Ein ehemaliger GmbH-Geschäftsführer haftet grundsätzlich nicht für steuerliche Pflichtverletzungen, die erst nach seiner wirksamen Abberufung entstehen. Daran ändert auch der Vorwurf einer sogenannten Firmenbestattung nicht automatisch etwas. Das hat das Finanzgericht Schleswig-Holstein mit Urteil vom 27. September 2024 (Az. 1 K 62/24) entschieden.
Im Streitfall konnte das Finanzamt nicht nachweisen, dass die Abberufung des Geschäftsführers Teil einer gezielten Gläubigerbenachteiligung oder einer missbräuchlichen Firmenbestattung war. Das Gericht hob deshalb den Haftungsbescheid auf.
Die Entscheidung ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Beim Bundesfinanzhof (BFH) ist unter dem Aktenzeichen VII R 14/25 ein Revisionsverfahren anhängig.
Für GmbH-Geschäftsführer, Gesellschafter und Unternehmer in wirtschaftlichen Krisensituationen hat das Urteil besondere praktische Bedeutung.
Worum ging es in dem Streitfall?
Im Mittelpunkt des Verfahrens stand ein ehemaliger Geschäftsführer einer GmbH, den das Finanzamt für steuerliche Rückstände der Gesellschaft persönlich in Anspruch nehmen wollte.
Der Geschäftsführer war zuvor aus seinem Amt abberufen worden. Die streitigen steuerlichen Verpflichtungen betrafen auch die Zeit nach dieser Abberufung.
Das Finanzamt vertrat die Auffassung, dass die Abberufung im Zusammenhang mit einer sogenannten Firmenbestattung zu beurteilen sei.
Es stellte sich deshalb die Frage, ob die Abberufung möglicherweise sittenwidrig und damit unwirksam war.
Wäre der Geschäftsführer trotz seiner formellen Abberufung rechtlich weiterhin im Amt geblieben, hätten daraus auch fortbestehende steuerliche Pflichten folgen können.
Der ehemalige Geschäftsführer wandte sich gegen seine persönliche Inanspruchnahme durch das Finanzamt.
Was hat das Finanzgericht Schleswig-Holstein entschieden?
Das Finanzgericht Schleswig-Holstein gab der Klage statt und hob den Haftungsbescheid auf.
Nach Auffassung des Gerichts war nicht ausreichend nachgewiesen, dass die Abberufung des Geschäftsführers Teil einer sittenwidrigen Firmenbestattung war.
Insbesondere fehlten objektive Anhaltspunkte dafür, dass zum Zeitpunkt der Abberufung:
- die GmbH bereits in einer entsprechenden finanziellen Krise steckte,
- eine gezielte Benachteiligung von Gläubigern beabsichtigt war,
- Gesellschaftsvermögen zum Nachteil der Gläubiger verschoben wurde oder
- die Abberufung der bewussten Umgehung gesetzlicher Pflichten diente.
Der bloße Verdacht einer Firmenbestattung genügte dem Gericht nicht.
Entscheidend war, dass sich die Voraussetzungen für eine Unwirksamkeit der Geschäftsführerabberufung im konkreten Fall nicht feststellen ließen.
Das Finanzamt durfte den ehemaligen Geschäftsführer deshalb auf der angeführten Grundlage nicht für die späteren steuerlichen Pflichtverletzungen haftbar machen.
Wann haftet ein GmbH-Geschäftsführer persönlich für Steuerschulden?
Grundsätzlich ist die GmbH selbst Schuldnerin ihrer Steuern.
Unter bestimmten Voraussetzungen kann jedoch auch der Geschäftsführer persönlich für nicht erfüllte steuerliche Verpflichtungen haften.
Die gesetzlichen Grundlagen ergeben sich insbesondere aus §§ 34 und 69 AO.
Nach § 34 Abs. 1 AO sind Geschäftsführer als gesetzliche Vertreter verpflichtet, die steuerlichen Pflichten der GmbH zu erfüllen.
Hierzu gehören insbesondere:
- die ordnungsgemäße Abgabe von Steuererklärungen,
- die rechtzeitige Anmeldung und Entrichtung von Steuern,
- die Erfüllung steuerlicher Mitwirkungspflichten,
- die ordnungsgemäße Organisation der steuerlichen Pflichterfüllung sowie
- die Verwendung verwalteter Gesellschaftsmittel zur Erfüllung steuerlicher Verpflichtungen.
Verletzt ein Geschäftsführer diese Pflichten vorsätzlich oder grob fahrlässig und werden dadurch Steuern nicht oder nicht rechtzeitig festgesetzt oder entrichtet, kann eine persönliche Haftung nach § 69 AO entstehen.
Wichtig: Nicht jede unbezahlte Steuerschuld einer GmbH führt automatisch zur persönlichen Haftung des Geschäftsführers. Erforderlich sind die gesetzlichen Haftungsvoraussetzungen, insbesondere eine entsprechende Pflichtverletzung und deren Ursächlichkeit für den Steuerausfall.
Wann endet die steuerliche Verantwortung eines Geschäftsführers?
Die Stellung als gesetzlicher Vertreter im Sinne des § 34 Abs. 1 AO setzt grundsätzlich eine wirksame Bestellung zum Geschäftsführer voraus.
Wird ein Geschäftsführer wirksam abberufen oder legt er sein Amt wirksam nieder, endet grundsätzlich auch seine entsprechende Vertreterstellung.
Bei einer Abberufung ist hierfür regelmäßig maßgeblich, wann der Abberufungsbeschluss dem Geschäftsführer bekannt gegeben wird.
Eine spätere Eintragung der Abberufung im Handelsregister ist für die Beendigung der Organstellung grundsätzlich nicht erforderlich.
Das Handelsregister dokumentiert den Geschäftsführerwechsel, begründet oder beendet die Geschäftsführerstellung aber regelmäßig nicht selbst.
Bedeutet die Abberufung automatisch das Ende jeder Haftung?
Nein. Hier muss sorgfältig unterschieden werden.
Eine wirksame Abberufung beendet grundsätzlich die gesetzlichen Vertreterpflichten für die Zukunft.
Eine bereits während der Amtszeit entstandene Haftung entfällt dadurch jedoch nicht.
Hat ein Geschäftsführer vor seiner Abberufung steuerliche Pflichten vorsätzlich oder grob fahrlässig verletzt, kann er auch nach seinem Ausscheiden für die daraus entstandenen Steuerausfälle in Anspruch genommen werden.
Außerdem sind besondere Haftungstatbestände oder eine tatsächliche Fortführung der Geschäftsführung gesondert zu prüfen.
Entscheidend ist deshalb nicht allein, wann eine Steuer fällig wurde, sondern insbesondere, wann welche steuerliche Pflicht bestand und verletzt wurde.
Was versteht man unter einer Firmenbestattung?
Der Begriff Firmenbestattung bezeichnet im allgemeinen gesellschaftsrechtlichen Sprachgebrauch Gestaltungen, bei denen eine wirtschaftlich angeschlagene Gesellschaft gezielt aus dem Geschäftsverkehr entfernt werden soll, ohne ihre Verbindlichkeiten ordnungsgemäß abzuwickeln.
Solche Vorgehensweisen können beispielsweise mit einem Gesellschafter- oder Geschäftsführerwechsel, der Verlagerung des Geschäftssitzes oder Vermögensverschiebungen verbunden sein.
Der Begriff ist jedoch kein eigenständiger, abschließend gesetzlich definierter Haftungstatbestand.
Nicht jeder Geschäftsführerwechsel bei einer wirtschaftlich angeschlagenen GmbH stellt eine rechtswidrige Firmenbestattung dar.
Entscheidend sind die konkreten Umstände.
Problematisch können insbesondere Gestaltungen sein, die bewusst darauf gerichtet sind, Gläubiger zu schädigen oder gesetzliche Pflichten im Zusammenhang mit einer Unternehmenskrise zu umgehen.
Kann eine Geschäftsführerabberufung wegen Sittenwidrigkeit unwirksam sein?
Genau mit dieser Frage beschäftigte sich das Finanzgericht Schleswig-Holstein.
Nach § 38 Abs. 1 GmbHG ist die Bestellung eines Geschäftsführers grundsätzlich jederzeit widerruflich, soweit die gesetzlichen und gesellschaftsvertraglichen Vorgaben beachtet werden.
Allerdings können gesellschaftsrechtliche Beschlüsse unter besonderen Voraussetzungen unwirksam sein.
In Rechtsprechung und Literatur wird deshalb diskutiert, ob eine gezielt gläubigerschädigende Geschäftsführerabberufung im Rahmen einer Firmenbestattung wegen Sittenwidrigkeit nichtig sein kann.
Als rechtlicher Anknüpfungspunkt kommt unter anderem eine entsprechende Anwendung des § 241 Nr. 4 AktG in Betracht.
Diese Vorschrift betrifft die Nichtigkeit sittenwidriger Hauptversammlungsbeschlüsse einer Aktiengesellschaft. Ihre entsprechende Anwendung auf GmbH-Gesellschafterbeschlüsse ist unter Berücksichtigung der gesellschaftsrechtlichen Besonderheiten zu prüfen.
Das Finanzgericht musste die grundsätzliche Frage im Streitfall jedoch nicht abschließend entscheiden.
Denn es fehlte bereits am Nachweis der tatsächlichen Umstände, die eine sittenwidrige Firmenbestattung hätten begründen können.
Warum reichte der Verdacht einer Firmenbestattung nicht aus?
Das Finanzamt konnte nach Auffassung des Gerichts keine ausreichenden Tatsachen feststellen, aus denen sich eine gezielte Gläubigerbenachteiligung bei der Abberufung des Geschäftsführers ergab.
Insbesondere waren keine hinreichenden objektiven Anhaltspunkte für eine entsprechende wirtschaftliche Krise oder eine gezielte Vermögensverschiebung vorhanden.
Eine Geschäftsführerabberufung ist für sich genommen ein gesetzlich vorgesehener gesellschaftsrechtlicher Vorgang.
Aus ihr kann deshalb nicht allein aufgrund später auftretender Steuerschulden auf eine sittenwidrige Gestaltung geschlossen werden.
Der spätere Ausfall von Steuerforderungen beweist nicht automatisch, dass eine frühere Geschäftsführerabberufung missbräuchlich oder unwirksam war.
Das Gericht sah daher keine ausreichende Grundlage, um den ehemaligen Geschäftsführer weiterhin als gesetzlichen Vertreter der GmbH zu behandeln.
Steuer-Tipp: Geschäftsführerwechsel sorgfältig dokumentieren
Bei einer Abberufung oder Amtsniederlegung sollten Geschäftsführer und Gesellschafter auf eine nachvollziehbare Dokumentation achten.
Wichtig sind insbesondere:
- ein ordnungsgemäßer Gesellschafterbeschluss,
- ein Nachweis über die Bekanntgabe der Abberufung,
- die Dokumentation des genauen Beendigungszeitpunkts,
- eine geordnete Übergabe der Buchhaltungs- und Steuerunterlagen,
- die Information der zuständigen Stellen und
- die rechtzeitige Anmeldung des Geschäftsführerwechsels zum Handelsregister.
Gerade bei einer wirtschaftlich angespannten GmbH kann eine vollständige Dokumentation helfen, spätere Streitigkeiten über Verantwortlichkeiten und Haftungszeiträume zu vermeiden.
Was gilt bei einer Amtsniederlegung durch den alleinigen Gesellschafter-Geschäftsführer?
Besondere rechtliche Probleme können entstehen, wenn ein Geschäftsführer zugleich alleiniger Gesellschafter einer GmbH ist.
In der gesellschaftsrechtlichen Rechtsprechung wird eine Amtsniederlegung in bestimmten Fällen als rechtsmissbräuchlich angesehen, wenn sich der alleinige Gesellschafter-Geschäftsführer aus dem Amt zurückzieht, ohne für eine neue Geschäftsführung zu sorgen.
Entsprechende Fragen können sich stellen, wenn der alleinige Gesellschafter sich selbst abberuft.
Hintergrund ist, dass eine GmbH ihre gesetzlichen Pflichten auch in einer wirtschaftlichen Krise erfüllen können muss.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Abberufung ohne sofortige Nachfolgeregelung automatisch unwirksam ist.
Die rechtliche Beurteilung hängt von der jeweiligen Gesellschafterstruktur und den konkreten Umständen ab.
Welche Bedeutung hat das Urteil für GmbH-Geschäftsführer?
Die Entscheidung des Finanzgerichts Schleswig-Holstein verdeutlicht, dass eine persönliche Geschäftsführerhaftung nicht allein auf Vermutungen über eine angeblich missbräuchliche Unternehmensabwicklung gestützt werden kann.
Für ehemalige Geschäftsführer ist insbesondere wichtig, dass der Zeitpunkt ihrer wirksamen Abberufung bei der Prüfung der gesetzlichen Vertreterpflichten berücksichtigt werden muss.
Gleichzeitig zeigt das Urteil, dass Geschäftsführer bei einem Ausscheiden aus einer wirtschaftlich angeschlagenen Gesellschaft besondere Sorgfalt walten lassen sollten.
Denn die Abberufung schützt nicht vor einer Haftung für bereits zuvor begangene steuerliche Pflichtverletzungen.
Achtung: Geschäftsführerhaftung kann trotz Ausscheidens bestehen bleiben
Wer als Geschäftsführer während seiner Amtszeit steuerliche Pflichten verletzt, kann hierfür auch nach dem Ende seiner Organstellung persönlich haften.
Eine Abberufung oder Amtsniederlegung beseitigt bereits entstandene Haftungsansprüche grundsätzlich nicht.
Besonders bei Liquiditätsproblemen sollten Geschäftsführer deshalb dokumentieren, welche Zahlungsmittel vorhanden waren und wie diese zur Erfüllung bestehender Verpflichtungen eingesetzt wurden.
Auch mögliche Insolvenzantragspflichten und weitere gesetzliche Verantwortlichkeiten müssen beachtet werden.
Was sollten ehemalige Geschäftsführer bei einem Haftungsbescheid prüfen?
Erhalten ehemalige Geschäftsführer einen Haftungsbescheid des Finanzamts, sollten sie diesen sorgfältig überprüfen lassen.
Checkliste für die Praxis
- War die Bestellung zum Geschäftsführer im maßgeblichen Zeitraum noch wirksam?
- Zu welchem Zeitpunkt wurde die Abberufung bekannt gegeben oder die Amtsniederlegung wirksam?
- Welche steuerlichen Pflichten bestanden während der tatsächlichen Amtszeit?
- Hat das Finanzamt eine konkrete Pflichtverletzung festgestellt?
- Liegen Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit vor?
- War die Pflichtverletzung ursächlich für den Steuerausfall?
- Werden im Haftungsbescheid auch Verpflichtungen aus der Zeit nach der Abberufung berücksichtigt?
- Gibt es konkrete Anhaltspunkte für eine unwirksame Abberufung oder eine andere Haftungsgrundlage?
- Wurden die einschlägigen Verfahrens- und Rechtsbehelfsfristen beachtet?
Eine sorgfältige zeitliche Zuordnung der steuerlichen Pflichten ist besonders wichtig.
BFH muss endgültig entscheiden: Revision VII R 14/25
Das Urteil des Finanzgerichts Schleswig-Holstein vom 27. September 2024 (Az. 1 K 62/24) ist noch nicht rechtskräftig.
Der Bundesfinanzhof hat die Revision zugelassen.
Das Revisionsverfahren wird unter dem Aktenzeichen VII R 14/25 geführt.
Im Mittelpunkt steht die Frage, unter welchen Voraussetzungen eine haftungsbegründende Pflichtverletzung eines Geschäftsführers im Zusammenhang mit einer sogenannten Firmenbestattung vorliegen kann, wenn der Geschäftsführer bereits abberufen wurde.
Damit könnte die Entscheidung des BFH wichtige Klarheit für die steuerliche Geschäftsführerhaftung bei problematischen Unternehmensabwicklungen schaffen.
Bis zu einer höchstrichterlichen Entscheidung bleibt die rechtliche Bewertung entsprechender Gestaltungen mit Unsicherheiten verbunden.
Fazit: Keine Geschäftsführerhaftung allein wegen des Verdachts einer Firmenbestattung
Mit Urteil vom 27. September 2024 (Az. 1 K 62/24) hat das Finanzgericht Schleswig-Holstein entschieden, dass ein ehemaliger Geschäftsführer nicht allein wegen des Vorwurfs einer Firmenbestattung für spätere steuerliche Rückstände seiner GmbH in Anspruch genommen werden darf.
Kann eine sittenwidrige und damit unwirksame Abberufung nicht festgestellt werden, endet die Stellung als gesetzlicher Vertreter grundsätzlich mit der wirksamen Beendigung des Geschäftsführeramts.
Eine Haftung für während der Amtszeit begangene steuerliche Pflichtverletzungen bleibt davon unberührt.
Für GmbH-Geschäftsführer und Gesellschafter zeigt die Entscheidung, wie wichtig eine rechtssichere Gestaltung und Dokumentation von Geschäftsführerwechseln ist.
Da die Revision beim BFH noch anhängig ist, bleibt die endgültige Klärung abzuwarten.
Sie sind als ehemaliger Geschäftsführer mit einem Haftungsbescheid des Finanzamts konfrontiert oder planen einen Geschäftsführerwechsel bei einer wirtschaftlich angespannten GmbH? Wir unterstützen Sie gerne bei der Prüfung Ihrer steuerlichen Pflichten, Haftungsrisiken und möglichen Rechtsbehelfe.
Häufige Fragen zur Geschäftsführerhaftung und Firmenbestattung
Haftet ein ehemaliger Geschäftsführer für Steuerschulden der GmbH?
Nicht automatisch. Eine persönliche Haftung kann insbesondere bestehen, wenn der Geschäftsführer während seiner Amtszeit steuerliche Pflichten vorsätzlich oder grob fahrlässig verletzt hat und dadurch ein Steuerausfall entstanden ist.
Wann endet die steuerliche Verantwortung eines GmbH-Geschäftsführers?
Die gesetzlichen Vertreterpflichten nach § 34 AO enden grundsätzlich mit der wirksamen Beendigung der Geschäftsführerstellung. Bereits entstandene Haftungsansprüche bleiben davon unberührt.
Ist die Eintragung der Abberufung im Handelsregister entscheidend?
Für die Beendigung der Organstellung ist die Handelsregistereintragung grundsätzlich nicht konstitutiv. Entscheidend ist insbesondere die wirksame Abberufung und deren Bekanntgabe.
Was versteht man unter einer Firmenbestattung?
Damit werden bestimmte Gestaltungen beschrieben, bei denen eine Gesellschaft gezielt aus dem Geschäftsverkehr entfernt und dabei möglicherweise Gläubiger benachteiligt oder gesetzliche Pflichten umgangen werden sollen.
Kann eine Geschäftsführerabberufung unwirksam sein?
Ja. Unter besonderen Umständen können gesellschaftsrechtliche Beschlüsse unwirksam sein, etwa wegen Rechtsmissbrauchs oder Sittenwidrigkeit. Die Voraussetzungen müssen im konkreten Fall geprüft werden.
Reicht eine spätere Steuerschuld aus, um eine Firmenbestattung nachzuweisen?
Nein. Der spätere Ausfall einer Steuerforderung beweist für sich genommen keine sittenwidrige Geschäftsführerabberufung. Erforderlich sind tragfähige Tatsachen für die entsprechende rechtliche Bewertung.
Was kann ein ehemaliger Geschäftsführer gegen einen Haftungsbescheid tun?
Er kann die gesetzlichen Voraussetzungen des Haftungsbescheids prüfen lassen und gegebenenfalls fristgerecht Einspruch einlegen. Wichtig sind insbesondere der Haftungszeitraum, die konkrete Pflichtverletzung und deren Ursächlichkeit für den Steuerausfall.
Quellen und Rechtsgrundlagen
- Schleswig-Holsteinisches Finanzgericht, Urteil vom 27.09.2024, Az. 1 K 62/24, Mitteilung vom 07.10.2026, Newsletter II/2026.
- Bundesfinanzhof, anhängiges Revisionsverfahren VII R 14/25.
- § 34 Abs. 1 AO – Pflichten der gesetzlichen Vertreter.
- § 69 AO – Haftung der Vertreter.
- § 191 Abs. 1 AO – Haftungsbescheid.
- § 38 Abs. 1 GmbHG – Widerruf der Geschäftsführerbestellung.
- § 39 Abs. 1 GmbHG – Handelsregisteranmeldung von Geschäftsführerwechseln.
- § 241 Nr. 4 AktG – Nichtigkeit sittenwidriger Beschlüsse.
- BFH, Urteil vom 20.05.2014, Az. VII R 12/12, BFH/NV 2014, S. 1353.
Rechtsstand: 25. Oktober 2026. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
Dieser Beitrag stellt keine individuelle steuerliche Beratung dar und ersetzt nicht das Gespräch mit einem Steuerberater.