| Kapitalertragsteuer | Steuerabzug kann nachzuholen sein | Haftungs- und Nachzahlungsrisiken |
| Betriebsprüfung | Zinsen, Folgekorrekturen, Dokumentationsaufwand | Liquiditätsbelastung und Streit mit Finanzamt |
Korrektur und Rückgängigmachung einer vGA
Wird eine vGA festgestellt, erfolgt die Korrektur häufig außerhalb der Steuerbilanz. Der Aufwand wird dem Einkommen der GmbH hinzugerechnet. Zusätzlich ist zu prüfen, wie der Vorgang beim Gesellschafter zu erfassen ist.
Wichtige Korrekturfragen
- In welchem Jahr ist die vGA entstanden?
- Ist der Aufwand bereits in der Steuerbilanz enthalten?
- Besteht ein Rückforderungsanspruch gegen den Gesellschafter?
- Ist Kapitalertragsteuer anzumelden oder nachzuholen?
- Welche Bescheide sind noch änderbar?
- Sind steuerstrafrechtliche Risiken zu prüfen?
Wann wird eine vGA steuerstrafrechtlich relevant?
Eine verdeckte Gewinnausschüttung ist nicht automatisch eine Steuerhinterziehung. Strafrechtlich riskant wird es, wenn steuerlich erhebliche Tatsachen bewusst falsch, unvollständig oder gar nicht erklärt werden und dadurch Steuern verkürzt oder nicht rechtzeitig festgesetzt werden.
Typische Risikokonstellationen
- vGA wird in der Körperschaftsteuererklärung nicht korrigiert,
- Kapitalertragsteuer wird trotz erkannter vGA nicht angemeldet,
- Gesellschafter erklärt den Vorteil nicht in seiner Einkommensteuererklärung,
- private Kosten werden bewusst als betriebliche Aufwendungen gebucht,
- Scheinverträge mit nahestehenden Personen werden gegenüber dem Finanzamt vorgelegt.
10 Praxistipps zur Vermeidung einer vGA
1. Verträge schriftlich schließen
Gerade mit beherrschenden Gesellschaftern sollten Verträge klar, eindeutig und im Voraus geschlossen werden.
2. Fremdvergleich dokumentieren
Halten Sie Marktpreise, Gehaltsstudien, Vergleichsangebote und Zinssätze schriftlich fest.
3. Verträge tatsächlich durchführen
Zahlungen, Buchungen, Lohnabrechnungen und Verrechnungskonten müssen zur Vereinbarung passen.
4. Geschäftsführer-Vergütung prüfen
Festgehalt, Tantieme, Dienstwagen, Pension und Nebenleistungen immer gemeinsam beurteilen.
5. Darlehen wie Bankgeschäfte behandeln
Zinsen, Laufzeit, Sicherheiten und Tilgung sollten fremdüblich geregelt und eingehalten werden.
6. Privatkosten trennen
Private Feiern, Reisen, Fahrzeuge, Versicherungen und Lebenshaltungskosten gehören nicht in die GmbH.
7. Nahestehende Personen prüfen
Arbeits-, Miet- und Darlehensverträge mit Angehörigen besonders sorgfältig dokumentieren.
8. Jährlichen vGA-Check einführen
Prüfen Sie vor Jahresabschluss alle Gesellschafterkonten, Verträge und Sonderleistungen.
9. Kapitalertragsteuer beachten
Bei erkannter vGA muss auch die Ebene der Kapitalertragsteuer geprüft werden.
10. Vor Betriebsprüfung bereinigen
Unklare Sachverhalte sollten vor einer Außenprüfung geordnet und steuerlich bewertet werden.
Checkliste: Ist Ihr Vorgang vGA-gefährdet?
- Ist der Empfänger Gesellschafter oder eine nahestehende Person?
- Wurde ein Vorteil gewährt, den ein fremder Dritter nicht erhalten hätte?
- Gibt es einen schriftlichen Vertrag?
- Wurde der Vertrag vor Beginn der Leistung geschlossen?
- Ist die Vergütung marktüblich?
- Wurde die Vereinbarung tatsächlich durchgeführt?
- Gibt es Zahlungsnachweise und Buchungsunterlagen?
- Wurde Lohnsteuer korrekt abgeführt, wenn Arbeitslohn vorliegt?
- Wurden Verrechnungskonten regelmäßig ausgeglichen?
- Ist die Kapitalertragsteuer geprüft?
- Sind mögliche Berichtigungspflichten geprüft?
Downloads und weiterführende Informationen
Weitere Spezialthemen:
vGA-Risiko prüfen und Steuernachzahlungen vermeiden
Sie haben Verträge zwischen GmbH und Gesellschafter, ein ungeklärtes Verrechnungskonto, ein Gesellschafterdarlehen, eine Tantieme, Dienstwagen-Nutzung oder eine Zahlung an Angehörige? Dann sollte das vGA-Risiko vor Jahresabschluss oder Betriebsprüfung geprüft werden.
Verdeckte Gewinnausschüttung prüfen lassen
Verdeckte Gewinnausschüttungen, verdeckte Einlagen, Erstberatungsbriefe und Verträge können auch im Rahmen der Online-Steuerberatung besprochen werden.
FAQ: Häufige Fragen zur verdeckten Gewinnausschüttung
Was ist eine verdeckte Gewinnausschüttung?
Eine vGA liegt vor, wenn eine Kapitalgesellschaft einem Gesellschafter oder einer nahestehenden Person einen gesellschaftlich veranlassten Vorteil gewährt, der nicht auf einem ordnungsgemäßen Gewinnverteilungsbeschluss beruht.
Was sind typische Beispiele für eine vGA?
Typische Beispiele sind überhöhte Geschäftsführergehälter, zu hohe Tantiemen, zinslose Darlehen, überhöhte Mieten, private Pkw-Nutzung ohne Vereinbarung, private Kostenübernahmen und Leistungen an Angehörige zu nicht fremdüblichen Bedingungen.
Welche Steuerfolgen hat eine vGA bei der GmbH?
Die vGA mindert das Einkommen der GmbH nicht. Der entsprechende Betrag wird steuerlich hinzugerechnet und kann Körperschaftsteuer sowie Gewerbesteuer erhöhen.
Wie wird eine vGA beim Gesellschafter besteuert?
Beim Gesellschafter wird der Vorteil regelmäßig als Einkünfte aus Kapitalvermögen behandelt. Zusätzlich ist die Kapitalertragsteuer zu prüfen.
Was bedeutet Fremdvergleich?
Beim Fremdvergleich wird geprüft, ob ein ordentlicher Geschäftsleiter den Vorteil auch einem fremden Dritten zu denselben Bedingungen gewährt hätte.
Warum sind beherrschende Gesellschafter besonders kritisch?
Weil sie die Gesellschaft beeinflussen können. Deshalb müssen Vereinbarungen mit ihnen im Voraus klar, eindeutig, zivilrechtlich wirksam und tatsächlich durchgeführt sein.
Kann eine vGA rückgängig gemacht werden?
Eine rückwirkende Heilung ist nur sehr eingeschränkt möglich. Nachträgliche Verträge oder Beschlüsse beseitigen das ursprüngliche vGA-Risiko regelmäßig nicht.
Ist eine vGA automatisch Steuerhinterziehung?
Nein. Steuerstrafrechtlich relevant wird eine vGA vor allem dann, wenn sie bewusst falsch, unvollständig oder gar nicht erklärt wird und dadurch Steuern verkürzt werden.
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Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine individuelle steuerliche Beratung dar und ersetzt nicht das Gespräch mit einem Steuerberater.