Immobilienbewertung, AfA & Steuerersparnis
Immobiliengutachten für das Finanzamt: Wann ein Gutachten Steuern sparen kann
Ein Immobiliengutachten für das Finanzamt kann sich lohnen, wenn der steuerliche Wert einer Immobilie zu hoch angesetzt wurde oder wenn für die Einkommensteuer eine bessere Kaufpreisaufteilung oder eine kürzere tatsächliche Restnutzungsdauer nachgewiesen werden soll. Besonders relevant sind Gutachten bei Erbschaftsteuer, Schenkungsteuer, Grundsteuer, Gebäude-AfA und Immobilienübertragungen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Erbschaft und Schenkung: Nach § 198 BewG kann ein niedrigerer gemeiner Wert durch ein qualifiziertes Verkehrswertgutachten nachgewiesen werden.
- Gebäude-AfA: Ein Gutachten kann helfen, eine höhere AfA durch Kaufpreisaufteilung oder kürzere tatsächliche Nutzungsdauer zu begründen.
- Kaufpreisaufteilung: Nur der Gebäudeanteil ist abschreibbar; Grund und Boden sind nicht abnutzbar.
- Restnutzungsdauer: Nach aktueller BFH-Rechtsprechung kann ein ImmoWertV-basiertes Sachverständigengutachten geeignet sein, eine kürzere tatsächliche Nutzungsdauer nachzuweisen.
- Grundsteuer: Bei erheblich überhöhtem Grundsteuerwert kann ein Verkehrswertgutachten als Nachweis eines niedrigeren gemeinen Werts relevant sein.
- Finanzamt akzeptiert nicht jedes Gutachten: Entscheidend sind Bewertungsstichtag, Qualifikation des Sachverständigen, ImmoWertV-Konformität und lückenlose Nachvollziehbarkeit.
- Kosten-Nutzen-Prüfung: Ein Gutachten sollte nur beauftragt werden, wenn die mögliche Steuerersparnis die Gutachtenkosten deutlich übersteigt.
Immobilienbewertung online: Erste Einschätzung vor dem Gutachten
Vor einem kostenpflichtigen Gutachten ist eine erste überschlägige Bewertung sinnvoll. So lässt sich prüfen, ob die Bewertung des Finanzamts, der Kaufpreisanteil des Gebäudes oder die angenommene Restnutzungsdauer überhaupt nennenswert abweicht.
Kostenlose Ersteinschätzung: Nutzen Sie die Online-Bewertung als Orientierung. Für den steuerlichen Nachweis gegenüber dem Finanzamt ersetzt sie jedoch kein qualifiziertes Verkehrswertgutachten.
AfA-Gutachten und Restnutzungsdauer prüfen
Für vermietete Immobilien kann insbesondere ein AfA-Gutachten interessant sein, wenn eine kürzere tatsächliche Nutzungsdauer oder ein höherer Gebäudeanteil plausibel ist.
Wann braucht man ein Immobiliengutachten für das Finanzamt?
Das Finanzamt bewertet Immobilien häufig nach typisierten gesetzlichen Verfahren. Diese Verfahren sind praktikabel, bilden aber nicht jeden Einzelfall exakt ab. Ein Gutachten wird interessant, wenn individuelle wertmindernde Faktoren steuerlich bisher nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt wurden.
Typische steuerliche Bewertungszwecke
- Erbschaftsteuer und Schenkungsteuer: Nachweis eines niedrigeren gemeinen Werts nach § 198 BewG.
- Einkommensteuer: bessere Kaufpreisaufteilung und höhere Gebäude-AfA bei Vermietung.
- Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer: Bewertung von Betriebsimmobilien und mögliche Teilwertfragen.
- Grundsteuer: Nachweis eines niedrigeren gemeinen Werts bei erheblich überhöhtem Grundsteuerwert.
- Umsatzsteuer: Vorsteueraufteilung bei gemischt genutzten Immobilien.
- anschaffungsnahe Herstellungskosten: Abgrenzung von Erhaltungsaufwand und Herstellungskosten.
- Entnahme, Einlage oder Übertragung: Bewertung bei Betriebsvermögen, Nachfolge oder Umstrukturierung.
Definition in einfacher Sprache
Ein Immobiliengutachten ist ein fachlicher Nachweis, dass ein bestimmter Immobilienwert steuerlich plausibel ist. Es hilft vor allem, wenn pauschale Finanzamtswerte zu hoch sind oder wenn eine Immobilie schneller oder mit höherem Gebäudeanteil abgeschrieben werden soll.
Welche Gutachtenarten erkennt das Finanzamt an?
Die passende Gutachtenart hängt vom steuerlichen Ziel ab. Für Erbschaftsteuer, Schenkungsteuer und Grundsteuer steht regelmäßig der Verkehrswert beziehungsweise gemeine Wert im Mittelpunkt. Für die AfA sind Kaufpreisaufteilung und Restnutzungsdauer entscheidend.
| Gutachtenart | Typischer Zweck | Wichtig für das Finanzamt |
|---|---|---|
| Verkehrswertgutachten | Nachweis des Marktwerts nach § 194 BauGB | Stichtag, ImmoWertV, Sachverständigenqualifikation, nachvollziehbare Daten |
| Gutachten nach § 198 BewG | niedrigerer gemeiner Wert bei Erbschaft oder Schenkung | qualifizierter Gutachter, vollständige wirtschaftliche Einheit, Bewertungsstichtag |
| Kaufpreisaufteilung | Gebäudeanteil für AfA erhöhen | Verhältnis der Verkehrswerte von Grund und Boden sowie Gebäude |
| Restnutzungsdauer-Gutachten | schnellere Gebäude-AfA | objektbezogene Restnutzungsdauer, Modernisierung, Zustand, wirtschaftliche Nutzbarkeit |
| Grundsteuer-Gutachten | niedrigerer gemeiner Wert bei überhöhtem Grundsteuerwert | erhebliche Abweichung und belastbarer Nachweis |
Bewertungsverfahren im Überblick
- Vergleichswertverfahren: besonders wichtig bei Eigentumswohnungen, Reihenhäusern und Standardobjekten mit guten Vergleichsdaten.
- Ertragswertverfahren: häufig bei vermieteten Immobilien, Mehrfamilienhäusern und Renditeobjekten.
- Sachwertverfahren: oft bei Ein- und Zweifamilienhäusern oder Spezialimmobilien ohne ausreichend belastbare Mieten oder Vergleichspreise.
Immobiliengutachten für höhere Gebäude-AfA
Vermieter und Unternehmen können nur den Gebäudeanteil einer Immobilie abschreiben. Grund und Boden gelten steuerlich als nicht abnutzbar. Ein Immobiliengutachten kann daher zwei Hebel haben: Es kann den Gebäudeanteil am Gesamtkaufpreis erhöhen oder eine kürzere tatsächliche Nutzungsdauer des Gebäudes nachweisen.
Wann lohnt sich ein AfA-Gutachten?
- Der Bodenwertanteil des Finanzamts erscheint zu hoch.
- Der notarielle Kaufvertrag enthält keine oder eine unplausible Kaufpreisaufteilung.
- Die Immobilie ist älter, unsaniert oder wirtschaftlich nur noch begrenzt nutzbar.
- Baumängel, Bauschäden, Modernisierungsrückstand oder rechtliche Nutzungsbeschränkungen wirken wertmindernd.
- Die steuerliche Mehr-AfA übersteigt die Gutachtenkosten deutlich.
Praxis-Tipp
Prüfen Sie AfA-Gutachten möglichst früh nach Kauf. Je früher Kaufpreisaufteilung und Restnutzungsdauer sauber dokumentiert sind, desto leichter lassen sich Steuererklärungen, Einsprüche und Rückfragen des Finanzamts bearbeiten.
Kaufpreisaufteilung: Warum der Gebäudeanteil so wichtig ist
Beim Kauf eines bebauten Grundstücks muss der Gesamtkaufpreis auf Grund und Boden sowie Gebäude aufgeteilt werden. Nur der Gebäudeanteil bildet die Bemessungsgrundlage für die AfA. Das Finanzamt nutzt häufig typisierte Arbeitshilfen oder eigene Berechnungen. Diese können im Einzelfall zu einem zu niedrigen Gebäudeanteil führen.
Wann ist ein Gutachten sinnvoll?
- hoher Bodenrichtwert bei gleichzeitig älterem oder sanierungsbedürftigem Gebäude,
- Denkmalschutz, Baulasten oder Dienstbarkeiten,
- ungewöhnliche Grundstückszuschnitte,
- Erbbaurechte oder besondere Rechte und Belastungen,
- gemischt genutzte Gebäude,
- Streit mit dem Finanzamt über die Plausibilität der Kaufpreisaufteilung.
BMF-Arbeitshilfe und Gutachten
Die BMF-Arbeitshilfe zur Kaufpreisaufteilung ist ein wichtiges Plausibilisierungsinstrument. Sie ersetzt jedoch nicht in jedem Fall eine individuelle Verkehrswertermittlung. Weichen Objekt, Marktverhältnisse oder wertbeeinflussende Merkmale deutlich vom Standardfall ab, kann ein Gutachten die bessere Grundlage sein.
Mehr dazu: Kaufpreisaufteilung auf Grund und Boden, Gebäude und Modernisierung.
Kürzere Restnutzungsdauer: Schnellere Abschreibung nachweisen
Für Gebäude gelten gesetzliche typisierte AfA-Sätze. Bei Wohngebäuden, die nach dem 31.12.2022 fertiggestellt wurden, beträgt die lineare AfA grundsätzlich 3 %; bei älteren Wohngebäuden regelmäßig 2 % beziehungsweise 2,5 % bei Fertigstellung vor 1925. Ist die tatsächliche Nutzungsdauer kürzer, kann unter den Voraussetzungen des § 7 Abs. 4 Satz 2 EStG die tatsächliche Nutzungsdauer zugrunde gelegt werden.
Was muss das Gutachten zeigen?
- objektbezogene Restnutzungsdauer zum maßgeblichen Stichtag,
- technischer Zustand und wirtschaftliche Nutzbarkeit,
- durchgeführte und unterlassene Modernisierungen,
- Baumängel, Bauschäden und Instandhaltungsrückstand,
- rechtliche oder tatsächliche Nutzungsbeschränkungen,
- Nachvollziehbarkeit der angewendeten Methode,
- Abgrenzung zwischen reiner Altersbetrachtung und sachverständiger Einzelfallwürdigung.
Wichtig: Keine schematische Kurzberechnung
Ein bloßer Verweis auf eine modellhaft berechnete Restnutzungsdauer genügt häufig nicht. Das Gutachten sollte die individuellen Gegebenheiten des konkreten Objekts würdigen. Dazu gehören insbesondere Modernisierungsgrad, Bauzustand und wirtschaftliche Verwertbarkeit.
Beispiel
Eine vermietete Altbauwohnung wird bisher mit 2 % jährlich abgeschrieben. Ein Gutachten weist eine tatsächliche Restnutzungsdauer von 25 Jahren nach. Dann kann die jährliche AfA rechnerisch auf 4 % steigen, sofern das Finanzamt den Nachweis akzeptiert.
Immobiliengutachten für Erbschaftsteuer und Schenkungsteuer
Bei Erbschaft und Schenkung ermittelt das Finanzamt den Grundbesitzwert nach dem Bewertungsgesetz. Diese Bewertung kann über dem tatsächlichen Marktwert liegen, weil individuelle wertmindernde Faktoren typisiert oder unzureichend berücksichtigt werden. § 198 BewG eröffnet die Möglichkeit, einen niedrigeren gemeinen Wert nachzuweisen.
Wann ist § 198 BewG besonders relevant?
- sanierungsbedürftige oder wirtschaftlich überalterte Gebäude,
- Altlasten, Baulasten, Dienstbarkeiten oder Wohnrechte,
- Leerstand, Mietausfall oder nicht marktübliche Mietverhältnisse,
- Denkmalschutz oder eingeschränkte Nutzbarkeit,
- ungewöhnliche Grundstücke oder schlechte Mikrolage,
- Erbbaurechte, Nießbrauch, Wegerechte oder Belastungen im Grundbuch,
- abweichende tatsächliche Flächen oder Bauschäden.
Wer darf das Gutachten erstellen?
Für den Nachweis eines niedrigeren gemeinen Werts verlangt das Finanzamt ein belastbares Gutachten. In Betracht kommen insbesondere Sachverständige oder Gutachter für Grundstückswertermittlung, die öffentlich bestellt und vereidigt, von staatlichen oder staatlich anerkannten Stellen bestellt oder zertifiziert beziehungsweise nach einschlägigen Akkreditierungsstandards zertifiziert sind.
Gutachten oder Verkaufspreis?
Neben einem Gutachten kann auch ein zeitnaher Kaufpreis ein wichtiges Beweismittel sein, wenn die Verhältnisse zwischen Bewertungsstichtag und Verkauf unverändert geblieben sind. Ob ein konkreter Verkaufspreis genügt, muss im Einzelfall geprüft werden.
Gutachten für die Grundsteuer: Wann kann ein niedrigerer Wert helfen?
Die Grundsteuer wird seit 2025 nach reformierten Bewertungsmodellen erhoben. Je nach Bundesland gelten das Bundesmodell oder eigene Landesmodelle. Bei deutlich überhöhten Werten kann der Nachweis eines niedrigeren gemeinen Werts relevant werden. Die Anforderungen sind allerdings hoch.
Typische Fälle
- stark überhöhter Bodenrichtwert im Verhältnis zur tatsächlichen Nutzbarkeit,
- erhebliche wertmindernde Rechte und Belastungen,
- Altlasten, Baubeschränkungen oder Erschließungsprobleme,
- besonders schlechte Objektqualität oder außergewöhnliche Grundstücksmerkmale,
- Abweichung zwischen typisiertem Grundsteuerwert und Verkehrswert in erheblicher Höhe.
Wichtig
Nicht jede Abweichung reicht für eine erfolgreiche Korrektur. Bei Grundsteuerwerten muss regelmäßig eine erhebliche Überbewertung schlüssig nachgewiesen werden. Ein Gutachten sollte daher nur nach Kosten-Nutzen-Prüfung beauftragt werden.
Mehr dazu: Grundsteuer berechnen und Bescheid prüfen.
Welche Anforderungen muss ein finanzamtsfestes Gutachten erfüllen?
Ein Gutachten ist nur dann überzeugend, wenn es fachlich, formell und steuerlich zum Bewertungszweck passt. Ein Maklerpreis, eine Online-Bewertung oder eine Kurzstellungnahme reicht für den steuerlichen Nachweis häufig nicht aus.
Formale Anforderungen
- klarer Auftrag und Bewertungszweck,
- genauer Bewertungsstichtag und Qualitätsstichtag,
- vollständige Objektbezeichnung, Grundbuch- und Flurstücksdaten,
- persönliche Besichtigung oder nachvollziehbare Begründung bei Nichtzugänglichkeit,
- farbige Fotodokumentation, Lageplan und relevante Anlagen,
- Qualifikationsnachweis des Sachverständigen,
- Unterschrift und nachvollziehbare gutachterliche Verantwortung.
Inhaltliche Anforderungen
- ImmoWertV-konforme Wertermittlung,
- begründete Verfahrenswahl,
- Darstellung der Datenquellen, Marktinformationen und Bodenrichtwerte,
- nachvollziehbare Wohn- und Nutzflächen,
- Berücksichtigung tatsächlicher Miet- und Pachtverhältnisse,
- Bewertung besonderer objektspezifischer Grundstücksmerkmale,
- keine Doppelberücksichtigung wertmindernder Faktoren,
- plausible Ableitung des Endwerts.
Finanzamtsprüfung
Die Finanzverwaltung prüft ein eingereichtes Gutachten auf Schlüssigkeit, Eignung und Nachvollziehbarkeit. Besonders kritisch sind unklare Flächen, ungeprüfte Mietansätze, fehlende Stichtagsbezüge, nicht begründete Bodenwertabweichungen und pauschale Abschläge.
Was kostet ein Immobiliengutachten für das Finanzamt?
Die Kosten für ein Immobiliengutachten sind frei vereinbar und hängen insbesondere von Objektart, Verkehrswert, Bewertungszweck, Datenlage, Besichtigung, Komplexität und Umfang der Begründung ab. Ein einfaches Kurzgutachten ist günstiger, wird steuerlich aber nicht immer ausreichen. Ein vollwertiges Verkehrswertgutachten ist aufwendiger, dafür aber deutlich belastbarer.
Orientierende Kostenspannen
| Gutachten / Leistung | Typische Spanne | Hinweis |
|---|---|---|
| Ersteinschätzung | kostenlos bis wenige hundert Euro | nur zur Vorprüfung, kein Vollnachweis |
| AfA-/Restnutzungsdauer-Gutachten | häufig ab ca. 500 € bis 1.500 € netto | abhängig von Objekt und Unterlagen |
| Verkehrswertgutachten für Finanzamt | häufig ab ca. 1.000 € bis 3.000 € netto oder mehr | bei komplexen Objekten deutlich höher möglich |
| Spezialimmobilien | individuell | z. B. Gewerbe, Erbbaurecht, Denkmalschutz, Altlasten |
Kosten-Nutzen-Regel
Ein Gutachten lohnt sich vor allem, wenn die voraussichtliche Steuerersparnis die Gutachtenkosten deutlich übersteigt und die Erfolgsaussichten gegenüber dem Finanzamt realistisch sind.
Welche Unterlagen werden für ein Immobiliengutachten benötigt?
Je vollständiger die Unterlagen sind, desto schneller und belastbarer kann ein Gutachten erstellt werden. Für eine erste Prüfung reichen oft weniger Unterlagen; für ein finanzamtsfestes Gutachten werden deutlich mehr Nachweise benötigt.
Grunddaten
- Bewertungszweck und Steuerbescheid beziehungsweise Finanzamtsbewertung,
- Adresse, Grundbuchdaten, Gemarkung, Flur und Flurstück,
- Grundstücksgröße und Gebäudeart,
- Baujahr, Modernisierungen und Sanierungen,
- Fotos und Objektbeschreibung,
- Kaufvertrag oder Übertragungsvertrag,
- Bewertungsstichtag.
Objektunterlagen
- Grundbuchauszug,
- Lageplan und Katasterkarte,
- Bauzeichnungen und Grundrisse,
- Wohn- und Nutzflächenberechnung,
- Berechnung des Bruttorauminhalts oder der Bruttogrundfläche,
- Energieausweis, soweit vorhanden,
- Modernisierungs- und Instandhaltungsnachweise,
- Gutachten zu Schäden, Altlasten oder Denkmalschutz, soweit vorhanden.
Rechte, Belastungen und Nutzung
- Mietverträge und Mietaufstellungen,
- Betriebskosten- und Hausgeldabrechnungen,
- Teilungserklärung bei Wohnungseigentum,
- Baulastenverzeichnis,
- Dienstbarkeiten, Nießbrauch, Wohnrechte und Wegerechte,
- Erbbaurechtsvertrag, falls vorhanden,
- Nachweise zu Leerstand oder Mietausfall.
Ablauf: So entsteht ein Gutachten für das Finanzamt
1. Steuerliche Vorprüfung
Zunächst wird geprüft, welcher steuerliche Zweck vorliegt: Erbschaftsteuer, Schenkungsteuer, Grundsteuer, AfA, Kaufpreisaufteilung oder Restnutzungsdauer. Dabei wird überschlägig berechnet, ob ein Gutachten wirtschaftlich sinnvoll ist.
2. Unterlagencheck
Die vorhandenen Unterlagen werden gesichtet. Fehlende Daten wie Grundbuchauszug, Bodenrichtwert, Wohnflächenberechnung oder Mietaufstellung werden ergänzt.
3. Beauftragung des Sachverständigen
Je nach Zweck wird ein geeigneter Sachverständiger ausgewählt. Bei § 198 BewG ist besonders auf die fachliche Anerkennung und Zertifizierung zu achten.
4. Ortsbesichtigung und Wertermittlung
Der Sachverständige besichtigt die Immobilie, dokumentiert Zustand und wertrelevante Merkmale und wählt das passende Bewertungsverfahren.
5. Steuerliche Einordnung
Das Gutachten wird steuerlich ausgewertet. Je nach Fall wird es mit Steuererklärung, Einspruch, Änderungsantrag oder Stellungnahme beim Finanzamt eingereicht.
Mustergutachten: Welche Inhalte gehören in ein Verkehrswertgutachten?
Das bisherige lange Mustergutachten wurde zugunsten einer praxisnahen Struktur gekürzt. Für steuerliche Zwecke ist weniger ein Mustertext entscheidend, sondern ob das konkrete Gutachten den Einzelfall vollständig, stichtagsbezogen und nachvollziehbar abbildet.
Typische Gliederung
- Auftrag, Bewertungszweck und Bewertungsstichtag,
- Objektidentifikation, Grundbuch, Kataster und Lage,
- rechtliche Gegebenheiten, Rechte und Belastungen,
- Beschreibung von Grundstück, Gebäude, Zustand und Nutzung,
- Marktdaten, Bodenrichtwert und Vergleichsdaten,
- Wahl und Begründung des Wertermittlungsverfahrens,
- Vergleichswert-, Ertragswert- oder Sachwertberechnung,
- besondere objektspezifische Grundstücksmerkmale,
- Verkehrswertableitung und Plausibilisierung,
- Anlagen: Fotos, Pläne, Berechnungen und Nachweise.
Kein Copy-and-paste-Gutachten
Ein Mustergutachten ersetzt keine individuelle Wertermittlung. Für das Finanzamt muss das Gutachten auf den konkreten Bewertungsstichtag, das konkrete Objekt und den konkreten steuerlichen Zweck zugeschnitten sein.
Immobiliengutachten Berlin: Welche Besonderheiten sind wichtig?
In Berlin spielen Bodenrichtwerte, Mietspiegel, Milieuschutz, Denkmalschutz, Erhaltungsgebiete, Baulasten, Teilungserklärungen, Erbbaurechte und stark unterschiedliche Mikrolagen eine große Rolle. Eine steuerliche Immobilienbewertung sollte diese Faktoren nicht pauschal behandeln.
Wichtige Informationsquellen für Berlin
Typische Fehler bei Immobiliengutachten für das Finanzamt
- Falscher Bewertungszweck: Ein Verkehrswertgutachten für Verkauf ersetzt nicht automatisch ein AfA- oder §-198-BewG-Gutachten.
- Falscher Stichtag: Bei Erbschaft, Schenkung und Grundsteuer ist der Bewertungsstichtag entscheidend.
- Ungeeigneter Gutachter: Nicht jeder Makler oder Sachverständige erfüllt die steuerlichen Anforderungen.
- Keine Besichtigung: Ohne Ortsbesichtigung steigt das Risiko, dass das Finanzamt das Gutachten als unzureichend ansieht.
- Veraltete Bewertungsgrundlagen: Alte WertR-, SW-RL- oder VW-RL-Strukturen sollten an die aktuelle ImmoWertV angepasst werden.
- Wertminderungen doppelt berücksichtigt: Abschläge müssen sauber begründet und dürfen nicht mehrfach angesetzt werden.
- Online-Bewertung überschätzt: Online-Rechner sind gute Vorprüfungen, aber kein vollwertiger Nachweis gegenüber dem Finanzamt.
- Fristen versäumt: Einspruchsfristen gegen Steuer- oder Feststellungsbescheide müssen unabhängig von der Gutachtenerstellung beachtet werden.
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Sie haben einen Erbschaftsteuer-, Schenkungsteuer-, Grundsteuer- oder Einkommensteuerfall mit Immobilie? Wir prüfen, ob ein Immobiliengutachten steuerlich sinnvoll ist, welche Gutachtenart benötigt wird und ob sich Einspruch, AfA-Anpassung, Kaufpreisaufteilung oder § 198 BewG wirtschaftlich lohnen.
FAQ: Häufige Fragen zum Immobiliengutachten für das Finanzamt
Wann lohnt sich ein Immobiliengutachten für das Finanzamt?
Ein Gutachten lohnt sich, wenn die voraussichtliche Steuerersparnis höher ist als die Gutachtenkosten und konkrete Anhaltspunkte für eine überhöhte Finanzamtsbewertung, eine günstigere Kaufpreisaufteilung oder eine kürzere tatsächliche Nutzungsdauer bestehen.
Was ist ein Gutachten nach § 198 BewG?
Ein Gutachten nach § 198 BewG dient dem Nachweis, dass der gemeine Wert einer Immobilie niedriger ist als der vom Finanzamt nach typisierten Bewertungsregeln ermittelte Wert. Es ist besonders wichtig bei Erbschaftsteuer und Schenkungsteuer.
Kann ein Gutachten die Gebäude-AfA erhöhen?
Ja. Ein Gutachten kann helfen, einen höheren Gebäudeanteil am Kaufpreis oder eine kürzere tatsächliche Restnutzungsdauer nachzuweisen. Beides kann die jährliche AfA erhöhen.
Reicht die BMF-Arbeitshilfe zur Kaufpreisaufteilung?
Die BMF-Arbeitshilfe ist ein wichtiges Plausibilisierungsinstrument. Bei besonderen Objektmerkmalen, Streit mit dem Finanzamt oder unplausiblen Ergebnissen kann ein individuelles Gutachten sinnvoll sein.
Welche Gutachter erkennt das Finanzamt an?
Für steuerliche Nachweise sind insbesondere qualifizierte Sachverständige relevant, etwa öffentlich bestellte und vereidigte oder nach anerkannten Standards zertifizierte Gutachter für Grundstückswertermittlung.
Kann ich mit einem Gutachten Grundsteuer sparen?
Das ist möglich, wenn der festgestellte Grundsteuerwert den gemeinen Wert erheblich übersteigt und der niedrigere Wert belastbar nachgewiesen wird. Die Anforderungen sind hoch.
Was kostet ein Immobiliengutachten?
Die Kosten hängen von Objekt, Zweck und Umfang ab. AfA- oder Restnutzungsdauer-Gutachten beginnen häufig im unteren vierstelligen oder hohen dreistelligen Bereich; vollwertige Verkehrswertgutachten können deutlich teurer sein.
Welche Unterlagen braucht der Gutachter?
Wichtig sind unter anderem Grundbuchauszug, Lageplan, Bauzeichnungen, Wohnflächenberechnung, Mietverträge, Fotos, Kaufvertrag, Steuerbescheide, Bodenrichtwertinformationen und Nachweise zu Schäden, Rechten oder Belastungen.
Passend dazu
Rechtsgrundlagen und Orientierung
- § 7 EStG – Gebäude-AfA und kürzere tatsächliche Nutzungsdauer
- § 6 EStG – Teilwert und Bewertung im Betriebsvermögen
- § 198 BewG – Nachweis des niedrigeren gemeinen Werts
- § 9 BewG – gemeiner Wert
- § 194 BauGB – Verkehrswert
- ImmoWertV – Grundsätze und Verfahren der Immobilienwertermittlung
- Grundsteuer-Reformgesetz und landesrechtliche Grundsteuermodelle
- BFH-Rechtsprechung zur Kaufpreisaufteilung und zur kürzeren tatsächlichen Nutzungsdauer
Disclaimer: Dieser Beitrag stellt keine individuelle steuerliche Beratung dar und ersetzt nicht das Gespräch mit einem Steuerberater.
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