Rechtsstand: 28.06.2026 Existenzgründung · Businessplan · Gewerbe anmelden · Steuern · Rechtsform · Finanzierung

Selbstständig machen: Schritt-für-Schritt-Checkliste für Gründer

Selbstständig machen: Checkliste für Existenzgründer, Freiberufler und Unternehmer

Selbstständig machen bedeutet mehr als eine gute Geschäftsidee. Gründer müssen Businessplan, Finanzierung, Rechtsform, Anmeldung, Steuern, Buchführung, Versicherungen und Liquidität rechtzeitig planen. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen die wichtigsten Schritte – praxisnah, steuerlich aktuell und mit Fokus auf typische Fehler, die Gründer teuer bezahlen.

Selbstständig machen: Welche Schritte sind wirklich wichtig?

Der Weg in die Selbstständigkeit beginnt mit einer tragfähigen Idee, aber er endet nicht bei der Anmeldung. Entscheidend sind Marktprüfung, Finanzplanung, steuerliche Weichenstellung und eine belastbare Organisation ab dem ersten Tag.

Selbstständig machen: Gründungsschritte im Überblick
Schritt Was zu tun ist Warum es wichtig ist
1. Eignung prüfen Persönliche, fachliche und finanzielle Voraussetzungen ehrlich bewerten. Selbstständigkeit bedeutet Risiko, Verantwortung und laufende Entscheidungen.
2. Geschäftsidee testen Zielgruppe, Kundennutzen, Wettbewerb, Preise und Nachfrage prüfen. Eine gute Idee muss am Markt zahlungsbereite Kunden finden.
3. Businessplan erstellen Konzept, Markt, Marketing, Finanzierung, Liquidität und Risiken darstellen. Banken, Förderstellen und Gründer selbst brauchen belastbare Zahlen.
4. Rechtsform wählen Einzelunternehmen, GbR, UG/GmbH oder andere Rechtsform vergleichen. Haftung, Steuern, Kapitalbedarf und Außenwirkung hängen davon ab.
5. Finanzierung sichern Eigenkapital, Förderkredite, Gründungszuschuss und Liquidität planen. Viele Gründungen scheitern nicht am Umsatz, sondern an Liquiditätslücken.
6. Anmeldung erledigen Gewerbeamt, Finanzamt, Kammer, Berufsgenossenschaft und ggf. Register. Ohne saubere Anmeldung drohen Verzögerungen, Bußgelder und Steuerprobleme.
7. Steuern organisieren Umsatzsteuer, Einkommensteuer, Gewerbesteuer, Körperschaftsteuer und Vorauszahlungen prüfen. Steuern müssen in Preise, Liquiditätsplanung und Buchhaltung einfließen.
8. Absicherung aufbauen Krankenversicherung, Haftpflicht, Altersvorsorge und branchenspezifische Versicherungen klären. Ein einziger Schaden kann die Gründung gefährden.
Die Grafik zeigt die wichtigsten Stationen von der Geschäftsidee über Businessplan und Finanzierung bis zur steuerlichen Organisation. Fahrplan in die Selbstständigkeit Idee prüfen Zielgruppe, Nutzen, Wettbewerb Plan rechnen Businessplan, Liquidität Anmelden Gewerbe, Finanzamt, Kammern Steuern führen Buchhaltung, USt, E-Rechnung Erfolg entsteht durch Planung und laufendes Controlling Steuerliche Rücklagen, Versicherungen und saubere Belege von Anfang an einplanen
Steuer-Tipp: Legen Sie bereits vor dem ersten Umsatz ein separates Steuerkonto an. So vermeiden Sie, dass Umsatzsteuer, Einkommensteuer- oder Körperschaftsteuer-Vorauszahlungen später die Liquidität Ihres jungen Unternehmens gefährden.

Bin ich ein Unternehmertyp?

Selbstständigkeit bietet Freiheit, bedeutet aber auch Unsicherheit. Sie sind nicht nur Fachkraft, sondern zugleich Vertrieb, Organisation, Finanzplanung, Kundendienst, Personalverantwortung und Steuerkoordination.

Selbsttest vor der Gründung

  • Können Sie in den ersten 12 bis 24 Monaten mit schwankendem Einkommen umgehen?
  • Haben Sie private Rücklagen für Lebenshaltung, Krankenversicherung und Steuern?
  • Sind Sie bereit, aktiv Kunden zu gewinnen und Angebote zu verkaufen?
  • Können Sie Preise kalkulieren und Forderungen konsequent verfolgen?
  • Haben Sie Unterstützung in Familie oder Umfeld?
  • Sind Sie bereit, Buchhaltung, Steuern und Verträge professionell zu organisieren?
Achtung / häufiger Fehler: Viele Gründer unterschätzen nicht den fachlichen Teil, sondern Vertrieb, Liquidität, Bürokratie und Steuervorauszahlungen. Eine gute Leistung verkauft sich selten von allein.

Geschäftsidee und Markt prüfen

Eine tragfähige Geschäftsidee beantwortet drei Fragen: Wer ist die Zielgruppe? Welches konkrete Problem lösen Sie? Warum sollte ein Kunde gerade bei Ihnen kaufen?

Vier Wege zur Geschäftsidee

  • Innovation: Sie schaffen ein neues Angebot oder eine neue Lösung.
  • Verbesserung: Sie machen ein bestehendes Angebot schneller, günstiger, einfacher oder hochwertiger.
  • Positionierung: Sie bedienen eine klare Nische besser als der Wettbewerb.
  • Übernahme / Franchise: Sie nutzen ein bestehendes Geschäftsmodell mit bekannten Strukturen.
Praxis-Hinweis: Prüfen Sie vor Investitionen, ob Genehmigungen, Meisterpflichten, berufsrechtliche Vorgaben, Datenschutz, Markenrechte oder Plattformregeln Ihrer Idee entgegenstehen.

Businessplan erstellen: Was muss hinein?

Ein Businessplan ist nicht nur für Banken und Fördermittelgeber wichtig. Er zwingt Sie, Markt, Umsatz, Kosten, Preise, Liquidität und Risiken realistisch zu durchdenken.

Inhalte eines guten Businessplans
Kapitel Wichtige Fragen
Management Summary Was wird gegründet, für wen, mit welchem Nutzen und mit welchem Kapitalbedarf?
Gründerprofil Welche fachlichen, kaufmännischen und persönlichen Voraussetzungen bringen Sie mit?
Produkt / Leistung Was genau verkaufen Sie, wie entsteht der Kundennutzen und wie heben Sie sich ab?
Markt und Wettbewerb Wer sind Ihre Kunden, wie groß ist der Markt und wer sind die wichtigsten Wettbewerber?
Marketing und Vertrieb Wie gewinnen Sie Kunden, über welche Kanäle und zu welchen Kosten?
Organisation und Rechtsform Wer übernimmt welche Aufgaben, welche Rechtsform wird gewählt und welche Genehmigungen sind nötig?
Finanzplanung Kapitalbedarf, Umsatzplanung, Kostenplanung, Liquidität, private Lebenshaltung und Steuerrücklagen.
Chancen und Risiken Was passiert bei weniger Umsatz, höheren Kosten, Krankheit, Lieferproblemen oder Kundenausfällen?
Steuer-Tipp: Planen Sie Steuerzahlungen als Liquiditätsabfluss ein – nicht erst, wenn der Bescheid kommt. Besonders Einkommensteuer-Vorauszahlungen, Umsatzsteuer und Gewerbesteuer können zeitversetzt hohe Beträge auslösen.

Finanzierung und Fördermittel: Was ist 2026 relevant?

Zur Finanzierung gehören Gründungskosten, Investitionen, Warenbestand, Betriebsmittel, private Lebenshaltung, Versicherungen und Steuerrücklagen. Rechnen Sie nicht nur den Start, sondern mindestens die ersten 12 bis 24 Monate.

Finanzierungsquellen für Gründer
Quelle Typischer Einsatz Hinweis
Eigenkapital Startkosten, erste Investitionen, Sicherheitspuffer Erhöht Glaubwürdigkeit gegenüber Banken und Förderstellen.
ERP-Gründerkredit – StartGeld Investitionen und Betriebsmittel Aktuell bis 200.000 € Kredit, davon bis zu 80.000 € Betriebsmittel; Antrag über Finanzierungspartner.
ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge Gründung, Nachfolge und Ausbau junger Unternehmen Kann je Antragsteller bis 500.000 € betragen; Programmvoraussetzungen im Einzelfall prüfen.
Gründungszuschuss Hauptberufliche Gründung aus Arbeitslosengeld-I-Bezug Ermessensleistung; Antrag vor Aufnahme der Selbstständigkeit stellen.
Mikrokredit / Bürgschaft Kleiner Kapitalbedarf oder fehlende Sicherheiten Konditionen, Gebühren und Sicherheiten sorgfältig vergleichen.
Business Angels / Beteiligung Wachstums- und Technologievorhaben Kapital gegen Mitspracherechte; Beteiligungsvertrag prüfen lassen.

Gründungszuschuss aus ALG I

Wer aus dem Arbeitslosengeld-I-Bezug hauptberuflich gründet, kann einen Gründungszuschuss beantragen. Regelmäßig erforderlich sind ein Restanspruch auf Arbeitslosengeld von mindestens 150 Tagen, eine tragfähige Geschäftsidee, persönliche Eignung und eine Stellungnahme einer fachkundigen Stelle. In der ersten Phase wird für sechs Monate das zuletzt bezogene Arbeitslosengeld zuzüglich 300 € monatlich zur sozialen Absicherung gezahlt; die zweite Phase kann weitere neun Monate mit 300 € monatlich umfassen.

Achtung: Viele Förderprogramme müssen vor Vorhabensbeginn beantragt werden. Unterschreiben Sie Kauf-, Miet-, Beratungs- oder Lieferverträge erst, wenn die Förderbedingungen geprüft sind.

Gewerbe, Finanzamt und weitere Anmeldungen

Die richtige Anmeldung hängt davon ab, ob Sie gewerblich oder freiberuflich tätig sind, ob Sie Personal beschäftigen und welche Branche betroffen ist.

Anmeldungen für Gründer
Stelle Wann relevant? Hinweis
Gewerbeamt Gewerbliche Tätigkeit Freiberufler melden grundsätzlich kein Gewerbe an, sondern direkt steuerlich beim Finanzamt.
Finanzamt Jede selbstständige Tätigkeit Fragebogen zur steuerlichen Erfassung elektronisch übermitteln; Steuernummer und USt-Fragen klären.
IHK / HWK Gewerbe bzw. Handwerk Mitgliedschaft kann automatisch durch die Gewerbeanmeldung ausgelöst werden.
Handelsregister GmbH, UG, Kaufmann, bestimmte Gesellschaften Notarielle Beurkundung und Registereintragung einplanen.
Berufsgenossenschaft Grundsätzlich für Unternehmen Zuständige BG innerhalb einer Woche nach Unternehmensbeginn informieren.
Betriebsnummern-Service Beschäftigung von Mitarbeitern Betriebsnummer vor der ersten Lohnabrechnung beantragen.
Erlaubnisbehörden Reglementierte Branchen Zum Beispiel Gastronomie, Bewachung, Makler, Handwerk, Personenbeförderung.
Achtung / veralteter Hinweis: Gründer sollten nicht darauf warten, dass automatisch Post vom Finanzamt kommt. Der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ist heute regelmäßig elektronisch zu übermitteln.

Steuern für Gründer: Was kommt auf Selbstständige zu?

Welche Steuern anfallen, hängt von Tätigkeit, Rechtsform, Gewinn, Umsatz und Beschäftigten ab. Die wichtigsten Steuerarten sind Einkommensteuer, Umsatzsteuer, Gewerbesteuer, Lohnsteuer und bei Kapitalgesellschaften Körperschaftsteuer.

Wichtige Steuerarten für Gründer
Steuer Wer ist betroffen? Aktueller Kernpunkt
Einkommensteuer Einzelunternehmer, Freiberufler, Gesellschafter von Personengesellschaften Vorauszahlungen realistisch festsetzen und Rücklagen bilden.
Gewerbesteuer Gewerbliche Unternehmen Freibetrag 24.500 € für natürliche Personen und Personengesellschaften; Messzahl 3,5 %.
Umsatzsteuer Unternehmer mit steuerbaren Umsätzen Regelsteuersatz 19 %, ermäßigter Steuersatz 7 %; Vorsteuerabzug nur bei ordnungsgemäßen Rechnungen.
Kleinunternehmerregelung Unternehmer mit geringen Umsätzen Seit 2025: 25.000 € Vorjahresumsatz und 100.000 € laufender Jahresumsatz.
Körperschaftsteuer GmbH, UG, AG 15 % Körperschaftsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag.
Lohnsteuer Arbeitgeber Bei Mitarbeitern: Lohnsteuer einbehalten, anmelden und abführen.

Umsatzsteuer-Voranmeldungen

Ob monatliche oder vierteljährliche Umsatzsteuer-Voranmeldungen abzugeben sind, richtet sich grundsätzlich nach der Umsatzsteuer des Vorjahres. Bei einer Vorjahressteuer von mehr als 9.000 € ist regelmäßig der Kalendermonat maßgeblich; bei geringer Steuerlast kann das Kalendervierteljahr genügen.

Steuer-Tipp: Prüfen Sie die Kleinunternehmerregelung nicht nur nach Verwaltungsaufwand, sondern wirtschaftlich. Wer hohe Investitionen mit Vorsteuer tätigt, kann durch Regelbesteuerung trotz Mehraufwand besser stehen.

Welche Rechtsform passt zur Gründung?

Die Rechtsform beeinflusst Haftung, Besteuerung, Buchführung, Kapitalbedarf, Außenwirkung und spätere Beteiligungs- oder Verkaufsfähigkeit. Es gibt keine pauschal beste Rechtsform.

Rechtsformen im Gründervergleich
Rechtsform Geeignet für Vorteile Risiken / Pflichten
Einzelunternehmen Solo-Gründer, Freiberufler, kleine Gewerbe Schnell, günstig, einfache Struktur Unbeschränkte persönliche Haftung
GbR Mehrere Gründer mit gemeinsamem Projekt Einfacher Start, flexible Zusammenarbeit Persönliche Haftung aller Gesellschafter
UG haftungsbeschränkt Haftungsbegrenzung bei geringem Startkapital Kapitalgesellschaft mit geringem Mindestkapital Notar, Register, Bilanzierung, strengere Formalitäten
GmbH Größere Vorhaben, Haftungsbegrenzung, Investorenfähigkeit Professionelle Außenwirkung, beschränkte Haftung Stammkapital, Notar, Bilanzierung, laufende Kosten
GmbH & Co. KG Größere Familien- oder Beteiligungsstrukturen Flexibel bei Beteiligung und Gewinnverteilung Komplexe Struktur, höhere Beratungs- und Buchführungskosten
Achtung: Haftungsbegrenzung ersetzt keine saubere Geschäftsführung. Geschäftsführer einer GmbH oder UG können bei Steuer-, Sozialversicherungs- oder Insolvenzantragspflichten persönlich haften.

Buchführung, E-Rechnung und Belege von Anfang an organisieren

Gründer sollten die Buchhaltung nicht erst am Jahresende sortieren. Saubere Belege, Rechnungsläufe, Zahlungskontrolle und Umsatzsteuer-Voranmeldungen sind laufende Aufgaben.

EÜR oder Bilanz?

Viele Freiberufler und kleinere Gewerbetreibende können den Gewinn per Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermitteln. Gewerbliche Unternehmer können nach § 141 AO insbesondere bei mehr als 800.000 € Umsatz oder mehr als 80.000 € Gewinn buchführungspflichtig werden. Handelsrechtlich sind Einzelkaufleute unter bestimmten Voraussetzungen bis 800.000 € Umsatzerlöse und 80.000 € Jahresüberschuss von Inventur- und Buchführungspflichten befreit.

E-Rechnung seit 2025

Seit 2025 gilt im inländischen B2B-Bereich die neue E-Rechnungs-Systematik. Unternehmer müssen E-Rechnungen empfangen können; für die Ausstellung gelten Übergangsregelungen. Eine PDF-Datei ist keine strukturierte E-Rechnung im engeren Sinne.

Beleg-Check für Gründer

  • Geschäftskonto einrichten und private Zahlungen vermeiden.
  • Rechnungsnummernkreis festlegen.
  • Umsatzsteuer, Vorsteuer und Kleinunternehmerstatus sauber trennen.
  • Belege digital revisionssicher ablegen.
  • Offene Posten wöchentlich prüfen.
  • Steuerrücklagen monatlich umbuchen.

Versicherungen und soziale Absicherung für Selbstständige

Selbstständige müssen ihre Absicherung aktiv planen. Krankenversicherung ist Pflicht; Altersvorsorge, Berufsunfähigkeit, Haftpflicht und branchenspezifische Risiken sollten früh geprüft werden.

Versicherungen für Gründer
Versicherung Für wen wichtig? Hinweis
Kranken- und Pflegeversicherung Alle Selbstständigen Gesetzlich freiwillig oder privat; Familien- und Rückkehrfragen beachten.
Berufshaftpflicht / Betriebshaftpflicht Dienstleister, Berater, Handwerk, Gesundheits- und Kreativberufe Schützt vor Personen-, Sach- und Vermögensschäden je nach Vertrag.
Berufsunfähigkeit Alle, deren Einkommen von eigener Arbeitskraft abhängt Gesundheitsfragen früh klären; spätere Absicherung kann teuer werden.
Altersvorsorge Alle Selbstständigen Gesetzliche Pflicht kann je nach Berufsgruppe bestehen; private Vorsorge prüfen.
Cyber- und Elektronikversicherung Online-Shops, IT, Beratung, datenintensive Unternehmen Relevant bei Datenverlust, Ausfall, Angriffen und Datenschutzvorfällen.
Geschäftsinhalts- und Betriebsunterbrechung Handel, Gastronomie, Produktion, Bürobetriebe Schützt Inventar und Ertragsausfälle nach versicherten Schäden.

Typische Gründerfehler vermeiden

  1. Ohne Businessplan starten: Idee, Kosten, Markt und Liquidität bleiben zu unkonkret.
  2. Kapitalbedarf zu knapp rechnen: Anlaufverluste, Steuern und private Lebenshaltung fehlen.
  3. Falsche Rechtsform wählen: Haftung, Steuern und Verwaltungskosten werden unterschätzt.
  4. Kleinunternehmerregelung falsch einschätzen: Kein Umsatzsteuerausweis, aber auch kein Vorsteuerabzug.
  5. Steuervorauszahlungen ignorieren: Nachzahlungen treffen oft zeitversetzt und unerwartet.
  6. Belege nicht ordnungsgemäß sammeln: Vorsteuerabzug und Betriebsausgaben können gefährdet sein.
  7. Versicherungen aufschieben: Haftungs- und Krankheitsrisiken können existenzbedrohend werden.
  8. Preise zu niedrig kalkulieren: Unternehmerlohn, Steuern, Urlaub, Krankheit und Ausfallzeiten fehlen.
  9. Förderanträge zu spät stellen: Viele Programme verlangen Antragstellung vor Vorhabensbeginn.
  10. Private und betriebliche Finanzen vermischen: Controlling, Steuer und Liquiditätsplanung werden unübersichtlich.
Steuer-Tipp: Erstellen Sie monatlich eine einfache betriebswirtschaftliche Kurz-Auswertung: Umsatz, offene Forderungen, Kosten, Steuerkonto, Privatentnahmen, Kontostand und Liquiditätsvorschau.

Gründer-Checkliste: Selbstständig machen in 20 Punkten

  1. Geschäftsidee schriftlich formulieren.
  2. Zielgruppe und Kundennutzen konkretisieren.
  3. Wettbewerber, Preise und Marktpotenzial recherchieren.
  4. Persönliche und fachliche Eignung prüfen.
  5. Businessplan erstellen.
  6. Kapitalbedarf und private Lebenshaltung berechnen.
  7. Liquiditätsplan für mindestens 12 Monate erstellen.
  8. Fördermittel vor Vorhabensbeginn prüfen.
  9. Rechtsform steuerlich und haftungsrechtlich vergleichen.
  10. Gewerbe oder freiberufliche Tätigkeit korrekt einordnen.
  11. Gewerbeanmeldung oder steuerliche Anmeldung vorbereiten.
  12. Fragebogen zur steuerlichen Erfassung elektronisch übermitteln.
  13. Kleinunternehmerregelung oder Regelbesteuerung entscheiden.
  14. Geschäftskonto und Buchhaltung einrichten.
  15. E-Rechnungsfähigkeit sicherstellen.
  16. Rechnungs- und Belegprozess festlegen.
  17. Steuer- und Sozialversicherungsrücklagen planen.
  18. Krankenversicherung und Altersvorsorge klären.
  19. Haftpflicht- und branchenspezifische Versicherungen abschließen.
  20. Monatliches Controlling ab dem ersten Monat durchführen.

Selbstständig machen – aber steuerlich sauber starten?

Wir unterstützen Sie bei steuerlicher Anmeldung, Rechtsformwahl, Kleinunternehmerregelung, Umsatzsteuer, Buchhaltung, E-Rechnung, Vorauszahlungen und Businessplan-Zahlen. So starten Sie nicht nur mit einer Idee, sondern mit einem belastbaren steuerlichen Fundament.

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FAQ: Selbstständig machen

Wie mache ich mich selbstständig?

Beginnen Sie mit Geschäftsidee, Marktprüfung und Businessplan. Danach klären Sie Finanzierung, Rechtsform, Anmeldung, Steuern, Buchhaltung, Versicherungen und laufendes Controlling.

Muss jeder Gründer ein Gewerbe anmelden?

Nein. Gewerbetreibende melden ein Gewerbe an. Freiberufler melden ihre Tätigkeit grundsätzlich direkt steuerlich beim Finanzamt und reichen den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ein.

Wann muss ich den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung abgeben?

Die steuerliche Erfassung sollte zeitnah zu Beginn der selbstständigen Tätigkeit elektronisch erfolgen, damit Steuernummer, Umsatzsteuerstatus und Vorauszahlungen korrekt festgelegt werden.

Welche Steuern zahlen Selbstständige?

Einzelunternehmer und Freiberufler zahlen Einkommensteuer. Gewerbetreibende können zusätzlich Gewerbesteuer zahlen. Unternehmer sind häufig umsatzsteuerpflichtig. Kapitalgesellschaften zahlen Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer.

Wann lohnt sich die Kleinunternehmerregelung?

Sie kann sich lohnen, wenn Sie überwiegend an Privatkunden verkaufen und wenig Vorsteuer aus Eingangsrechnungen haben. Bei hohen Investitionen oder B2B-Kunden kann Regelbesteuerung günstiger sein.

Wie viel Kredit gibt es beim ERP-Gründerkredit – StartGeld?

Aktuell sind bis zu 200.000 € möglich, davon bis zu 80.000 € für Betriebsmittel. Die Beantragung erfolgt über Bank oder Sparkasse.

Wer bekommt Gründungszuschuss?

Der Gründungszuschuss kann bei hauptberuflicher Selbstständigkeit aus dem Arbeitslosengeld-I-Bezug gewährt werden. Er ist eine Ermessensleistung und setzt unter anderem Tragfähigkeit und persönliche Eignung voraus.

Welche Versicherungen brauchen Selbstständige?

Unverzichtbar sind Kranken- und Pflegeversicherung. Je nach Tätigkeit sind Betriebs- oder Berufshaftpflicht, Berufsunfähigkeit, Altersvorsorge, Cyberversicherung und Sachversicherungen wichtig.

Downloads und Rechner

Quellenverzeichnis

  1. § 138 AO – Anzeigen über die Erwerbstätigkeit und steuerliche Erfassung; Rechtsstand: 28.06.2026.
  2. § 19 UStG – Kleinunternehmerregelung: 25.000 € Vorjahresumsatz und 100.000 € laufender Jahresumsatz; Rechtsstand: 28.06.2026.
  3. § 18 UStG – Umsatzsteuer-Voranmeldungszeitraum, u. a. monatlich bei Vorjahressteuer über 9.000 €; Rechtsstand: 28.06.2026.
  4. § 12 UStG – Umsatzsteuersätze 19 % und 7 %; Rechtsstand: 28.06.2026.
  5. § 14 UStG und BMF-FAQ zur E-Rechnung – obligatorische E-Rechnung im B2B-Bereich seit 2025 mit Übergangsregelungen; Rechtsstand: 28.06.2026.
  6. § 141 AO – steuerliche Buchführungspflicht bei mehr als 800.000 € Umsatz oder mehr als 80.000 € Gewinn; Rechtsstand: 28.06.2026.
  7. § 241a HGB – handelsrechtliche Befreiung bestimmter Einzelkaufleute bis 800.000 € Umsatzerlöse und 80.000 € Jahresüberschuss; Rechtsstand: 28.06.2026.
  8. § 11 GewStG – Gewerbesteuer-Freibetrag 24.500 € und Steuermesszahl 3,5 %; Rechtsstand: 28.06.2026.
  9. §§ 93, 94 SGB III – Gründungszuschuss, erste Phase und zweite Phase; Rechtsstand: 28.06.2026.
  10. Bundesagentur für Arbeit – Gründungszuschuss beantragen, Voraussetzungen und Förderphasen; Stand: 28.06.2026.
  11. KfW – ERP-Gründerkredit StartGeld, Programm 067: bis 200.000 € Kredit, davon bis 80.000 € Betriebsmittel; Stand: 28.06.2026.
  12. KfW – ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge, Programm 077: bis 500.000 € je Antragsteller; Stand: 28.06.2026.
  13. BMWK – Informationen zur Existenzgründung, Businessplan, Finanzierung und Gründerangebote; Stand: 28.06.2026.

Dieser Beitrag stellt keine individuelle steuerliche Beratung dar und ersetzt nicht das Gespräch mit einem Steuerberater.

Rechtsgrundlagen zum Thema: existenzgründung

EStG 
EStG § 3

UStR 
UStR 112. Ergänzungsschulen und andere allgemein bildende oder berufsbildende Einrichtungen


Weitere Informationen zu diesem Thema aus dem Steuer-Blog:


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