Verdeckte Gewinnausschüttung (vGA): Definition, Beispiele, Berechnung & Tipps

Eine verdeckte Gewinnausschüttung, kurz vGA, ist eines der häufigsten Streitthemen bei Betriebsprüfungen von GmbHs. Sie liegt vor, wenn eine Kapitalgesellschaft einem Gesellschafter oder einer nahestehenden Person einen Vorteil gewährt, den ein ordentlicher Geschäftsleiter einem fremden Dritten nicht eingeräumt hätte. Die Folge: Der Aufwand wird bei der GmbH steuerlich korrigiert und der Vorteil kann beim Gesellschafter als Kapitalertrag besteuert werden.

Stand: 2026. Besonders prüfungsanfällig sind Geschäftsführergehalt, Tantiemen, Dienstwagen, Gesellschafterdarlehen, Mietverträge, Pensionszusagen, private Kostenübernahmen, Leistungen an Ehegatten, Kinder oder andere nahestehende Personen.

Infografik: Verdeckte Gewinnausschüttung in 6 Schritten prüfen

Die folgende Infografik zeigt, wie Sie einen möglichen vGA-Sachverhalt systematisch prüfen können.

Was ist eine verdeckte Gewinnausschüttung?

Eine verdeckte Gewinnausschüttung liegt vor, wenn eine GmbH oder andere Kapitalgesellschaft einem Gesellschafter einen Vorteil zuwendet, der nicht offen als Gewinnausschüttung beschlossen wurde, sondern verdeckt über ein anderes Rechtsgeschäft oder eine tatsächliche Handlung erfolgt.

Typisch ist: Die GmbH zahlt zu viel, verlangt zu wenig oder übernimmt Kosten, die eigentlich privat oder gesellschaftlich veranlasst sind.

Einfach erklärt: Eine offene Gewinnausschüttung läuft über einen Gesellschafterbeschluss. Eine vGA versteckt sich dagegen in Gehalt, Miete, Darlehen, Dienstwagen, Rechnung, Rabatt, Pensionszusage oder Kostenübernahme.

vGA-Rechner: Was kostet eine verdeckte Gewinnausschüttung?

Eine vGA kann teuer werden, weil sie auf zwei Ebenen wirkt: Bei der GmbH wird der Aufwand steuerlich nicht anerkannt; beim Gesellschafter kann der Vorteil als Kapitalertrag steuerpflichtig sein.

Nutzen Sie den Rechner, um die mögliche steuerliche Mehrbelastung einer verdeckten Gewinnausschüttung überschlägig zu berechnen.

verdeckte Gewinnausschüttung (vGA) Rechner

Verfahren
Betrag der Ausschüttung
Euro

Kirchensteuer
Wenn Kirchensteuer Ja: Bundesland

Hinweis: Der Rechner ersetzt keine Einzelfallprüfung. Ob tatsächlich eine vGA vorliegt, hängt von Vertrag, Fremdvergleich, tatsächlicher Durchführung, Gesellschafterstellung und Nachweisen ab.

Welche Voraussetzungen hat eine vGA?

Eine verdeckte Gewinnausschüttung wird regelmäßig anhand mehrerer Prüfpunkte beurteilt.

  1. Vermögensminderung oder verhinderte Vermögensmehrung: Die GmbH zahlt zu viel, erhält zu wenig oder verzichtet auf Einnahmen.
  2. Auswirkung auf den Gewinn: Der Vorgang mindert den steuerlichen Gewinn oder verhindert eine Gewinnerhöhung.
  3. Veranlassung durch das Gesellschaftsverhältnis: Der Vorteil wird gewährt, weil der Empfänger Gesellschafter ist oder dem Gesellschafter nahesteht.
  4. Kein ordnungsgemäßer Gewinnverteilungsbeschluss: Der Vorteil wurde nicht offen als Dividende beschlossen.
  5. Vorteilseignung beim Gesellschafter: Der Vorgang ist geeignet, beim Gesellschafter oder einer nahestehenden Person einen Vorteil auszulösen.

Fremdvergleich: Würde ein Dritter das auch bekommen?

Der Fremdvergleich ist der Kern der vGA-Prüfung. Entscheidend ist, ob ein ordentlicher und gewissenhafter Geschäftsleiter denselben Vorteil auch einem fremden Dritten gewährt hätte.

Typische Fremdvergleichsfragen

  • Ist der Preis marktüblich?
  • Ist das Gehalt angemessen?
  • Wurde ein Darlehen ausreichend verzinst und besichert?
  • Wurde der Dienstwagen nur im vereinbarten Umfang genutzt?
  • Gibt es einen schriftlichen Vertrag?
  • Wird der Vertrag tatsächlich so durchgeführt?
  • Würde ein fremder Vertragspartner diese Bedingungen akzeptieren?
Fehlerquelle: Eine Vereinbarung ist nicht schon deshalb sicher, weil sie schriftlich vorliegt. Sie muss auch fremdüblich sein und tatsächlich durchgeführt werden.

Beherrschender Gesellschafter: Warum gelten strengere Regeln?

Ein beherrschender Gesellschafter kann seinen Willen in der GmbH regelmäßig durchsetzen. Deshalb gelten bei Verträgen zwischen GmbH und beherrschendem Gesellschafter besonders strenge Anforderungen.

Verträge müssen insbesondere:

  • zivilrechtlich wirksam sein,
  • im Voraus abgeschlossen werden,
  • klar und eindeutig formuliert sein,
  • nach objektiven Kriterien nachprüfbar sein,
  • tatsächlich wie vereinbart durchgeführt werden,
  • einem Fremdvergleich standhalten.
Praxis-Tipp: Bei beherrschenden Gesellschaftern sind rückwirkende Gehaltsanpassungen, nachträgliche Bonuszusagen, unklare Tantiemen und mündliche Abreden besonders riskant.

vGA bei nahestehenden Personen

Eine vGA kann auch dann vorliegen, wenn der Vorteil nicht direkt an den Gesellschafter fließt, sondern an eine nahestehende Person. Dazu können gehören:

  • Ehegatten oder Lebenspartner,
  • Kinder, Eltern, Geschwister oder andere Angehörige,
  • Gesellschaften, an denen der Gesellschafter beteiligt ist,
  • Personen mit enger wirtschaftlicher oder persönlicher Beziehung,
  • verbundene Unternehmen oder nahestehende Geschäftspartner.

Entscheidend ist, ob die Beziehung den Schluss zulässt, dass die Vorteilsgewährung durch das Gesellschaftsverhältnis beeinflusst wurde.

Beispiel

Die GmbH beschäftigt den Ehegatten eines Gesellschafters zu einem deutlich überhöhten Gehalt. Die Tätigkeit entspricht nicht der Vergütung. Der überhöhte Teil kann als vGA beim Gesellschafter behandelt werden.

Typische Beispiele für eine verdeckte Gewinnausschüttung

In der Praxis treten vGA-Sachverhalte besonders häufig bei Geschäftsbeziehungen zwischen GmbH, Gesellschaftern und nahestehenden Personen auf.

Typische vGA-Fälle in der Betriebsprüfung
Sachverhalt vGA-Risiko Besser so dokumentieren
Überhöhtes Geschäftsführergehalt Vergütung liegt über Fremdvergleich Gehaltsstudie, Aufgabenprofil, Gesellschafterbeschluss
Zu hohe Tantieme Gewinnabsaugung oder unklare Berechnung klare Formel, Deckelung, Vorausvereinbarung
Privatnutzung Pkw ohne Vereinbarung Nutzung nicht durch Arbeitsvertrag gedeckt Nutzungsvereinbarung, Lohnabrechnung, Fahrtenbuch oder Bewertungsregel
Zinsloses Darlehen an Gesellschafter fehlende Verzinsung oder Besicherung Darlehensvertrag, marktüblicher Zins, Tilgungsplan, Sicherheiten
Überhöhte Zinsen an Gesellschafter GmbH zahlt mehr als fremdüblich Marktzinsvergleich, Bonitätsprüfung, Vertragsdokumentation
Miete an Gesellschafter zu hoch Vermietung nicht marktüblich Mietspiegel, Gutachten, Vergleichsangebote
Rabatte oder Warenentnahmen Gesellschafter erhält Sondervorteil einheitliche Rabattregeln, Marktpreisnachweise
Private Feiern oder Reisen über GmbH private Veranlassung betrieblicher Anlass, Teilnehmerliste, Programm, Kostenaufteilung

Gesellschafter-Geschäftsführer und vGA

Die Vergütung von Gesellschafter-Geschäftsführern ist ein Schwerpunkt jeder GmbH-Betriebsprüfung. Geprüft wird nicht nur das Festgehalt, sondern die gesamte Ausstattung.

Zur Gesamtausstattung gehören insbesondere:

  • Festgehalt,
  • Tantieme, Bonus und Sonderzahlungen,
  • Dienstwagen und private Pkw-Nutzung,
  • Pensionszusage und Altersversorgung,
  • Überstunden-, Sonn-, Feiertags- und Nachtzuschläge,
  • Urlaubsabgeltungen, Reisekosten und Spesen,
  • sonstige Sachbezüge und Nebenleistungen.
Besonders riskant: Nur-Tantiemen, nachträgliche Bonuszusagen, nicht ausgezahlte oder nicht korrekt verbuchte Vergütungen, private Pkw-Nutzung ohne klare Vereinbarung und Pensionszusagen ohne ausreichende Erdienbarkeit.

Welche Steuerfolgen hat eine vGA?

Die vGA wirkt regelmäßig auf zwei Ebenen: bei der Kapitalgesellschaft und beim Gesellschafter.

Steuerfolgen einer verdeckten Gewinnausschüttung
Ebene Folge Typischer Effekt
GmbH / Kapitalgesellschaft außerbilanzielle Hinzurechnung höheres Einkommen, mehr Körperschaftsteuer
Gewerbesteuer höherer Gewerbeertrag zusätzliche Gewerbesteuerbelastung möglich
Gesellschafter Einkünfte aus Kapitalvermögen Abgeltungsteuer oder Teileinkünfteverfahren je nach Fall
Kapitalertragsteuer Steuerabzug kann nachzuholen sein Haftungs- und Nachzahlungsrisiken
Betriebsprüfung Zinsen, Folgekorrekturen, Dokumentationsaufwand Liquiditätsbelastung und Streit mit Finanzamt
Merksatz: Eine vGA ist steuerlich keine „normale Betriebsausgabe“, sondern wird wie eine verdeckte Ausschüttung an den Gesellschafter behandelt.

Korrektur und Rückgängigmachung einer vGA

Wird eine vGA festgestellt, erfolgt die Korrektur häufig außerhalb der Steuerbilanz. Der Aufwand wird dem Einkommen der GmbH hinzugerechnet. Zusätzlich ist zu prüfen, wie der Vorgang beim Gesellschafter zu erfassen ist.

Wichtige Korrekturfragen

  • In welchem Jahr ist die vGA entstanden?
  • Ist der Aufwand bereits in der Steuerbilanz enthalten?
  • Besteht ein Rückforderungsanspruch gegen den Gesellschafter?
  • Ist Kapitalertragsteuer anzumelden oder nachzuholen?
  • Welche Bescheide sind noch änderbar?
  • Sind steuerstrafrechtliche Risiken zu prüfen?
Achtung: Eine vGA lässt sich nicht beliebig rückwirkend durch neue Verträge oder nachträgliche Beschlüsse „heilen“. Entscheidend sind Vereinbarung, Fremdvergleich und tatsächliche Durchführung im ursprünglichen Zeitpunkt.

Wann wird eine vGA steuerstrafrechtlich relevant?

Eine verdeckte Gewinnausschüttung ist nicht automatisch eine Steuerhinterziehung. Strafrechtlich riskant wird es, wenn steuerlich erhebliche Tatsachen bewusst falsch, unvollständig oder gar nicht erklärt werden und dadurch Steuern verkürzt oder nicht rechtzeitig festgesetzt werden.

Typische Risikokonstellationen

  • vGA wird in der Körperschaftsteuererklärung nicht korrigiert,
  • Kapitalertragsteuer wird trotz erkannter vGA nicht angemeldet,
  • Gesellschafter erklärt den Vorteil nicht in seiner Einkommensteuererklärung,
  • private Kosten werden bewusst als betriebliche Aufwendungen gebucht,
  • Scheinverträge mit nahestehenden Personen werden gegenüber dem Finanzamt vorgelegt.
Praxis-Hinweis: Bei bereits abgegebenen Steuererklärungen und neu erkannten vGA-Risiken sollte nicht einfach abgewartet werden. Lassen Sie prüfen, ob eine Berichtigung, Anzeige oder steuerstrafrechtlich abgestimmte Vorgehensweise erforderlich ist.

10 Praxistipps zur Vermeidung einer vGA

1. Verträge schriftlich schließen

Gerade mit beherrschenden Gesellschaftern sollten Verträge klar, eindeutig und im Voraus geschlossen werden.

2. Fremdvergleich dokumentieren

Halten Sie Marktpreise, Gehaltsstudien, Vergleichsangebote und Zinssätze schriftlich fest.

3. Verträge tatsächlich durchführen

Zahlungen, Buchungen, Lohnabrechnungen und Verrechnungskonten müssen zur Vereinbarung passen.

4. Geschäftsführer-Vergütung prüfen

Festgehalt, Tantieme, Dienstwagen, Pension und Nebenleistungen immer gemeinsam beurteilen.

5. Darlehen wie Bankgeschäfte behandeln

Zinsen, Laufzeit, Sicherheiten und Tilgung sollten fremdüblich geregelt und eingehalten werden.

6. Privatkosten trennen

Private Feiern, Reisen, Fahrzeuge, Versicherungen und Lebenshaltungskosten gehören nicht in die GmbH.

7. Nahestehende Personen prüfen

Arbeits-, Miet- und Darlehensverträge mit Angehörigen besonders sorgfältig dokumentieren.

8. Jährlichen vGA-Check einführen

Prüfen Sie vor Jahresabschluss alle Gesellschafterkonten, Verträge und Sonderleistungen.

9. Kapitalertragsteuer beachten

Bei erkannter vGA muss auch die Ebene der Kapitalertragsteuer geprüft werden.

10. Vor Betriebsprüfung bereinigen

Unklare Sachverhalte sollten vor einer Außenprüfung geordnet und steuerlich bewertet werden.

Checkliste: Ist Ihr Vorgang vGA-gefährdet?

  • Ist der Empfänger Gesellschafter oder eine nahestehende Person?
  • Wurde ein Vorteil gewährt, den ein fremder Dritter nicht erhalten hätte?
  • Gibt es einen schriftlichen Vertrag?
  • Wurde der Vertrag vor Beginn der Leistung geschlossen?
  • Ist die Vergütung marktüblich?
  • Wurde die Vereinbarung tatsächlich durchgeführt?
  • Gibt es Zahlungsnachweise und Buchungsunterlagen?
  • Wurde Lohnsteuer korrekt abgeführt, wenn Arbeitslohn vorliegt?
  • Wurden Verrechnungskonten regelmäßig ausgeglichen?
  • Ist die Kapitalertragsteuer geprüft?
  • Sind mögliche Berichtigungspflichten geprüft?

Downloads und weiterführende Informationen

Weitere Spezialthemen:

vGA-Risiko prüfen und Steuernachzahlungen vermeiden

Sie haben Verträge zwischen GmbH und Gesellschafter, ein ungeklärtes Verrechnungskonto, ein Gesellschafterdarlehen, eine Tantieme, Dienstwagen-Nutzung oder eine Zahlung an Angehörige? Dann sollte das vGA-Risiko vor Jahresabschluss oder Betriebsprüfung geprüft werden.

Verdeckte Gewinnausschüttung prüfen lassen

Verdeckte Gewinnausschüttungen, verdeckte Einlagen, Erstberatungsbriefe und Verträge können auch im Rahmen der Online-Steuerberatung besprochen werden.

FAQ: Häufige Fragen zur verdeckten Gewinnausschüttung

Was ist eine verdeckte Gewinnausschüttung?

Eine vGA liegt vor, wenn eine Kapitalgesellschaft einem Gesellschafter oder einer nahestehenden Person einen gesellschaftlich veranlassten Vorteil gewährt, der nicht auf einem ordnungsgemäßen Gewinnverteilungsbeschluss beruht.

Was sind typische Beispiele für eine vGA?

Typische Beispiele sind überhöhte Geschäftsführergehälter, zu hohe Tantiemen, zinslose Darlehen, überhöhte Mieten, private Pkw-Nutzung ohne Vereinbarung, private Kostenübernahmen und Leistungen an Angehörige zu nicht fremdüblichen Bedingungen.

Welche Steuerfolgen hat eine vGA bei der GmbH?

Die vGA mindert das Einkommen der GmbH nicht. Der entsprechende Betrag wird steuerlich hinzugerechnet und kann Körperschaftsteuer sowie Gewerbesteuer erhöhen.

Wie wird eine vGA beim Gesellschafter besteuert?

Beim Gesellschafter wird der Vorteil regelmäßig als Einkünfte aus Kapitalvermögen behandelt. Zusätzlich ist die Kapitalertragsteuer zu prüfen.

Was bedeutet Fremdvergleich?

Beim Fremdvergleich wird geprüft, ob ein ordentlicher Geschäftsleiter den Vorteil auch einem fremden Dritten zu denselben Bedingungen gewährt hätte.

Warum sind beherrschende Gesellschafter besonders kritisch?

Weil sie die Gesellschaft beeinflussen können. Deshalb müssen Vereinbarungen mit ihnen im Voraus klar, eindeutig, zivilrechtlich wirksam und tatsächlich durchgeführt sein.

Kann eine vGA rückgängig gemacht werden?

Eine rückwirkende Heilung ist nur sehr eingeschränkt möglich. Nachträgliche Verträge oder Beschlüsse beseitigen das ursprüngliche vGA-Risiko regelmäßig nicht.

Ist eine vGA automatisch Steuerhinterziehung?

Nein. Steuerstrafrechtlich relevant wird eine vGA vor allem dann, wenn sie bewusst falsch, unvollständig oder gar nicht erklärt wird und dadurch Steuern verkürzt werden.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine individuelle steuerliche Beratung dar und ersetzt nicht das Gespräch mit einem Steuerberater.

Weitere Informationen zu diesem Thema aus dem Steuer-Blog:


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