BFH: Abkommensrechtliche Sperrwirkung für den formellen Fremdvergleich bei vGA

BFH-Urteil I R 57/23: Art. 9 DBA-Zypern sperrt bei verdeckten Gewinnausschüttungen den formellen Fremdvergleich. Was Unternehmen jetzt beachten müssen.

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit Urteil vom 24. Juni 2026 (Az. I R 57/23) eine wichtige Entscheidung zur verdeckten Gewinnausschüttung (vGA) bei grenzüberschreitenden Konzernstrukturen getroffen. Im Mittelpunkt steht die Frage, inwieweit der sogenannte formelle Fremdvergleich bei beherrschenden Gesellschaftern durch ein Doppelbesteuerungsabkommen eingeschränkt wird.

Der BFH bestätigt: Art. 9 Abs. 1 DBA-Zypern 2011 kann die Anwendung des formellen Fremdvergleichs sperren. Eine vGA darf damit in den vom Abkommen erfassten Fällen nicht allein deshalb angenommen werden, weil es beispielsweise an einer im Voraus getroffenen, klaren und eindeutigen Vereinbarung zwischen verbundenen Unternehmen fehlt.

Die Entscheidung ist insbesondere für international tätige GmbHs, Holdingstrukturen, Konzernunternehmen und grenzüberschreitende Leistungsbeziehungen zwischen nahestehenden Gesellschaften von erheblicher Bedeutung.

Was ist der formelle Fremdvergleich bei einer verdeckten Gewinnausschüttung?

Nach § 8 Abs. 3 Satz 2 KStG mindern verdeckte Gewinnausschüttungen das Einkommen einer Kapitalgesellschaft nicht.

Bei einem beherrschenden Gesellschafter gelten dabei traditionell besonders strenge Anforderungen. Leistungsbeziehungen zwischen Gesellschaft und Gesellschafter müssen grundsätzlich

  • im Voraus vereinbart,
  • klar und eindeutig geregelt,
  • zivilrechtlich wirksam und
  • entsprechend der getroffenen Vereinbarung tatsächlich durchgeführt

werden.

Fehlt es an diesen Voraussetzungen, kann bereits dieser formelle Mangel für eine gesellschaftsrechtliche Veranlassung und damit für die Annahme einer vGA sprechen.

Davon zu unterscheiden ist der materielle Fremdvergleich. Hier geht es darum, ob der Inhalt und insbesondere die wirtschaftlichen Konditionen einer Vereinbarung dem entsprechen, was voneinander unabhängige Dritte unter vergleichbaren Umständen vereinbart hätten.

Diese Unterscheidung ist für das neue BFH-Urteil entscheidend.

Was regelt Art. 9 Abs. 1 DBA-Zypern?

Art. 9 Abs. 1 DBA-Zypern enthält – entsprechend Art. 9 Abs. 1 OECD-Musterabkommen – den internationalen Fremdvergleichsgrundsatz („dealing at arm’s length“) für verbundene Unternehmen.

Danach dürfen Gewinne eines Unternehmens korrigiert werden, wenn zwischen verbundenen Unternehmen hinsichtlich ihrer kaufmännischen oder finanziellen Beziehungen Bedingungen vereinbart oder auferlegt werden, die von den Bedingungen zwischen unabhängigen Unternehmen abweichen.

Die Vorschrift soll damit gewährleisten, dass grenzüberschreitende Geschäftsbeziehungen zwischen verbundenen Unternehmen steuerlich grundsätzlich so behandelt werden, als wären sie zwischen unabhängigen Dritten abgeschlossen worden.

Die Entscheidung des BFH: DBA sperrt den formellen Fremdvergleich

Der BFH stellt nun ausdrücklich fest:

Bei einer vGA wird der formelle Fremdvergleich nach den Sonderbedingungen für beherrschende Gesellschafter und ihnen nahestehende Personen durch Art. 9 Abs. 1 DBA-Zypern 2011 gesperrt.

Das ist steuerlich ausgesprochen relevant.

Eine Gewinnkorrektur kann im Anwendungsbereich des DBA damit nicht allein darauf gestützt werden, dass die besonderen formellen Anforderungen des deutschen vGA-Rechts nicht eingehalten wurden.

Entscheidend ist vielmehr der abkommensrechtliche Fremdvergleich.

Die Finanzverwaltung muss somit prüfen, ob die tatsächlichen wirtschaftlichen oder finanziellen Bedingungen der Geschäftsbeziehung von denjenigen abweichen, die unabhängige Unternehmen vereinbart hätten.

Formeller und materieller Fremdvergleich sind zu trennen

Das BFH-Urteil bedeutet allerdings keinen generellen Schutz vor einer verdeckten Gewinnausschüttung.

Die Sperrwirkung betrifft den formellen Fremdvergleich.

Ein materieller Fremdvergleich bleibt weiterhin erforderlich.

Das bedeutet beispielsweise:

Wird einer deutschen GmbH von einem ausländischen verbundenen Unternehmen eine Leistung zu einem deutlich überhöhten Preis in Rechnung gestellt, kann weiterhin zu untersuchen sein, welcher Preis zwischen fremden Dritten vereinbart worden wäre.

Die bloße Tatsache, dass beispielsweise

  • keine schriftliche Vereinbarung vorliegt,
  • eine Vereinbarung nicht rechtzeitig abgeschlossen wurde oder
  • bestimmte innerstaatliche Formerfordernisse für beherrschende Gesellschafter nicht eingehalten wurden,

kann dagegen im Anwendungsbereich des Art. 9 Abs. 1 DBA-Zypern nicht ohne Weiteres die Einkommenskorrektur tragen.

Bereits das FG Berlin-Brandenburg hatte in der Vorinstanz darauf hingewiesen, dass Art. 9 Abs. 1 DBA-Zypern den abkommensrechtlichen „dealing at arm’s length“-Grundsatz enthält und weitergehende innerstaatliche Korrekturmöglichkeiten innerhalb seines Anwendungsbereichs begrenzen kann.

Der zugrunde liegende Fall

Dem Verfahren lag eine grenzüberschreitende Konzernstruktur zugrunde.

Die Klägerin war eine deutsche GmbH. Ihre Gesellschafterin war eine in Zypern ansässige Limited, die wiederum zu einer ebenfalls in Zypern ansässigen Konzernstruktur gehörte. Im Zusammenhang mit dem Erwerb einer Immobilie wurden der deutschen Gesellschaft Leistungen aus dem Konzern in Rechnung gestellt. Für diese Leistungen bestanden teilweise keine im Voraus abgeschlossenen Vereinbarungen.

Die Finanzverwaltung behandelte einen Teil der Zahlungen beziehungsweise Aufwendungen als verdeckte Gewinnausschüttung.

Das FG Berlin-Brandenburg sah demgegenüber hinsichtlich des formellen Fremdvergleichs eine Sperrwirkung des Art. 9 Abs. 1 DBA-Zypern. Auch die Tatsache, dass die Leistungsbeziehung zu einer in Deutschland belegenen Zweigniederlassung bestand, änderte nach Auffassung des Finanzgerichts daran grundsätzlich nichts.

Der BFH hat die zentrale abkommensrechtliche Aussage nun bestätigt.

Wichtige Einschränkung: Es muss sich um „Unternehmen“ im Sinne des DBA handeln

Besonders wichtig ist der zweite Leitsatz des BFH.

Die Sperrwirkung des Art. 9 Abs. 1 DBA-Zypern greift nämlich nur, wenn tatsächlich abkommensrechtliche Unternehmen im Sinne von Art. 3 Abs. 1 Buchst. f und g DBA-Zypern beteiligt sind.

Der BFH stellt ausdrücklich klar:

Eine rein vermögensverwaltende Tätigkeit reicht hierfür nicht aus.

Auch die deutschen gesetzlichen Gewerblichkeitsfiktionen helfen nicht weiter. Nach dem BFH sind insbesondere

  • § 15 Abs. 3 Nr. 2 EStG und
  • § 8 Abs. 2 KStG

für die Bestimmung des abkommensrechtlichen Unternehmensbegriffs nicht maßgebend.

Damit trennt der BFH konsequent zwischen dem innerstaatlichen deutschen Steuerrecht und der eigenständigen abkommensrechtlichen Qualifikation.

Beispiel: Holding oder vermögensverwaltende Gesellschaft

Die Unterscheidung kann erhebliche praktische Auswirkungen haben.

Angenommen, eine deutsche GmbH steht in einer Leistungsbeziehung mit einer ausländischen Gesellschaft, die ausschließlich Beteiligungen oder anderes Vermögen hält und keinerlei darüber hinausgehende unternehmerische Tätigkeit entfaltet.

Allein die Tatsache, dass diese Gesellschaft nach deutschem Steuerrecht aufgrund ihrer Rechtsform oder einer gesetzlichen Fiktion als gewerblich behandelt würde, reicht nach dem BFH nicht zwingend aus.

Zunächst muss geprüft werden, ob sie tatsächlich als „Unternehmen“ im abkommensrechtlichen Sinne anzusehen ist.

Ist dies nicht der Fall, kann bereits der Anwendungsbereich des Art. 9 DBA und damit auch die Sperrwirkung gegenüber dem formellen Fremdvergleich entfallen.

Was bedeutet das Urteil für die Praxis?

Das Urteil ist insbesondere bei grenzüberschreitenden Leistungsbeziehungen zwischen verbundenen Unternehmen von Bedeutung.

1. Formmängel führen nicht automatisch zur vGA

Bei Anwendung eines Art. 9 OECD-MA entsprechenden DBA kann die Finanzverwaltung eine vGA nicht ohne Weiteres ausschließlich auf die besonderen formellen Anforderungen für beherrschende Gesellschafter stützen.

2. Der materielle Fremdvergleich bleibt entscheidend

Unternehmen sollten daraus keinesfalls ableiten, dass Verträge zwischen verbundenen Unternehmen steuerlich unproblematisch wären.

Preise, Vergütungen und sonstige Konditionen müssen weiterhin fremdüblich sein.

Gerade bei

  • Management Fees,
  • Beratungsleistungen,
  • Darlehen,
  • Lizenzzahlungen,
  • Immobiliengeschäften,
  • Kostenumlagen und
  • sonstigen konzerninternen Dienstleistungen

bleibt eine nachvollziehbare Fremdvergleichsdokumentation von erheblicher Bedeutung.

3. Unternehmensbegriff des DBA zuerst prüfen

Vor einer Berufung auf die Sperrwirkung muss geprüft werden, ob auf beiden Seiten überhaupt Unternehmen im abkommensrechtlichen Sinne beteiligt sind.

Bei reinen Holding- und Vermögensverwaltungsgesellschaften kann dies zum entscheidenden Streitpunkt werden.

4. Deutsche Gewerblichkeitsfiktionen reichen nicht aus

Eine Gesellschaft kann nach deutschem Steuerrecht als gewerblich gelten, ohne deshalb automatisch ein Unternehmen im Sinne des jeweiligen DBA zu sein.

Die abkommensrechtliche Prüfung muss eigenständig erfolgen.

Bedeutung für Betriebsprüfungen und Einspruchsverfahren

Besonders interessant ist das Urteil für bereits laufende Betriebsprüfungen, Einspruchs- und Klageverfahren.

Hat das Finanzamt eine vGA bei einem grenzüberschreitenden Sachverhalt im Wesentlichen deshalb angenommen, weil

  • kein Vertrag vor Beginn der Leistung vorlag,
  • die Vereinbarung nicht hinreichend eindeutig formuliert war oder
  • die Vereinbarung nicht exakt wie vereinbart durchgeführt wurde,

sollte geprüft werden, ob ein einschlägiges Doppelbesteuerungsabkommen eine mit Art. 9 Abs. 1 OECD-MA vergleichbare Regelung enthält.

Ist dies der Fall, kann das BFH-Urteil I R 57/23 ein wichtiger Ansatzpunkt gegen eine allein auf den formellen Fremdvergleich gestützte Einkommenskorrektur sein.

Zugleich darf jedoch der zweite Prüfungsschritt nicht übersehen werden: Die tatsächlichen Konditionen müssen weiterhin einem materiellen Fremdvergleich standhalten.

Fazit

Das BFH-Urteil vom 24.06.2026 – I R 57/23 stärkt die Bedeutung des Abkommensrechts bei grenzüberschreitenden Leistungsbeziehungen zwischen verbundenen Unternehmen.

Art. 9 Abs. 1 DBA-Zypern sperrt den besonderen formellen Fremdvergleich des deutschen vGA-Rechts für beherrschende Gesellschafter. Eine verdeckte Gewinnausschüttung kann daher im Anwendungsbereich der Vorschrift nicht allein daraus hergeleitet werden, dass die besonderen deutschen Anforderungen an vorherige, klare und eindeutige Vereinbarungen nicht erfüllt sind.

Die Entscheidung hat jedoch eine wichtige Grenze: Art. 9 DBA greift nur bei Unternehmen im abkommensrechtlichen Sinne. Rein vermögensverwaltende Tätigkeiten genügen nicht; nationale Gewerblichkeitsfiktionen können den erforderlichen Unternehmenscharakter nicht ersetzen.

Für die Beratungspraxis ergibt sich damit eine klare Prüfungsreihenfolge:

  1. Ist das einschlägige Doppelbesteuerungsabkommen anwendbar?
  2. Liegen auf beiden Seiten Unternehmen im abkommensrechtlichen Sinne vor?
  3. Beruht die vom Finanzamt angenommene vGA lediglich auf dem formellen Fremdvergleich?
  4. Sind die vereinbarten Preise und sonstigen Konditionen materiell fremdüblich?

Gerade bei internationalen Konzern-, Holding- und Gesellschafterstrukturen sollte diese Prüfung künftig fester Bestandteil der steuerlichen Verteidigung gegen vGA-Korrekturen sein.

Quelle: Bundesfinanzhof, Urteil vom 24.06.2026 – I R 57/23; Vorinstanz: FG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.09.2023 – 8 K 8171/21.


Strafverteidigungskosten absetzen: FG Niedersachsen zu § 12 Nr. 4 EStG

FG Niedersachsen: Verteidigerkosten können trotz § 12 Nr. 4 EStG Werbungskosten sein. BFH-Revision VI R 10/26 ist anhängig.

Strafverteidigungskosten absetzen – geht das trotz des Abzugsverbots in § 12 Nr. 4 EStG? Zu dieser für Arbeitnehmer, Geschäftsführer und leitende Angestellte wichtigen Frage hat das Niedersächsische Finanzgericht mit Urteil vom 14. Juli 2026 entschieden. Das Ergebnis ist steuerzahlerfreundlich: Verteidigerkosten können weiterhin als Werbungskosten abziehbar sein, wenn der strafrechtliche Vorwurf beruflich veranlasst ist. Die Entscheidung ist allerdings nicht rechtskräftig; beim Bundesfinanzhof ist die Revision unter dem Aktenzeichen VI R 10/26 anhängig.

Worum ging es im Fall des FG Niedersachsen?

Der Kläger war als kaufmännischer Leiter beziehungsweise Geschäftsleiter Finanzen bei seinem Arbeitgeber tätig. In einem landgerichtlichen Strafverfahren wurde er wegen Steuerhinterziehung in zehn Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt; die Vollstreckung wurde zur Bewährung ausgesetzt. Eine Einziehung von Taterträgen nach §§ 73 ff. StGB ordnete das Landgericht nicht an.

Der strafrechtliche Vorwurf betraf unzutreffende Umsatzsteuerjahreserklärungen. Darin war unberechtigt Vorsteuer aus Gutschriften gegenüber Subunternehmern geltend gemacht worden. Die Steuerverkürzungen beliefen sich auf rund 2,8 Mio. Euro zugunsten des Arbeitgebers. Zusätzlich hatten handelnde Personen sogenannte Kick-Back-Zahlungen erhalten; auf den Kläger entfielen etwa 120.000 Euro. Wichtig für die steuerliche Beurteilung: Diese Kick-Back-Zahlungen waren nicht Gegenstand des strafrechtlichen Vorwurfs vor dem Landgericht.

Warum können Verteidigerkosten Werbungskosten sein?

Werbungskosten sind nach § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen. Bei Strafverteidigungskosten kommt es deshalb darauf an, ob der strafrechtliche Vorwurf durch die berufliche Tätigkeit veranlasst ist.

Der BFH stellt in ständiger Rechtsprechung darauf ab, ob die vorgeworfene Handlung in Ausübung der beruflichen Tätigkeit begangen wurde – und nicht nur „bei Gelegenheit“ der Tätigkeit. Strafverteidigungskosten sind danach abziehbar, wenn der konkrete Tatvorwurf durch berufliches Verhalten veranlasst ist.

Das FG Niedersachsen bejahte diesen Zusammenhang. Der Kläger habe die Steuerhinterziehungen in Ausübung seiner Tätigkeit als Geschäftsleiter Finanzen zugunsten seines Arbeitgebers begangen. Die Kick-Back-Zahlungen durchbrachen diesen beruflichen Zusammenhang nach Auffassung des Gerichts nicht, weil sie nicht Teil des konkreten Anklagevorwurfs waren.

Greift § 12 Nr. 4 EStG als Abzugsverbot?

Nach § 12 Nr. 4 EStG dürfen unter anderem in einem Strafverfahren festgesetzte Geldstrafen, bestimmte strafähnliche vermögensrechtliche Rechtsfolgen, bestimmte Auflagen oder Weisungen sowie damit zusammenhängende Aufwendungen steuerlich nicht abgezogen werden.

Der entscheidende Streitpunkt lautet: Fallen Strafverteidigungskosten immer unter „damit zusammenhängende Aufwendungen“?

Das FG Niedersachsen sagt: Nein, jedenfalls nicht pauschal. Zwar spreche die Entstehungsgeschichte dafür, dass der Gesetzgeber Strafverteidigungskosten stärker vom Abzug ausschließen wollte. Nach Auffassung des Gerichts ist dies dem Gesetzgeber aber nur gelungen, soweit tatsächlich eine Geldstrafe oder eine in § 12 Nr. 4 EStG gleichgestellte Sanktion verhängt wurde.

Dafür verweist das Gericht auch auf § 52 Abs. 20 EStG. Diese Anwendungsvorschrift bezieht sich auf nach dem 31. Dezember 2018 festgesetzte Geldstrafen, gleichgestellte Sanktionen und nach diesem Zeitpunkt entstandene damit zusammenhängende Aufwendungen.

Warum ist die Entscheidung so wichtig?

Die Entscheidung ist bedeutsam, weil sie die Neufassung des § 12 Nr. 4 EStG nicht als pauschales Abzugsverbot für sämtliche Verteidigerkosten versteht. Nach Ansicht des FG würde eine zu weite Auslegung sogar dazu führen, dass Verteidigerkosten auch im Fall eines Freispruchs nicht abziehbar wären. Das hielt das Gericht bei beruflich veranlassten Kosten für nicht vereinbar mit dem objektiven Nettoprinzip.

Für Betroffene bedeutet das: Wird ein Strafverfahren wegen Vorgängen geführt, die eindeutig im beruflichen Aufgabenbereich liegen, sollte der Werbungskostenabzug sorgfältig geprüft und nicht vorschnell aufgegeben werden.

Steuer-Tipp:
Entscheidend ist der konkrete strafrechtliche Vorwurf. Bewahren Sie deshalb Anklageschrift, Strafurteil, Einstellungsbeschluss, Verteidigerrechnungen und Zahlungsnachweise vollständig auf. Nur so lässt sich später sauber darlegen, ob die Verteidigungskosten beruflich veranlasst waren.

Wann wird der Abzug kritisch?

Der Abzug von Strafverteidigungskosten bleibt ein Ausnahmefall. Besonders kritisch sind Fälle, in denen die berufliche Tätigkeit lediglich die Gelegenheit zur Straftat geschaffen hat oder private Motive den beruflichen Zusammenhang überlagern.

Das kann insbesondere bei persönlicher Bereicherung, Untreuehandlungen zulasten des Arbeitgebers oder privaten Vorteilen relevant werden. Der BFH verlangt eine klare Zuordnung zur beruflichen Sphäre. In der Entscheidung VI B 88/21 betont der BFH außerdem, dass der konkrete Tatvorwurf maßgeblich ist, aufgrund dessen die Strafverteidigungskosten entstanden sind.

Achtung / Häufiger Fehler:
Nicht jede Straftat im Arbeitsumfeld führt automatisch zu Werbungskosten. Wer seine berufliche Stellung nur nutzt, um private Vorteile zu erzielen, riskiert, dass das Finanzamt den Abzug ablehnt.

Praxisbeispiel: Welche Steuerwirkung kann der Abzug haben?

Ein leitender Angestellter zahlt 15.000 Euro an Strafverteidigerhonorar. Wird der Betrag als Werbungskosten anerkannt, mindern sich seine steuerpflichtigen Einkünfte um 15.000 Euro.

Bei einem beispielhaften persönlichen Grenzsteuersatz von 35 % ergäbe sich rechnerisch eine Einkommensteuerentlastung von 5.250 Euro. Der tatsächliche Vorteil hängt aber immer von der individuellen Steuerbelastung, weiteren Werbungskosten, Sonderausgaben und dem konkreten Steuerbescheid ab.

Was sollten Betroffene jetzt tun?

Wer vergleichbare Strafverteidigungskosten getragen hat, sollte prüfen lassen, ob der Einkommensteuerbescheid noch offen ist. Lehnt das Finanzamt den Werbungskostenabzug ab, kommt ein Einspruch in Betracht. Die Einspruchsfrist beträgt grundsätzlich einen Monat nach Bekanntgabe des Verwaltungsakts.

Da beim BFH bereits das Verfahren VI R 10/26 anhängig ist, kann in vergleichbaren Fällen außerdem ein Ruhen des Einspruchsverfahrens geprüft werden. Nach § 363 Abs. 2 AO ruht ein Einspruchsverfahren insoweit, wenn eine Rechtsfrage bei einem obersten Bundesgericht anhängig ist und der Einspruch hierauf gestützt wird.

Checkliste: Verteidigerkosten steuerlich richtig vorbereiten

  • Verteidigerrechnungen und Zahlungsnachweise vollständig sichern.
  • Anklageschrift, Strafbefehl, Urteil oder Einstellungsbeschluss aufbewahren.
  • Beruflichen Aufgabenbereich dokumentieren, zum Beispiel durch Arbeitsvertrag, Stellenbeschreibung oder Organigramm.
  • Prüfen, ob der Tatvorwurf in Ausübung der beruflichen Tätigkeit erhoben wurde.
  • Private Motive und persönliche Vorteile steuerlich gesondert bewerten lassen.
  • Steuerbescheid auf Anerkennung der Werbungskosten prüfen.
  • Bei Ablehnung die einmonatige Einspruchsfrist beachten.
  • Ruhen des Verfahrens mit Hinweis auf BFH VI R 10/26 prüfen.

FAQ: Strafverteidigungskosten absetzen

Sind Strafverteidigungskosten steuerlich abziehbar?

Ja, aber nur unter engen Voraussetzungen. Ein Werbungskostenabzug kommt in Betracht, wenn der strafrechtliche Vorwurf durch die berufliche Tätigkeit veranlasst ist. Maßgeblich ist die konkrete Tat, wegen der die Verteidigerkosten entstanden sind.

Gilt das auch bei einer Verurteilung?

Eine Verurteilung schließt den Abzug nicht automatisch aus. Im Fall des FG Niedersachsen wurde der Kläger verurteilt; dennoch ließ das Gericht den Werbungskostenabzug zu, weil der Tatvorwurf beruflich veranlasst war.

Verhindert § 12 Nr. 4 EStG den Abzug immer?

Nein. Nach dem nicht rechtskräftigen Urteil des FG Niedersachsen greift § 12 Nr. 4 EStG nicht automatisch bei sämtlichen Strafverteidigungskosten. Entscheidend ist insbesondere, ob eine Geldstrafe oder eine vergleichbare Sanktion im Sinne der Norm festgesetzt wurde.

Was bedeutet das BFH-Verfahren VI R 10/26?

Die Entscheidung des FG Niedersachsen ist noch nicht endgültig. Der BFH wird klären, wie § 12 Nr. 4 EStG bei beruflich veranlassten Strafverteidigungskosten nach der Neufassung auszulegen ist.

Was gilt bei Kick-Back-Zahlungen?

Kick-Back-Zahlungen können den Werbungskostenabzug gefährden, wenn sie Gegenstand des Strafvorwurfs sind oder eine private Mitveranlassung überwiegt. Im Streitfall des FG Niedersachsen waren sie jedoch nicht Gegenstand der Anklage; deshalb sah das Gericht den beruflichen Zusammenhang der Verteidigerkosten nicht als durchbrochen an.

Was tun, wenn das Finanzamt den Abzug ablehnt?

Dann sollte der Steuerbescheid fristgerecht geprüft werden. Gegen einen ablehnenden Bescheid kann grundsätzlich innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Einspruch eingelegt werden. Bei vergleichbaren Fällen sollte zusätzlich ein Antrag auf Ruhen des Verfahrens mit Hinweis auf BFH VI R 10/26 geprüft werden.

Fazit: Gute Argumente für den Werbungskostenabzug – aber BFH-Entscheidung abwarten

Das Urteil des FG Niedersachsen stärkt Steuerpflichtige, deren Verteidigerkosten aus einem beruflich veranlassten Strafverfahren stammen. § 12 Nr. 4 EStG ist nach dieser Entscheidung kein pauschales Abzugsverbot für sämtliche Strafverteidigungskosten.

Für die Praxis gilt jedoch: Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig. Vergleichbare Fälle sollten sorgfältig dokumentiert und verfahrensrechtlich offengehalten werden. Besonders wichtig sind der konkrete Tatvorwurf, der berufliche Aufgabenbereich und die Frage, ob eine von § 12 Nr. 4 EStG erfasste Sanktion festgesetzt wurde.

Dieser Beitrag stellt keine individuelle steuerliche Beratung dar und ersetzt nicht das Gespräch mit einem Steuerberater.

Steuertipp: Lassen Sie es lieber nicht soweit kommen und ziehen Sie eine Selbstanzeige in Betracht.

Quellenverzeichnis

  1. Niedersächsisches Finanzgericht, Newsletter 9/2026 vom 20.08.2026, Mitteilung zum Urteil vom 14.07.2026, Az. 13 K 108/25, nicht rechtskräftig, BFH-Az. VI R 10/26.
  2. § 12 Nr. 4 EStG, nicht abzugsfähige Ausgaben, Rechtsstand 21.08.2026.
  3. § 52 Abs. 20 EStG, Anwendungsvorschrift zu § 12 Nr. 4 EStG, Rechtsstand 21.08.2026.
  4. BFH, Beschluss vom 31.03.2022, VI B 88/21, Strafverteidigungskosten als Werbungskosten.
  5. BFH, Entscheidung vom 20.10.2016, VI R 27/15, zur beruflichen Veranlassung und Abgrenzung „in Ausübung“ versus „bei Gelegenheit“ der Tätigkeit.
  6. § 355 Abs. 1 AO, Einspruchsfrist.
  7. § 363 Abs. 2 AO, Ruhen des Einspruchsverfahrens.

BFH: Volle Erbfallkostenpauschale für Vermächtnisnehmer

BFH: Vermächtnisnehmer können die Erbfallkostenpauschale voll abziehen, wenn nur ihr Erwerb in Deutschland steuerpflichtig ist.
Rechtsstand: 21.08.2026

Das Wichtigste in Kürze

Der Bundesfinanzhof hat entschieden: Auch Vermächtnisnehmer können die Erbfallkostenpauschale nach § 10 Abs. 5 Nr. 3 Satz 2 ErbStG in Anspruch nehmen. Der Pauschbetrag ist nicht zu kürzen, wenn der Vermächtnisnehmer der einzige in Deutschland persönlich steuerpflichtige Erwerber ist und die übrigen Erwerbe nicht der deutschen Erbschaftsteuer unterliegen. Maßgeblich ist das BFH-Urteil vom 17.06.2026 – II R 25/23.

Aktuell beträgt die Erbfallkostenpauschale 15.000 €. Dieser Betrag gilt für Erwerbe, für die die Steuer nach dem 31.12.2024 entsteht. Im entschiedenen BFH-Fall ging es dagegen noch um den früheren Betrag von 10.300 €, weil der Erbfall bereits im November 2019 eingetreten war.

Worum ging es im BFH-Fall?

Im Streitfall lebte die Erblasserin in Großbritannien. Sie wurde von ihrem ebenfalls in Großbritannien lebenden Bruder beerbt. Die Klägerin lebte in Deutschland und erhielt ein Geldvermächtnis von 50.000 britischen Pfund. In ihrer Erbschaftsteuererklärung beantragte sie den Abzug der damaligen Erbfallkostenpauschale in Höhe von 10.300 €, obwohl ihr tatsächlich nur Kosten von 13,20 € entstanden waren.

Das Finanzamt erkannte nur die tatsächlichen Kosten von 13,20 € an. Das Finanzgericht gewährte die Pauschale lediglich anteilig im Verhältnis des Vermächtnisses zum Nachlasswert. Der BFH entschied jedoch zugunsten der Klägerin: Der volle Pauschbetrag war abzuziehen.

Können Vermächtnisnehmer die Erbfallkostenpauschale abziehen?

Ja. Der BFH stellt ausdrücklich klar, dass die Erbfallkostenpauschale nicht nur Erben zusteht. Auch Vermächtnisnehmer und Pflichtteilsberechtigte können den Pauschbetrag geltend machen. Ein Vermächtnis gilt erbschaftsteuerlich als Erwerb von Todes wegen.

Das ist für die Praxis wichtig, weil Vermächtnisnehmer häufig davon ausgehen, dass sie steuerlich anders behandelt werden als Erben. Bei der Erbfallkostenpauschale ist das nach der BFH-Entscheidung nicht der Fall.

Steuer-Tipp:
Haben Sie ein Vermächtnis erhalten, sollten Sie die Erbfallkostenpauschale in der Erbschaftsteuererklärung aktiv prüfen. Gerade bei Geldvermächtnissen wird dieser Abzug häufig übersehen.

Warum wurde die Pauschale nicht gekürzt?

Der BFH begründet seine Entscheidung mit der persönlichen Steuerpflicht nach § 2 ErbStG. Die Klägerin war in Deutschland ansässig und damit unbeschränkt steuerpflichtig. Der Erbe lebte dagegen in Großbritannien; sein Erwerb unterlag im konkreten Fall nicht der deutschen Besteuerung.

Würde man die Pauschale in einem solchen Fall anteilig kürzen, würde der gekürzte Teil endgültig verfallen. Genau das sieht das Gesetz nach Auffassung des BFH nicht vor. Sind neben einem einzigen unbeschränkt steuerpflichtigen Erwerber weitere Personen vorhanden, deren Erwerb nicht der deutschen Besteuerung unterliegt, bleibt es beim vollen Pauschbetrag für den in Deutschland steuerpflichtigen Erwerber.

Wird die Erbfallkostenpauschale pro Person oder pro Erbfall gewährt?

Die Pauschale wird pro Erbfall nur einmal gewährt. Das bedeutet: Gibt es mehrere in Deutschland steuerpflichtige Erwerber, kann nicht jeder Erwerber zusätzlich die volle Pauschale abziehen. In diesem Fall ist der Pauschbetrag aufzuteilen.

Im BFH-Fall war aber gerade nur eine Person in Deutschland steuerpflichtig. Deshalb musste die Pauschale nicht aufgeteilt werden.

Achtung / Häufiger Fehler:
Das Urteil bedeutet nicht, dass mehrere Erben oder Vermächtnisnehmer jeweils den vollen Betrag erhalten. Die volle Pauschale kommt nur dann beim einzelnen Erwerber an, wenn keine weiteren in Deutschland steuerpflichtigen Erwerber vorhanden sind.

Wie hoch ist die Erbfallkostenpauschale aktuell?

Die Erbfallkostenpauschale beträgt aktuell 15.000 €. Sie gilt ohne Einzelnachweis für bestimmte Erbfallkosten, insbesondere Bestattungskosten, Kosten für ein angemessenes Grabdenkmal, übliche Grabpflegekosten sowie Kosten im Zusammenhang mit der Abwicklung, Regelung oder Verteilung des Nachlasses oder der Erlangung des Erwerbs.

Der Betrag von 15.000 € gilt für Erwerbe, für die die Steuer nach dem 31.12.2024 entsteht. Bei Erwerben von Todes wegen entsteht die Steuer grundsätzlich mit dem Tod des Erblassers.

Beispiel: So wirkt sich der volle Pauschbetrag aus

Ein in Deutschland lebender Vermächtnisnehmer erhält aus einem ausländischen Nachlass ein Geldvermächtnis. Die übrigen Erben leben im Ausland und unterliegen mit ihrem Erwerb nicht der deutschen Erbschaftsteuer.

Vereinfachtes Beispiel nach aktueller Rechtslage:

  • Wert des Vermächtnisses: 60.000 €
  • Abzug Erbfallkostenpauschale: 15.000 €
  • Steuerpflichtiger Erwerb vor persönlichen Freibeträgen: 45.000 €

Je nach Verwandtschaftsverhältnis und Steuerklasse kommen anschließend persönliche Freibeträge hinzu. Für Personen der Steuerklasse II beträgt der persönliche Freibetrag beispielsweise 20.000 €.

Das Beispiel zeigt: Die volle Erbfallkostenpauschale kann die Erbschaftsteuer spürbar reduzieren.

Was bedeutet das Urteil für internationale Erbfälle?

Das Urteil ist besonders relevant bei Erbfällen mit Auslandsbezug. Dazu gehören etwa Fälle, in denen:

  • der Erblasser im Ausland lebte,
  • einzelne Erben im Ausland ansässig sind,
  • nur ein Vermächtnisnehmer in Deutschland wohnt,
  • ein deutscher Erwerber aus einem ausländischen Nachlass bedacht wird.

In solchen Fällen sollte genau geprüft werden, welche Erwerbe tatsächlich der deutschen Erbschaftsteuer unterliegen. Ist nur ein Erwerber in Deutschland persönlich steuerpflichtig, kann ihm nach dem BFH die volle Erbfallkostenpauschale zustehen.

Checkliste: Was Vermächtnisnehmer jetzt prüfen sollten

  • Wurde ein Vermächtnis, Pflichtteil oder Erbteil erworben?
  • Besteht für den Erwerber eine persönliche Steuerpflicht in Deutschland?
  • Gibt es weitere in Deutschland steuerpflichtige Erwerber?
  • Wurde die Erbfallkostenpauschale in der Erbschaftsteuererklärung beantragt?
  • Hat das Finanzamt nur tatsächliche Kosten oder nur eine gekürzte Pauschale berücksichtigt?
  • Ist der Erbschaftsteuerbescheid noch änderbar oder läuft noch eine Einspruchsfrist?
  • Wurde der Erwerb rechtzeitig dem Finanzamt angezeigt? Ein erbschaftsteuerpflichtiger Erwerb ist grundsätzlich binnen drei Monaten nach Kenntnis anzuzeigen, sofern keine gesetzliche Ausnahme greift.

FAQ: Erbfallkostenpauschale für Vermächtnisnehmer

Kann ein Vermächtnisnehmer die Erbfallkostenpauschale geltend machen?

Ja. Nach dem BFH-Urteil vom 17.06.2026 – II R 25/23 können auch Vermächtnisnehmer die Erbfallkostenpauschale nach § 10 Abs. 5 Nr. 3 Satz 2 ErbStG in Anspruch nehmen.

Wie hoch ist die Erbfallkostenpauschale 2026?

Die Erbfallkostenpauschale beträgt aktuell 15.000 €. Dieser Betrag gilt für Erwerbe, für die die Steuer nach dem 31.12.2024 entsteht.

Warum ging es im BFH-Fall noch um 10.300 €?

Der Erbfall ereignete sich im November 2019. Deshalb galt im Streitfall noch die frühere Rechtslage mit einem Pauschbetrag von 10.300 €.

Muss der Vermächtnisnehmer tatsächliche Kosten nachweisen?

Nein. Die Pauschale wird ohne Einzelnachweis abgezogen. Der BFH betont den Vereinfachungszweck der Regelung.

Wird die Pauschale mehrfach gewährt, wenn es mehrere Erwerber gibt?

Nein. Die Erbfallkostenpauschale wird pro Erbfall nur einmal gewährt. Bei mehreren steuerpflichtigen Erwerbern ist sie aufzuteilen.

Gilt das Urteil auch bei einem Auslandsnachlass?

Ja, gerade für internationale Erbfälle ist die Entscheidung wichtig. Wenn nur ein Erwerber in Deutschland steuerpflichtig ist und die übrigen Erwerbe nicht der deutschen Besteuerung unterliegen, darf die Pauschale nach dem BFH nicht anteilig gekürzt werden.

Fazit: BFH stärkt Vermächtnisnehmer bei der Erbschaftsteuer

Das BFH-Urteil vom 17.06.2026 – II R 25/23 ist eine wichtige Klarstellung für Vermächtnisnehmer. Sie können die Erbfallkostenpauschale nicht nur grundsätzlich beanspruchen. Sie erhalten sie auch ungekürzt, wenn sie der einzige in Deutschland persönlich steuerpflichtige Erwerber sind und die übrigen Erwerbe nicht der deutschen Besteuerung unterliegen.

Für die Praxis bedeutet das: Erbschaftsteuerbescheide mit Auslandsbezug sollten sorgfältig geprüft werden. Wurde die Pauschale nicht oder nur anteilig berücksichtigt, kann ein Einspruch sinnvoll sein.

Beratungshinweis:
Haben Sie ein Vermächtnis erhalten oder betrifft Ihr Erbfall mehrere Länder? Dann sollten Sie prüfen lassen, ob Ihnen die volle Erbfallkostenpauschale zusteht und ob Ihr Erbschaftsteuerbescheid korrigiert werden kann.

Disclaimer:
Dieser Beitrag stellt keine individuelle steuerliche Beratung dar und ersetzt nicht das Gespräch mit einem Steuerberater.

Quellenverzeichnis

  1. Bundesfinanzhof, Pressemitteilung Nr. 043/26 vom 20.08.2026: „Volle Erbfallkostenpauschale für den Vermächtnisnehmer“.
  2. BFH, Urteil vom 17.06.2026 – II R 25/23, ECLI:DE:BFH:2026.170626.IIR25.23.0.
  3. § 10 Abs. 5 Nr. 3 Satz 2 ErbStG: Erbfallkostenpauschale von aktuell 15.000 € ohne Nachweis.
  4. § 37 Abs. 21 ErbStG: Anwendung der Neufassung für Erwerbe, für die die Steuer nach dem 31.12.2024 entsteht.
  5. § 3 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG: Erwerb durch Erbanfall, Vermächtnis oder geltend gemachten Pflichtteilsanspruch als Erwerb von Todes wegen.
  6. § 16 Abs. 1 Nr. 5 ErbStG: Freibetrag von 20.000 € für Personen der Steuerklasse II.
  7. § 30 Abs. 1 und 3 ErbStG: Anzeige des Erwerbs binnen drei Monaten und gesetzliche Ausnahmen.

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Diese 5 Steuerfehler kosten Unternehmer Liquidität, Vorsteuer und Nerven – inklusive Checkliste und Praxistipps.

Warum Steuerfehler selten plötzlich entstehen

Die 5 teuersten Steuerfehler bei Unternehmern haben meistens eine Gemeinsamkeit: Sie entstehen nicht durch böse Absicht, sondern durch fehlende Routinen. Belege bleiben liegen, Steuerzahlungen werden nicht eingeplant, private und betriebliche Ausgaben verschwimmen – und der Steuerberater wird erst eingeschaltet, wenn die Entscheidung längst getroffen ist.

Das Problem: Im Steuerrecht werden kleine Versäumnisse schnell teuer. Wer Fristen verpasst, Zahlungen zu spät leistet oder Vorsteuer aus fehlerhaften Rechnungen geltend macht, riskiert Nachzahlungen, Zinsen, Zuschläge oder Diskussionen in der Betriebsprüfung.

Steuerfehler 1: Steuern werden nicht als Liquidität geplant

Viele Unternehmer schauen auf den Kontostand und verwechseln ihn mit verfügbarem Gewinn. Das kann gefährlich werden. Einkommensteuer-, Körperschaftsteuer- und Gewerbesteuer-Vorauszahlungen sind gesetzlich vorgesehen und können bei steigenden Gewinnen spürbar ansteigen. Für Einkommensteuer-Vorauszahlungen ist § 37 EStG maßgeblich; bei Kapitalgesellschaften verweist § 31 KStG auf die Vorschriften zur Erhebung der Einkommensteuer, und die Gewerbesteuer-Vorauszahlungen ergeben sich aus § 19 GewStG.

Praxisbeispiel:
Ein Unternehmer erzielt deutlich mehr Gewinn als im Vorjahr, passt seine privaten Entnahmen aber nicht an. Die späteren Vorauszahlungen und Nachzahlungen treffen dann auf ein Konto, das zwar Umsatz gesehen hat, aber keine Rücklagen mehr enthält.

Steuer-Tipp:
Richten Sie ein separates Steuerkonto ein. Eine monatliche Rücklage für Umsatzsteuer, Einkommensteuer, Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer schützt vor Liquiditätsstress.

Steuerfehler 2: Fristen und Zahlungen werden unterschätzt

Ein besonders teurer Fehler ist der Gedanke: „Ein paar Tage später ist doch nicht schlimm.“ Bei Steuerzahlungen kann genau das teuer werden. Wird eine Steuer nicht rechtzeitig gezahlt, fällt nach § 240 AO grundsätzlich ein Säumniszuschlag von 1 Prozent je angefangenem Monat auf den abgerundeten rückständigen Steuerbetrag an.

Auch verspätete Steuererklärungen können teuer werden. Der Verspätungszuschlag beträgt bei vielen Jahressteuererklärungen 0,25 Prozent der festgesetzten Steuer, mindestens aber 25 Euro je angefangenem Monat der Verspätung. Die konkrete Anwendung hängt vom Einzelfall und der Erklärung ab.

Bei der Umsatzsteuer-Voranmeldung gilt: Unternehmer müssen die Voranmeldung grundsätzlich bis zum zehnten Tag nach Ablauf des Voranmeldungszeitraums elektronisch übermitteln und die Vorauszahlung selbst berechnen.

Achtung / Häufiger Fehler:
Viele Unternehmer planen nur die Abgabefrist, aber nicht den Zahlungsabfluss. Entscheidend ist nicht, wann die Erklärung vorbereitet wird, sondern wann die Steuer beim Finanzamt fällig ist.

Steuerfehler 3: Vorsteuer wird durch fehlerhafte Rechnungen riskiert

Der Vorsteuerabzug ist für viele Unternehmen ein wichtiger Liquiditätsfaktor. Er setzt jedoch voraus, dass die gesetzlichen Anforderungen erfüllt sind. Rechnungen richten sich nach § 14 UStG; der Vorsteuerabzug ist in § 15 UStG geregelt.

Besonders kritisch sind:

  • fehlende oder falsche Pflichtangaben,
  • unklare Leistungsbeschreibungen,
  • falsche Umsatzsteuerbeträge,
  • Rechnungen an die falsche Gesellschaft,
  • nicht sauber archivierte E-Rechnungen.

Seit der Einführung der verpflichtenden elektronischen Rechnung im B2B-Bereich rücken auch Datenformat und Aufbewahrung stärker in den Fokus. Das BMF hat die GoBD unter anderem wegen der E-Rechnung angepasst; bei hybriden E-Rechnungen kommt es vor allem darauf an, dass der strukturierte Teil aufbewahrt wird, sofern dieser für die Besteuerung maßgeblich ist.

Steuer-Tipp:
Prüfen Sie Eingangsrechnungen nicht erst beim Jahresabschluss. Ein monatlicher Rechnungscheck spart Rückfragen, Korrekturen und verlorene Vorsteuer.

Steuerfehler 4: Belege werden gesammelt, aber nicht revisionssicher organisiert

„Der Beleg ist irgendwo vorhanden“ reicht nicht immer. Bücher und Aufzeichnungen müssen so geführt werden, dass sie den Anforderungen der Abgabenordnung und der GoBD entsprechen. Nach § 146 AO müssen elektronische Daten während der Aufbewahrungsfrist verfügbar und lesbar gemacht werden können; § 147 AO regelt die Aufbewahrung steuerlich relevanter Unterlagen.

Teuer wird es, wenn Unterlagen fehlen, verändert wurden oder nicht mehr maschinell auswertbar sind. Dann entstehen nicht nur Mehrarbeit und Beratungskosten. Im schlimmsten Fall drohen Hinzuschätzungen oder langwierige Diskussionen in der Betriebsprüfung.

Achtung / Häufiger Fehler:
PDF heruntergeladen, Datei umbenannt, E-Mail gelöscht – und damit ist der steuerlich relevante Originalprozess nicht mehr sauber nachvollziehbar. Gerade bei digitalen Belegen zählt die Organisation vom ersten Tag an.

Steuerfehler 5: Private und betriebliche Ausgaben werden vermischt

Viele Unternehmer zahlen schnell mit der falschen Karte, nutzen betriebliche Gegenstände privat oder buchen gemischte Ausgaben ohne saubere Dokumentation. Das wirkt im Alltag harmlos, kann steuerlich aber unangenehm werden.

Bei betrieblich genutzten Pkw ist die private Nutzung ausdrücklich geregelt. Wird ein Fahrzeug zu mehr als 50 Prozent betrieblich genutzt, sieht § 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG unter bestimmten Voraussetzungen die Bewertung der Privatnutzung mit 1 Prozent des inländischen Listenpreises je Kalendermonat vor.

Auch bei gemischten oder privat veranlassten Aufwendungen ist Vorsicht geboten. § 4 EStG enthält Regelungen zu Betriebsausgaben und nicht abziehbaren Aufwendungen.

Praxisbeispiel:
Ein Unternehmer nutzt den Firmenwagen privat, führt aber kein belastbares Fahrtenbuch und berücksichtigt die Privatnutzung nicht korrekt. Das fällt oft erst im Rahmen der Jahresabschlussarbeiten oder einer Prüfung auf – dann muss nachgearbeitet und gegebenenfalls korrigiert werden.

Kurze Checkliste: So vermeiden Sie teure Steuerfehler

  • Monatliches Steuerkonto für Rücklagen einrichten
  • Umsatzsteuer-Voranmeldungen und Zahlungsfristen aktiv überwachen
  • Eingangsrechnungen direkt auf Pflichtangaben prüfen
  • E-Rechnungen im ursprünglichen, steuerlich relevanten Format archivieren
  • Private und betriebliche Zahlungen konsequent trennen
  • Firmenwagen, Geschenke, Bewirtung und gemischte Kosten sauber dokumentieren
  • Größere Investitionen vorab steuerlich prüfen lassen
  • Steuerberater vor Entscheidungen einbinden, nicht erst danach

Fazit: Gute Steuerberatung beginnt vor dem Fehler

Die teuersten Steuerfehler entstehen selten am Jahresende. Sie entstehen im Alltag: bei der Zahlung, beim Beleg, bei der Rechnung, bei der privaten Nutzung oder bei einer Entscheidung, die steuerlich nicht vorher geprüft wurde.

Wer seine Buchhaltung als Frühwarnsystem nutzt, schützt nicht nur seine Steuerlast, sondern vor allem seine Liquidität.

Unser Tipp: Sprechen Sie steuerliche Fragen nicht erst an, wenn der Bescheid kommt. Je früher wir eingebunden sind, desto mehr Gestaltungsspielraum bleibt.

Dieser Beitrag stellt keine individuelle steuerliche Beratung dar und ersetzt nicht das Gespräch mit einem Steuerberater.

FAQ

Was ist der teuerste Steuerfehler bei Unternehmern?

Oft ist nicht ein einzelner Fehler entscheidend, sondern fehlende Liquiditätsplanung. Wenn Steuerzahlungen, Vorauszahlungen und Nachzahlungen nicht eingeplant werden, kann ein eigentlich profitables Unternehmen finanziell unter Druck geraten.

Wann entstehen Säumniszuschläge?

Säumniszuschläge entstehen grundsätzlich, wenn eine Steuer nicht bis zum Ablauf des Fälligkeitstags gezahlt wird. Nach § 240 AO beträgt der Säumniszuschlag 1 Prozent je angefangenem Monat des abgerundeten rückständigen Steuerbetrags.

Warum sind fehlerhafte Rechnungen so problematisch?

Weil der Vorsteuerabzug an gesetzliche Voraussetzungen geknüpft ist. Rechnungen müssen insbesondere den Anforderungen des § 14 UStG genügen; der Vorsteuerabzug ist in § 15 UStG geregelt.

Muss ich E-Rechnungen anders aufbewahren als PDFs?

Bei E-Rechnungen ist entscheidend, dass der steuerlich relevante strukturierte Datenteil erhalten bleibt. Das BMF hat die GoBD unter anderem wegen der E-Rechnung angepasst.

Wann sollte ich meinen Steuerberater einbinden?

Immer vor größeren Entscheidungen: Investitionen, Fahrzeuganschaffung, Rechtsformwechsel, Gewinnausschüttung, Einstellung von Mitarbeitern oder privaten Entnahmen. Nach der Entscheidung bleiben oft nur noch Korrektur und Schadensbegrenzung.

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Einkommensteuerreform 2027: Was der BMF-Entwurf für Steuerzahler, Familien und Arbeitgeber bedeutet

Grundfreibetrag, Kindergeld, Minijobs, Handwerkerleistungen: Was der BMF-Entwurf zur Einkommensteuerreform 2027 vorsieht.

Die Einkommensteuerreform 2027 liegt als Referentenentwurf des Bundesministeriums der Finanzen vor. Geplant sind Entlastungen beim Grundfreibetrag, beim Kindergeld, bei den Kinderfreibeträgen und beim Arbeitnehmer-Pauschbetrag. Gleichzeitig enthält der Entwurf auch Gegenfinanzierungen: Handwerkerleistungen sollen steuerlich weniger stark gefördert werden, die Pauschsteuer für Minijobs soll steigen und sehr hohe Einkommen sollen stärker belastet werden. Wichtig für die Praxis: Der Entwurf ist noch nicht beschlossen und damit rechtlich in Schwebe.

Das Wichtigste zur Einkommensteuerreform 2027 auf einen Blick

  • Der Grundfreibetrag soll 2027 auf 12.564 Euro und 2028 auf 12.900 Euro steigen.
  • Das Kindergeld soll ab Januar 2027 auf 267 Euro und ab Januar 2028 auf 272 Euro je Kind und Monat steigen.
  • Der Arbeitnehmer-Pauschbetrag soll von 1.230 Euro auf 1.430 Euro erhöht werden.
  • Die Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen soll von 20 Prozent / maximal 1.200 Euro auf 15 Prozent / maximal 900 Euro sinken.
  • Die einheitliche Minijob-Pauschsteuer soll von 2 Prozent auf 5 Prozent steigen.
  • Für sehr hohe Einkommen soll ein neuer Spitzenbereich mit 47 Prozent ab 280.000 Euro eingeführt werden.
  • Die meisten Änderungen sollen nach dem Entwurf ab dem 1. Januar 2027 gelten; einzelne zweite Stufen sind für 2028 geplant.

Ist die Einkommensteuerreform 2027 schon beschlossen?

Nein. Aktuell handelt es sich um einen Referentenentwurf des BMF mit Bearbeitungsstand 18.08.2026, 07:19 Uhr. Ein Referentenentwurf ist ein früher Schritt im Gesetzgebungsverfahren. Der Bundestag und der Bundesrat können Inhalte noch ändern. Deshalb sollten Steuerpflichtige und Unternehmen die geplanten Werte zwar kennen, aber noch nicht als endgültiges Recht einplanen.

Achtung / Häufiger Fehler:
Planen Sie Investitionen, Lohnmodelle oder Renovierungen nicht allein auf Basis des Entwurfs. Erst das endgültig verkündete Gesetz ist verbindlich.

Welche Änderungen sind beim Einkommensteuertarif geplant?

Der Entwurf sieht eine Entlastung im unteren und mittleren Einkommensbereich vor. Der Grundfreibetrag soll steigen. Das ist der Teil des zu versteuernden Einkommens, der steuerfrei bleibt. Nach geltendem Recht beträgt der Grundfreibetrag für den Veranlagungszeitraum 2026 12.348 Euro. Für 2027 sind 12.564 Euro, für 2028 12.900 Euro vorgesehen.

Gleichzeitig soll der Bereich der sogenannten Reichensteuer neu zugeschnitten werden. Nach geltendem Recht beginnt der Steuersatz von 45 Prozent im Jahr 2026 ab 277.826 Euro zu versteuerndem Einkommen. Nach dem Entwurf sollen künftig 45 Prozent ab 250.000 Euro und 47 Prozent ab 280.000 Euro gelten. Diese Werte beziehen sich auf die Einzelveranlagung; bei Zusammenveranlagung ist das Splittingverfahren zu beachten.

BereichGeltendes Recht 2026Geplant ab 2027Geplant ab 2028
Grundfreibetrag12.348 Euro12.564 Euro12.900 Euro
42-%-Zoneab 69.879 Euroab 70.601 Euroab 70.601 Euro
45-%-Zoneab 277.826 Euroab 250.000 Euroab 250.000 Euro
47-%-Zonenicht vorgesehenab 280.000 Euroab 280.000 Euro

Was ändert sich für Arbeitnehmer?

Für Arbeitnehmer ist vor allem der geplante höhere Arbeitnehmer-Pauschbetrag relevant. Nach geltendem Recht beträgt er 1.230 Euro. Der Entwurf sieht ab 2027 eine Erhöhung auf 1.430 Euro vor. Der Pauschbetrag wird bei Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit berücksichtigt, wenn keine höheren Werbungskosten nachgewiesen werden.

Steuer-Tipp:
Wer hohe Fahrtkosten, Fortbildungskosten, Arbeitsmittel, Homeoffice-Tage oder Kosten einer doppelten Haushaltsführung hat, sollte weiterhin prüfen, ob die tatsächlichen Werbungskosten über dem Pauschbetrag liegen.

Was ist für Familien geplant?

Familien sollen durch höheres Kindergeld und höhere Kinderfreibeträge entlastet werden. Das Kindergeld beträgt nach geltendem Recht 259 Euro monatlich je Kind. Nach dem Entwurf soll es ab Januar 2027 auf 267 Euro und ab Januar 2028 auf 272 Euro monatlich je Kind steigen.

Auch die Freibeträge für Kinder sollen angehoben werden. Der Kinderfreibetrag und der Freibetrag für Betreuung, Erziehung oder Ausbildung betragen nach geltendem Recht zusammen 4.878 Euro je Elternteil beziehungsweise 9.756 Euro bei zusammenveranlagten Eltern, wenn das Kind zu beiden Eltern in einem Kindschaftsverhältnis steht. Nach dem Entwurf wären es ab 2027 zusammen 5.028 Euro je Elternteil und ab 2028 5.118 Euro je Elternteil.

Familienleistung2026geplant 2027geplant 2028
Kindergeld je Kind und Monat259 Euro267 Euro272 Euro
Freibeträge je Kind bei zusammenveranlagten Eltern9.756 Euro10.056 Euro10.236 Euro

Werden Handwerkerleistungen ab 2027 schlechter gestellt?

Ja, nach dem Entwurf sollen Handwerkerleistungen steuerlich weniger stark begünstigt werden. Nach geltendem Recht ermäßigt sich die tarifliche Einkommensteuer für begünstigte Handwerkerleistungen um 20 Prozent der Aufwendungen, höchstens jedoch um 1.200 Euro. Der Entwurf sieht künftig nur noch 15 Prozent und höchstens 900 Euro vor.

Praxisbeispiel:
Sie lassen Renovierungsarbeiten ausführen. Die begünstigten Arbeitskosten betragen 6.000 Euro. Nach geltendem Recht kann die Steuerermäßigung bis zu 1.200 Euro betragen. Nach dem Entwurf wären es nur noch 900 Euro. Die mögliche Entlastung würde in diesem Beispiel um 300 Euro sinken.

Achtung / Häufiger Fehler:
Bei Handwerkerleistungen sind grundsätzlich nur Arbeitskosten begünstigt, nicht Materialkosten. Außerdem müssen eine Rechnung vorliegen und die Zahlung auf das Konto des Leistungserbringers erfolgen.

Was bedeutet der Entwurf für Arbeitgeber mit Minijobs?

Für Arbeitgeber kann die Reform bei Minijobs zu höheren Kosten führen. Nach geltendem Recht kann die Lohnsteuer für bestimmte geringfügige Beschäftigungen mit einer einheitlichen Pauschsteuer von 2 Prozent erhoben werden. Der Entwurf sieht eine Erhöhung auf 5 Prozent vor.

Gerade Unternehmen mit vielen Minijobbern sollten die mögliche Mehrbelastung frühzeitig in ihre Personalkostenplanung aufnehmen. Das betrifft zum Beispiel Gastronomie, Einzelhandel, Pflege, Reinigung, Vereine und saisonabhängige Betriebe.

Was ändert sich bei Sonn-, Feiertags- und Nachtzuschlägen?

Nach geltendem Recht sind Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- oder Nachtarbeit nur innerhalb bestimmter Prozentsätze und auf Basis eines Grundlohns von höchstens 50 Euro je Stunde steuerfrei. Der Entwurf sieht vor, dass der maximal anzusetzende Grundlohn für Sonn- und Feiertagsarbeit auf 75 Euro steigt. Für Nachtarbeit soll es nach dem Entwurf bei 50 Euro bleiben.

Das kann besonders für Branchen mit Schicht-, Sonn- und Feiertagsarbeit relevant sein, etwa Produktion, Pflege, Logistik, Hotellerie, Gastronomie und Sicherheitsdienste.

Neue Gewerbesteuer-Regel für Rechenzentren

Der Entwurf enthält außerdem eine spezielle Änderung bei der Gewerbesteuer. Für Betriebe, die ausschließlich Rechenzentren im Sinne des Energieeffizienzgesetzes betreiben, soll ein besonderer Zerlegungsmaßstab eingeführt werden. Geplant ist eine Aufteilung zu einem Zehntel nach Arbeitslöhnen und zu neun Zehnteln nach nicht redundanter elektrischer Nennanschlussleistung.

Für Betreiber von Rechenzentren kann das erhebliche Auswirkungen auf die Verteilung der Gewerbesteuer zwischen Gemeinden haben.

Checkliste: Was Sie jetzt tun sollten

  • Prüfen Sie geplante Renovierungen und Handwerkerleistungen für 2026/2027.
  • Kalkulieren Sie Minijob-Kosten vorsorglich mit der geplanten höheren Pauschsteuer.
  • Prüfen Sie, ob Ihre tatsächlichen Werbungskosten über dem geplanten Arbeitnehmer-Pauschbetrag liegen.
  • Behalten Sie bei hohen Einkommen Vorauszahlungen und Liquidität im Blick.
  • Arbeitgeber sollten Lohnabrechnungssysteme erst nach endgültiger Gesetzesverkündung umstellen.
  • Familien sollten Kindergeld und Freibeträge erst nach Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens verbindlich einplanen.
  • Betreiber von Rechenzentren sollten die geplante Gewerbesteuer-Zerlegung modellieren.

FAQ zur Einkommensteuerreform 2027

Ist die Einkommensteuerreform 2027 schon geltendes Recht?

Nein. Derzeit liegt ein Referentenentwurf vor. Die Regelungen sind noch in Schwebe und können im weiteren Gesetzgebungsverfahren geändert werden.

Ab wann sollen die Änderungen gelten?

Die meisten Änderungen sollen nach dem Entwurf ab dem 1. Januar 2027 gelten. Eine zweite Stufe ist insbesondere beim Grundfreibetrag und beim Kindergeld für 2028 vorgesehen.

Wie hoch soll der Grundfreibetrag 2027 sein?

Der Grundfreibetrag soll nach dem Entwurf im Jahr 2027 12.564 Euro betragen. Für 2028 sind 12.900 Euro geplant.

Was ändert sich beim Kindergeld?

Das Kindergeld soll von derzeit 259 Euro auf 267 Euro ab Januar 2027 und 272 Euro ab Januar 2028 steigen.

Werden Handwerkerleistungen 2027 weniger attraktiv?

Nach dem Entwurf ja. Die Steuerermäßigung soll von 20 Prozent / maximal 1.200 Euro auf 15 Prozent / maximal 900 Euro sinken.

Was bedeutet die Reform für Minijobs?

Die einheitliche Pauschsteuer für bestimmte geringfügige Beschäftigungen soll von 2 Prozent auf 5 Prozent steigen. Für Arbeitgeber kann das die Personalkosten erhöhen.

Wer sollte jetzt besonders aufmerksam sein?

Besonders betroffen sind Arbeitnehmer mit Werbungskosten, Familien, Arbeitgeber mit Minijobs, Unternehmen mit Sonn- und Feiertagsarbeit, Steuerpflichtige mit sehr hohen Einkommen sowie Betreiber von Rechenzentren.

Fazit: Jetzt prüfen, aber noch nicht endgültig planen

Die Einkommensteuerreform 2027 bringt nach dem BMF-Entwurf Entlastungen für viele Steuerpflichtige und Familien. Gleichzeitig werden einzelne Vorteile reduziert oder neu zugeschnitten. Besonders wichtig sind die geplanten Änderungen bei Handwerkerleistungen, Minijobs, Kindergeld, Grundfreibetrag und hohen Einkommen.

Da der Entwurf noch nicht beschlossen ist, sollten Sie die Änderungen strategisch beobachten und größere Entscheidungen steuerlich vorbereiten, aber erst nach dem endgültigen Gesetz verbindlich umsetzen.

CTA:
Sie möchten wissen, wie sich die geplante Einkommensteuerreform 2027 konkret auf Ihre Steuerbelastung, Ihre Lohnabrechnung oder Ihre Investitionsplanung auswirkt? Sprechen Sie uns an – wir prüfen die Auswirkungen individuell für Ihre Situation.

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Disclaimer

Dieser Beitrag stellt keine individuelle steuerliche Beratung dar und ersetzt nicht das Gespräch mit einem Steuerberater.

Quellenverzeichnis

  1. Bundesministerium der Finanzen: „Entwurf eines Einkommensteuerreformgesetzes 2027“, Mitteilung vom 18.08.2026; Referentenentwurf des BMF, Bearbeitungsstand 18.08.2026, 07:19 Uhr; Status: Referentenentwurf / in Schwebe.
  2. Einkommensteuergesetz, § 32a EStG, Einkommensteuertarif, geltende Fassung für den Veranlagungszeitraum 2026.
  3. Einkommensteuergesetz, § 9a EStG, Arbeitnehmer-Pauschbetrag, geltende Fassung.
  4. Einkommensteuergesetz, § 32 Abs. 6 EStG, Freibeträge für Kinder, geltende Fassung.
  5. Einkommensteuergesetz, § 66 EStG, Kindergeld, geltende Fassung.
  6. Einkommensteuergesetz, § 35a EStG, Handwerkerleistungen, geltende Fassung.
  7. Einkommensteuergesetz, § 40a EStG, Pauschalierung der Lohnsteuer bei geringfügiger Beschäftigung, geltende Fassung.
  8. Einkommensteuergesetz, § 3b EStG, Sonn-, Feiertags- und Nachtzuschläge, geltende Fassung.
  9. Gewerbesteuergesetz, § 29 GewStG, Zerlegungsmaßstab, geltende Fassung und geplanter neuer Maßstab laut Referentenentwurf.

Muster für den Ausdruck der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung für 2027

Das BMF-Muster 2027 bringt Zeile 16c für die Aktivrente. Was Arbeitgeber, Lohnbüros und Arbeitnehmer jetzt beachten sollten.
Haupt-Keyword:
elektronische Lohnsteuerbescheinigung 2027
Rechtsstand: 19.08.2026

Das Wichtigste auf einen Blick

Das Bundesministerium der Finanzen hat mit Bekanntmachung vom 13. August 2026 das Muster für den Ausdruck der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung für 2027 veröffentlicht. Grundlage ist § 51 Abs. 4 Nr. 1 EStG. Danach darf das BMF das Muster für den Ausdruck der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung bestimmen.

Für Arbeitgeber, Lohnbüros und Personalabteilungen ist vor allem eine Neuerung wichtig: In Zeile 16c ist künftig der nach § 3 Nr. 21 EStG steuerfrei belassene Arbeitslohn für die sogenannte Aktivrente zu bescheinigen. Zusätzlich muss im elektronischen Datensatz der monatlich aufgrund der Aktivrente steuerfrei belassene Arbeitslohn übermittelt werden.

Worum geht es bei der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung 2027?

Arbeitgeber müssen nach Abschluss des Lohnkontos für ihre Arbeitnehmer eine elektronische Lohnsteuerbescheinigung an die Finanzverwaltung übermitteln. § 41b Abs. 1 EStG nennt unter anderem Arbeitslohn, einbehaltene Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer sowie die nach § 3 Nr. 21 EStG steuerfreien Einnahmen als zu übermittelnde Angaben.

Der Arbeitnehmer erhält die elektronische Lohnsteuerbescheinigung als Ausdruck oder elektronisch bereitgestellt nach amtlich vorgeschriebenem Muster. Genau dieses Muster für das Kalenderjahr 2027 hat das BMF nun bekannt gemacht.

Welche Formvorgaben gelten für den Ausdruck?

Der Ausdruck der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung 2027 hat das Format DIN A4. Er darf vom amtlichen Muster abweichen, wenn er sämtliche Angaben in gleicher Reihenfolge enthält und in Format sowie Aufbau dem bekannt gemachten Muster entspricht.

Bei der Ausstellung sind außerdem die Vorgaben des BMF-Schreibens vom 5. September 2024, BStBl I 2024, Seite 1255, zu beachten. Dieses Schreiben regelt die Ausstellung elektronischer Lohnsteuerbescheinigungen für Kalenderjahre ab 2025 sowie Besondere Lohnsteuerbescheinigungen.

Was ändert sich durch Zeile 16c?

Die zentrale Änderung betrifft den Bereich steuerfreier Arbeitslohn. Im amtlichen Muster ist unter Nummer 16 künftig neben steuerfreiem Arbeitslohn nach Doppelbesteuerungsabkommen und Auslandstätigkeitserlass auch die Position „c) Aktivrentengesetz“ vorgesehen.

Damit wird die Aktivrente erstmals ausdrücklich in das Muster der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung 2027 aufgenommen. Arbeitgeber müssen deshalb sicherstellen, dass ihre Lohnabrechnungssoftware diese neue Position korrekt abbildet.

Was ist die Aktivrente?

Die Aktivrente ist eine Steuerbefreiung für bestimmte Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit. Nach § 3 Nr. 21 EStG sind Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit nach § 19 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG bis zu 24.000 Euro im Jahr steuerfrei, wenn sie für Leistungen zufließen, die ab dem Folgemonat nach Erreichen der gesetzlichen Regelaltersgrenze erbracht werden und der Arbeitgeber die gesetzlich genannten Rentenversicherungsbeiträge oder Beitragszuschüsse zu entrichten hat.

Praktisch entspricht der Jahresbetrag bei durchgehender Berechtigung bis zu 2.000 Euro monatlich. Das BMF weist in seinen FAQ darauf hin, dass die Aktivrente seit 1. Januar 2026 gilt. Diese FAQ sind jedoch ausdrücklich nur eine Orientierungshilfe und keine verbindliche Verwaltungsanweisung.

Beispiel: Aktivrente im ganzen Jahr 2027

Ein Arbeitnehmer erfüllt in allen Monaten des Jahres 2027 die Voraussetzungen der Aktivrente. Er erhält monatlich 2.700 Euro Arbeitslohn aus einer begünstigten nichtselbständigen Beschäftigung.

Bis zu 2.000 Euro monatlich bleiben steuerfrei. Die verbleibenden 700 Euro monatlich sind steuerpflichtiger Arbeitslohn. Für das Jahr 2027 wären bei durchgehender Berechtigung insgesamt 24.000 Euro als steuerfrei belassener Arbeitslohn aus der Aktivrente in Zeile 16c zu bescheinigen. Zusätzlich müssen die monatlich steuerfrei belassenen Beträge im elektronischen Datensatz übermittelt werden.

Beispiel: Aktivrente beginnt im Laufe des Jahres

Erreicht ein Arbeitnehmer die gesetzliche Regelaltersgrenze im Juni 2027 und liegen die weiteren Voraussetzungen erst ab Juli 2027 vor, kommt die Steuerbefreiung erst ab dem Folgemonat in Betracht.

Erhält der Arbeitnehmer von Juli bis Dezember monatlich 1.600 Euro begünstigten Arbeitslohn, wären sechs Monatsbeträge steuerfrei zu behandeln. Insgesamt wären 9.600 Euro in Zeile 16c zu bescheinigen. Auch hier sind die monatlichen steuerfrei belassenen Beträge zusätzlich im elektronischen Datensatz zu übermitteln.

Steuer-Tipp: Eigene Lohnart für die Aktivrente einrichten

Arbeitgeber sollten für die Aktivrente eine eigene Lohnart in der Lohnabrechnung einrichten. So lassen sich die steuerfrei belassenen Beträge leichter vom übrigen Arbeitslohn abgrenzen. Außerdem wird dadurch nachvollziehbar, welche Beträge monatlich aufgrund der Aktivrente steuerfrei behandelt wurden.

Das ist besonders wichtig, weil das BMF nicht nur den Jahresausweis in Zeile 16c verlangt, sondern zusätzlich die monatliche Übermittlung des aufgrund der Aktivrente steuerfrei belassenen Arbeitslohns im elektronischen Datensatz.

Achtung: Die Jahressumme allein reicht nicht

Ein häufiger Fehler wäre es, nur die jährliche Gesamtsumme der Aktivrente zu speichern. Für die elektronische Lohnsteuerbescheinigung 2027 ist aber zusätzlich der monatlich steuerfrei belassene Arbeitslohn aus der Aktivrente zu übermitteln.

Das ist vor allem bei unterjährigem Beginn, Arbeitgeberwechsel, mehreren Dienstverhältnissen oder Korrekturen relevant. Lohnbüros sollten daher prüfen, ob die Software die Monatswerte dauerhaft und korrekt speichert.

Was gilt bei mehreren Arbeitsverhältnissen?

Beim Lohnsteuerabzug darf die Aktivrente nicht gleichzeitig in mehreren Dienstverhältnissen berücksichtigt werden. In Steuerklasse VI ist der Freibetrag nur zu berücksichtigen, wenn der Arbeitnehmer gegenüber dem Arbeitgeber bestätigt, dass die Steuerbefreiung nicht bereits in einem anderen Dienstverhältnis genutzt wird. Diese Bestätigung ist zum Lohnkonto zu nehmen.

Bis wann ist die Lohnsteuerbescheinigung 2027 zu übermitteln?

Die elektronische Lohnsteuerbescheinigung ist nach Abschluss des Lohnkontos nach Maßgabe des § 41b EStG und § 93c AO zu übermitteln. § 93c Abs. 1 Nr. 1 AO nennt grundsätzlich den letzten Tag des Monats Februar des folgenden Jahres als Übermittlungsfrist.

Für das Kalenderjahr 2027 bedeutet das: Die Übermittlung ist grundsätzlich bis zum 29. Februar 2028 vorzunehmen, da 2028 ein Schaltjahr ist.

Checkliste für Arbeitgeber und Lohnbüros

  • Prüfen Sie, ob Ihre Lohnabrechnungssoftware das Muster 2027 mit Zeile 16c abbildet.
  • Richten Sie eine eigene Lohnart für die Aktivrente ein.
  • Stellen Sie sicher, dass die monatlich steuerfrei belassenen Beträge gespeichert und elektronisch übermittelt werden können.
  • Dokumentieren Sie die Voraussetzungen der Aktivrente, insbesondere Regelaltersgrenze und begünstigte nichtselbständige Tätigkeit.
  • Beachten Sie bei Steuerklasse VI die erforderliche Bestätigung des Arbeitnehmers.
  • Kontrollieren Sie, ob der Ausdruck in Reihenfolge, Format und Aufbau dem BMF-Muster entspricht.
  • Merken Sie die Übermittlungsfrist bis Ende Februar des Folgejahres vor.

FAQ zur elektronischen Lohnsteuerbescheinigung 2027

Was ändert sich bei der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung 2027?

Die wichtigste Änderung ist Zeile 16c. Dort ist der nach § 3 Nr. 21 EStG steuerfrei belassene Arbeitslohn aus der Aktivrente zu bescheinigen. Zusätzlich sind die monatlich steuerfrei belassenen Aktivrentenbeträge im elektronischen Datensatz zu übermitteln.

Muss der Ausdruck exakt dem amtlichen Muster entsprechen?

Nein. Der Ausdruck darf vom amtlichen Muster abweichen, wenn sämtliche Angaben in gleicher Reihenfolge enthalten sind und Format sowie Aufbau dem bekannt gemachten Muster entsprechen. Der Ausdruck hat das Format DIN A4.

Wie hoch ist der steuerfreie Betrag der Aktivrente?

Nach § 3 Nr. 21 EStG sind begünstigte Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit bis zu 24.000 Euro im Jahr steuerfrei. Bei durchgehender Berechtigung entspricht das bis zu 2.000 Euro monatlich.

Gilt die Aktivrente auch für Minijobs?

Nach den BMF-FAQ sind Minijobs nicht begünstigt. Die FAQ sind allerdings nur eine Orientierungshilfe ohne Rechts- oder Bindungswirkung; maßgeblich bleibt die Prüfung der gesetzlichen Voraussetzungen im Einzelfall.

Was gilt bei Steuerklasse VI?

In Steuerklasse VI darf die Aktivrente beim Lohnsteuerabzug nur berücksichtigt werden, wenn der Arbeitnehmer bestätigt, dass die Steuerbefreiung nicht bereits in einem anderen Dienstverhältnis berücksichtigt wird. Diese Bestätigung ist zum Lohnkonto zu nehmen.

Bis wann muss die Lohnsteuerbescheinigung 2027 übermittelt werden?

Die Datenübermittlung richtet sich nach § 41b EStG in Verbindung mit § 93c AO. Grundsätzlich gilt der letzte Tag des Monats Februar des folgenden Jahres. Für das Kalenderjahr 2027 ist dies der 29. Februar 2028.

Fazit: Kleine Formularänderung, große Praxiswirkung

Die neue Zeile 16c wirkt auf den ersten Blick wie eine reine Formularänderung. Tatsächlich hat sie erhebliche praktische Bedeutung für die Lohnabrechnung. Arbeitgeber müssen die Aktivrente nicht nur als Jahressumme in der Lohnsteuerbescheinigung 2027 ausweisen, sondern auch die monatlich steuerfrei belassenen Beträge elektronisch übermitteln.

Wer die Lohnarten, Softwareeinstellungen und Dokumentationsprozesse frühzeitig prüft, vermeidet spätere Korrekturen und Rückfragen der Finanzverwaltung. Besonders wichtig sind eine saubere Monatsdokumentation, die Prüfung der gesetzlichen Voraussetzungen und die korrekte Behandlung bei mehreren Dienstverhältnissen.

Passende interne Verlinkungen

Quellenverzeichnis

  1. BMF, Bekanntmachung vom 13.08.2026, „Muster für den Ausdruck der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung für 2027“, GZ: IV C 5 – S 2533/00123/008/012, DOK: COO.7005.100.4.15540462.
  2. Anlage zum BMF-Schreiben vom 13.08.2026, PDF „Ausdruck der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung für 2027“, Version 3.26, insbesondere Zeile 16 „c) Aktivrentengesetz“.
  3. § 3 Nr. 21 EStG, Steuerfreiheit der Aktivrente bis 24.000 Euro jährlich sowie Regelungen zu Monatskürzung und Steuerklasse VI.
  4. § 41b EStG, Abschluss des Lohnsteuerabzugs und elektronische Lohnsteuerbescheinigung.
  5. § 93c AO, Datenübermittlung durch Dritte, insbesondere Übermittlungsfrist bis zum letzten Tag des Monats Februar des Folgejahres.
  6. BMF-Schreiben vom 05.09.2024, IV C 5 – S 2378/19/10002 :002, BStBl I 2024, S. 1255, Ausstellung elektronischer Lohnsteuerbescheinigungen ab 2025.
  7. BMF, Fragen und Antworten zur Aktivrente, Stand: 25.06.2026; ausdrücklich Orientierungshilfe ohne Rechts- oder Bindungswirkung.

Dieser Beitrag stellt keine individuelle steuerliche Beratung dar und ersetzt nicht das Gespräch mit einem Steuerberater.

Junge Finanzmittel im ErbStG: FG Münster erleichtert Unternehmensnachfolge bei KG-Anteilen

Bei der Schenkung von KG-Anteilen kann die Frage nach jungen Finanzmitteln erhebliche steuerliche Folgen haben. Denn junge Finanzmittel gelten nach § 13b Abs. 4 Nr. 5 Satz 2 ErbStG als Verwaltungsvermögen und können die Verschonung von Betriebsvermögen belasten. Das Finanzgericht Münster hat nun entschieden: Wird eine Gesellschafterforderung in eine gesamthänderisch gebundene Rücklage derselben KG überführt, entstehen dadurch keine jungen Finanzmittel. Die Revision wurde allerdings zugelassen.

Warum sind junge Finanzmittel bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer so wichtig?

Betriebsvermögen kann bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer weitgehend begünstigt sein. Nach § 13a Abs. 1 ErbStG bleiben bei der Regelverschonung grundsätzlich 85 % des begünstigten Vermögens steuerfrei; unter den Voraussetzungen des § 13a Abs. 10 ErbStG kann statt dessen die Optionsverschonung mit 100 % gewählt werden. Diese Begünstigungen setzen aber voraus, dass das Vermögen die gesetzlichen Anforderungen an begünstigtes Betriebsvermögen erfüllt.

Problematisch wird es bei Finanzmitteln wie Zahlungsmitteln, Geschäftsguthaben und Forderungen. Nach § 13b Abs. 4 Nr. 5 ErbStG gehören Finanzmittel grundsätzlich insoweit zum Verwaltungsvermögen, als sie 15 % des anzusetzenden Betriebsvermögenswerts übersteigen. Junge Finanzmittel sind der positive Saldo aus eingelegten und entnommenen Finanzmitteln, die dem Betrieb im Zeitpunkt der Steuerentstehung weniger als zwei Jahre zuzurechnen waren.

Einfach gesagt: Der Gesetzgeber will verhindern, dass kurz vor einer Schenkung oder einem Erbfall private Geldmittel in ein Unternehmen eingelegt werden, nur um sie steuerbegünstigt mitzuübertragen.

Der Fall: Gesellschafterforderung wird in Kapitalrücklage umgebucht

Im Streitfall waren der Kläger und der Schenker Kommanditisten einer KG. Im November 2018 beschlossen die Gesellschafter, zur Stärkung des Eigenkapitals eine gesamthänderisch gebundene Rücklage in Höhe von insgesamt 1.130.000 Euro zu bilden. Dafür wurden Gesellschafterforderungen gegen die KG in das Gesamthandsvermögen übertragen und zugunsten der Kapitalrücklage gebucht.

Zum 31.03.2019 übertrug der Schenker unentgeltlich Kommanditanteile auf den Kläger. Das Finanzamt stellte daraufhin junge Finanzmittel in Höhe von 356.575 Euro fest. Es sah in der Übertragung der Forderungen aus dem Sonderbetriebsvermögen in das Gesamthandsvermögen eine Einlage, die innerhalb der Zweijahresfrist zu jungen Finanzmitteln geführt habe.

Wie hat das FG Münster entschieden?

Das FG Münster gab dem Kläger Recht. Die jungen Finanzmittel wurden auf 0 Euro festgestellt. Nach Auffassung des Gerichts sind die Buchungen zulasten des Gesellschafterfremdkapitals und zugunsten der Kapitalrücklage keine Entnahmen aus dem Sonderbetriebsvermögen und keine Einlagen in das Gesamthandsvermögen im Sinne des § 13b Abs. 4 Nr. 5 Satz 2 ErbStG.

Entscheidend ist nach dem FG Münster, dass die Begriffe Einlage und Entnahme nach den Grundsätzen des Ertragsteuerrechts auszulegen sind. § 4 Abs. 1 EStG definiert Entnahmen als Wirtschaftsgüter, die dem Betrieb für betriebsfremde Zwecke entnommen werden, und Einlagen als Wirtschaftsgüter, die dem Betrieb zugeführt werden.

Bei einer Überführung aus dem Sonderbetriebsvermögen in das Gesamthandsvermögen derselben Mitunternehmerschaft verlässt das Wirtschaftsgut nach der Rechtsprechung des BFH aber nicht den betrieblichen Bereich. Es wechselt lediglich innerhalb desselben steuerlichen Betriebsvermögens. Deshalb liegt ertragsteuerlich keine Entnahme und keine Einlage vor.

Kein Gleichlauf mit jungem Verwaltungsvermögen

Besonders wichtig ist die Abgrenzung zum jungen Verwaltungsvermögen. Das FG Münster betont: Bei jungen Finanzmitteln stellt das Gesetz ausdrücklich auf Einlagen und Entnahmen ab. Deshalb könne die BFH-Rechtsprechung zum jungen Verwaltungsvermögen nicht ohne Weiteres übertragen werden.

Das ist für die Praxis bedeutsam. Denn die Finanzverwaltung hatte in ähnlichen Konstellationen bislang eher dazu tendiert, Bewegungen zwischen Sonderbetriebsvermögen und Gesamthandsvermögen als einlageähnliche Vorgänge zu behandeln. Das FG Münster folgt diesem weiten Verständnis hier nicht.

Was bedeutet das für Unternehmer und Nachfolger?

Für die Unternehmensnachfolge bei Personengesellschaften ist das Urteil positiv. Es kann Gestaltungen entschärfen, bei denen vor einer Anteilsübertragung Forderungen eines Gesellschafters gegenüber der Gesellschaft in Eigenkapital oder Rücklagen umgewandelt werden.

Allerdings ist Vorsicht geboten: Das FG Münster hat die Revision zugelassen, weil bisher keine finanzgerichtliche Rechtsprechung zu jungen Finanzmitteln im Sinne des § 13b Abs. 4 Nr. 5 Satz 2 ErbStG bekannt war. Der BFH kann die Rechtsfrage daher noch klären.

Steuer-Tipp: Prüfen Sie vor jeder Schenkung von KG- oder OHG-Anteilen, ob in den letzten zwei Jahren Finanzmittelbewegungen stattgefunden haben. Entscheidend ist nicht nur die Bilanzbuchung, sondern auch, ob ertragsteuerlich tatsächlich eine Einlage oder Entnahme vorliegt.

Beispiel aus der Praxis

Ein Kommanditist hat eine Darlehensforderung gegen „seine“ KG. Zur Stärkung des Eigenkapitals verzichtet er auf die Forderung; die KG bucht den Betrag in eine gesamthänderisch gebundene Rücklage um. Einige Monate später werden KG-Anteile unentgeltlich auf die nächste Generation übertragen.

Nach der Entscheidung des FG Münster führt dieser Vorgang nicht automatisch zu jungen Finanzmitteln, wenn sich die Forderung bereits im steuerlichen Betriebsvermögen der Mitunternehmerschaft befand und nur vom Sonderbetriebsvermögen in das Gesamthandsvermögen überführt wurde.

Achtung / Häufiger Fehler: Das Urteil ist kein Freibrief für kurzfristige Einlagen aus dem Privatvermögen. Werden private Geldmittel kurz vor der Schenkung in das Unternehmen eingelegt, kann weiterhin junges Verwaltungsvermögen beziehungsweise junge Finanzmittel vorliegen.

Checkliste für die Praxis

  • Prüfen Sie alle Finanzmittelbewegungen innerhalb der letzten zwei Jahre vor dem Übertragungsstichtag.
  • Dokumentieren Sie, ob Finanzmittel aus Privatvermögen, Sonderbetriebsvermögen oder Gesamthandsvermögen stammen.
  • Klären Sie, ob ertragsteuerlich eine Einlage oder Entnahme vorliegt.
  • Unterscheiden Sie strikt zwischen jungen Finanzmitteln und jungem Verwaltungsvermögen.
  • Berücksichtigen Sie, dass das FG-Urteil wegen zugelassener Revision noch nicht abschließend abgesichert ist.
  • Lassen Sie Schenkungen von Personengesellschaftsanteilen vorab steuerlich strukturieren.

FAQ: Junge Finanzmittel nach § 13b ErbStG

Was sind junge Finanzmittel?

Junge Finanzmittel sind der positive Saldo aus eingelegten und entnommenen Finanzmitteln, die dem Betrieb im Zeitpunkt der Steuerentstehung weniger als zwei Jahre zuzurechnen waren. Sie gelten als Verwaltungsvermögen.

Wann entsteht die Schenkungsteuer?

Bei Schenkungen unter Lebenden entsteht die Steuer grundsätzlich mit dem Zeitpunkt der Ausführung der Zuwendung. Dieser Zeitpunkt ist auch für die Zweijahresbetrachtung bei jungen Finanzmitteln relevant.

Führt jede Umbuchung in eine Kapitalrücklage zu jungen Finanzmitteln?

Nein. Nach dem FG Münster führt die Überführung einer Gesellschafterforderung aus dem Sonderbetriebsvermögen in eine gesamthänderisch gebundene Rücklage derselben KG nicht zu jungen Finanzmitteln, wenn ertragsteuerlich keine Entnahme und keine Einlage vorliegt.

Gilt das Urteil auch für GmbH-Anteile?

Der entschiedene Fall betraf eine KG und damit eine Mitunternehmerschaft. Für Kapitalgesellschaften muss die jeweilige Struktur gesondert geprüft werden.

Ist das Urteil schon endgültig?

Die Revision wurde zugelassen. Daher sollte vor einer Gestaltungsentscheidung geprüft werden, ob Revision eingelegt wurde und wie der aktuelle Verfahrensstand ist.

Fazit: Wichtige Entlastung, aber kein Ende der Prüfung

Das Urteil des FG Münster ist ein wichtiges Signal für die Nachfolgeplanung bei Personengesellschaften. Die bloße Überführung einer Gesellschafterforderung in eine gesamthänderisch gebundene Rücklage kann nach dieser Entscheidung ohne junge Finanzmittel bleiben. Entscheidend ist die ertragsteuerliche Qualifikation als Einlage oder Entnahme.

Für Unternehmer, Familiengesellschaften und Nachfolger bedeutet das: Vorgänge im Sonderbetriebsvermögen sollten vor einer Schenkung genau analysiert und sauber dokumentiert werden. Wegen der zugelassenen Revision bleibt die weitere Entwicklung beim BFH im Blick zu behalten.

Disclaimer: Dieser Beitrag stellt keine individuelle steuerliche Beratung dar und ersetzt nicht das Gespräch mit einem Steuerberater.

Quellenverzeichnis

  • FG Münster, Urteil vom 16.07.2026, Az. 3 K 682/24 EW, ECLI:DE:FGMS:2026:0716.3K682.24EW.00.
  • FG Münster, Entscheidungsgründe zu jungen Finanzmitteln, Einlage/Entnahme und Saldierung.
  • § 13b Abs. 4 Nr. 5 Satz 2 ErbStG – junge Finanzmittel; § 13b Abs. 7, 8, 10 ErbStG – Verwaltungsvermögen und gesonderte Feststellung.
  • § 13a Abs. 1 und Abs. 10 ErbStG – Regelverschonung und Optionsverschonung.
  • § 4 Abs. 1 EStG – Begriffe Entnahme und Einlage.
  • § 6 Abs. 5 EStG – Überführungen zwischen Sonderbetriebsvermögen und Gesamthandsvermögen.
  • § 9 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG – Steuerentstehung bei Schenkungen unter Lebenden.
  • BFH, Urteil vom 19.09.2012, IV R 11/12, BFHE 239, 76 – Übertragung aus Sonderbetriebsvermögen in Gesamthandsvermögen.

Elektronische Bekanntgabe von Steuerbescheiden ab 2026/2027: Was Sie jetzt wissen müssen

Die elektronische Bekanntgabe von Steuerbescheiden wird schrittweise zum neuen Standard. Für das Jahr 2026 bleibt jedoch vieles beim Alten: Steuerbescheide werden nur dann elektronisch bereitgestellt, wenn zuvor aktiv eingewilligt wurde. Ab dem 1. Januar 2027 soll die elektronische Bekanntgabe dagegen grundsätzlich zum Regelfall werden, sofern kein Antrag auf postalische Bekanntgabe gestellt wurde. Grundlage ist die Neufassung von § 122a AO sowie die zeitliche Anwendungsregelung in Art. 97 § 28 Abs. 2 EGAO.

Was bedeutet elektronische Bekanntgabe?

Bei der elektronischen Bekanntgabe wird ein Verwaltungsakt, zum Beispiel ein Steuerbescheid, nicht per Post versendet, sondern zum Datenabruf bereitgestellt. Die abrufberechtigte Person wird am Tag der Bereitstellung elektronisch über die Abrufmöglichkeit und die Rechtswirkungen informiert. Diese Benachrichtigung hat nach der aktuellen Verwaltungsauffassung nur Hinweisfunktion; maßgeblich ist künftig die Bereitstellung selbst.
Vereinfacht gesagt: Der Bescheid liegt digital bereit, und ab diesem Zeitpunkt können wichtige Fristen beginnen.

Was gilt im Jahr 2026?

Für 2026 gibt es eine Übergangsregelung. Die Finanzverwaltung stellt im BMF-Schreiben vom 13. August 2026 klar: Im Jahr 2026 ändert sich die bisherige Vorgehensweise grundsätzlich nicht. Verwaltungsakte wie Steuerbescheide werden nur dann elektronisch bekannt gegeben, wenn Steuerpflichtige oder ihre Empfangsbevollmächtigten zuvor aktiv in die elektronische Bekanntgabe eingewilligt haben. Diese Einwilligung kann auch noch im Jahr 2026 erteilt werden.

Ohne eine solche Einwilligung bleibt es im Jahr 2026 grundsätzlich bei der postalischen Bekanntgabe. Das ist besonders wichtig für Mandanten, die bislang bewusst keine elektronische Bekanntgabe gewählt haben oder deren ELSTER-Zugang nicht regelmäßig überwacht wird.

Steuer-Tipp: Prüfen Sie schon 2026, wer in Ihrem Unternehmen oder Haushalt Zugriff auf das ELSTER-Konto hat und wer eingehende elektronische Bescheide kontrolliert. So vermeiden Sie, dass Einspruchsfristen unbemerkt anlaufen.

Was ändert sich ab dem 1. Januar 2027?

Ab 2027 wird die Systematik umgedreht: Nach der Neufassung von § 122a AO ist keine ausdrückliche Einwilligung in die elektronische Bekanntgabe mehr erforderlich. Die elektronische Bekanntgabe soll insbesondere dann genutzt werden, wenn ein Steuerbescheid, Steuermessbescheid oder Feststellungsbescheid auf einer elektronisch übermittelten Erklärung beruht.

Das BMF fasst die praktische Folge so zusammen: Der elektronische Steuerbescheid wird ab 2027 zum Regelfall, solange kein Antrag auf postalische Bekanntgabe gestellt wurde. Die postalische Bekanntgabe wird zur Ausnahme.

Wichtig ist aber: § 122a Abs. 1 Satz 2 AO gilt aufgrund der Übergangsregelung erst für Verwaltungsakte, die nach dem 31. Dezember 2026 bekannt gegeben werden.

Wann gilt ein elektronischer Steuerbescheid als bekannt gegeben?

Ein elektronisch zum Abruf bereitgestellter Verwaltungsakt gilt nach § 122a Abs. 4 AO am vierten Tag nach der Bereitstellung als bekannt gegeben. Im Zweifel muss die Behörde den Zeitpunkt der Bereitstellung nachweisen.

Das ist für Einspruchsfristen entscheidend. Denn für die Fristberechnung kommt es nicht darauf an, wann Sie den Bescheid tatsächlich gelesen haben. Nach der Verwaltungsauffassung kommt es – wie bei der postalischen Bekanntgabe – grundsätzlich nicht auf die tatsächliche Kenntnisnahme des Inhalts an.

Achtung / Häufiger Fehler: Viele Steuerpflichtige verwechseln die elektronische Benachrichtigung mit der Bekanntgabe selbst. Nach der Neuregelung ist aber die Bereitstellung zum Datenabruf der zentrale Anknüpfungspunkt, nicht die E-Mail oder sonstige Benachrichtigung.

Wie kann ich weiterhin Papierbescheide erhalten?

Wer ab 2027 weiterhin eine postalische Bekanntgabe möchte, muss einen Antrag auf postalische Bekanntgabe stellen. Dieser Antrag wirkt nur für die Zukunft und wird erst wirksam, wenn er der Finanzbehörde zugeht.

Nach dem BMF-Schreiben sollen Anträge auf postalische Bekanntgabe ab 2027 über ELSTER gestellt oder widerrufen werden. Bei Vollmachtnehmern kommt auch die Antragstellung über die Kammervollmachtsdatenbank beziehungsweise über ELSTER in Betracht.

Der Antrag muss der zuständigen Finanzbehörde rechtzeitig vorliegen. Maßgeblich ist nach dem BMF-Schreiben, dass der Antrag zum Zeitpunkt der letzten Behördenhandlung – also der Bereitstellung zum Datenabruf – bei der Finanzbehörde eingegangen ist.

Gilt eine frühere Nichteinwilligung automatisch als Antrag auf Papierbescheide?

Nein. Eine bisher nicht erteilte Einwilligung in die elektronische Bekanntgabe ist nach dem BMF-Schreiben kein Antrag auf postalische Bekanntgabe im Sinne des neuen § 122a Abs. 2 AO.

Das bedeutet: Wer bisher nicht in die elektronische Bekanntgabe eingewilligt hat, sollte sich nicht darauf verlassen, dass dadurch ab 2027 automatisch weiterhin Papierbescheide kommen. Ohne ausdrücklichen Antrag kann ab 2027 grundsätzlich die elektronische Bekanntgabe greifen.

Was gilt bei Ehegatten und Lebenspartnern?

Bei gemeinsamer Bekanntgabe an Ehegatten oder Lebenspartner mit gemeinsamer Anschrift reicht nach § 122 Abs. 7 AO grundsätzlich eine Ausfertigung. Für die elektronische Bekanntgabe genügt es, wenn einem Beteiligten eine Ausfertigung zum Datenabruf bereitgestellt und dieser Beteiligte informiert wurde, sofern nicht einer der Beteiligten einen Antrag auf postalische Bekanntgabe gestellt hat.

Nach dem BMF-Schreiben führt der Antrag eines Beteiligten auf postalische Bekanntgabe bei gemeinsamer Bekanntgabe nicht automatisch zu einer Einzelbekanntgabe. Vielmehr erfolgt dann eine postalische Bekanntgabe an die gemeinsame Anschrift.

Gibt es einen Anspruch auf elektronische Bekanntgabe?

Nein. Die elektronische Bekanntgabe steht nach § 122a Abs. 1 AO im Ermessen der Finanzbehörde. Das BMF stellt klar, dass Beteiligte keinen Rechtsanspruch darauf haben, dass ein Verwaltungsakt elektronisch bekannt gegeben wird. Technische oder organisatorische Gründe können dazu führen, dass weiterhin postalisch bekannt gegeben wird.
Nach dem BMF-Schreiben ist die elektronische Bekanntgabe derzeit bundesweit grundsätzlich nur für Einkommensteuer, Gewerbesteuer und Körperschaftsteuer möglich. Für andere Steuer- und Feststellungsbescheide – insbesondere Umsatzsteuer- und Feststellungsbescheide – ist eine elektronische Bekanntgabe aus technischen Gründen derzeit noch nicht möglich.

Checkliste: Was Sie jetzt tun sollten

  • Prüfen Sie, ob für Ihre Steuernummern bereits eine Einwilligung zur elektronischen Bekanntgabe hinterlegt ist.
  • Klären Sie, wer regelmäßig Zugriff auf das ELSTER-Konto hat.
  • Richten Sie interne Kontrollen ein, damit elektronische Bescheide zeitnah geprüft werden.
  • Entscheiden Sie rechtzeitig, ob Sie ab 2027 weiterhin postalische Bescheide erhalten möchten.
  • Stellen Sie den Antrag auf postalische Bekanntgabe rechtzeitig vor der Bescheiderteilung.
  • Informieren Sie Ihre Steuerberatungskanzlei, wenn Bescheide direkt in Ihrem ELSTER-Konto eingehen.

FAQ zur elektronischen Bekanntgabe von Steuerbescheiden

Ab wann wird der elektronische Steuerbescheid zum Regelfall?

Nach der Übergangsregelung wird die elektronische Bekanntgabe nach § 122a Abs. 1 Satz 2 AO grundsätzlich erst für Verwaltungsakte relevant, die nach dem 31. Dezember 2026 bekannt gegeben werden. Für 2026 bleibt es im Regelfall bei der bisherigen Einwilligungslösung.

Muss ich 2026 schon aktiv werden?

Ja, zumindest organisatorisch. Auch wenn 2026 noch die bisherige Einwilligungslösung gilt, sollten Sie Ihre ELSTER-Zugänge, Zuständigkeiten und Fristenkontrollen prüfen.

Wann beginnt die Einspruchsfrist bei elektronischen Bescheiden?

Der Bescheid gilt nach § 122a Abs. 4 AO am vierten Tag nach der Bereitstellung zum Datenabruf als bekannt gegeben. Ab diesem Zeitpunkt können Rechtsbehelfsfristen laufen.

Kann ich Papierbescheide behalten?

Ja. Ab 2027 können Sie eine einmalige oder dauerhafte postalische Bekanntgabe beantragen. Der Antrag wirkt nur für die Zukunft und wird erst mit Zugang bei der Finanzbehörde wirksam.

Reicht es, wenn ich früher nicht eingewilligt habe?

Nein. Eine bisherige Nichteinwilligung ersetzt nach dem BMF-Schreiben keinen Antrag auf postalische Bekanntgabe ab 2027.

Kann mein Steuerberater den Antrag stellen?

Nach dem AEAO zu § 122a AO handelt es sich beim Antrag auf postalische Bekanntgabe nicht um ein höchstpersönliches Recht; auch Bevollmächtigte können den Antrag für den Beteiligten stellen.

Fazit: Elektronische Bescheide brauchen digitale Fristenkontrolle

Die elektronische Bekanntgabe von Steuerbescheiden ist mehr als eine technische Umstellung. Sie verändert den praktischen Umgang mit Bescheiden, Fristen und Zuständigkeiten. Besonders wichtig ist: Ab 2027 kann die elektronische Bekanntgabe grundsätzlich auch ohne ausdrückliche Einwilligung erfolgen. Wer weiterhin Papierbescheide wünscht, sollte rechtzeitig einen Antrag auf postalische Bekanntgabe stellen.

Für Unternehmen, Selbstständige und Privatpersonen gilt daher: ELSTER-Zugang prüfen, Zuständigkeiten klären und Fristenkontrolle digital organisieren.

Linkvorschläge:

Disclaimer: Dieser Beitrag stellt keine individuelle steuerliche Beratung dar und ersetzt nicht das Gespräch mit einem Steuerberater.

Quellenverzeichnis

  • § 122a AO – Bekanntgabe von Verwaltungsakten durch Bereitstellung zum Datenabruf; Rechtsstand: Abruf am 19.08.2026.
  • Art. 97 § 28 Abs. 2 EGAO – zeitliche Anwendung der Neufassung von § 122a AO; Rechtsstand: Abruf am 19.08.2026.
  • § 122 Abs. 7 AO – Bekanntgabe bei Ehegatten/Lebenspartnern; Rechtsstand: Abruf am 19.08.2026.
  • BMF-Schreiben vom 13.08.2026, GZ: IV D 1 – S 0284-a/00002/011/237, DOK: COO.7005.100.2.15346641, „Bekanntgabe von Steuerverwaltungsakten durch Bereitstellung zum Datenabruf ab dem 1. Januar 2026; Rechtsfragen betreffend die Anwendung der Neufassung von § 122a AO“.
  • BMF-Schreiben vom 29.01.2026 / AEAO zu § 122a AO – Änderung des Anwendungserlasses zur Abgabenordnung; insbesondere elektronische Bekanntgabe, Hinweisfunktion der Benachrichtigung und Wiedereinsetzung.

Elektrofahrzeuge im Steuerrecht: Steuern sparen und THG-Quote nutzen

E-Auto betrieblich nutzen? AfA, 0,25-%-Regel, Fahrtenbuch, Ladestrom, Umsatzsteuer, Gewerbesteuer und THG-Quote kurz erklärt.

Rechtsstand: 17. August 2026
Haupt-Keyword: Elektrofahrzeuge im Steuerrecht

Elektrofahrzeuge im Steuerrecht sind längst kein Randthema mehr. Wer ein E-Auto betrieblich anschafft, Arbeitnehmern überlässt oder privat eine THG-Prämie erhält, bewegt sich quer durch Einkommensteuer, Lohnsteuer, Umsatzsteuer, Gewerbesteuer und Bilanzsteuerrecht. Die gute Nachricht: Richtig gestaltet, lassen sich ökologische Vorteile mit handfesten steuerlichen Entlastungen verbinden.

Warum sind Elektrofahrzeuge steuerlich so besonders?

Bei klassischen Verbrennern ist vieles eingespielt: AfA, 1-%-Regelung, Fahrtenbuch, Leasing, Umsatzsteuer. Bei Elektrofahrzeugen kommen Sonderregeln hinzu: ein reduzierter Listenpreis für die Privatnutzung, besondere AfA-Möglichkeiten, steuerfreie Ladevorteile, Auslagenersatz für häuslichen Ladestrom und die THG-Quote.

Wichtig ist dabei: Nicht jedes elektrisch unterstützte Fahrzeug wird gleich behandelt. Reine Elektrofahrzeuge profitieren häufig stärker als Plug-in-Hybride. Bei Hybriden kommt es insbesondere auf CO₂-Ausstoß und elektrische Mindestreichweite an.

Bilanzsteuerliche Behandlung: Welche AfA gilt für Elektrofahrzeuge?

Für betriebliche Elektrofahrzeuge gibt es seit dem Investitionssofortprogramm eine besonders attraktive Abschreibung: Elektrofahrzeuge im Sinne des § 9 Abs. 2 KraftStG, die zum Anlagevermögen gehören und nach dem 30. Juni 2025 und vor dem 1. Januar 2028 angeschafft werden, können nach § 7 Abs. 2a EStG arithmetisch-degressiv abgeschrieben werden: 75 % im Anschaffungsjahr, 10 % im Folgejahr, jeweils 5 % im zweiten und dritten Folgejahr, 3 % im vierten Folgejahr und 2 % im fünften Folgejahr. Die Regelung setzt voraus, dass für das Wirtschaftsgut keine Sonderabschreibungen in Anspruch genommen werden.

Beispiel:
Eine GmbH kauft im September 2026 ein rein elektrisches betriebliches Fahrzeug für 80.000 € netto. Bei Anwendung des § 7 Abs. 2a EStG können im Anschaffungsjahr 60.000 € AfA geltend gemacht werden. Die Liquiditätswirkung ist erheblich, weil der steuerliche Aufwand sehr früh entsteht.

Steuer-Tipp: Prüfen Sie vor der Anschaffung, ob Kauf statt Leasing sinnvoll ist. Die 75-%-AfA wirkt nur bei Anschaffung eines begünstigten Elektrofahrzeugs im Anlagevermögen, nicht bei einer reinen Leasingrate.

THG-Quote in der Bilanz: Betriebseinnahme oder steuerfrei?

Die THG-Quote ist die Möglichkeit, die rechnerische Treibhausgasminderung eines reinen Elektrofahrzeugs an quotenverpflichtete Unternehmen zu übertragen. Das Umweltbundesamt bescheinigt Strommengen und die daraus errechneten THG-Emissionen; der eigentliche Quotenhandel erfolgt anschließend über vertragliche Übertragungen. Für nicht-öffentliches Laden ist pro reinem Batterieelektrofahrzeug ein pauschaler Schätzwert nach § 7 der 38. BImSchV anrechenbar.

Steuerlich gilt: Befindet sich das Elektrofahrzeug im Betriebsvermögen, ist die THG-Prämie grundsätzlich als Betriebseinnahme zu erfassen. Im Privatvermögen unterliegt die Prämie nach bundeseinheitlich abgestimmter Verwaltungsauffassung weder der Einkommensteuer noch der Umsatzsteuer.

Beispiel:
Ein Einzelunternehmer erhält 220 € THG-Prämie für ein betriebliches E-Auto. Die 220 € sind Betriebseinnahme. Erhält seine Ehefrau dieselbe Prämie für ein rein privat gehaltenes E-Auto, bleibt der Betrag im Regelfall steuerfrei.

Einkommensteuer: 0,25 %, 0,5 % oder 1 %?

Bei einem betrieblichen Pkw, der zu mehr als 50 % betrieblich genutzt wird, wird die Privatnutzung grundsätzlich mit 1 % des Bruttolistenpreises pro Monat angesetzt. Für Elektro- und bestimmte Hybridfahrzeuge wird dieser Listenpreis jedoch reduziert. Nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG gilt für reine Elektrofahrzeuge ohne CO₂-Emissionen bei Anschaffung nach dem 31. Dezember 2018 und vor dem 1. Januar 2031: Der Listenpreis ist nur zu einem Viertel anzusetzen, wenn der Bruttolistenpreis nicht mehr als 100.000 € beträgt. Liegt der Listenpreis darüber, greift regelmäßig die Halbierung, soweit die weiteren Voraussetzungen erfüllt sind.

Für extern aufladbare Hybridelektrofahrzeuge gilt ab Anschaffung 2025 bis 2030 die Halbierung, wenn das Fahrzeug entweder höchstens 50 g CO₂ je Kilometer ausstößt oder eine elektrische Mindestreichweite von mindestens 80 km erreicht.

Beispiel 0,25-%-Regel:
Ein Unternehmer kauft 2026 ein reines E-Auto mit einem Bruttolistenpreis von 64.000 €. Für die Privatnutzung wird nur ein Viertel des Listenpreises angesetzt: 16.000 €. Der monatliche Privatanteil beträgt 1 % hiervon, also 160 €.

Beispiel 0,5-%-Regel:
Ein Plug-in-Hybrid erfüllt 2026 die Reichweitenvoraussetzung von 80 km. Bei einem Bruttolistenpreis von 60.000 € wird die Hälfte angesetzt, also 30.000 €. Der monatliche Privatanteil beträgt 300 €.

Achtung / häufiger Fehler: Die 0,25-%-Regel gilt nicht automatisch für jedes „E-Auto“. Entscheidend sind Fahrzeugart, Anschaffungszeitraum, CO₂-Emission, Listenpreis und bei Hybriden die elektrische Reichweite.

Was gilt bei Fahrtenbuchmethode?

Auch bei der Fahrtenbuchmethode wirken die Elektro-Sonderregeln. Statt den Listenpreis zu reduzieren, werden bei der Ermittlung der Gesamtkosten die Anschaffungskosten oder vergleichbare Aufwendungen nur anteilig berücksichtigt: bei begünstigten reinen Elektrofahrzeugen regelmäßig zu einem Viertel, bei begünstigten Plug-in-Hybriden regelmäßig zur Hälfte. § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 3 EStG ordnet diese Bruchteilsbetrachtung ausdrücklich auch für die Fahrtenbuchmethode an.

Beispiel Fahrtenbuch:
Ein reines E-Auto kostet 48.000 € netto. Bei Anwendung der Fahrtenbuchmethode werden für den privaten Nutzungsanteil die AfA-bezogenen Fahrzeugkosten nicht aus 48.000 €, sondern nur aus 12.000 € abgeleitet. Die übrigen laufenden Kosten, etwa Versicherung oder Strom, sind nach den allgemeinen Regeln einzubeziehen.

Pauschaler Abschlag pro kWh: Wann spielt er noch eine Rolle?

Für bestimmte ältere Elektro- und Hybridfahrzeuge, insbesondere bei Anschaffung vor dem 1. Januar 2023 und außerhalb der Bruchteilsregelungen, kommt noch der pauschale Batterieabschlag in Betracht. Der Bruttolistenpreis wird dann um einen Betrag pro kWh Batteriekapazität reduziert. Die BMF-Übersicht nennt für Erstzulassungsjahre beispielsweise 250 € je kWh bei 2018, 200 € bei 2019, 150 € bei 2020, 100 € bei 2021 und 50 € bei 2022, jeweils mit Höchstbeträgen.

Für aktuelle Neuanschaffungen ist in der Praxis meist die 0,25-%- bzw. 0,5-%-Systematik entscheidend.

Kostendeckelung: Was ist zu beachten?

Die pauschalen Nutzungswerte dürfen höchstens mit den tatsächlichen Gesamtkosten des Fahrzeugs angesetzt werden. Diese Kostendeckelung gilt auch bei Elektrofahrzeugen. Bei der Vergleichsrechnung ist die AfA-Bemessungsgrundlage entsprechend dem Batterieabschlag oder dem jeweiligen Bruchteil anzupassen.

Beispiel:
Der pauschale Privatanteil für ein E-Auto beträgt 2.400 € pro Jahr. Die steuerlich maßgeblichen Gesamtkosten liegen nach Bruchteilsansatz aber nur bei 2.100 €. Dann ist der Privatanteil auf 2.100 € gedeckelt.

Private Stromkosten für den betrieblichen Pkw

Wird ein betriebliches Elektrofahrzeug zu Hause geladen, können die betrieblich veranlassten Stromkosten grundsätzlich mit einem gesonderten stationären oder mobilen Stromzähler nachgewiesen werden. Die Finanzverwaltung akzeptiert für den betrieblichen Nutzungsanteil an ansonsten privaten Stromkosten Aufzeichnungen über einen repräsentativen Zeitraum von drei Monaten.

Seit 2026 ist bei Arbeitnehmern für selbst getragene häusliche Stromkosten eine neue Systematik wichtig: Die Strommenge ist nachzuweisen; für die Bewertung kann vom 1. Januar 2026 bis 31. Dezember 2030 die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte Strompreispauschale genutzt werden.

Lohnsteuer: Wie wird der geldwerte Vorteil beim E-Dienstwagen ermittelt?

Überlässt der Arbeitgeber ein betriebliches Elektrofahrzeug auch privat, entsteht grundsätzlich ein geldwerter Vorteil. § 8 Abs. 2 EStG verweist für die private Dienstwagennutzung auf die Grundsätze des § 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG. Damit greifen auch im Lohnsteuerrecht die 0,25-%- und 0,5-%-Begünstigungen.

Zusätzlich bleibt das Aufladen eines Elektro- oder Hybridelektrofahrzeugs an einer ortsfesten betrieblichen Einrichtung des Arbeitgebers oder eines verbundenen Unternehmens steuerfrei, wenn der Vorteil zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gewährt wird. Ebenfalls steuerfrei ist die zeitweise private Überlassung einer betrieblichen Ladevorrichtung. Grundlage ist § 3 Nr. 46 EStG.

Beispiel:
Eine Arbeitnehmerin erhält 2026 ein reines E-Dienstfahrzeug mit 52.000 € Bruttolistenpreis. Für die Privatnutzung werden nur 13.000 € angesetzt. Der monatliche geldwerte Vorteil beträgt 130 € statt 520 €.

Privates Laden des Firmenwagens: Auslagenersatz richtig behandeln

Lädt der Arbeitnehmer den Firmenwagen zu Hause und trägt zunächst die Stromkosten selbst, kann eine Erstattung durch den Arbeitgeber steuerfreier Auslagenersatz nach § 3 Nr. 50 EStG sein. Bei betrieblichen Elektro- oder Hybridelektrofahrzeugen, die auch privat überlassen werden, bestätigt die Finanzverwaltung diese Einordnung.

Wichtig ist die Dokumentation: Strommenge, Strompreis oder Strompreispauschale und Zuordnung zum Dienstwagen sollten nachvollziehbar sein.

Nutzungsüberlassung und Übereignung von Ladeeinrichtungen

Die zeitweise Überlassung einer betrieblichen Ladevorrichtung zur privaten Nutzung ist nach § 3 Nr. 46 EStG steuerfrei. Wird die Ladevorrichtung dagegen dem Arbeitnehmer übereignet oder erhält er Zuschüsse zum Erwerb oder zur Nutzung, kann der Arbeitgeber die Lohnsteuer unter den Voraussetzungen des § 40 Abs. 2 Satz 1 Nr. 6 EStG pauschal mit 25 % erheben.

Praxis-Hinweis: Bei Wallbox-Modellen sollten Arbeitsvertrag, Überlassungsvereinbarung und Kostenregelung sauber trennen: Wird nur überlassen, bezuschusst oder übereignet?

Umsatzsteuer: Keine 0,25-%-Begünstigung bei der Bemessungsgrundlage

Ein häufiger Stolperstein liegt in der Umsatzsteuer. Für die umsatzsteuerliche Bemessungsgrundlage gelten die ertragsteuerlichen Begünstigungen für Elektro- und Hybridelektrofahrzeuge nicht automatisch. Nach dem Umsatzsteuer-Anwendungserlass können die lohnsteuerlichen Werte zwar aus Vereinfachungsgründen herangezogen werden; bei Elektro- und Hybridfahrzeugen ist jedoch keine Kürzung des Listenpreises vorzunehmen.

Beispiel:
Lohnsteuerlich wird bei einem E-Dienstwagen nur ein Viertel des Listenpreises angesetzt. Umsatzsteuerlich darf dieser reduzierte Wert nicht einfach übernommen werden. Hier ist separat zu prüfen, ob die 1-%-Methode ohne E-Kürzung oder eine zulässige Kostenmethode günstiger und korrekt ist.

Gewerbesteuer: Leasingaufwendungen richtig hinzurechnen

Leasingraten für bewegliche Wirtschaftsgüter werden gewerbesteuerlich grundsätzlich mit einem Finanzierungsanteil von einem Fünftel in die Hinzurechnung einbezogen; von der Summe wird ein Viertel hinzugerechnet, soweit der Freibetrag von 200.000 € überschritten ist. Für Elektrofahrzeuge und bestimmte Plug-in-Hybride sieht § 8 Nr. 1 Buchst. d GewStG eine Begünstigung vor: Die Hinzurechnung nach Satz 1 ist nur zur Hälfte vorzunehmen. Bei Hybriden gelten insbesondere die Grenzen von höchstens 50 g CO₂/km oder mindestens 80 km elektrischer Reichweite.

Die Begünstigung gilt nach § 36 Abs. 4 GewStG nur für Verträge, die nach dem 31. Dezember 2019 abgeschlossen wurden, und letztmals für den Erhebungszeitraum 2030. Für vor dem 1. Januar 2025 abgeschlossene Verträge genügt bei Hybriden statt 80 km eine Reichweite von 60 km.

Beispiel:
Ein Unternehmen least ein begünstigtes E-Fahrzeug für 12.000 € jährlich. Statt 2.400 € Finanzierungsanteil werden für die begünstigte Hinzurechnung nur 1.200 € angesetzt. Erst im Rahmen der Gesamtsumme und nach Freibetrag wirkt sich daraus die konkrete Gewerbesteuerbelastung aus.

Treibhausgas-Quotenhandel: Umwelt schonen und Geld verdienen?

Ja. Mit einem reinen Elektrofahrzeug können Sie Emissionen mindern und zugleich eine THG-Prämie erzielen. Die THG-Quote stammt nicht aus einem staatlichen Zuschuss, sondern aus dem Handel mit quotenverpflichteten Kraftstoffunternehmen. Das Umweltbundesamt stellt Bescheinigungen aus; Erlöse entstehen erst durch den Vertrag mit einem Quotenpartner.

Für Privatpersonen ist die Prämie nach aktueller Verwaltungsauffassung regelmäßig steuerfrei. Bei betrieblichen Fahrzeugen ist sie als Betriebseinnahme zu behandeln. Für Dienstwagen steht die Prämie im Regelfall dem Halter zu – häufig also dem Arbeitgeber.

Checkliste: So vermeiden Sie typische Fehler

  • Prüfen Sie vor Anschaffung: reines Elektrofahrzeug oder Plug-in-Hybrid?
  • Dokumentieren Sie Bruttolistenpreis, Erstzulassung, Anschaffungsdatum, CO₂-Wert und elektrische Reichweite.
  • Entscheiden Sie bewusst zwischen 1-%-Regelung und Fahrtenbuch.
  • Berücksichtigen Sie die 75-%-AfA nur bei begünstigten Anschaffungen im Zeitraum 1. Juli 2025 bis 31. Dezember 2027.
  • Trennen Sie lohnsteuerliche und umsatzsteuerliche Bemessungsgrundlagen.
  • Regeln Sie häusliches Laden schriftlich und mit Nachweisen.
  • Erfassen Sie THG-Prämien bei Betriebsfahrzeugen als Betriebseinnahme.
  • Prüfen Sie bei Leasing die gewerbesteuerliche Hinzurechnung.

FAQ zu Elektrofahrzeugen im Steuerrecht

Ist die THG-Prämie privat steuerfrei?

Ja, nach bundeseinheitlich abgestimmter Verwaltungsauffassung unterliegt die THG-Prämie für ein Elektrofahrzeug im Privatvermögen weder Einkommensteuer noch Umsatzsteuer. Bei Betriebsvermögen ist sie dagegen Betriebseinnahme.

Wann gilt die 0,25-%-Regelung?

Für reine Elektrofahrzeuge ohne CO₂-Emissionen, die nach dem 31. Dezember 2018 und vor dem 1. Januar 2031 angeschafft werden, wenn der Bruttolistenpreis nicht mehr als 100.000 € beträgt.

Gilt die 0,25-%-Regel auch in der Umsatzsteuer?

Nein. Für Umsatzsteuerzwecke sind die ertragsteuerlichen Sonderregelungen für Elektro- und Hybridelektrofahrzeuge nicht anzuwenden.

Kann ich private Stromkosten für den betrieblichen Pkw absetzen?

Ja, soweit sie betrieblich veranlasst und nachgewiesen sind. Ein gesonderter Stromzähler oder repräsentative Aufzeichnungen können helfen.

Ist die Wallbox beim Arbeitnehmer steuerfrei?

Die zeitweise private Überlassung einer betrieblichen Ladevorrichtung ist nach § 3 Nr. 46 EStG steuerfrei. Bei Übereignung oder Zuschüssen kann eine Pauschalversteuerung mit 25 % nach § 40 Abs. 2 Satz 1 Nr. 6 EStG in Betracht kommen.

Fazit: Elektrofahrzeuge steuerlich aktiv gestalten

Elektrofahrzeuge bieten steuerlich deutlich mehr als nur einen grünen Imagevorteil. Die größten Hebel liegen in der 75-%-AfA, der 0,25-%-Dienstwagenbesteuerung, dem steuerfreien Ladestrom, sauberem Auslagenersatz und der THG-Quote. Gleichzeitig lauern Fehler bei Umsatzsteuer, Fahrtenbuch, Leasing und der Abgrenzung zwischen Privat- und Betriebsvermögen.

Linkvorschläge:

Disclaimer: Dieser Beitrag stellt keine individuelle steuerliche Beratung dar und ersetzt nicht das Gespräch mit einem Steuerberater.

Quellenverzeichnis

  1. § 7 Abs. 2a EStG, Absetzung für Abnutzung bei Elektrofahrzeugen, Rechtsstand 17.08.2026.
  2. § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 und Satz 3 EStG, private Nutzung betrieblicher Kraftfahrzeuge, Bruchteilsansatz für Elektro- und Hybridelektrofahrzeuge, Rechtsstand 17.08.2026.
  3. BMF / LStH 2026, Anhang 24 IV.6, Nutzung betrieblicher Elektro- und Hybridelektrofahrzeuge; BMF-Schreiben vom 05.11.2021, BStBl I 2021, S. 2205, angepasst durch BMF-Schreiben vom 21.07.2026.
  4. § 8 Abs. 2 EStG, geldwerter Vorteil bei Dienstwagenüberlassung, Rechtsstand 17.08.2026.
  5. § 3 Nr. 46 und Nr. 50 EStG, steuerfreier Ladestrom, Ladevorrichtung und Auslagenersatz, Rechtsstand 17.08.2026.
  6. § 40 Abs. 2 Satz 1 Nr. 6 EStG, Pauschalierung der Lohnsteuer bei Übereignung/Zuschüssen zu Ladevorrichtungen, Rechtsstand 17.08.2026.
  7. BMF-Schreiben vom 11.11.2025, BStBl I 2025, S. 1929, selbst getragene Stromkosten und Strompreispauschale 2026 bis 2030.
  8. UStAE Abschn. 15.23, Vorsteuerabzug und Umsatzbesteuerung der Fahrzeugüberlassung, BMF-Schreiben vom 07.02.2022, BStBl I 2022, S. 197.
  9. § 8 Nr. 1 Buchst. d GewStG; § 36 Abs. 4 GewStG, gewerbesteuerliche Hinzurechnung von Leasingraten bei Elektro- und Hybridelektrofahrzeugen, Rechtsstand 17.08.2026.
  10. Umweltbundesamt, Vollzug 38. BImSchV, Anrechnung von Strom für Elektrofahrzeuge, zuletzt aktualisiert am 17.07.2026.
  11. Bayerisches Landesamt für Steuern, Elektromobilität: Besteuerung von THG-Prämien, Verwaltungsauffassung zur Steuerpflicht im Betriebsvermögen und Steuerfreiheit im Privatvermögen.

Wegzugsteuer Dubai: Warum einfache Umgehungsmodelle riskant sind

GmbH & Co. KG oder Familienstiftung gegen Wegzugsteuer? Warum Dubai-Strukturen hohe Steuer- und Compliance-Risiken haben.

Rechtsstand: 16.08.2026
Zielgruppe: GmbH-/UG-Gesellschafter, Unternehmer, Gründer, vermögende Privatpersonen mit Wegzugsplänen

Einleitung

Die Wegzugsteuer beim Umzug nach Dubai wird in sozialen Medien häufig als Problem dargestellt, das sich mit einer GmbH & Co. KG oder einer Familienstiftung elegant „umgehen“ lasse. Das ist gefährlich verkürzt. Beide Modelle sind in der steuerlichen Beratungspraxis bekannt, aber sie funktionieren nicht als einfache Standardlösung.

Die Wegzugsteuer nach § 6 AStG fingiert unter bestimmten Voraussetzungen eine Veräußerung von Anteilen an Kapitalgesellschaften. Betroffen sind insbesondere natürliche Personen, die an einer GmbH oder UG im Sinne von § 17 EStG beteiligt sind und deren unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland endet. § 6 AStG setzt dabei u. a. voraus, dass die Person innerhalb der letzten zwölf Jahre vor dem Wegzug insgesamt mindestens sieben Jahre unbeschränkt einkommensteuerpflichtig war.

Gerade beim Wegzug in die Vereinigten Arabischen Emirate ist besondere Vorsicht geboten: Das frühere Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und den VAE ist zum 31. Dezember 2021 außer Kraft getreten; seit dem 1. Januar 2022 besteht kein reguläres DBA mehr.

Grundproblem: Was besteuert die Wegzugsteuer?

Die Wegzugsteuer soll verhindern, dass in Deutschland entstandene Wertsteigerungen von Kapitalgesellschaftsanteilen unversteuert ins Ausland verlagert werden. Steuerlich wird so getan, als hätte der Gesellschafter seine GmbH- oder UG-Anteile zum gemeinen Wert verkauft.

Wichtig ist: Es fließt kein Verkaufspreis. Trotzdem kann Einkommensteuer entstehen. Genau deshalb ist die Wegzugsteuer für Unternehmer oft ein Liquiditätsproblem.

Ist „Jahresgewinn × 13,75“ als Unternehmenswert richtig?

Diese Aussage ist nur teilweise richtig.

Der Kapitalisierungsfaktor 13,75 ist nicht überholt. Er steht aktuell ausdrücklich in § 203 BewG.

Falsch wäre aber die Verkürzung, das Finanzamt nehme immer einfach den letzten Jahresgewinn und multipliziere ihn mit 13,75. Im vereinfachten Ertragswertverfahren nach §§ 199 ff. BewG kommt es auf den nachhaltig erzielbaren Jahresertrag an. Dabei sind regelmäßig mehrere Jahre, Korrekturen, Sonderfaktoren, nicht betriebsnotwendiges Vermögen und Beteiligungen zu prüfen.

Steuer-Tipp:
Vor einem Wegzug sollte eine belastbare Unternehmensbewertung erstellt werden. Eine Social-Media-Formel ersetzt keine steuerliche Bewertung.

Modell 1: GmbH & Co. KG als Management-Holding

Bei diesem Modell werden die GmbH-Anteile nicht mehr unmittelbar privat gehalten. Stattdessen wird zwischen Privatperson und GmbH eine GmbH & Co. KG geschaltet. Die Idee: Die Beteiligung soll steuerlich dem Betriebsvermögen einer Personengesellschaft zugeordnet werden, sodass nicht mehr unmittelbar eine private Kapitalgesellschaftsbeteiligung im Sinne von § 17 EStG vorliegt.

Problem 1: „originär gewerblich geprägt“ ist kein sauberer Begriff

Die Aussage, eine GmbH & Co. KG sei „originär gewerblich geprägt“, ist juristisch unsauber.

Eine Personengesellschaft kann entweder originär gewerblich tätig sein, wenn sie selbst eine gewerbliche Tätigkeit ausübt. Oder sie kann gewerblich geprägt sein, wenn die Voraussetzungen von § 15 Abs. 3 Nr. 2 EStG erfüllt sind. Beides sollte nicht vermischt werden.

Problem 2: Es droht Entstrickungsbesteuerung

Selbst wenn eine KG-Struktur im Einzelfall die klassische Wegzugsteuer vermeidet, ist damit noch nichts gewonnen. Es kann stattdessen eine Entstrickungsbesteuerung nach § 4 Abs. 1 Satz 3 EStG drohen. Danach steht der Ausschluss oder die Beschränkung des deutschen Besteuerungsrechts einer Entnahme gleich.

Das bedeutet: Wenn Deutschland durch die Struktur oder den späteren Wegzug sein Besteuerungsrecht an den Anteilen verliert oder beschränkt sieht, kann trotzdem eine Besteuerung ausgelöst werden.

Eine rein formale GmbH & Co. KG ohne echte inländische Substanz ist daher besonders riskant. In der Praxis sind insbesondere Geschäftsleitung, Betriebsstätte, Personal, Räume, Entscheidungsbefugnisse, Dokumentation und wirtschaftliche Funktion zu prüfen.

Problem 3: Gewinnabsaugung über Dubai-Rechnungen ist hochriskant

Das Video-Modell sieht offenbar vor, dass eine Dubai-Gesellschaft der deutschen GmbH Dienstleistungen in Rechnung stellt und dadurch Gewinne aus Deutschland „abgeschöpft“ werden.

Das ist kein Freifahrtschein. Solche Zahlungen müssen tatsächlich erbracht, vertraglich dokumentiert und fremdüblich vergütet sein. Nach § 1 AStG sind bei grenzüberschreitenden Geschäftsbeziehungen die tatsächlichen Verhältnisse und der Fremdvergleichsgrundsatz maßgeblich.

Fehlen Leistungsnachweise, Verträge, Substanz, Personal oder eine nachvollziehbare Preisermittlung, drohen Gewinnkorrekturen, verdeckte Gewinnausschüttungen und Dokumentationsprobleme. Je nach Leistungsart kann zusätzlich ein Steuerabzug nach § 50a EStG zu prüfen sein.

Achtung / Häufiger Fehler:
„Wir schreiben einfach Rechnungen aus Dubai“ ist keine steuerliche Gestaltung. Ohne echte Leistung, Substanz und Fremdvergleich wird daraus schnell ein Betriebsprüfungsrisiko.

Modell 2: Familienstiftung als Anteilseignerin

Beim zweiten Modell werden die GmbH-Anteile auf eine deutsche Familienstiftung übertragen. Die Grundidee: Die Stiftung hält künftig die Anteile. Die natürliche Person hält dann rechtlich keine GmbH-Anteile mehr im Sinne von § 17 EStG und kann später auswandern, ohne dass für diese Anteile Wegzugsteuer entsteht.

Auch dieses Modell kann in der Nachfolge- und Vermögensstrukturierung sinnvoll sein. Als kurzfristiger Wegzugsteuer-Trick ist es aber gefährlich verkürzt.

Problem 1: Die Übertragung auf die Stiftung kann Schenkungsteuer auslösen

Die unentgeltliche Ausstattung einer Stiftung unter Lebenden ist grundsätzlich ein schenkungsteuerbarer Vorgang. Maßgeblich ist insbesondere § 7 Abs. 1 Nr. 8 ErbStG.

Die Aussage, es drohten immer pauschal 30 % Schenkungsteuer nach Steuerklasse III, ist allerdings ebenfalls zu grob. Bei einer inländischen Familienstiftung ist nach § 15 Abs. 2 ErbStG auf das Verwandtschaftsverhältnis des nach der Stiftungssatzung entferntest Berechtigten zum Schenker abzustellen, sofern die Stiftung wesentlich im Interesse einer Familie oder bestimmter Familien im Inland errichtet ist.

Problem 2: Verschonung ist möglich, aber nicht automatisch

GmbH-Anteile können unter den Voraussetzungen der §§ 13a, 13b ErbStG begünstigtes Betriebsvermögen sein. Die Regelverschonung beträgt grundsätzlich 85 %, wenn begünstigtes Vermögen im Sinne des § 13b ErbStG vorliegt und die weiteren Voraussetzungen eingehalten werden.

In der Praxis sind aber viele Punkte kritisch:

  • Beteiligungshöhe oder Poolvereinbarung
  • Verwaltungsvermögen
  • Lohnsummenregelung
  • Behaltensfristen
  • junge Finanzmittel
  • Satzungsgestaltung
  • spätere Ausschüttungen und Verfügungen

Ein kurzfristiger Wegzug nach Stiftungsgründung kann die steuerliche Gesamtstruktur zusätzlich angreifbar machen.

Problem 3: Ausschüttungen nach Dubai sind nicht automatisch steuerfrei

Auch wenn der Unternehmer nach Dubai zieht, sind Zahlungen einer deutschen Stiftung an Destinatäre nicht automatisch steuerfrei.

Leistungen einer nicht körperschaftsteuerbefreiten Stiftung können beim Empfänger Einkünfte aus Kapitalvermögen nach § 20 Abs. 1 Nr. 9 EStG sein.

Bei Kapitalerträgen kann ein Kapitalertragsteuerabzug anfallen. Die Kapitalertragsteuer beträgt grundsätzlich 25 %; hinzu kommt regelmäßig Solidaritätszuschlag.

Problem 4: Erbersatzsteuer alle 30 Jahre

Eine Familienstiftung kann Vermögen langfristig bündeln. Dafür kennt das Erbschaftsteuerrecht die sogenannte Erbersatzsteuer. Sie soll in bestimmten Zeitabständen eine Erbschaftsteuerbelastung fingieren, weil eine Stiftung nicht stirbt.

Dieser Punkt ist für langfristige Nachfolge- und Wegzugsplanungen zwingend einzukalkulieren.

Warum Dubai besonders sensibel ist

Dubai ist steuerlich attraktiv, aber aus deutscher Sicht kein rechtsfreier Raum. Gerade weil seit 2022 kein reguläres DBA zwischen Deutschland und den VAE mehr besteht, müssen deutsche Steuerfolgen besonders sorgfältig geprüft werden.

Zusätzlich können bei deutschen Staatsangehörigen die Regeln zur erweiterten beschränkten Steuerpflicht nach dem AStG relevant werden, wenn nach dem Wegzug weiterhin wesentliche wirtschaftliche Interessen in Deutschland bestehen und im Ausland eine niedrige Besteuerung vorliegt.

Checkliste: Was vor dem Wegzug nach Dubai geprüft werden sollte

  • Halten Sie unmittelbar oder mittelbar mindestens 1 % an einer GmbH oder UG?
  • Waren Sie innerhalb der letzten zwölf Jahre mindestens sieben Jahre in Deutschland unbeschränkt einkommensteuerpflichtig?
  • Liegt eine belastbare Unternehmensbewertung vor?
  • Wurde geprüft, ob eine Stundung oder Ratenzahlung nach § 6 AStG möglich ist?
  • Hat eine geplante KG-Struktur echte Substanz, Geschäftsleitung und Funktion?
  • Wurde eine mögliche Entstrickungsbesteuerung geprüft?
  • Sind Dubai-Gesellschaften personell, sachlich und wirtschaftlich ausreichend ausgestattet?
  • Sind grenzüberschreitende Leistungen fremdüblich dokumentiert?
  • Wurde die Schenkungsteuer bei einer Familienstiftung berechnet?
  • Wurden Ausschüttungen, Kapitalertragsteuer und Quellensteuer geprüft?
  • Bestehen nach dem Wegzug weiterhin wesentliche wirtschaftliche Interessen in Deutschland?

Fazit

Die im Video genannten Modelle — GmbH & Co. KG und Familienstiftung — sind keine einfachen Tricks zur Umgehung der Wegzugsteuer. Sie können in Einzelfällen Teil einer legitimen steuerlichen Strukturierung sein, erzeugen aber erhebliche Folgefragen.

Bei der GmbH & Co. KG stehen insbesondere Entstrickung, inländische Substanz, Betriebsstätte, Fremdvergleich und Dokumentation im Fokus. Bei der Familienstiftung sind Schenkungsteuer, Verschonungsregeln, Stiftungssatzung, Ausschüttungsbesteuerung und Erbersatzsteuer zentral.

Die richtige Schlussfolgerung lautet daher nicht: „So lässt sich die Wegzugsteuer umgehen.“
Die richtige Schlussfolgerung lautet: Ein Wegzug nach Dubai muss frühzeitig, individuell und belastbar steuerlich geplant werden.

Dieser Beitrag stellt keine individuelle steuerliche Beratung dar und ersetzt nicht das Gespräch mit einem Steuerberater.

FAQ

Fällt die Wegzugsteuer immer an, wenn ich nach Dubai ziehe?

Nein. Sie betrifft vor allem natürliche Personen mit relevanten Kapitalgesellschaftsbeteiligungen im Sinne von § 17 EStG, wenn die Voraussetzungen des § 6 AStG erfüllt sind.

Kann ich die Wegzugsteuer durch eine GmbH & Co. KG vermeiden?

Nicht automatisch. Eine KG-Struktur kann nur im Einzelfall helfen, wenn sie steuerlich wirksam, wirtschaftlich begründet und ausreichend substanzhaltig ist. Andernfalls drohen Entstrickung und Gewinnkorrekturen.

Ist eine Familienstiftung eine steuerfreie Lösung?

Nein. Die Übertragung von GmbH-Anteilen auf eine Stiftung kann Schenkungsteuer auslösen. Begünstigungen für Betriebsvermögen sind möglich, aber an strenge Voraussetzungen geknüpft.

Ist der Faktor 13,75 bei der Unternehmensbewertung noch aktuell?

Ja. § 203 BewG nennt aktuell den Kapitalisierungsfaktor 13,75. Dennoch ist die Bewertung nicht auf „letzter Jahresgewinn × 13,75“ beschränkt.

Sind Ausschüttungen einer deutschen Stiftung nach Dubai steuerfrei?

Nicht automatisch. Leistungen einer deutschen Stiftung können als Kapitalerträge gelten und einem deutschen Steuerabzug unterliegen.

Gibt es ein Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und den VAE?

Seit dem 1. Januar 2022 besteht zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten kein reguläres Doppelbesteuerungsabkommen mehr.

Quellenverzeichnis

  • § 6 AStG, Wegzugsbesteuerung, Rechtsstand 16.08.2026.
  • § 17 EStG, Veräußerung von Anteilen an Kapitalgesellschaften, Rechtsstand 16.08.2026.
  • § 4 Abs. 1 Satz 3 EStG, Entstrickungsbesteuerung, Rechtsstand 16.08.2026.
  • § 15 Abs. 3 Nr. 2 EStG, gewerblich geprägte Personengesellschaft, Rechtsstand 16.08.2026.
  • §§ 199 bis 203 BewG, vereinfachtes Ertragswertverfahren und Kapitalisierungsfaktor 13,75, Rechtsstand 16.08.2026.
  • § 1 AStG, Fremdvergleichsgrundsatz und Verrechnungspreise, Rechtsstand 16.08.2026.
  • § 7 Abs. 1 Nr. 8 ErbStG, Stiftungsgeschäft unter Lebenden, Rechtsstand 16.08.2026.
  • § 15 Abs. 2 ErbStG, Steuerklasse bei Familienstiftungen, Rechtsstand 16.08.2026.
  • §§ 13a, 13b ErbStG, Begünstigung von Betriebsvermögen, Rechtsstand 16.08.2026.
  • § 20 Abs. 1 Nr. 9 EStG, Leistungen von Stiftungen als Kapitalerträge, Rechtsstand 16.08.2026.
  • §§ 43, 43a EStG, Kapitalertragsteuerabzug und Kapitalertragsteuersatz, Rechtsstand 16.08.2026.
  • BMF, Staatenbezogene Informationen Vereinigte Arabische Emirate: DBA Deutschland–VAE außer Kraft ab 31.12.2021.

Steuern & Recht vom Steuerberater M. Schröder Berlin