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Kaufpreisaufteilung bei Immobilien: Grund und Boden richtig vom Gebäude trennen

Kaufpreisaufteilung bei Immobilien bedeutet: Der einheitliche Kaufpreis eines bebauten Grundstücks wird steuerlich in einen Anteil für Grund und Boden und einen Anteil für das Gebäude aufgeteilt. Das ist wichtig, weil nur der Gebäudeanteil abgeschrieben werden kann. Der Bodenanteil ist nicht abnutzbar und führt daher nicht zu AfA.

Inhalt

Kaufpreisaufteilung berechnen

Mit dem Rechner können Sie eine erste Aufteilung des Kaufpreises für ein bebautes Grundstück vornehmen und die AfA-Bemessungsgrundlage für das Gebäude ermitteln. Die Berechnung ist insbesondere bei vermieteten Immobilien relevant, weil die Abschreibung nach § 7 EStG nur auf den Gebäudeanteil entfällt.

Aufteilung Grundstückskaufpreis

Grundstücksart

Anschaffungsjahr
Baujahr

ggf. Anzahl Garagenstellplätze
ggf. Miteigentumsanteil - Zähler

Grundstückgröße in m²
Grundstückgröße in m²

Kaufpreis in Euro (incl. Nebenkosten) Euro
Wohnfläche in m² (bei Geschäftsgrd. Nutzfl.)

ggf. Anzahl Tiefgaragenstellplätze
ggf. Miteigentumsanteil - Nenner

Bodenrichtwert in Euro/m² Euro
Wert in Euro/m² Euro

Warum ist die Kaufpreisaufteilung steuerlich so wichtig?

Beim Kauf einer Immobilie wird regelmäßig ein Gesamtkaufpreis vereinbart. Steuerlich müssen jedoch zwei Wirtschaftsgüter unterschieden werden:

  • Grund und Boden: nicht abnutzbar, daher keine Abschreibung.
  • Gebäude: abnutzbar, daher AfA-fähig.

Je höher der nachvollziehbare Gebäudeanteil ist, desto höher ist regelmäßig die jährliche Abschreibung. Eine fehlerhafte oder nicht belegbare Aufteilung kann deshalb zu erheblichen steuerlichen Mehrbelastungen führen.

Beispiel

Position Variante A Variante B
Kaufpreis inklusive Nebenkosten 500.000 € 500.000 €
Gebäudeanteil 60 % = 300.000 € 75 % = 375.000 €
AfA bei 2 % jährlich 6.000 € 7.500 €
Unterschied pro Jahr 1.500 € zusätzliche Werbungskosten bei Variante B

Grundsatz: Aufteilung nach den Verkehrswerten oder Teilwerten

Ein Gesamtkaufpreis für ein bebautes Grundstück ist grundsätzlich nicht nach der Restwertmethode aufzuteilen. Maßgeblich ist vielmehr das Verhältnis der Verkehrswerte oder Teilwerte von Grund und Boden einerseits und Gebäude andererseits.

Die Berechnung erfolgt vereinfacht in drei Schritten:

  1. Wert des Grund und Bodens ermitteln.
  2. Wert des Gebäudes ermitteln.
  3. Gesamtkaufpreis nach dem Verhältnis beider Wertanteile aufteilen.

Anschaffungsnebenkosten wie Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch und Makler sind anschließend entsprechend der Wertrelation aufzuteilen. Nur der auf das Gebäude entfallende Teil erhöht die AfA-Bemessungsgrundlage.

Vertragliche Kaufpreisaufteilung im Kaufvertrag

Vertragliche Aufteilung ist ein wichtiger Ausgangspunkt

Enthält der notarielle Kaufvertrag eine ausdrückliche Aufteilung auf Grund und Boden sowie Gebäude, ist diese regelmäßig zu beachten. Das gilt aber nur, wenn die Aufteilung wirtschaftlich nachvollziehbar ist und die realen Wertverhältnisse nicht deutlich verfehlt.

Wann kann das Finanzamt abweichen?

Das Finanzamt darf eine vertragliche Aufteilung nicht allein deshalb verwerfen, weil ein anderes Rechenergebnis möglich wäre. Kritisch wird es aber, wenn die vereinbarte Quote objektiv unplausibel ist. Typische Warnsignale sind:

  • sehr niedriger Bodenanteil trotz hoher Bodenrichtwerte,
  • sehr hoher Gebäudeanteil trotz erheblichem Sanierungsstau,
  • keine nachvollziehbare Bewertungslogik im Vertrag,
  • deutliche Abweichung von Marktdaten, Mieten, Zustand oder Lage,
  • Aufteilung allein zur Maximierung der AfA ohne objektive Grundlage.

Die BFH-Rechtsprechung verlangt eine Gesamtwürdigung des konkreten Objekts. Eine erhebliche Abweichung vom Bodenrichtwert ist ein starkes Indiz, ersetzt aber nicht automatisch eine objektbezogene Prüfung.

BMF-Arbeitshilfe zur Kaufpreisaufteilung 2026

Das Bundesministerium der Finanzen stellt eine Arbeitshilfe zur Aufteilung eines Gesamtkaufpreises für ein bebautes Grundstück bereit. Die aktuelle Fassung wurde im März 2026 veröffentlicht und dient dazu, eine Kaufpreisaufteilung typisiert zu berechnen oder eine vorhandene Aufteilung auf Plausibilität zu prüfen.

Wofür ist die Arbeitshilfe geeignet?

  • erste überschlägige Berechnung der AfA-Bemessungsgrundlage,
  • Plausibilitätsprüfung einer vertraglichen Aufteilung,
  • Vorbereitung der Steuererklärung,
  • Argumentationshilfe im Einspruchsverfahren oder bei einer Betriebsprüfung.

Grenzen der BMF-Arbeitshilfe

Die Arbeitshilfe ist kein Gesetz und ersetzt kein objektindividuelles Gutachten. Der BFH hat bereits zur früheren Arbeitshilfe entschieden, dass sie keine Bindungswirkung hat und eine vertragliche Kaufpreisaufteilung nicht schematisch ersetzen darf. Auch bei Nutzung der aktuellen Fassung bleibt entscheidend, ob das Ergebnis im Einzelfall wirtschaftlich plausibel ist.

Praxis-Hinweis

Verwenden Sie die BMF-Arbeitshilfe nicht isoliert. Dokumentieren Sie zusätzlich Bodenrichtwert, Zustand, Modernisierungen, tatsächliche Mieten, Restnutzungsdauer und die Gründe für die gewählte Methode.

Welche Bewertungsverfahren kommen in Betracht?

Die richtige Methode hängt vom Objekt, der Datenlage und der Marktpraxis ab. In Betracht kommen insbesondere:

Vergleichswertverfahren

Das Vergleichswertverfahren eignet sich, wenn genügend belastbare Vergleichspreise vorhanden sind. Es kommt häufig bei Eigentumswohnungen, Reihenhäusern oder standardisierten Objekten in funktionierenden Märkten in Betracht.

Ertragswertverfahren

Das Ertragswertverfahren ist besonders relevant bei vermieteten Immobilien, Mehrfamilienhäusern, Wohn- und Geschäftshäusern sowie Renditeobjekten. Dabei werden die erzielbaren Erträge, Bewirtschaftungskosten, Liegenschaftszins und Restnutzungsdauer berücksichtigt.

Sachwertverfahren

Das Sachwertverfahren wird häufig verwendet, wenn Ertrags- oder Vergleichsdaten nicht ausreichend verfügbar sind. Es knüpft stärker an Herstellungskosten, Baujahr, Gebäudestandard, Alterswertminderung und Bodenwert an.

Keine schematische Ein-Methode-Lösung

Entscheidend ist die konkrete Immobilie. Bei atypischen Objekten, Denkmalimmobilien, stark modernisierten Gebäuden, gemischt genutzten Grundstücken oder erheblichen Abweichungen vom Bodenrichtwert kann ein Gutachten sinnvoll oder erforderlich sein.

Welche Angaben werden für die Kaufpreisaufteilung benötigt?

Für eine belastbare Berechnung sollten insbesondere folgende Daten vorliegen:

Angabe Bedeutung für die Aufteilung
Kaufpreis und Anschaffungsnebenkosten Ausgangsbasis für die aufzuteilenden Anschaffungskosten
Bodenrichtwert Grundlage für den Bodenwert; maßgeblich ist der zum Kaufzeitpunkt passende Stichtag
Grundstücksfläche und Miteigentumsanteil erforderlich für Bodenwertberechnung, insbesondere bei Eigentumswohnungen
Baujahr und Modernisierungen relevant für Restnutzungsdauer, fiktives Baujahr und Gebäudewert
Wohnfläche oder Nutzfläche relevant für Vergleichs-, Sach- und Ertragswertberechnungen
Mieten und Bewirtschaftungskosten besonders wichtig beim Ertragswertverfahren
Stellplätze, Garagen, Sondernutzungsrechte können eigenständig zu bewerten oder einzubeziehen sein

Stichtag

Für die Kaufpreisaufteilung ist grundsätzlich der Zeitpunkt des Kaufvertrags maßgeblich. Der spätere Übergang von Nutzen und Lasten ist für die Bewertung regelmäßig nicht der entscheidende Stichtag.

Bodenrichtwert

Der Bodenrichtwert ist grundsätzlich aus den Daten des zuständigen Gutachterausschusses abzuleiten. Maßgeblich sind die Werte, die für den Bewertungsstichtag gelten. Bei sehr großen Grundstücken, Hinterlandflächen oder mehreren Bodenrichtwertzonen kann eine gesonderte Betrachtung erforderlich sein.

Sonderfall Denkmalimmobilie: Kein automatischer Bodenwert von 0 €

Bei denkmalgeschützten Immobilien wird gelegentlich argumentiert, der Bodenwert sei wegen des Denkmalschutzes oder einer angeblich unbegrenzten Nutzungsdauer des Gebäudes mit 0 € anzusetzen. Diese Sichtweise ist steuerlich regelmäßig nicht haltbar.

Der BFH hat 2025 entschieden, dass auch bei einer denkmalgeschützten Immobilie der Kaufpreis auf Grund und Boden und Gebäude aufzuteilen ist. Das allgemeine Ertragswertverfahren kann hierfür geeignet sein. Der Denkmalschutz führt nicht dazu, dass das Gebäude eine „ewige“ wirtschaftliche Nutzungsdauer hat oder dass der Boden seinen Wert verliert.

Für die Praxis bedeutet das: Der Denkmalstatus kann die Bewertung beeinflussen, beseitigt aber nicht die Pflicht zur Aufteilung. Steuerliche Vorteile ergeben sich eher über eine zutreffende Restnutzungsdauer, die reguläre Gebäude-AfA und gegebenenfalls über besondere Denkmalabschreibungen für begünstigte Sanierungsmaßnahmen.

Praxis-Checkliste für Steuererklärung, Einspruch und Betriebsprüfung

  1. Kaufvertrag prüfen: Enthält der Vertrag eine ausdrückliche Aufteilung?
  2. Bodenrichtwert sichern: Datenquelle und Stichtag dokumentieren.
  3. Objektdaten erfassen: Fläche, Baujahr, Modernisierung, Zustand, Mieten, Stellplätze.
  4. Geeignete Methode wählen: Vergleichswert, Ertragswert oder Sachwert objektbezogen begründen.
  5. BMF-Arbeitshilfe nutzen: als Näherung oder Plausibilitätscheck, nicht als alleinige Begründung.
  6. Vertragliche Quote plausibilisieren: Abweichungen erklären und belegen.
  7. Gutachten erwägen: bei hohen Beträgen, atypischen Objekten oder Streit mit dem Finanzamt.
  8. Unterlagen aufbewahren: Rechenweg, Screenshots, Gutachterausschussdaten, Mietunterlagen und Modernisierungsnachweise.

Typische Fehler

  • Bodenanteil im Kaufvertrag willkürlich zu niedrig angesetzt,
  • keine Dokumentation zum Bodenrichtwert,
  • Modernisierungen und fiktives Baujahr nicht berücksichtigt,
  • Eigentumswohnung ohne korrekten Miteigentumsanteil berechnet,
  • BMF-Arbeitshilfe ohne Plausibilitätsprüfung übernommen,
  • Denkmalimmobilie vollständig dem Gebäude zugeordnet.

FAQ zur Kaufpreisaufteilung bei Immobilien

Was ist eine Kaufpreisaufteilung?

Die Kaufpreisaufteilung trennt den Gesamtkaufpreis eines bebauten Grundstücks in einen nicht abschreibbaren Anteil für Grund und Boden und einen abschreibbaren Anteil für das Gebäude.

Warum ist die Aufteilung für die Steuer wichtig?

Nur der Gebäudeanteil ist AfA-fähig. Eine höhere, aber plausible Gebäudequote führt daher zu höheren jährlichen Werbungskosten oder Betriebsausgaben.

Ist eine Kaufpreisaufteilung im Kaufvertrag bindend?

Sie ist regelmäßig zu beachten, wenn sie wirtschaftlich nachvollziehbar ist. Das Finanzamt kann abweichen, wenn die Aufteilung die realen Wertverhältnisse deutlich verfehlt und objektiv nicht haltbar erscheint.

Ist die BMF-Arbeitshilfe verpflichtend?

Nein. Sie ist ein typisiertes Hilfsmittel der Verwaltung. Sie kann nützlich sein, hat aber keine gesetzliche Bindungswirkung und ersetzt kein objektindividuelles Gutachten.

Welcher Bodenrichtwert ist anzusetzen?

Maßgeblich ist grundsätzlich der Bodenrichtwert, der für den Zeitpunkt des Kaufvertrags gilt. Die Werte sind beim zuständigen Gutachterausschuss oder über die amtlichen Bodenrichtwertportale zu prüfen.

Kann der Bodenwert bei einer Denkmalimmobilie 0 € betragen?

Regelmäßig nein. Auch bei Denkmalimmobilien ist der Kaufpreis aufzuteilen. Denkmalschutz führt nicht automatisch zu einem Bodenwert von 0 €.

Wann ist ein Gutachten sinnvoll?

Ein Gutachten ist besonders sinnvoll bei hohen Kaufpreisen, ungewöhnlichen Objekten, starken Abweichungen vom Bodenrichtwert, Denkmalimmobilien, gemischter Nutzung oder Streit mit dem Finanzamt.

Aktuelles und weitere Informationen

BMF-Arbeitshilfe mit Stand März 2026

Die Finanzverwaltung stellt die Arbeitshilfe zur Kaufpreisaufteilung weiterhin bereit. Sie soll eine typisierte Berechnung oder Plausibilitätsprüfung ermöglichen. Die Arbeitshilfe ist für die Praxis hilfreich, sollte aber bei streitigen oder atypischen Fällen nicht ohne weitere Begründung übernommen werden.

BFH zur BMF-Arbeitshilfe

Nach der BFH-Rechtsprechung darf eine nicht tragfähige vertragliche Kaufpreisaufteilung nicht schematisch durch eine Berechnung nach der BMF-Arbeitshilfe ersetzt werden. Im Streitfall kann ein Sachverständigengutachten erforderlich sein.

BFH zur Denkmalimmobilie

Der BFH hat 2025 klargestellt, dass auch bei denkmalgeschützten Gebäuden der Bodenwert nicht automatisch entfällt. Der Gesamtkaufpreis ist weiterhin sachgerecht auf Grund und Boden und Gebäude aufzuteilen.

Weitere Informationen und Rechner zu Immobilien


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Rechtsgrundlagen zum Thema: Kaufpreisaufteilung

EStH 7.3

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